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Marburg, Dienstag, den 13. August.
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^berhessislhe Leitung.
Erscheint täglidt außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kreisblatt durch die Expedition Buchdruckerci) bezogen 2t; ®gr., durch die Postämter 27 Lgr. (i Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Inierlivnsgebüdi für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreau- nehmen Inserate an.
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Unser Kaiser setzt seine in Ems begonnene Badei mr in Gastein fort, nachdem er in Wiesbaden und Homburg nur kurzen Aufenthalt genommen. Der Kronprinz weilt noch in Berchtesgaden, von wo er sich nach Friedrichshafen zur würtembergischen Königs- fawilie begeben wird und von da nach Stuttgart zur Inspektion der würtembergischen Truppen. In Stuttgart wird dem deutschen Kronprinzen, dem Sieger von Weißenburg und Wörth, ein festlicher Empfang vorbereitet. —■ Der Kultusminister Dr. Falk hat nach
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seiner Rückkehr von Homburg, wo er dem Kaiser Vortrag hielt, noch eine Conferenz mit Kirchenrcchlskun- bigen unter seinem Vorsitz abgehaiteu, und sich hieraus bis zum Schluffe des Monats auf Urlaub begebeu, ohne daß Näheres über die Anträge und die Entscheidung des Kaisers bis jetzt verlautet. ES ist anzunehmen, daß im Wege der Gesetzgebung das streitig gewordene unb in's Schwanken gerathene Verhältniß zwischen
Kirche und Staat geregelt werden soll. Zur AuS-
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führung des ReichsgesetzeS wider den Jesuitenorden > sind in Schrimm, Köln, Münster und Paderborn 1 Maßnahmen ergriffen worden. — Ter Tod hat in vergangener Woche zwei Beamte von hervorragender Stellung abgerufen, den Ober-Präsidenten Graf Eberhard zu Stolberg-Wernigerode, gleichzeitig auch Präsident des Hericnhauses, und den Geh. Legationsralh Abeken, sowie auch zwei allgemein geschätzte .. Künstler, den Schauspieler Emil Devrient und den x uni Mixr Magnus. — Zn Bonn ist am vergangenen ",!i Montag mit einer Festfahrt das vierte allgemeine es De deutsche Turnfest beendet worden; die Festtage waren j leider vom Wetter nicht begünstigt. — Die in Baiern
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schwebende Ministerfrage ist noch nicht beendet, doch ist Hr. v. Gasser — baierischer Gesandter in Stutt- garl — den man nach München zur Bildung eines neuen Ministeriums zu berufen glaubte, wieder auf feine» Posten zurückgekehtt.
Zn Oesterreich hat die Drei-Kaiser-Zusammen- hinft Veranlassung zu allerlei Conjccturen über die Stellung Andrasfy's zu den Ministerien der beiden Reichshälften wie auch zur orientalischen Frage gegeben, doch befestigt sich auch hier die Meinung, daß die Zusammenkunft nur Aussichten auf eine friedliche
Periode bietet und die Befürchtungen über eine Störung im Orient grundlos sind. In Betreff der Jesuiten-Einwanderungen hat Minister Stremayer den Behörden die Handhabung der bestehenden Gesetze eingeschärft. Zn Prag wurde seitens der Czechen eine Petition an den Kaiser abgesandt um Theilung der Universität in eine czechische und deutsche.
Der BundeSralh der Schweiz beräth Maßregeln gegen die von der Curie einseitig verfügte Schöpfung eines bischöflichen Stuhles in Genf und beruft sich hierbei auf das päpstliche Breve von 1819, durch welches die katholischen Gemeinden des CantonS der Tiöcese Lausanne einverleibl wurden.
Die Nationalversammlung Frankreichs hat ihre Ferien augetreten und die von ihr auS 25 Mitgliedern gewählte Permanenz-Commission hat bereits ihre erste Sitzung gehalten. Präsident Thiers ist in das Seebad Trouville am 5. gereist, wo ihm ein „fürstlicher Empfang" zu Theil wurde. Im Lande erfreut man sich in Folge der ergiebigen Erndte und der guten Aussicht auf di« Weinlese einer verhältnißmäßig behaglicheren Stimmung. Die Linke hat einen Feldzug für die Auflösung der National-Versammlung im Plane, doch hat Thiers vor Thorschluß noch den besorgten Mitgliedern der Centren und der Rechten erklärt, daß er gegen jede Agitation auf eine „voreilige" Auflösung der fouverainen Kammer sei. Die Linke hat bei der jetzigen Stimmung des Landes für die konservative Republik des Herrn Thiers einen schweren Stand, zumal sie ihrer volkswirthschafllichen Ueberzeugung auf Andringen des Chefs der Ex-cutive so viel vergeben hat, daß die Freihändler gegen ihre Zukunftspläne mißtrauisch geworden sind Gambetta hat den nicht glücklichen Versuch gemacht, fein frei- händlerisches ^Gewissen zu wahren und seine Zustimmung zu der Besteuerung der Rohstoffe als eine aus politischen Grüitden gebotene schlimme Noth- wendigkeit hinzustellen. Am 19 Januar noch hatte die National Versammlung entschieden die schutzzöll- nerischen Ideen des Herrn Thiers abgelehnt; am 26. Juli nahm sie dagegen mit 311 gegen 265 Stimmen dasselbe Finanzsystem an, wonach runde 300 Artikel, die der Fabrikation als Rohstoffe dienen, mit Eingangszöllen von 10 bis 15, ja, einige mit 20 pCt. be
lastet werden. So ward die beste Schöpfung des Kaiserthums zu Grabe geläutet, und die Regierung hat nun daS leidige Vergnügen, sich mit den Staaten, mit welchen liberale Handelsverträge bestehen, nach einander abzufinden. Im Jubel über daS Gelingen der Anleihe wurde diese für die Arbeit und Wohlfahrt des Volkes so folgenreiche Wendung kaum noch der Erwähnung werth erachtet: man war deS langen Kampfes zwischen Regierung und Kammer satt und überdrüssig.
Für daS Königreich Italien war der 4. August ein schöner Tag. Nachdem bereits seit zwei Wochm das ganze Land in eine große Wahlstatt verwandelt war, aus welcher der dem einigen Vaterlande ergebene Theil der Bevölkerung einerseits und die vom Vatican geführten unzufriedenen Elemente andererseits ihre Kräfte maßen, nachdem fast überall der Sieg in liberalen Händen geblieben war, und die unberechenbarsten Städte des Königreichs, Neapel und Palermo, sich für Victor Emanuel erklärt hatten, sind auch in Rom die Würfel der Entscheidung gefallen, und zwar so, daß eine erdrückende Mehrzahl der Wähler sich für das gemäßigt - liberale Princip, eine achtbare Minderzahl für Pio nono und eine verschwindend kleine Zahl für die republikanische Richtung ausgesprochen hat. Ein solches kaum zu erhoffendes Ergebniß macht alle Jere- miaven der clericalen Partei über gewaltsame Unterdrückung und alle düsteren Borhersagungen einer durch weitere Umwälzungen getrübten Zukunft zu Nichte.
Der König von Spanien befindet sich noch auf seiner Reise in die Provinzen; wie in Santander ward ihm in S. Sebastian ein festlicher Empfang zu Theil. — Der carlistische Aufstand glimmt noch immerfort in Biscaya und Navarra, noch schlimmer aber in Catalonien, wo Leben und Eigenthum der Bewohner fortwährend gefährdet sind. Thiers, dem italienischer- seits vorgeworfen wurde, daß er mit den Aufständischen liebäugele, hat unter'm 2. August dem Könige ein Glückwunschschreiben zukommen lassen, in dem er seine Freude über das Fehlschlagen deS Attentats ausdrückt. Eine ähnliche Aeußerung ist vom Papste an Amadeus ausgegangen. • • ?''
Portugal leidet fortwährend an den unversöhn- lichen Parteifehden. Die historische Partei versuchte
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Von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Bürgermeister knirschte mit den Zähnen, er begriff, daß, wenn er sein Ziel erreichen wollte, er zuvor auch den Sohn unschädlich machen mußte, wie er bett Vater unschädlich gemacht hatte. Er mußte den jungen Menschen in seiner Gewalt, hinter Schloß und Riegel haben. Ein Gedanke tauchte plötzlich in inner Seele auf; Wetterau nahm sich nicht die Zeit, ihn ruhig zu erwägen, mit erhobenem Stock trat er auf Gottfried zu und drohte, er werde ihn ins Ge- stcht schlagen, wenn er jene Beleidung nicht zurücknehme. Ter junge Mann sah dem Erbosten ernst und ruhig ins Auge. „Schlagt nur zu", entgegnete er mühsam an sich haltend, „schlagt zu, ich nehme kein Wort zurück von dem, waS ich hier in Eurer Gegenwart gesagt habe. Kein einziges, hört Ihr?"
Wetterau hatte diesen Trotz erwartet, er ließ den Stock ziemlich unsanft auf die Schulter Gottfrieds fallen. Jetzt riß aber auch dem jungen Manne die Geduld, in der nächsten Minute lag der Bürgermeister, von der kräftigere Hand Gottfrieds hinauSgeworfen, »vr dem Hause.
Ein teuflischer Triumph spiegelte sich in dem Blicke des »adern Bürgermeisters, er erhob sich und ging rasch von dannen.
Die alte Frau rang die Hände, sie beschwor den Sohn, unverzüglich zu fliehen, um dem Zorne Wet irrau's auSzuweichen, später, wenn derselbe verraucht fa, könne er zurückkehren, aber Gottfried wies diese ®ittr zurück. „WaS er gethan habe, könne er vor ®ott und den Menschen verantworten", enviederte er, «basse der Bürgermeister sich einsallen, ihn dieserhalb bvr Gericht zu fordern, so werde er den Herren schon klären, daß er kein Schulbube sei, der solche Belei
digungen schweigend einstecke." — Die Mutter schüttelte den Kopf, schon wollte Gottfried, um die ge ängstigte Frau zu beruhigen, ihren Bitten nachgeben und HauS und Hof verlasse», um in der Stadt einige Tage zu verweilen, als der Bürgermeister, diesmal in Begleitung des Amtsboten, wieder eintrat. Ohne auf die Bitten und Vorstellungen der Mutter zu achten, befahl er dem Amtsboten, den jungen Burschen wegen vorsätzlicher Mißhandlung einer Magistratsperson in- Arrest zu stecken, er werde heute noch der Regierung über den Vorfall berichten und für die Abführung des Gefangenen in die Stadt Sorge tragen.
Vergeblich proiestirte Gottfried gegen diese Verhaftung, welche er für eine Eigenmächtigkeit erklärte, zu der der Bürgermeister kein Recht besitze.
Wetterau hörte den Protest schweigend an und ein Hohnlächeln war die einzige Antwort, welche er auf denselben gab.
Eine Stunde später saß Gottfried in«einem Zimmer des Amthauses, welches vor Jahren zum Gefängniß eingerichtet worden war. — Die schweren Eisinstäbe vor den Fenstern, der Eisenbeschlag und die festen Schlöffer der Thüren ließen jeden Gedanken an einen Fluchtversuch als Thorheit erscheinen, Gottfried dachte auch nicht im Entferntesten an einen solchen Versuch, er wollte im Vertrauen auf eine ge rechte Sache sich geduldig fügen, geeigneten Orts aber über die Eigenmächtigkeit des Bürgermeisters Beschwerde führen.
Er befand sich noch keine Stunde in seiner Zelle, als der Bürgermeister eintrat. „Ihr seht, daß Ihr in meiner Gewalt seid", nahm er das Wort, „nach meinem Gutdünken kann ich Euch einige Tage hier sitzen lasten und bann in das Kretsgefäng- nih abführen lassen; vielleicht bleibt Ihr dort noch
einige Zeit in Untersuchungsarrest und werdet schließlich zu vier oder sechs Wochen Gesängniß verurtheilt."
„Je nach den Umständen!" warf Gottfried gelassen ein. „Hättet Zhr einen dummen Tölpel vor Euch, der sich das Alles gefallen ließe, so will ich nicht bestreiten, daß Ihr in diestr Weise Eure Rache an mir kühlen könntet, ich werde aber schon Mitel finden, Euch Alles, was Ihr mir anthut, reichlich zu vergelten."
„Ganz nach Belieben," versetzte Wetterau spöttisch, „so lange Ihr indeß noch in meiner Gewalt seid, kann von einer solchen Vergeltung nicht die Rede sein. Für's Erste werdet Ihr die Gewogenheit haben, Eure Kleider gegen diesen Anzug umzutauschen." Der Bürgermeister öffnete bei diesen Worten ein ziemlich umfangreiches Bündel, welches in einer Ecke des Zimmers lag und brachte aus demselben Hose und Jacke von grobem Sackleinen zum Vorschein. „ES ist einmal Sitte, daß die Gefangenen sofort nach dem Einzuge in ihre neue Wohnung diese Uniform anziehen," fuhr- er fort, „ich würde Euch gern von dieser Sitte entbinden, wenn daö Gesetz nicht ausdrücklich aus Beobachtung derselben bestände; also macht nicht lange' Federlesens und wechselt die Kleider."
Die Wangen Gottfrieds färbten sich purpurroth. „Seht Euch vor," rief er zornig, „Ihr behandelt mich gleich einem gemeinen Verbrecher —*
„Ereifert Euch nicht," fiel der Bürgermeister gelassen ihm in die Rede. „Wenn Ihr bet gesetzlichen Vorschrift nicht Genüge leisten wollt, so sagt es in aller Ruhe unb Orbnung, ich werbe mich bann freilich ge« nöthlgt sehen, Zwangsmaßregeln zu ergreifen. — Es geschieht nur, um Fluchtversuche zu erschweren," setzte er hinzu, „in diesem Anzuge kommt es einem Arrestanten nicht so bald in den Sinn, fein Lokal zu verlassen, weil er sofort als Verbrecher erkannt und.