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Oberhessische Zeitung.
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Marburg, Sonnabend, den 10. August.
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Deutsches Reich.
•# Berlin, 8 Aug. Bekanntlich ist durch einen Zusatz-Artikel dcS Frankfurter Friedens die Art und Weise der Option für die französische Nationalität sestgestcllt, sowohl was die außerhalb des deutschen Reiches wohnenden Elsaß-Lothringer betrifft, als auch in besonderen Bestimmungen innerhalb Elsaß.Lolhrin gcns selbst. Was die in einzelnen deutschen Staaten ansäsfigen Elsaß-Lothringer anbelangt, so war man nbereingekommen, daß dieselben ihre Erklärung entweder vor der Botschaft der französischen Republik in Berlin, oder vor einer noch näher zu ermächtigenden Behörde abgeben sollten. Als solche sind nunmehr durch ein Circular deS Ministers des Innern vom 5. August die Landräthe, und in den Städten, welche einen eigenen Kreis bilden, die Magistratsvor stände bezeichnet worden. Die Optirenden haben hier nur unter genauer Angabe ihres PcrsoualstandcS deutlich auszusprechen, daß sie sich für die französische Nationalität entscheiden. — Die „Germania" ist außer sich, daß die „Prov.-Corr." von „Blättern der Jc- suitenpartei" gesprochen hat. Indessen die „Germania" und alle Unterzeichner des Aufrufs zur Bildung eines „Vereins deutscher Katholiken" haben wohl ein Anrecht als Jesuitenpartei bezeichnet zu werden, da sic sich ja selbst mit den Jesuiten ikeutificircn und in den gegen diesen Ord« gerichteten Rcichsgesetzcn einen Angriff gegen die katholische Kirche sehen.- Wenn die „Germania" ferner die Anklage der „Prov. Corr.," diese Partei wolle die Staaten dem römischen Stuhl unterwerfen, mit Energie zurückweist, so muß sie vergessen, daß sic täglich ihren Lesern preeigt, der römische Stuhl sci die höchste und letzte Autorität aller guten Katholiken. Was die „civilta pattolica“ neulich wünschte, „der Papst möge endlich dem Spuk rin Ende machen und die Fürsten wieder zum Gehorsam gegen den römischen ^tuhl zwingen," ist auch daS Programm der „Germania", wenn sie sich auch etwas delicater ausdrückt.
— Nach der letzten Notiz über die Ausprägung der Neichsgcldmünzen waren bis zum 20. Juli d. I in den Münzstätten des Deutschen Reiches in Zwanzigmarkstücken 210,299,100 Mark und in Zehnmark stücken 11,276,330 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 21. bis 27. Juli d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmarkstücken: in Hannover 1,071,980 Mark, in Frankfurt a. M. 2,074,240 Mark, in München 587,200 Mark, in Stuttgart 342,500 Mark,
in Karlsruhe 250,000 Mark und in Darmstadt 388,000 Mark; ferner in Zehnmarkstücken: in Berlin 2,593,180 Mark und in München 98,110 Mark. Die Gesammt Ausprägung stellt sich daher bis 27. Juli d. I. auf 228,980.640 Mark, wovon 215,013,020 Mark in Zwanzigmarkstücken und 13,967,620 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
— Der Maler Professor MagnuS ist am 8. d. M. in Berlin gestorben.
Dresden, 7. Aug. Im Laufe dieses MonatS werden auf dem Königstein sehr interessante Schieß versnche statlfindm. Es handelt sich dabei um eine Beschießung des dieser Felsenfeste gegenüber gelegenen Liliensteins aus den neuen gezogenen Festungsgc- schützcn. Wahrscheinlich soll das Verhalten von compacten Felsenmasscn gegenüber der Wirkung der Geschosse dieser Geschütze dabei in Probe gestellt werden, und dürfte möglicherweise der geringe Erfolg, welchen im letzten Kriege die deutsche Artillerie bei Beschießung der französischen Felsenfesten Bitsch, Pfalzburg und Belfort nur erzielt hat, hierzu die nächste Veranlassung geboten haben. Vorerst soll diese Beschießung nur aus 9, 12 und langen wie kurzen 15cnn.-Geschützen statthaben. Doch bleibt dem Vernehmen nach die Ausdehnung dieses Versuchs auch auf die schwereren Kaliber nicht ausgeschloffcn. Andererseits bildet der genannte Felsen bekanntlich den einzigen Punkt, von welchem der Königstein einer Beschießung unterzogen werden kann, und dürfte cS bei dem erwähnten Versuch etwa auch noch darauf ankommen, zur Beherrschung desselben die erforderlichen Vorermittelungen fcstzustellen. — Noch wird für daS sächsische-ArmeecvrpS mit diesem Jahre eine mehr den preußischen Mustern sich anschließende Amderung der Un'sormirung der Infanterie in Ausführung treten. Ebenso soll daS bisher noch ganz abweichend uniformste Train - Bataillon anschließend den preußischen Train-Bataillonen uniformirt werden, doch verlautet noch nicht, ob die gleiche Aenderung später etwa auch auf die ebenfalls noch abweichend uniformirte sächsische Cavallerie ausgedehnt werden soll.
Karlsruhe, 6. Aug. In Bezug auf den Ver kauf der badischen Staatsbahnen theilt man der „B. B.-Ztg." aus Karlsruhe mit, daß die Angelegenheit wahrscheinlich nicht zu einem AuStrag kommen werde, da nur der badische Finanzminister den Verkauf begünstigen werde, während das Gesammtminiftenum gegen das Projekt sei. Im Uebrigen hat das letztere
sich officiell noch nicht ausgesprochen und auch die zur Vorberathung der Angelegenheit niedergesetzte Mi- nisterial-Commission hat noch nicht Bericht erstattet.
Mannheim, 8. Aug. Das „Mannh. Jonrn." theilt mit, daß die Rheinische Crediibank eine neue Actienemission vorbereite.
Stuttgart, 7. Aug. Zu dem bereits bekannten Programm der Feierlichkeiten bei Empfang des Kronprinzen ist noch nachzutragen, daß daS ursprüngliche Comite vor seiner Auflösung sich noch nach auswärts an die Ortsvorfteher wandte, um eine Beleuchtung der schwäbischen Berge zu veranlassen. Mit dem Eintreffen des Exirazuges, welcher Se. k. t. Hoheit den deutschen Kronprinzen und unfern König von Friedrichshafen hierher bringen wird, in Geißlingen, werden auf sämmtlichen Höhen des Unterlandes Freudeufeuer den Sieger von Wörth begrüßen. — Der dritte Congreß deutscher Anthropologen ist heute durch Hofrath Ecker (Freiburg) im Festsaale dcS Polytechnikums eröffnet worden. Graf Fraas (Stuttgart) hielt die Begrüßungsrede. *
München, 7. Aug. Wie man dem „Nürnb. C." schreibt, steht die definitive Erledigung der Ministerfrage unmittelbar bevor. Nach genanntem Blatt wird Herr v. Lutz die Nachfolgerschaft des @rafen?ti nenberg Übernehmen. Im Ministerium des CtNMS- wird er durch Hrn. Dr. Fäustle, der gestern in Berg beim König Vortrag hatte, ersetzt, und Dr Fäustle'-- Nachfolger als Justizminister wird der Oberappella- tionSgerichtSpräsideut v Neumayr werden. — Der Direktor bei der Regierung in Schwaben, K. d. I , M. v. Wächter, ist unter Anerkennung feiner langjährigen Dienste in den nachgesuchten Ruhestand versetzt, auf dessen Stelle der Rath an genannter Regierung, I. Frhr. v. Seckendorf befördert worden.
Berchtesgaden» 4 Aug. Von hier wird der „N. Fr. Pr." geschrieben: „Von der Villa „Alpenruhe" wehten preußische und baierische Farben und die große kaiserliche Hohenzollern-Hausfahne. Eine Kvloffalbüfte des Kaisers ragte vom Balcon auf. Eine Ehrenpforte aus Tannengrün und Alpenblumen rief: „Willkommen auf Alpenruhe!" über einem geschmackvollen W auö Moos mit Sternen von Edelweiß. Am Eingänge von Berchtesgaden schwebte Über einer schönen grünen, sahnen- und wappengeschmückten Ehrenpforte eine riesige Kaiserkrone aus Tannmzweigen, Moos und Edelweiß. Hier erwarteten viele Hunderte den Kaiser: die Gemeindevertretung, die Knappschaft
Ei» bäskS Gewissen.
Von Ewald August König.
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(Fortsetzung.)
„Er war aber ein guter Diener, hatte feine Pflicht redlich erfüllt Und konnte also die Rückkehr seine- Herrn nur wünschen, der ihm eine Belohnung gewiß nicht vorenthielt. — Wollt Ihr nun meinem Rathe folgen, so gebt mir daS Dokument und sorgt dafür, daß ich die zweihundert Thaler erhalte, daS übrige könnt Ihr mir dann getrost überlasten."
Die Frau, welche bei Erwähnung des Dokuments sich des strengen Verbots ihres ManueS, dasselbe je aus den Händen zu geben, entsann, zögerte. „Ich will mit meinem Sohn darüber reden", entgegnete sic nach einer Weile, „glaubt er, daß —*
„Wozu bedarf es der Ueberlegung!" unterbrach der Bürgermeister sie ungeduldig: „Euch bleibt nur die Wahl: entweder ihr befolgt meinen Rath und holt binnen Kurzem Euren Gatten wieder heim, oder Ihr befolgt ihn nicht und hört im nächsten Herbst das „Schuldig" sprechen, welches denselben zum Tode ver »nheilt"
„Nur bis morgen wartet noch", bat die Frau den Bürgermeister, welche in Bezug aus das Dokument nicht selbstständig handeln mochte, „vier und zwanzig Stunden .ntscheideu in der Sache doch nichts."
„Sie ents-deiden unter gewissen Umständen viel, sehr viel sogar", drängle Wcltcrau, „ich fahre noch heute Nachmittag in die Stadt. Wenn ich bann dem Untersuchungsrichter Mittheilungen mache, welche Euren ®iann von jedem Verdachte reinigen, so werden viel iücht die Akten geschlossen und Maßregeln zur Ent
deckung des wirklichen Mörders ergriffen. Kann ich das aber nicht, so schreitet die Verhandlung fort, und wer weiß, ob nicht am Ende noch Beweise einlaufen, welche gar nicht zu widerlegen sind."
Tie Frau schwankte, sie war schon halb und halb geneigt, dem Drängen des Bürgermeisters nachzugeben
„Vielleicht kann Euer Mann schon innerhalb acht Tagen wieder frei fein", fuhr Wetterau, die Wirkung seiner Worte bemerkend fort, „je früher wir handeln, desto eher läßt sich die Spur des wahren Mörders ausfinden, wenn Wochen oder Monate darüber ver gangen sind, so dürfte der Schuldige vielleicht längst drüben in Amerika sein, und dann —"
»So wartet einen Augenblick", fiel Frau Schulz entschlossen ihm in die Rede, „ich hole das Papier."
Der Bürgermeister rieb sich vergnügt die Hände, er hatte nicht geglaubt, daß er so rasch und leicht an sein Ziel kommen werde. Um die Freude über caS Gelingen seines Planes zu verbergen und seinen Zügen den Ausdruck kalter Gleichgültigkeit zu geben, betrach tete er die Photographien, welche die Wände schmückten. Schon nach einigen Minuten trat die Frau wieder in die «stufte, sie hielt in der Rechten da- Dokument, welches mit dem großen Siegel eines Notars geschloffen war Die Augen des Bürgermeisters fun teilen, schon wollte er die Hand nach dem Papier ausstrccken, alö plötzlich Gottfried aus der Schwelle des Zimmers erschien. Das Dokument sehen und es den Händen der Mutter entreißen, war das Werk eines Augenblicks
„Dem Himmel sei Dank, daß ich früh genug komme, um eine Thorheit zu verhüten", sagte er, in
dem er das Papier in die Brusttafche seines Rocke- schob. „Hattest Du den Befehl de« Vaters schon vergessen?"
„Der Herr Bürgermeister glaubte, es könne va» großem Nutzen sein, aenn wir ihm da- Dokument und die zweihundert Thaler übergeben", entschuldigte die alte Frau sich: „er sagte, dadurch müffe jeder Verdacht schwinden."
„Was der Herr Bürgermeister glaubt, kümmert uns nicht", fiel Gottfried ihr in- Wort, „es bedarf solcher krummen Wege nicht, die Unschuld des Vater- zu beweisen. In jedem Falle aber hättest Du vorher mich um Rath fragen können. Was Sie betrifft, so will ich nicht untersuchen, zu welchem Zwecke Sie dieses Papier zu erschleichen suchen", fuhr er, sich zu dem Bürgermeister wendend, in barschem Tone fort: „Sie sind meinem Vater nie grün gewesen, weil er Ihnen stets offen und ehrlich die Meinung sagte und nicht hinterm Berge hielt, wenn Sie das Jntereffe der Gemeinde nicht wahrnahmen. Ich kann unmöglich glauben, daß gerade Sie an dem Geschick meine- Vaters so großen Antheil nehmen sollten; Ihrem Verhören verdankt er doch allein seine Verhaftung."
Die Zornader auf der Stirn Wetterau'S schwoll drohend an. „Mäßigt Euch!" brauste er auf. „Bedenkt , daß Ihr Eurem Vorgesetzten gegenüber steht und eS mir nur ein Wort kostet —"
„Mich ebenfalls zu verdächtigm?" unterbrach Gottfried ihn spottend. „Ich will gerne glauben, daß Ihr deffen fähig seid, und sehe Euren Anstalten ruhig ent-, gegen. Eins aber merkt Euch, so lange ich dieses Do-