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Marburg, Freitag, dm 23 August, l

1873.

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Wenn Ihr nach C.

Gottfried wandte sich um.

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1-5 *vkst, so folgt mir," entgegnete er,aber seht Euch

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oder minder um eine Fortsetzung des alten römisch­deutschen Reiches. Als weitere Folge ward dann auch der Wunsch laut, daß der neue Kaiser die Kleinodien des römischen Reiches wieder erhalten und mit dem herkömmlichen Gepränge in der alten Krönungsstadt Aachen gekrönt werden möge.

Aus den erwähnten kaiserlichen Kundgebungen ist zu erkeimen, daß der klare Blick des Monarchen sich von vornherein einen Standpunkt gewählt hatte, welcher gleichmäßig den Ueberlieferungen der Vergangenheit und den Thatsachen der Gegenwart ihr volles Recht zu Lheil werden läßt. Es entsprach nicht dem Sinne des Kaisers, die Abzeichen des Königreichs Preußen ohne Weiteres fortan als Abzeichen des Deutschen Kaiserreiches gelten zu lassen, weil ein solches Ver fahren der Auffassung Raum gegeben hätte, als solle dem neuen Kaiserlhum nicht eine umfassende nationale Bedeutung beigelcgt, sondern ein ausschließlich preußi scheS Gepräge aufgedrückt werden. Ebenso fern lag es aber dem Fürsten, bei der Erinnerung an die alte Herrlichkeit des Vaterlandes etwas Anderes in das Auge zu fassen, als die im Kaiserthum verkörperte Einheit der Nation, oder gar an die Wiederherstellung alter Einrichtungen und Formen zu denken, welchen der Zusammenhang und die Verträglichkeit mit den Gestaltungen der Gegen- wart fehlen. Deshalb wurde sogar für den neuen deutschen ReichS-Adler der unbedingte Anschluß an das Muster der irrthümlich auf Karl den Großen zurück- geführten Krone deS römisch-deutschen Reichs abgelehnt, weil dieselbe auf den Gedanken eines erloschenen Kaiserthums hinweist, welches als Wahlmonarchie und wegen seiner Beziehungen zur römischen Kirche keine Verwandtschaft mit der neuen Kaiserwürde hat. Da gegen erkannte Kaiser Wilhelm es als eine Pflicht der Dankbarkeit gegen die Geschichte deS preußischen Volkes und seiner Herrscher, daß in dem Wappen und den Abzeichen des neuen Kaiserthums nicht bloS die In­signien des preußischen Königreichs, sondern auch die hohenzollerisch - brandenburgischen Ueberlieserungen zur Anschauung gelangen.

Vollends ist in ernsten politischen Kreisen nie

dämmten Augen auS dem Wegei--Wenn Zhr

was wollt geht in die Stadt, der reiche Schuft war der Anstifter."

Entsetzt blieb Gottfried stehen; die innere Angst, welche in diesen Worten sich ausdrückte, ließ ihn mit dem, der sie sprach, Mitleid empfinden, er vermulhete, daß jener Mensch eine Schuldenlast auf dem Gewissen haben müsie. -u . -

Was wollt Ihr?" fragte der Vagabund, als er nähertretend den jungen Mann bemerkte.Habt Zhr Lust, mit mir anzubinden? Zch bin ein freier Ame­rikaner, das mertt Euch, die Polizei kann mir nichts anhaben! Geht Eurer Wege und laßt mich unge­schoren."

Ihr müßt schwer gesündigt haben," versetzte Gott­fried ernst,die Angst Eures bösen Gewissen« drückt sich in-jedem Worte aus, welches Zhr sprecht. "

Hält Dein Maul!" fuhr der Vagabund rasch auf.Was kümmert Dich dar Gewäsch anderer Leute? Kehre vor Deiner eigenen Thüre. Zch bin an der ganzen Geschichte so unschuldig, wie ein neugeborene» Kinv", fuhr er zutraulich fort, indem er seine Hand auf den Arm des jungen Manne» legte und gleichen Schritt mit diesem zu halten versuchte,der Renner in der Stadt, der reiche Hallunke, hat mir den Auf­trag gegeben."

Welcher Rentier?" forschte Gottfried.Krämer?"

Na ja, der Krämer, wer ander« ? Aber der Hund soll da» Papier herauSgeben, und wenn ich da» Pa­pier habe, dann soll auch der Krämer herausrücken mit den hundert Louisd'ors. Znzwischen habe ich ihm etwas eingeheizt, daß ihn heute Nacht nicht friert. Wortbrüchig ist der Kerl geworden und deshalb

davon die Rede gewesen, die Kleinodien des ehemaligen römisch-deutschen Reiches zur Benutzung für das neue R"ch in Anspruch zu nehmen. Diesen Kleinodien (darunter die alte Reichskrone) wurden int Jahre 1796 nach Wien geflüchtet und befinden sich daselbst im Gewahrsam der kaiserlich österreichischen Schatz­kammer. Sie gehörten dem Reiche an, und für das­selbe fehlt es daher seit 1806, wo das römische Reich deutscher Nation zu bestehen aufhörte, an einem be­rechtigten Eigenthümer. Indessen befindet Oesterreich sich seit vielen Jahrzehnten im thatsächlichen Besitz dieser Gegenstände, auf welche Niemand, auch nicht das neue Deutsche Reich, begründete Rechte geltend machen kann.

Allen unklaren Auffassungen und Wünschen gegen­über, die auch neuerdings wieder laut geworden find, hat Kaiser Wilhelm in achtungsvoller Rücksichtnahme auf die geschichtlichen und rechtlichen Verhältnisse seine Entscheidung getroffen und besondere Vorschriften über Krone, Adler und Wappen des neuen Reiches ertheilt. In Betreff der au da» römisch-deutsche Reich er­innernden Abzeichen hatte der Monarch offen und entschieden erklärt, daß er nicht daran denke, sich eine Kaiserkrone anzueignen, die er nicht besitze und die fr zu besitzen kein Bedürfniß fühle. -<

Sv ist auch bei den Anordnungen de» Kaiser» über die Abzeichen des neuen Deutschen Reiche« der Wahlspmch des preußischen Königshauses zur rich- tign Geltung gelangt:Jedem das Seine." (Prov.-Cor.)

So lauft in de» Kuckuks Namen," fuhr der Va- ^bund fort, indem er feilte Schritte beschleunigte, komme früh genug hin, um das Geschäft abzu-

Ein döskS Gewissen.

Bon Ewald August König. (Fortsetzung.)

Die Abzeichen deS Deutsche» Reiches.

Nicht als ein von langer Hand vorbereitetes Werk kam daS Deutsche Reich zum Dasein; e» entsprang au* dem Drang gewaltiger Ereigniffe und aus dem Herzenswünsche der deutschen Nation, welchem die deutschen Fürsten, unter Vortritt des Königs Ludwig von Baiern, zur rechten Stunde den angemessene» Ausdruck gaben. Sv stand das Reich, unter der Ob Hut der Krone Preußen und auf den schon erprobten Grundlagen de« Norddeutschen Bundes, bereits in Kraft und Wirksamkeit, ehe man daran gehen konnte, die äußere Ausstattung des neuen Staatengebildes mit den üblichen Abzeichen zu regeln.

Eine vor Kurzem erschienene Schrift (Die Attri­bute des neuen Deutschen Reiches von Dr. R. Graf Stillfried. Berlin, Verlag von Alexander Duncker) enthält beachtenSwerthe Mittheilungen über die Fragen, welche dabei in Betracht kommen, und über die Ge­sichtspunkte , welche für die gefaßten Beschlüsse maß gebend waren.

Die Kaiserwürde war durch den einmüthigm Be­schluß aller deutschen Regierungen und unter Zustim mung aller deutschen Stämme demKönig von Preußen" übertragen worden, und der preußische Monarch hatte ausdrücklich erklärt, daß er den Kaisertitel für sich und seine Nachfolger an der Krone Preußen führen

werde. Damit war eine innige Lebensgemeinschaft zwischen Deutschland und Preußen hergestellt und für alle Zukunft der jedesmalige König von Preußen als ber geborene Deutsche Kaiser bezeichnet. So erschien e« auch unbedenklich, daß einstweilen die Abzeichen des preußischen KinigthnmS zur Vertretung der Reichs

.He, he, guter Freund," rief ber letztere, dessen Äußeres genau dem eine» Vagabunden glich,seid »och so gut, zeigt mir den Weg nach C., der Bür- iermeister wird'S Euch Dank wissen. So bleibt doch kheu ober hol' mich ber Henker, ich brenne Euch tiuen Revolver auf den Pelz, daß Ihr"

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Er mochte etwa bi« Hälfte de» Weges zurückgelegt »üben, al« er plötzlich auf einen Mann stieß, der, wie Gottfried schon au« der Ferne p» bemerken glaubte, ! klnen ziemlichen Rausch hatte. Der unsichere; schwan- i f ®an8 und die heftigen Gestikulationen dieses Menschen, der bald hier, bald da stehen blieb, um in vch hinein zu reden, bald weiter schwankend über einen Stein stolperte ober gegen eine Pappel rannte, würden m jedem andern Augenblick die Heiterkeit Gottfried« erregt haben, heute aber erfüllte es ihn mit Abscheu, «.wollte eilig vorbeischreiten, als der Berauschte ihn nrief.

Die Consultation war beendet, der Advokat erhob sich und Gottfried verließ jetzt da« Haus, nachdem n dem Freunde, welcher ber Bitte Schacht« nachge- benb, noch ein Stündchen zu bleiben beschloß, mit »rmer Herzlichkeit gedankt halte. Trotz seiner- - bigkeit und Abspannung eilte er mit raschen Schritten der Heimath zu, der Gedanke an die Mutter, welche vielleicht schwer erkrankt auf dem Schmerzenslager lag . «Nb auf da« Geräusch horchte, ob der Sohn beim

>vch immer nicht in ihre Arme eile, verlieh ihm »lüget . -

Deutsches Reich.

Berlin, 22 Aug. Wie man hört, wird unter ben Anfangs September hier eintreffenben fürstlichen (Säften sich auch der Großherzog von Oldenburg be­finden. Im Zusammenhänge mit der Dreikaifer- Zusammenkunft steht wohl auch der Leitartikel ber heutigenProv.- Eorresp." über die Abzeichen befl deutschen Reiches. Von manchen Seiten hat man ber« la»gt, unsere Regierung solle die Kleinodien de« hei­ligen römischen Reiches von Oesterreich zurückfordern. Die Prov^Corresp^" iheilt eine diesbezügliche Aeuße- na, ich will lieber schweigen. lleberhaupt wer seid Ihr? Wa« wollt Ihr von mir?--He,

sagt einmal, kennt Ihr die Tochter Krämers? Em hübsche« Ding, wi« ? Ra, gebt acht, wenn ich einmal wieder nach Amerika reise, dann reist sie mit. Paßt auf, ich hab« gejagt, und drüben - na, drüben wirb sie sich schon barin finden! Hurrah, das freie Amerika!

Gottfried ließ den Betrunkenen schwatzen, ein furcht­barer Verdacht war in seiner Seele erwacht. In welchen Beziehungen stand dieser Mensch zu Krämer- Weicher Art konnte die Verpflichtung fein, welche den Rentner zum Schuldner dieses Subject« machte? Und überhaupt welchen Sinn hatten die Worte des Vaga­bunden? Der junge Mann mühte sich vergeben« ab, einen klaren Blick in da» Halbdunkel zu werfen, au« welchem die Gestalt de» Ermordeten vor seinem geisti­gen Auge auftauchte. Ein Gedanke drängte den an- beren, er vermochte nicht, in dieses Chaos Klarheit und Ruhe zu bringen. Das Papier, welche« Wetterau herausrücken sollte, war es nicht das Document, für weiches Krämer dem Bürgermeister die Hand seiner Tochter zugesagt hatte? Und wenn e« dies war, durste er ruhig zusehen, daß dieser Vagabund e« an sich riß, um eS am nächsten Tage in die Hände des Rentner« zu legen ? Gottfried wußte nicht, wie er sich verhal- ten sollte? Den Bürgermeister warnen? Dadurch war nicht» gewonnen. Den Vagabunden ruhig sei» Vorhaben auSführen lassen und bann jenem das Doku­ment entreißen? Er hielt an diesem Gedanken fest. ES konnte ihm nicht schwer fallen, den Betrunkenen zu überwältigen und sich des Document« zu bemäch­tigen. Auch sah er ein, daß er sich nothwendig beider, des Aktes, wie de« Vagabunden bemächtigen mußte, de« letzteren, weil fein Verdacht, daß jener ber Mörder Krämer'« fei, eher wuchs, denn abnahm. Sein Entschluß war gefaßt, er wollte bei ber Mutter einige Minuten verweilen und dann in ber Nähe be« Bür­germeisteramtes sich verstecken, um den Bagabunb zu beobachten. Wa« barauf geschehen sollte, da» zn über-

machen. Der Kerl muß daS Papier oder so seht mich doch nicht so Habs ja nicht gethau. Was kümmert» ich hundert Lonisd'or verdienen kann, Esel, wollte ich sie zurückweisen."

Hageldonnerwetter, geht mir mit

scheint täglich außer ben Werktagen nach Eon»- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet OberßeMchen Leitung mit JtreWatt durch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen LL, Egt., durch die Postämter 27 Egt. 6 Pfg. (exel. Bestellgebühr und incL Stempelsteuer), für da» Ausland erd. Stemeel 2» «ar

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, Insignien dienen mußten und bei Eröffnung des ersten 18 51 deutschen Reichstages dem Kaiser vorangetragen wurden. Andererseits hatte der Kaiser in seiner ersten An­sprache an die geeignete Nation von demWahrzeichen ihrer alten Herrlichkeit" und von derErneuerung der seit mehr denn 60 Jahren ruhenden Kaiserwürde" gesprochen. Diese Worte waren von mancher Seite in allzuweitem Sinne gedeutet worden und dienten der Vorstellung zum Anhalt, al« handle e» sich mehr

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