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wohlfeilerer Kost ein Menagehaus zu etabliren. Dieses hat sich im Ganzen gut bewährt und der Handels- Minister hat daher Veranlassung genommen, die königl. Eisenbahn-Directionen aufzufordern, gleiche Einrichtungen überall da ins Leben treten zu lassen, wo eine größere Anzahl Arbeiter für längere Dauer auf einmal beschäftigt sind. — Nach neueren Nachrichten aus Portugal scheint die Consolidation der Regierung ge sichert zu sein; denn es scheint die republikanische Bewegung, die großen Umfang annahm und sich bis in das Heer erstreckte, erstickt zu fein und sich nur noch auf die Hauptstadt zu beschränken. — Der Minister Graf Eulenburg hat sich zur Begräbnißfeier des Grafen Eberhard Liollberg nach Kreppeihof begeben.
(Vorstehende Correspondenz, obgleich zwischen 6 und 7 Uhr Abends in Berlin aufgegeben, kam erst am folgenden Tag Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr hier in Marburg an. Sinnt, d. Ned.)
** Berlin, 13. Aug. Die Verlockungen, durch welche die SluswanderungS-Agenten auf Bauern, Handwerker und Arbeiter zu wirken suchen, belhören noch immer eine Masse Menschen, die aber zum allergrößten Theile alsbald nach ihrer Uebersiedelung in ein fremdes Land die schreckenerregende Gewißheit er langen, daß sie betrogen worden sind. Es ist daher gewig eine Pflicht bet Presse, recht oft darauf hinzu- weijen, wie gefährlich es sei, den Agenten für Aus Wanderung Gehör zu schenken. Neuerdings ist wieder >n gewissenloser Weise die Auswanderung nach Brasilien zum Gegenstände der speculationssüchtigen Agenten gemacht worben. Die Regierung ber brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul hat nämlich kürzlich mit einigen Unternehmern ((Santano, Pinto, Jemon und Holtzweissig unb Eomp.) einen Contract bezüglich der Einführung von 40,000 europäischen Einwanderern abgeschlossen. Von diesen sollen 20,000 Deutsche sein. In dem Contracte ist genau festgestellt, wie viel die Regierung den Unternehmern per Kopf zahlt; dagegen sind die Verhältnisse der Einwanderer in keiner Äeise^ genügend geschützt. Sie beginnen in der Regel mit Schulden und gehen nach mühevoller Arbeit ihres vermeintlichen Grundbesitzes verlustig. Die Lage derselben wird in zahlreichen Berichten geradezu der Sklaverei gleichgestellt. Für eine Auswanderung nach Canada soll in letzterer Zeit gleichfalls stark agilirt
werden. Bei der vielseitigm Neigung zur Auswanderung ist vorauSzusetzm, daß dieselbe sich auch nach Canada wenden wird. Daher erscheint eö nothwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß der in dieser Kolonie eine Zeit lang fortgesetzte Aufenthalt zwar den Eingewanderten die Rechte der eingeborenen englischen Bürger gibt, daß sie aber außerhalb Canada's — im AuSlande — den Schutz der englischen Regierung nicht in Anspruch nehmen können, auch keinen Paß erhalten, daß sie also in solchen Fällen heimathSloS dastehen. Außerdem muß allen Auswanderern nach Amerika die Warnung ertheilt werden, daß sie sich nicht verleiten lassen, ihr Geld vor der Ankunft an Ort und «stelle umwechseln zu lassen, da sie fast regelmäßig übervortheilt werden. — Aus Gastein kommen jetzt Nachrichten, welche die hier gegebenen Mittheilungen über die Ankunft und Begleitung deS Kaisers von Rußland durchaus bestätigen. Wenn der Name deS Fürsten Gortschakoff auch jetzt noch nicht unter unfern Gästen genannt wirb, so kann nur nochmals auf das bereits früher Gesagte zurückgewiesen werden. — Die hiesige königliche Seehandlung, 1772 als Seehand- lungs-Societät mit 1,200,000 Thlr. Capital gegründet, wird nicht, wie hiesige Blätter melden, am 14 August, sondern am 14. October d. I. den Tag ihres 100jährigen Bestehens begehen.
— Die bevorstehende Neuorganisation ber Artillerie ist bereits Gegenstand vielfacher Besprechungen gewesen. Was darüber verlautet, ist uadi authentischer Quelle zum größten Theile weiter nichts als Com- bination, da die hierüber nvihwendigen schriftlichen Besprechungeii seitens des KriegsmiiiisteriumS mit den General Commandv's nur auf vertraulichem Wege statt- gesunden und eine Pubiieation vor erlangter Allerhöchster Sauetion nicht erfolgt. Thatsache ist indeß, bah die Neuformation mit dem 1. October b. I. j»s Leben tritt unb durch dieselbe vielfache Dislocationen ftatifinben werden. ES werden per ArmeecorpS 2 bis 3 Batterien formirt, so baß zum alten Feld- tegiment 9 Batterien und zürn neuen Regiment 8 Batterien gehören werben. Ein fernerer Unterschied ist ber, daß dem alten Regiment die erste und zweite Feldabtheilnng unb die reitende Abtheilung mit je 3 Batterien unb dem neuen Regiment nur die erste
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Gefangenen dem Amisboten mit dem Befehle eingehändigt, dieselben einstweilen aufzubewahren. Er ging nach dieser Anordnung in fein Bureau, verriegelte sorgfältig die Thür, um nicht überrascht zu werben, unb löste mit vielem Geschick das Siegel deS Couverts, in welches der Akt geschlossen war. Nachdem er diesen gelesen hatte, schrieb er ihn sauber auf einen Stempel bogen ab, faltete die Copie und steckte sie in das Cou seit, welches er sorgfältig wieder schloß. Selbst der schärfste Blick würde ben Betrug nicht entdeckt haben, denn da- Siegel zeigte keine Verletzung. Wetterau betrachtete eine Wette prüfend das Couvert und steckte es bann, mit seiner Geschicklichkeit zufrieben, in die Tasche. Eine halbe Stunde später befand er sich bereite auf dem Wege zur Stadt.
Der Rentner ging seinem Schwiegersöhne in spe mit sichtbarer Ungebuld entgegen, als dieser in das Cabinet des Erstem trat. „Nun?" rief er, „wie steht's in unserer Angelegenheit?"
hoffe, sehr gut", entgegnete Wetterau", während er Hut und Stock ablegte unb sich auf einen Sessel niederließ. „Es kommt nur noch auf Sie an, ob wir beide in der nächsten Minute an unferm Ziele stehen sollen."
„Auf mich käme es an?" fragte der Rentner er staunt. „Reden Sie, was muß ich thun?"
„Ihr Wort halten und noch heute meine Verlobung mit Ihrer Tochter veröffentlichen."
Krämer war auf diese Forderung vorbereitet. Er hatte in den letzten Tagen sich oft in Gedanken den Augenblick vergegenwärtigt, in welchem Wetterau das Dokument bringen würde, er wußte, daß dieser als dann unverzügliche Verlobung zur Bedingung machte und war bereits mit sich ins Reine gekommen, wie er sich aus ber Schlinge ziehen sollte. „Was ich' bei unserer Unterredung Ihnen gelobt, nehme ich nicht
©ottfrieb dachte nicht an den Akt, erst als ber Bürgermeister sich entfernt hatte, entsann er sich bes- ffoen. Gleich einem Verzweifelten eilte er zur Thür, St war verschlossen, er rüttelte an ben Fensterstäben^ la M ■ gaben seinem Druck nicht ttach. Er mußte um *tn Preis bas Dokument wieder habm, aber wie, sollte er eö ben Händen Wetteraus entreißen? Der Bürgermeister hatte inzwischen den Akt aus
** Tasche des Rocks genommen und die Kleider des
zurück", entgegnete er so unbefangen, daß Wetterau in die Aufrichtigkeit dieser Worte kaum Zweifel setzen ^ konnte, „bringen Sie mir das Dokument, helfen Sie' mir die Personen, welche uns im Wege sind, mffchäd- lich zu machen und ich gebe Ihnen die Hand meiner Tochter."
»Da« Dokument ist hier", erwiederte der Bürgermeister, indem er die Hand auf die Brusttasche seines' Rockes legte, „eS wird sich in Ihren Händen befinden , sobald Sie die Verlobung« Anzeige in die Zen tuiigsexpedition gesandt haben."
Krämer nahm die Feder und schrieb die verlangte Anzeige. . .
„. »Geben Eie her", sagte Wetterau, „Ich werde sie hinbringen."
»Wozu sich die Mühe machen?" versetzte ber ^ntner, inbem er die Schelle zog, „mein Diener kann sie ja besorgen."
Er übergab bem eintretenben Diener das Billet und befahl ihm, baffelbe in die Expedition der Leitung zu bringen.
„Und nun das Document!" fuhr er fort, nachdem ber Diener das Zimmer verlaffen hatte.
Wetterau zog den Akt aus der Tasche unb überreichte ihn bem Rentier, ber kaum einen Blick auf das Siegel und die Handschrift der Adreffe geworfen hatte, als er unverzüglich die Schelle zog.
Der Diener konnte kaum die Treppe erreicht haben; wie ber Rentier erwartet, kam jener auf ben Ton ber Schelle zurück. „Ich benke, wir warten noch einige Tage", hob ber alte Herr an, indem er baö Billet, welches die Annonce enthielt, zurücknahm und zernß. „Mathilde muß doch zuvor mit ber Verlobung bekannt gemacht werben. Sie werden dies einsehen " suhr er in kaltem Ge^chäftstone fort, „überhaupt wäre eö mir lieber, wenn Sie sich mit einer kleinen Summe
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Krrtsblatt durch di« Expedition (SoA’fÄ. Buchdruckerei) bezogen 821 Egr., durch die Postämter 27 ®gr. fl tpfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland erd. Stempel 22 »ar - Ii.iertwiwgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. sämmtliche Annoncen-Büreau- nehmen Inserate an.
»Ihr werdet hier bleiben ?" fuhr ber junge Mann - gereizt auf, „weßhalb?"
„Weshalb? weil ich mich überzeugen will, ob Alles
-! »st rechten Dingen zugeht."
M »Mir ist es schon oft begegnet, daß Arrestanten f" ihren Kleidern Feilen unb anbere Werkzeuge mite »ebracht unb weil sie in bem Gefängniß-Anzuge keine paschen fanden, hin irgendwo versteckt haben, deshalb siehe ich vor, beim Umtausch stets zugegen zu bleiben " = ». ein Wort zu er riebern, kam Gottfried dem S verlangen des Bürgermeisters nach.
i:: Unverwandt beobachtete Wetterau den jungen Mann,
»um hatte dieser seinen Rock anSgezogen, als bet — vürgermeister denselben sofort an sich riß Seine lugen leuchteten, er fühlte in bet Brusttasche baS Do- sn. tament, er fühlte es unter bem Druck seiner Hand intern.
.1 Deutsches Reich.
•• Berlin, 12. Aug. Die Kaiserzusammenkunft bildet noch stets den Gegenstand ber Besprechung in der Presse unb vor Allem wirb die Frage erörtert, welche Dinge denn wohl bei dieser Zusammenkunft zur Sprache kommen werden Diese Erörterungen sind um so gerechtfertigter, al« ein Programm für diese Zu- jammenfunft nicht vorliegt, auch eine Kundgebung der deutschen Reichsregierung nicht erfolgt ist; unerfreulich und geradezu absurd ist es, wenn Hr. Freese im „Wanderer" die Zusammenkunft der drei Kaiser als eine Folge ber Jsoliruug Preußens ansieht, lieber solch' einen Unsinn noch weitere Kritik zu üben, lohnt sich wahrlich nicht der Mühe, ein solcher richtet sich von selbst. — Eine ander« aus die Kaiserzusammcn- kunft Bezug habende Frage wird in diplomatischen Kreisen lebhaft ventilirt, nämlich die Etikettenf>age, wer von den beiden hohen Gästen den Vorrang haben muß. Würde einfach das Lebensalter hierbei maßge benb fein, fo würde Kaiser Alexander, geboren 1818, vor Kaiser Franz Josef, geboren 1830, den Vorrang haben, da aber im Hvfleben daö Lebensalter nicht entscheidet, sondern nur daS Alter der Souverenität, so gebührt Kaiser Franz Joseph ber Vorrang, da dieser bekanntlich 1848 zur Regierung gelangte, während Kaiser Alexander 1855 den Thron bestieg. Eine weitere Stimme für diese Entscheidung liegt auch darin, daß nach früheren Usancen bei Etiketteufrageu das Alphabet den Vorrang bestimmte und zwar nach fran zösischen Namen ber Länder: Antriche kommt vor Russie, daher würde auch in dieser Richtung hin ber österreichische Kaiser vor dem russischen rengiren. Die Annahme, daß Kaiser Franz Josef als Nachfolger ber Äaifcrwurbe int römischen Reiche vor Kaiser Alexander gehen würde, ist den realen Verhältnissen nicht ent sprechend, hat daher keine Berechtigung ber Berück sichtigung. — Vom 1. September bis 3. November d. I. findet in Berlin eine große akademische Kunst aubfteUung statt, für welche der HandelSminister die Genehmigung ertheilt hat, daß die aus dem Aus- und Znlande eingesendeten Ausstellungsgegenstände vis zu ult. Nov. frei befördert werden können. — Beim Bau der Eisenbahn Schneidemühl-Dörschen ist ber Versuch gcmacht worben, für die Arbeiter behufs Erlangung
Ein hiises Gewiffen.
Von Ewald August König. r (Fortsetzung.) . r >.
„Kommt in einer Viertelstunde zurück, ich werde lkuch bann meine Kleiber einhändigen," entgegnete Gottfried entschlossen „Ich thue Euch nur ben Willen,
Euch zu zeigen, baß ich an Flucht nicht benke." „Habt bie Güte unb besorgt ben Umtausch so- fort," versetzte Wetterau sarkastisch, „ich werbe so lange zugegen bleiben." I