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Krämer warf einen Blick ängstlicher Besorgniß 'N die Thür welche zum Schlafzimmer seiner Tochter -* Ihrte, er bemerkie nicht, daß die Augen Schmelzers diesem Blicke folgten und ein Lächeln des Triumphes ider die häßlichen Züge diese- Menschen glitt
— »Laßt uns gute Freunde bleiben,* fuhr der Letztere nach einer Pause fort, „denn so wahr ich Jacob Schmelzer heiße und ein Sohn de- freien Amerikas bin, so wahr stürze ich Euch in die Grube, wenn eS ^uch einfallen sollte, mir eine solche zu graben. Zahlt die Summe, die Ihr mir bis heule vorenthalten habt, s« gehe ich in meine Heimath zurück, das Klima hi« behagt mir nicht.*
„Gloubs gerne,* versetzte Krämer sarkastisch, „der Raum wo in jedem Winkel eine Katze lauert, gefällt den Mäusen nicht Bevor ich Eurer Forderung nach- f komme, verschafft mir das Dokument."
»ahme aller seiner Geschäfte nach Berlin zutückzu- kehren. Inzwischen arbeitet das Kriegs Ministerium an einer Bermehrung und Neuformation der Feldar- lillerie, mit welcher am 1. October d. I. nach Maß- - gäbe der Mittel deS bewilligten Pauschquantums für
bett Militär Etat — begonnen werden soll, und wie cs heißt, an einer „Denkschrift* darüber für den Reichstag.
Der Geburtstag des Kaisers von Oesterreick würbe am 18. August in gewohnter Weise gefeiert Auch in Gastein fand an diesem Tage ein großes Festdiner statt, bei welchem der Deutsche Kaiser aus die herzlichen Beziehungen zwischen den Monarchen und Völkern von Oesterreich und Deutschland trank. DaS trid: tigere Ereigniß dieser Woche in Oesterreich lag jedoch nicht auf politischem Gebiete: Die ultra- montane Action tritt immer kühner hervor und droht eine böse Zukunft; die Massenbewegungen zu Gunsten des heiligen Vaters, die unter Führung deS CleruS die Spaßen zu den Wallfahrtsstätten füllen, nehmen eine ganz entschieden fanatisch. politische Gestalt an; die Drohungen und Schmähungen der feubaUckrkalen Organe bei Gelegenheit der Reise des Kaisers nach Berlin übersteigen alles Matz. In Prag ist den Czechcn großes Leid widerfahren: kaum hatten sie einen Verräther im eigenen Lager in Sabbina, ihrem größten Schriftsteller, entdeckt, als sie erleben mußten, daß eines ihrer größten Licht« und Großwühler StrejschowSky wegen gemeiner Unt«fchlagung ber Jnseratensteu« verhaftet wurde. Die Einwanderung der Jesuiten nach Oesterreich dauert fort.
Der BundeSrach der «Schweiz hat sich u. 81. mit kirchlichen Streitigkeiten deS CantonS Genf zu beschäftig :gen. In der Sitzung vom 20. d. M. beantwortete «er eine Intervention der französischen Regierung zu Gunsten der „Ehriftlichen Brüder"; berät'Corporation aus Genf aüsgewiesen worden: Eine eigentliche Aus Weisung liege nicht vor, da dem einzelnen Ordensmit- gliede d« Aufenthalt gestaltet sei. Der' Streit um die staatliche Anerkennung eine- neuen, von Freiburg losgelösten BisthumS zu Genf dauert fort.
Währmd feit vem 19. d. die Generalräche Frankreichs provinzielle Einrichtungen berathen, benutzt Herr Thiers feinen Badeaufenthalt in Trouville zu Schießübungen mit neuen Geschützen. Unterbrochen wurde dieses Vergnügen nur durch eine kleine bona- parti stische Demonstration, ausgeführt von einigen Mexikanern und Russen, erstere wurden auS Frankreich ausgewiesen, ber Polizei-Commissar wegen man
Schuld, ich habe ihn deutlich genug gefragt, ob er das Domment freiwillig herausrücken wolle.
„Gebt her, gebt Herl" tief Krämer ungeduldig. „Die Nebenumstände macht mit Eurem eigenen Gewissen ab, ich habe keinen Theil daran.*
. „Oho!" versetzte Schmelzer, indem er einen Schritt zurücktrat und den Rmlicr mit einem Blick maß, in welchem Haß und Rachsucht sich spiegelten. „Pfeift Ihr aus dem Loche? Ihr gabt mir den Auftrag, mich veS Papiers zu bemächtigen, einerlei auf welchem Wege; ich war nichts weiter als ein Werkzeug in Euren Händen und Ihr seid für Alles verantwortlich, was Ihr durch Eu« Werkzeug angerichtet habt. Das ist meine Meinung und dabei bleibe ich!»
Der Vagabund schlug bei den letzten Worten mit der Faust heftig auf den Tisch und knöpfte bann bett Rock bis unters Kinn zu.
„Zhr mußt fort, so halb wie nur möglich", nahm Krämer bas Wort. „Gebt mir baS Documetit, ich will Euch bie hundert Louisd'vr zahlen, bann reift heute noch ab.
„DaS heißt, nachdem wir zuvor mit emftnbet ab gerechnet haben", unterbrach Schmelz« ihn gelassen „Ahr schuldet mir hundert Lvuisb'or bafür, daß ich —• - ,,Jch weiß, ich weiß", rief Krämer ungeduldig, „hier habt Ihr das Geld, und nun daS Papier!"
Der Vagabund öffnete bie beiben Rollen, welche ber Rentier ihm überreichte, zählte mit unerschütterlich« Ruhe bie Goldstücke und ließ sie in die Taschen seiner Sammthose gleiten. „Bon, die Schuld wäre abgemacht."
„Keineswegs, ich v«lange nur den Lohn für meine Arbeit Weigert Ihr Euch, ihn zu zahlen, so werbe ich den Akt mit all« Ruhe burchstubi«en und den Inhalt desselben als Maßstab für seinen Werth atr nehmen, vielleicht sehe ich mich bann veranlaßt, meine
»ES ist hier in mein« Tasche," entgegnete Schmelzer gelassen, „was gebt Ihr dafür?" T'“
Tie Augen Krämers funkelten. „Ihr habt meinen Auftrag schon vollzogen?« fragte er hastig.
„Alles in bester Ordnung. S'ist mir freilich et--' »as schwer geworden, der K«l war stärker als ick dermuthete, und um ein Haar breit hätte et mich Überwältigt, aber ich hielt seine Gurgel fest in meinen Händen* —
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Ein böses Gewissen.
Bon Ewald August König.
(Fortsetzung.) . .... '< ■.</
; JRarftlirg, Sonntag, den 25 August. .
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„Ihr habt ihn ermordet?" fiel ber Rentner cnt- ntzt ihm ins Wort.
„Ich habe mich nicht »eiter um ihn bekümmert; er sich in fein Schicksal «gab unb ich auf keinen Widerstand mehr stieß, ließ ich ihn liegen. Hat ihm —' ber Druck den Athem benommen, so ist eS seine eigene
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Oterhessische Zeitung
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal der Overhesfischen Leitung mit KrelSblvtt durch die Srpedition (Kochlch Buchdruck er ei) bezogen 881 Ggr., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr und ind. Stempelsteuer), für das Ausland erd. Stempel 88 Gar —
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gelnber Aufmerksamkeit aber nach Elbeuf versetzt, — Die beabsichtigte Feier beö 4. September ist durch ein Rundschreiben des Ministers des Innern verboten, ebenso sind in Paris bie Journale, namentlich die bonapartistischen, an bas Fortbestehen deS BelageruiigS- zustanbes erinnert worben.
Die italienische Regierung tfr fortwährend mit ber schwierigen römischen Klosterfrage beschästigk. Sie wirb im Princip baran festhalten müsseit, baß das Vermögen vieler dieser Körperschaften interddtio» nölen Ursprunges ist, begegnet aber dabei der Schwierigkeit , diese ungeheueren Mittel einer in ihrer Residenz wohnenden und ihr absolut feindlichen Macht ausliefern zu müffen. Da außerdem an bet Existenz »er zur allgemeinen Verwaltung ber Kirche gehörenbett Körperschaften nicht gerührt werben darf, so wirb die Hauptstadt Italiens immer noch eine Menge von Klöstern in ihrem Sckooße bergen. — Die königliche Familie Italiens ist auf Reisen: Prinz Humbert im Lager von Somma, um den großen Feldübungen beizuwohnen, Victor Emanuel in Rom, wohin er von Turin gekommen ist und von wo er am 25. nach Mailand gehen will, und Prinzessin Margherita in Ostende. Die innere Poliftk ist still.
In Spanien hat König Amadeu» "seine Reist am nördlichen Seegestade von Bilbao über Gijon, Trubia, Aviles, Ferrol, Corunna und zurück nach Santander fortgesetzt und wird bald wieder in 'Madrid eintreffen. Die Parteien rüsten sich jede nach ihr« Art für den nächsten Wahlgang. Während unter een verfassungsfeindlichen Fraktionen für gänzliche Nichtbetheiligung agitirt wird, sind bie Radikalen rührig. Zorilla entwickelte' am 18. d. TL vor einer Versammlung sein« Wähler das Programm der Regierung Der Rechtsstaat soll zur Wahrheit werden in Spanien, bie individuelle Freiheit zum vollen Rechte' kommAx, bie, Unabhängigkeit der Wahlen geschützt werden.' Bezüglich d« Colonteen sollest die traditionellen Begriffe über die Ehre und Integrität Spaniengeschützt, der finanzielle Wohlstand aber auf eine sichere Grundlage gestellt und die tiefen Schäden der Verwaltung durch kräftigen Schnitt entfernt werden. Daß dies alles feine großen Schwierigkeiten bat, gestand Zorilla selbst ein. 1 - v ■
Forderung etwas höher zu schrauben. Ja, ja, so wirb es am befielt fein", setzte et hinzu, indem « fick zur Thür wandte, „die Sache eilt so sehr nicht, vorläufig habe ich genug, um mich' einige Wochen anständig durchzuschlagen." ' *■
Der Rentier mochte Gründe haben, bett BaAct- buttben von diesem Vorhaben abzuhaltest; laS Schmelzt den Akt, so stellte er vielleicht ebenso übertriebene Forderungen, wie Wetterait sie gestellt hatte. Er hielt den Vagabunden am Arme zurück und «flirte sich bereit, die fünfzig LouiSd'or zu zahlen, unter ber Bedingung jedoch, baß Schmelz« sich sofort über bie Grenze begebe.- • >
Der Lchtere wollte von dies« Bedingstitg niM wissen; « werde abreisen, so bald es ihm Zeit dünke, erwiederte er, doch solle diese Adtecse sich st lange nicht'mehr histausschieben. ?
Krim«, als er einsah, daß süne BorstellunM nicht- fruchtetest, zahlte eMich da- Gelb und nah« bafür ben Akt in Empfang. Nachdem er sich über« zeugt hatte, daß dieses Papier das richtige Original Dokument war, schloß er rt rn seine Schatulle urtb ' «suchte dann den Vagabunden, sich zu entfernen. „Wir 'sind jetzt gefchiedene Leute", sagte er, „Ihr habt in meiner Wohnung nichts mehr zu suchen und ich rntyb Euch, mir fern zu bleiben, denn
„Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan,' bet Mohr kann gehen I" r«itirte Schmelz«, indem er die Mütze auf den Kopf setzte. „Da- alte Sprichwort, — na, wir werden ja sehen, wie lange e- bei uns Süch hält. Ihr habt mich doch noch einmal nöthig, deshalb bleibe ich noch einige Tage hier:"
Als der Schurke sich entfernt halte, tauschte btt Rentier einen Augenblick an b« Thür des Weben» zimmer-, unb ein Lächeln ber Brfrirdrgung glitt über seine Züge, fit« er km Geräusch in der tStwbewrmtytt.
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NpsipsslttlNKN sür ben Monat September ÖC|llrullUl|vll werben auf bie „Obrrhrsfischr Zeitung" von allen Postanstalten unb auf bent fiaiibe von bett Lanbpoftbotett angenommen.
‘ Politische Wochen-Uekttficht.
Die Jnspcciionett unseres Kronprinzen übet bie würtembergischen unb baierischeii Truppen haben sich zu einem wahren.Triumphzuge für bcnfclben gestaltet, unb berfelbe herzliche Empfang wie in Würlemberg wurde ihm auch in Baiern zu Theil. — Näher rücken die Tage der Drei-Kaiser-Zusammenkunft in der Haupt stabt des deutschen Reiches, und in den verschiedensten diplomatischen Kreisen fehlt es nicht an Conjecturen, die sich hieran knüpfen. Fütst Bismarck wird ben neueren Nachrichten zufolge ben Septemherfesten beiwohnen. Was bie Gegenstände etwaig« Verhand- luttgen aber anbetrifft, so dürfte die Anwesenheit des Fürsten Reichskanzlers schon mit dazu beitragen, daß die Fürsteubegegnung nicht zu anderen Zwecken aus gebeutet werde, als denjenigen, welche sich die Anreger der Zusammenkunft selbst vorgesetzt. Eine etwaige frühere Räumung ber occupirten französischen Laubes theile burch eine Einwirkung ber Gäste auf ba« Gefühl unseres Kaisers zu «reichen, oder ein anderes Abkommen mit Nordschleswig, worauf man in Kopen Hagen rechnete, auf diesem Wege zu erzielen, bürften in Paris als in Kopenhagen bald als ebenso getäuschte Hoffnungen sich ergeben, wie bie Erwartung, bie Sache Königs Georg unb bie braunschweigische Thronfolge im welfischen Sinne werbe in Anregung gebracht wer ben. — Für bett nächsten preußischen Lanbtag wirb im Cultus Ministerium, wie eS heißt, eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen ausgearbeilet Behufs gesetzlicher Klar- und Feststellung ber in Ungewißheit unb Schwanken gerochenen staatlich-kirchlichen Rechtsverhältnisse. Der Minister Dr. Falk leitete von seinem schlesischen Lanbaufenthalte her biese arbeiten selbst; et gedenkt in einigen Togen jur völligen Wieberitb«