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Deutsches Reich.

klagt. Ganz anders aber steht es in England und _____ T_,

Amerika. In Amerika, sagt ein Kmner, würde man pflegen Das ist nun vorbei, unsere Hochschulen trifft eine so unbeschränkte Freiheit , wie sie auf deutschen kein derartiger Vorwurf mehr. Auch jener übermäßige Universttäten herrscht, für unpraktisch und gefährlich Idealismus und Kosmopolitismus, an welchem Deutsch- Halten. Man ist der Meinung, daß der Jüngling in land ehevor krankte, so daß eS gar zu geneigt war, Zucht gehalten werden müffe, damit er als Mann vor selbstloser Anerkennung der Vorzüge anderer Na-

Das Consistorium der Provinz Sachsen Hatz dir Abhaltung eines Fest- und Dankgottesdienste« am 2. September genehmigt.

t- In der gestrigen Generalversammlung der berliner Tischlergesellen, welche 3000 Mann stark erschienen waren, wurde beschlossen, heute Mittwoch den 1£ partielle Strikes anzusangen, trotz bei von den Meistern bewilligten b^stündigen Arbeitszeit zu l Thlrp da die Meistet sich über die Zulage von 162/a pCt. bei Aeeoroarbeiten nicht ausgesprochen hätten. Die Einführung von Schiedsgerichten und Einigungsämtern wurde einstimmig verworfen.

Leipzig, 12. Aug. Heute Hai die deutsche Natur? sorscher-Versammlnug hier ihren Anfang genommen. Eine Begrüßung« - Zusammenkunft fand zuvor im, Schützenhause statt. Die erste Sitzung ward von PrA Thiersch eröffnet; Kreisdirector v. Burgsdorf begrüßte die Versammlung Namens der Regierung, Bürger- iincifter Koch Namens der Stadt Leipzig. Die Festrede hielt Prof. Ludwig. Dem Bankett,'das Mittags im Schützenhause stattfand, wohnten 800 Personen bet. Gegen 1350 Theilnehmer zählt die.Versammlung nach. Angabe desTagblattes."

München, 13. Slug. Gegenüber den beun­ruhigenden Gerüchten über einen Systemwechsel in unserer Regierung meldet ein gutunternchteter Kor­respondent derAugsb. Abendz.":Ein Münchener Korrespondent hat ein auswärtiges Blatt benutzt, um über die wohl in Bälde zu erwartende Besetzung des' erledigten Ministerpostens sehr gewagte Kombinationen in die Oeffentlichkeit zu bringen, und mehrere baie- rijche Blätter haben die Sensationsnachricht in ihren Spalte» ausgenommen, ohne ihrerseits die Quelle zu nennen, aus der sie schöpften. Der Aufenthalt des baierischen Gesandten am würtembergische» Hofe, Herrn v. Gaffer, in unserer Stadt wurde in dieser Kor­respondenz nicht blos mit der Neubesetzung eines Mi­nisterpostens, sondern mit einem Systemwechsrl in Verbindung gebracht und dabei die Geschmacklosigkeit begangen, einen der gewöhnlichen in bekanntem Preu ßen- und reichsfeindlichen Ton abgefaßlen Artikel deö >Volksboten" als zukünftiges Programm der baierischen StaatSregierung zu kennzeichnen. Weiter wird die Krisis als vollständig ausgebrochen erklärt und gefügt, nicht weniger als vier Minister hatten ihr Porte­feuilles dem Monarchen zur Verfügung gestellt unh ihre Entlassung eingereicht, Wir können versichern, tionen die eigenen Güter zst vergessen und also auch dje Pflege derselben zu versäumen auch diese Krank­heit ist überwunden. Jetzt liegt unS ob, der Selbst­überhebung, dem allzu sicheren Vertrauen auf die be­wiesene Stärke und die blutig errungenen Lorbeeren mit allen Waffen des Geistes entgegenzuwirken, sind noch eines liegt uns allen ob. Bei der Uebermacht, welche die Naturwissenschaften in unseren Tagen er­langt, bei der weiten und raschen Verbreitung verein­zelter Notizen aus diesem Gebiet und der um sich greifenden Halbbildung besteht offenbar die Gefahr, daß die sensualistische und naturalistische Denkweise alles überwuchere und den Geist der Nation verflache. ES ist ja möglich, daß ein so tiefer Fall uns beschie­ßen sei, daß auf einige Zeit wenigstens bet Genius Deutschlands eingeschlossen wäre in dem Gefängniß ohne Licht und Luft unb Raum, welches man Ma­terialismus nennt. Das wäre benn ein sicherer Vor­bote von bei Nähe unseres nationalen Zusammen­sturzes. Aber nur bann könnte bieS geschehen, wenn die deutschen Hochschulen von sich unb ihren lieber; lieferungen abfielen unb in trägnn Stumpfsinnihre besten Güter preisgebenb, eine Schuld aus sich lüben, schwerer als jebe frühere. Nein, die Unioerfitäten werden die feste Mauer bilden, vor der diese Strö­mung still stehen und sich brechen wird. Lastet unS in reinem wissenschaftlichen Sinn und treuer Hin­gebung unermüdet fortbauen an dem einen Tempel, dem Tempel der Wahrheit. Er wird zugleich ein un­vergängliches , alle Schicksalswechsel überdauerndes Monument her Ehre und Größe Deutschland» {ein! ____________ (Fortsetzung folgt.)

Spen. Ztg." schreibt, am Donnerstag Berlin, um sich zum statistischen Kongreß nach St. Petersburg zu > begeben. In seiner Begleitung befindet sich der be- ' rühmte belgische Statistiler ©uetelet, der Nestor der Statistik, welcher trotz seiner 77 Jahre die weite Reise ! von Brüssel nach St. Petersburg nicht scheut. Dem i Kongrefse wird übrigens das, später in Berlin erscheinende : hochbedeutende Werk über die Statistik der Verluste I ces Feldzuges von 1870/71 vorgelegt werben. Zu I bemselben gehören sechs Kärten, welche zum Theil bie l Verluste, zum Theil be» Aufmarsch ber Heere mit 1 ihren Hauptquaitieren, den Schlachttagen unb Dis i Positionen in einer ganz neuen und überaus greif­baren Weise graphischer Darstellung zur Anschauung bringen. Nach ben Ausweisen dieses Werkes beträgt bie Zahl ber Tobten bei bem gefammten beutschen Heere 40,881 Mann. Davon sind im Gefecht ge taUen 17,572; ihren Wunben erlegen. 10,710; der- unglückt 316; b»rch Selbstrnorb gestorben 30. An ! Krankheiten verstorben: an ber Ruhr 2000; am J Typhus 6965; am gastrischen Fieber 159; an ben Pocken 261; an ber Lungenentzünbung rc. 500; an anberen acuten inneren Krankheiten 521 Manii; an ber Schwiubsucht 529; an anberen chronischen Krank­heiten 249; plötzlich 94; ohne Angabe ber Krankheit ' 556; ohne Angabe ber Tobesursache 419 Mann. Die Zahl ber Vermißten beträgt 4009.

DieVolks-Zlg " schreibt:Der Subscriptions- cancan ber französischen Anleihe erhält noch ein für vie Betheiligten eben so theureS als peinliches Nach- spiel. Einige ber Herren Banqniers, welchen die zwar krummen, aber doch immerhin noch erlaubten Wege bet Speculation zur Befriebigung ber Geldgier nicht ausreichen, haben bei ihren Rieseiizeichnungen auf die Anleihe sich des unerlaubten Mittels fingtrttr Wechsel zur Kautionsbestellung bedient. Nachdem das fran­zösische Gouvernement gleich Anfangs eine solche Zeichnung eines KopenhagenerWelthauseS", Geda lier u. Ko., rat Betrage von 600 Millionen Francs annullirt hat, steht das gleiche Schicksal wie man sich an gestriger Börse erzählte ben Zeichnungen einer hiesigen Bank bevor. Der Khef betreiben bettelt jetzt in PariS um eine milbt Praxis in ber Angele- genheit unb prostituirt sich auf bteje Art doppelt in den Augen unserer Besiegten. In Geldsachen scheint nicht bloß die Gemüthlichkeit, sondern auch der letzte Rest von Scham aufhören zu sollen."

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die Freiheit vernünftig genießen könne. Die gleiche Ansicht herrscht ist England. Nie bin ich einem gebil­deten Engländer begegnet, der nicht die Kollegien und Hallen seiner Hochschulen für einen wichtigen Vorzug seines Landes erachtet hätte, wie denn auch die Jüng­linge zum grüßten Theil das Leben in den Kollegien, ungeachtet der Zucht unb Beschränkung, ber sie unter worfen sind, bem ungebunbenen Leben in ber Stabt vorziehen. England hat in jüngster Zeit in manchen Beziehungen unsere akademischen Einrichtungen zum Muster genommen, und in Folge davon ist eine große Umgestaltung be« Lehrwesens, besonberS burch Vermehrung ber Kurse und Vorträge, eingetreten. Sollten wir nicht auch diesem Beispiel folgen, bas englische Kollegiensystem uns in einer unseren Zu- ftänben entsprechenden Weise anzucignen suchen, und würben nicht Tausenbe von Vätern, Müttern, Söhnen uns bafür danken? Es muß mir genügen, den Ge­danken angeregt unb allen unseren Gästen unb Freunden von Nah unb Fern zur Erwägung empfohlen zu haben.

Die beutschen Universitäten haben gleich unserem Volk Zeiten tiefer Demüthigung, harter Butze durch- lebt Nicht unberbient, hatten doch auch sie sich schwer

.* Bertil», 14 Aug. Die heutigeProv.-Kort." beschäftigt sich mit denBerathungcn über bie Volks schule." AuS;bem Artikel geht mit ziemlicher Gewiß­heit hervor, daß die, Regierung allerdings gesonnen ist die Regulative von 1854 in ihrer jetzigen Ge­stalt aufzuhkben unb nur das anerkannt Bewährte auch ferner beizubehalten. DieProv. Korresp." bespricht ferner .bie Auswanderungsfrage unb theslt. mit, eS sei bie Anordnung getroffen, daß etwaige Ge­suche von Auswanberungslustigen um Entlassung aus dem Militärbienste keine Berücksichtigung finden sollen. Es kann hinzugesügt werden, baß bie« auf ausdrück­lichen Wunsch Sr. Majestät des Königs geschehen ist, welcher sich bestimmt dahin ausgesprochen Hot, daß man bie überhanbnehmenve, von gewissenlosen AnS- wandemngs-Agenten angestachclle Auswanberungslust auf keine Weise begünstigen müsse. Die Auswanderer, »eiche ihr Geld schon in ben diesseitigen Häfen in amerikanisches Gelb umwechseln, sinb nicht allein leicht Betrügereien auSgesetzt, sondern werden mit Koupons unb Scheinen versehen, bie britben ungültig sinb. ES kann ben Auswanderern beshalb nur bringenb an- empfohlen werben, Viesen Weg nicht einzuschlagen. Am besten werben sie thun, wenn sic sich Wechsel auf diebeutsche Gesellschaft" in Newyork aus­stellen lassen. Dieselbe wir» zu dem Zwecke gestiftet, die deutschen Ankömmlinge mit Rath und That zu unterstützen. Die Wechsel werden von den Agenturen ter Gesellschaft in Deutschland ausgestellt. AIS solche fungiren folgende Firmen: Max Obermayer, amerila nischer Konsul in Augsburg, Hardt u. Komp, in Berlin, Lüdering u. Komp, in Bremen, Eduard Kölle in Karlsmhe, LoüiS Pfeiffer in Kassel, der A. Schaffhauseü'sche Bankverein in Köln, die Bank für Handel unb Industrie in Darmstabt, Robert Thode u. Komp, in Dresden, A. Siebert in Frankfurt a. M., die Geraer Bank in Gera, Johannes Schröder in Hamburg, bie Hannoversche Bank in Hannover, Ge »rüber Zimmern in Heidelberg, bie Filiale ber Geraer Bank in Leipzig, bie Mitteldeutsche Kreditbank in Meiningen, Joses v. Hirsch in München, K. Breu- sing in Osnabrück, Angust Ungcrer in Pforzheim, die königl. würtembergische Hofbank in Stuttgart- Gras Eulenburg ist wieher nach Berlin zurückgekehrt.

TSr Dircctor des kgl. statistischen Bureaus, Geheimer Regierungsrath Dr. Engel, verläßt, wie bie Rebe Dillingers bei de» Festact in der großen Kula ,2ju Manche«.!

(Fortsetzung.) .;

Noch eines liegt mir auf dem Herzen. Wir Deutsche haben »ft bewiesen, daß wir bie vorzüglicheren Ein­richtungen anberer Nationen bereitwillig anerkennen unb von ihnen entlehnen. Den Franzosen gegenüber sinb wir hierin nur allzu vertrauensvoll und unkritisch gemeßen. Wir halten alle, glaube ich, ben gegenwär­tigen Zustanb unserer höheren Bildungsanstalten nicht für unübertrefflich. Von nothwendigen Reformen ist bis in bie jüngste Zeit so viel gerebet unb geschrieben worben. Sollten wir nicht einmal auch einen verglei­chenden Blick auf die Hochschulen stammverwandter Völker werfen, unb in biefem Spiegel das, was uns mangelt, beschauen? Wir finden hn ganzen Westen, in Frankreich, England, Nordamerika das Kollegien system. Die höheren Schulen sind nicht bloß Lehr-, sondern auch Erziehungsinstitute. Von den Bursen, die früher auf unfern Universitäten bestanden, und meist nur zuchtlose Herbergen waren, sind sie völlig ver­schieden. Das französische Kollegicnwesen mit mili­tärischem Zuschnitt, mehr auf Dreffur als auf Wcckung unb Leitung des Wissenstriebe« berechnet, bietet uns Deutschen nicht« lockende« z eS wird selbst von ein­sichtsvollen Franzosen al» eine verfehlte Einrichtung, ja als eine ber Quellen be« nationalen Verfalles be

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