' Marburg, Sonnabend, den 17 August.
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— Der Königin wurde gestern in Osborne von Lord Granville der Chef der japanefifchen Gesandtschaft, Terashima Munenori, vorgestellt, der seine Cre- ditive als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Mikado von Japan überreichte. — Die „Times" veröffentlicht zwei Briefe von Dr. Livingstone an den Rechtsgelehrten I. B. Brathwaite in London. Einer derselben, der ältere, ist fast eine literarische Curiosität. Er ist in sehr enger Schrift auf kleine Blätter auS dem Combay'er Chequebuche deS DoctorS, und beide, auS Mauyema, dem Lande der Cannibalen, datirte Briefe tragen den unverkennbaren Stempel der Echtheit. Wir heben aus dem geographischen Theile der Briefe die lesenswerthesten Stellen hervor: „Ich bin" — schreibt Dr. Livingstone — durch die schlimmste Sorte von Dienern, mit denen ich je reiste, arg behindeit worden. Hier, im Cannibalen Lande, will sich Niemand in den nächsten District wagen, auS Furcht, getödtet und verzehrt zu werden. Ich habe auf andere Leute von der Küste zu warten, und wenn sie ankommen, werden 4—5 Monate alles beenden, was zu einem vollständigen Erforschungswerke gehört. Mein Plan war, den Urquell des Ryassa-See'S zu ermitteln, die Wasserscheide zu prüfen, und in zwei Jahren eine wohllhäiige Mission wieder schräge nach dem See zu beginnen. Die Wasserscheide liegt in 100 12' südlicher Breite. Da entspringen unzweifelhaft die Quellen des Nils. Die Länge der Wasserscheide von Westen nach Osten ist 700 und 800 Meilen. So rechnete auch Ptolomäus, und die Berge auf derselben — nur ea. 7000 Fuß über der Meereefiäche — sind seine Mondberge. Der kleine Fluß, der aus dem Bictoria-Nyanzy kommt, werde niett für den Nil gellen. Webbs Lualaba, 4000 bis 6000 Ellen breit, ist stets tief, und dann IsoungS Lualaba von gleich großen Proportionen würde eine reichliche Wasserzufuhr für Ueberschwemwungen und für die enorme Verdunstung eines fast ohne Nebenflüsse befindlichen Flusses auf eine Entfernung in Breite und Länge von ca. 3000 Meilen liefern.. .. Meine ist eine Wicderentdeckung von dem, was seil 2000 Jahren in Vergessenheit gesunken. Das ist AlleS, was ich in aller Bescheidenheit billigerweise beanspruchen kann Eine Drainagenzone war selbst PtolomäuS unbekannt das ist meine, falls sich nicht herausstellt, daß bie alten Forscher, von denen Ptolomäus seine Geographie schöpfte, dieselbe vor mir kannten."
strengste Geheimniß bewahren will. ThierS selbst ist mit den Resultaten, die man bei dem Probeschießen bis jetzt erzielte, äußerst zufrieden. — Der Bischof von Orleans, Msgr Dupanloup, ist vom Papst nach Rom berufen worden und reist in den nächsten Lagen dahin. — Die Verurlheilungen der jungen Leute, welche sich während des letzten Krieges dem Militärdienste entzogen haben, dauern fort. In Versailles wurden wieder fünf zu zweijähriger öffentlicher Arbeit verur- theilt. — Der „Figaro" und nach ihm viele andere Blätter brachten einen langernBericht über einen Prozeß, der in Corsica stattgefunden und in welchem eine 2ljährige Frau, die ihren Mann ermordet hatte, weil sie ihn auf dem Ehebruch ertappt, freigesprochen worden war. Wie es sich jetzt herausstellt, ist die ganze Sache erfunden! — Unter anderen Mitgliedern der Nationalversammlung hat auch einer der Wortführer der legitimistischcn Partei, der Marquis de Franclieu, Abgeordneter der Hautes-Pyisnöes, seinen Wählern in einem offenen Schreiben über sein Verhalten in der Kammer Rechenschaft abgelegt. Der Marquis gesteht, daß seine Partei in dem Versuch, eine lebensfähige Majorität zu bilden, gescheitert und nun auf die Rolle etner_ oppositionellen Minorität beschränkt ist, und macht für diese Wendung namentlich drei Persönlichkeiten, Gambetta, de» Herzog von Aumale und Thiers, verantwortlich, über die er die ganze Schaale
Krämers, des tüchtigste» Genera lsecretärs der land- 'wirthschaftlichen Vereine, welchen das Großherzoglhum bis jetzt besessen, und neuerdings diejenige K. v. LangS- dorf's, deren eifrige reformatorische Thäligkeit er auf das Lebhafteste unter stützte. Bei der Landbevölkerung erwarb ihm diese offenkundige Antheilnahme an ihren Jntereffen, sowie sein von büreaukratischem Zwange freies Auftreten eine unbestrittene Popularität.
Stuttgart, 15. Aug. Während des gestrigen Aufenthalts des deutschen Kronprinzen in Friedrichs Hafen kamen auch die Kaiserin Augusta, der Großherzog und die Großherzogin von Baden von Mainau herüber und verweilten bis zum Abend. Der Extrazug, welcher gestern Abend den Kronprinz nach Stuttgart führte, hielt nur in Biberach, wo der Kronprinz den Perron betrat und sich mit den Behörden aus's
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Ausland.
Prag, 16 Aug. Der Eigeuthümer der „Politik", Skreischowsky, Führer der czechischen Nationalpartei, ist gestern Nachmittag vom Landesgericht in Strafsachen verhaftet worden.
Pari-, 15. Aug. Paris ist heute äußerst still und ruhig, und nichts erinnert daran, daß wir uns am „Napoleonstage" befinden, der sonst auf geräusch vollste Weise gefeiert wurde. So viel man hört, fand auch nicht eine einzige bonapartistifche Demonstration statt, wenn man nicht als solche das Erscheinen einiger Invaliden aus dem Ventöme-Platze betrachten will, die dort an der Stelle, wo früher die Säule stand, einige Jmmortell>nkränze und Blumensträuße niederlegteu. Die bonapartistischen Blätter selbst erwähnen deS heutigen Tages mit keinem Worte, und nur einige Getreuen begaben sich nach England, um ihrem „Empereur" ihre Huldigung darzubringen. Tie Kirchen waren ziemlich stark besucht. Es landen dort Pro- ceffionen zu Ehren der Jungfrau Maria statt, wie sie von Ludwig XIII. eingeführt worden sind. Da dessen Ehe mit Anna von Oesterreich kinderlos geblieben war, so begab sich derselbe am 15. August 1637 mit großem Pomp nach der Notredame-Kirche und legte dort das Gelübde ab, daß für ewige Zei e» in allen Kirchen Frankreichs zu Ehren Marta'S Pro cessionen stattfinden sollten, wenn ihm ein Kind geboren werken würde. Im nächsten Jahre kam die Königin mit einem Sohne, dem späteren Ludwig XIV., nieder, und seit jener Zeit finden diese Procejsionen statt, die man die Proceffione» Ludwigs XI1L nennt. Sie wurden nur von 1793 bis 1800 unterbrochen. Das prächtigste Wetter begünstigte den heutigen Festtag , und halb Paris befindet sich auf dem Lande. Der Präsident der Republik, Frau ThierS und Fräu- lein DoSne find feit gestern Abend wieder in Tron- ville. Eine größere Anzahl von Geschützen ist dort vorgestern angekommen; sie sind in Kisten eingepackt und werden streng überwacht. ES heißt, daß eS Geschütze neuer Art sind, Betreffs deren man daS
Deutsches Reich.
•• Berlin, 16. Aug. Der CultuS-Minister Dr. Falk wird wahrscheinlich noch vor Ende deS Monats nach Berlin zurückkehren. Die von einigen Seiten ge äußerte Voraussetzung, derselbe werde sich noch einmal zum Vortrage bei Sr. Majestät nach Gastein begeben, dürfte nicht zutreffend fein. Was die legislativen Arbeiten für den nächsten Winter betrifft, so hat man bereits im Cultusministerium damit begonnen, was aber die Angelegenheiten anbelangt, über welche eine direkte Entscheidung des Königs einzuholen wäre, wie die der renitenten Bischöfe, so scheint es, daß dieselbe augenblicklich vertagt ist. — Die heutige „Nat.-Ztg." bringt einen sehr beherzigenswerlhen Leitartikel über hm neuen Polizei-Präsidenten von Berlin. Es sei an der Zeit, daß der alte Gegensatz von Rechts- und Polizei-Staat endlich als überwundener Standpunkt erk-nnt werde. Allzu häufig sei man der Erstarkung der Polizeigewalt rein um ihres Namens willen ent- gegengetreten, obgleich doch in einem Gemeinwesen, wie Berlin, nicht ohne eine solche anSzukommen sei. Hinzugesetzt darf wohl werden, daß gerade die liberale Presse eS gewesen, welche durch ihre oft sehr unüberlegten Ausführungen diesen Geist unberechtigter Feindseligkeit unter den Bürgern genährt und fo dazu bei getragen, der Polizei ihre Wirksamkeit zu erschweren Berlin sieht nun sowohl an der Spitze seiner Com munalverwallung wie an der der Polizei neue Männer; eS ist zu hoffen, daß von nun an bie wahre Einigkeit und Vertrauen zwischen Beiden herrscht. Das ist der einzige Weg, die Zustände gründlich zu bessern — Der Minister des Jniieru hat wiederum in Sachen des Böcklerfchen Kindes ei» Circular erlassen, in welchem er auf sein bereits früher in dieser Angelegenheit erlaffenes Rescript zurückkommt. Er macht auf die Schwere des geschehenen Verbrechens auf- merksam und fordert die Behörden auf, mit allem Eifer für dessen Entdeckung zu wirken und bie Unterbeamten gehörig zu instruiren. — Es ist vorgekommen, daß Beamte, bie bereits vor bem Erlaß bes GehaltS- ErhöhnngSgesetzes pensionirt worben, aber noch einige Seit hindurch später ihren Dienst versahen, bei ben Provinzialbehörden um Zulage eingekommen sind und diese Behörden ihnen dieselbe auf Grund jenes Gesetzes bewilligt Haden. Der Finanzminister hat sich deshalb veranlaßt gesehen, dieselben daraus aufmerksam i» machen, daß dies unstatthaft sei und baß ber Beamte vom Tage der Verfügung an, in welcher seine Pension festgesetzt ist, trotz etwaiger noch geleisteter Dienste als pensionirt zu betrachten sei.
— Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird Prinz Friedrich Karl am 22. b M. in Metz rin- Mfen und bis zum 26. dort verweilen. — Die „ Spen. Zlg." meldet, daß der Großherzog von Sachsen-Wei- Mar seinen Besuch zu der Dreikaiserzusammenkunft habe anmelden lasten und somit das Eintreffen fämmt Ücher thüringischer Fürsten feflstehe. — Die Preis- Rcbudion ber Eisenbahn Billete soll nach bem Antrag der Kasseler Eonferenz erfolgen. Der Einführungs- Termin ist unbestimmt, keinesfalls vor Neujahr.
— Unter den Tobten des letzten Krieges (siehe Nr. 192 d. Bl) befinden sich: 9 Generale, 135 Stabsoffiziere, 357 Hauptleute, 1305 Lieutenants, 40 Merzte, 10 Zahlmeister, 3 DivisionSpfarrer und 1863 Militärs mit Offiziersrang; ferner 38,880 Unteroffi- ijere und Mannschaften, im Ganzen 40,744 Personen. Der Rest kommt auf die Marine, auf Mitglieder ber freiwilligen Krankenpflege.
Darmstadt, 15. Aug. Gestern Abenb starb ber Präsident bes Ministeriums des Innern, Geh. Staats- rath v. Bechtold. Der Verstorbene hatte vor Kurzem das 71. Lebensjahr erreicht und feierte vor wenigen Monaten fein 50jährigcS Dienstjubiläum. Als Mini- fterialratb und Minister war er Referent über die öandwirthschaft und seit dem im Jahre 1866 erfolg Ku Ausscheiden Creve'S, ber mit ihm 1850 in das dvn Dalwigk gebildete Ministerium eintrat, auch für das Departement beS Innern. Der Lanbwirthfchaft fvandte er feine regste Theilnahme zu. Dieses Streben 1 von Vertretern ber verschiedensten Parteirichtungen i Anerkannt worben. Er veranlaßte bie Berufung
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Oderheffische Zeitung.
Freundlichste unterhielt. Auf der Fahrt hierher zeigten sich beim Geislinger Alpübergang viele Bergfeuer, da runter rin weicht» leuchtendes auf dem Hohenstaufen. Heute Vormittag hat auf dem großen Exerzier Platze, weicher in dem auf ber Höhe über Stuttgart belegenen Walde befindlich ist, bie Musterung ber Stuttgarter Garnison durch den deutschen Kronprinzen stattgefunden. Das militärische Schauspiel verlief bei herrlichem Wetter in glänzender Weise. Die Stadt prangt heute in> Festgewand. Nicht nur alle öffentlichen, sondern die meisten Privatgebäude haben geflaggt. Die . , , ________________„ „................
deutschen Rrichsfarb-it bilden die Mehrzahl. Gilt eStseines royalistischen Zornes ausgießt.
ja, dem Helden von Wörth bei diesem bedeutsamen London, 16. Äug. Childers wurde für Ponte- Wiederfehen eine Ovation darzubringen. Alle hiesigen fract (Stadt in der Grafschaft Dort) mit einer Ma- Vereine und Körperschaften haben sich beim Empfange jorität von 80 Stimmen wiedergewählt; die Wahl fand am Bahnhof beteiligt. Auch aus ben umiiegeuben nach der neuen Ballotbill statt. — Der Prinz und Dörfer» und Provinzialstädten sind eine Masse die Prinzessin von Wales sind heute nach Kopenhagen Lanbleute herbeigeeilt um den deutschen Kronprinzen zu sehen und zu begrüßen. Die Stadtgarde war zum Empfang deS erlauchte» KaisersohneS auSgerückt und bildete nebst ber Feuerwehr und ben Vereinen Spalier vom Bahnhof dis zum Residenzschloß. Jrn Bahnhof selbst warb Seine Kais. Hoheit von ben Spitze» der hiesigen Behörbett empfangen.
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