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immer entschiedener einer aufrichtigen Friedenspolitik zuwenden wird, uni seine Hülfsquellen in ergiebigeren Fluß zu bringen.
Je höher man die Bedeutung der französischen Kredit-Operation veranschlagt, um so ernster muß es zum allgemeinen Bewußtsein kommen, daß Frankreich mit der Anleihe nicht blos finanzielle, sondern auch politische Verpflichtungen gegen Europa übernommen hat. (Pr.-C.)
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*• Berlin, 7. August. Die heutige „Prövinz.- Corresp." widmet ihren Leitartikel der Dreikaiserzu- samiNenkunft; es ist also gewissermaßen diese Kundgebung eine halbosficielle, welche aber selbstverständlich in keiner andern Form ausfallen kann, als bereits die Organe der gesammten Presie sich ausge sprochen haben. Der Artikel der „Prov.-Corr." hebt hervor, daß eS sich nicht darum handelt, bestimmte Verträge durch diese Zusammenkunft abzuschließen, auch nicht darum, um ein Einverstänbniß herbeizuführen, welches als abwehrend betrachtet werden könne, sondern daß diese Drei-Monarchenzusammenkunft nur den Zweck hat, dem Wunsche Ausdruck zu geben, durch gemeinsame Haltung geordnete feste^Zustände herbeizufuhren und zu erhalten und durch versöhnliche loyale Haltung nach allen Richtungen hin friedlich zu wirken. Die „Prov.-Corr." bemerkt mit vollem Rechte, daß ganz Europa diese in Aussicht genommene Zusammenkunft mit günstigem Ausdruck ansteht und betrachtet. Diese Anschauung bestätigen denn auch die Preßorgane Frankreichs und Englands; in Frankreich zeigt dies das officielle Organ der Versailler Regierung „Bien Public", in England documentiren es die mit der Regierung in Verbindung stehenden Blätter. Man wird eine solche Zusammenkunft der drei Monarchen nicht mehr wie früher betrachten als eine Politik der nordischen Mächte zur Schädigung der Westmächte. Man sieht in dieser Zusammenkunft nur die Erhaltung des Friedens in Europa. — Die Ankunft des Kaisers Alexander in Berlin wird neuesten Nachrichten zufolge auf den 5, September festgesetzt. — Die „Voss. Ztg." hat, indem sie' über den Umbau des Abgeordnetenhauses berichtet, u. A. gesagt, der Minister deS Innern habe 32 Abgeordnete für vogel frei erklärt, indem derselbe 32 Sitzplätze im Abge- yrdnetenhause als übrig bezeichnet hat. Demgegenüber ist zu sagen, daß bis jetzt überhaupt noch keine bestimmte Anordnung über die Umwandlung des Innern des Abgeordnetenhauses ergangen ist, daß aber außerdem nicht der Minister des Innern, sondern däS Prä fldium des Abgeordnetenhauses diese Anordnungen trifft. — Der CultuSmimster Dr. Falck hat sich für einige Zeit zur Erholung nach Krimhuhl in Schlesien begeben und derselbe wird während seiner Abwesen heil durch den Unierstaatssecretär Achenbach vertreten, dürfte jedoch auch während seines Urlaubs alle wich tigen Angelegenheiten selbst erledigen und namentlich sich mit dek Arbeiten für die Vorlagen des Landtags, z. B. des Unterrichtsgesetzes, beschäftigen.
— Es ist wiederholt hervorgehoben worden, daß noch zahlreiche Militärpersonen aus dem letzten Kriege vermißt werden, Über deren Verbleib der Militärbehörde trotz aller Bemühungen Ermittelungen bisher nicht möglich waren. Die hierüber gepflogenen Ver Handlungen haben jedoch insofern ein Resultat gehabt, als man jetzt im Stande ist, wenigstens annähernd sich ein Unheil über die Entstehung dieses rälhsel haften Verschwindens zu bilden. Während der Belagerung von Paris nämlich wurden zahlreiche Verwundete der deutschen Armee von Pariser Gesellschaften auf dem Schlachtfelde aufgelesen und in von diesen Gesellschaften errichteten Lazarethen untergebracht und verpflegt. Diese Pariser Comites widmeten zwar den Verwundeten die möglichste Sorgfalt, aber sie vergaßen nach dem Namen und dem Regiment derselben zu fragen; es war ihnen gleichgültig, wen sie ver pflegten und sie kümmerten sich auch nicht um den Namen, selbst wenn der betreffende Soldat in ihrer Privatpflege verstarb. Mit seiner Beerdigung war er abgeihan. Auf diese Weise läßt es sich denn auch leicht erklären, namentlich mit Rücksicht, auf die ge-
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stimmen sich lediglich nach finanziellen Zwecken: die Speculation hat kein anderes Ziel vor Augen, als ben erhofften Gewinn. Auch in Frankreich dürfte man t eb-1 füt diese nüchterne Auffassung der Thatsachen nicht iethci unzugänglich sein, wenn man daran denken wollte, [187I daß noch vor Kurzem der in Ausführung gesetzte Plan
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einer rein patriotischen Zeichnung für den Zweck be- schleunigler Kriegskostenzahlung wegen allzu geringer Theilnahme aufgegeben wurde.
Indessen darf man dem Erfolge der Milliarden- Anleihe eine gewisse innere Bedeutung und einen Zusammenhang mit ben politischen Verhältnissen nicht »bsprecheu. Das Kapital und die Specutation mürben sich vorsichtig zurückgehallen haben, wenn sie nicht ben Boden einer friedlichen Lage unter sich fühlten und beruhigten Blickes in die Zukunft sehen könnte«, wenn sie nicht die Gewißheit hätten, baß die Anleihe Frank reich dazu bienen soll, feine vertragsmäßigen Vcr Pflichtungen gegen Deutschland zu erfüllen und damit die letzten Spuren des Kriegsstandes zu tilgen. Grade dieser Ueberzengung ist es zuzuschreiben, daß das Finanz Unternehmen der französischen Republik überall in Europa Ermuthigung und Unterstützung gefunden hat.
Wenn daher die rege Theilnahme an der Anleihe Überhaupt eine politische Deutung zuläßt, so liegt darin eine Kundgebung für die Befestigung deS Friedens zwischen Deutschland und Frankreich.
Man Hal den Erfolg der Anleihe-Operation auch noch besonders als einen Ausdruck des allgemeinen Vertrauens zu der Zahlungsfähigkeit Frankreichs und iu den friedlichen Absichten seiner Regierung bezeichnet; diese Auffassung darf als vollkommen berechtigt gelten. Seit Abschluß bei FriedenS-Präliminarien ist Deutsch lanb bei ben Vereinbarungen mit Frankreich von ber Bfberjeugung ausgegangen, baß Letztere« sowohl bas Vermögen wir ben Willen hat, Jemen finanziellen Verbinblichkeiten zu genügen. Die öffentliche Meinung ^uropa's hat sich auf benfelben Standpunkt ber Anschauung gestellt. Man ist von der Zuversicht. erfüllt, daß Frankreich über ausreichende Mittel verfügt, um seinen Gläubigern gerecht zu werden, und daß cs, ; Unter der Leitung seiner gegenwärtigen Regierung, sich
dl|Är. 186. ÄiU.? Älerture, Freitag, dm 9. August.
Die Milliarden-Anleihe.
Die französische Regierung hat, um die Mittel zur Zahlung ber noch rückstäiibigen Kriegskosten zu er langen, eine große Anleihe auf Höhe von drei Mil- liarben (3,000,000,000 Fr.) ausgeschrieben, und irtt ©ege öffentlicher Anmeldung auf allen bedeutenderen Geldmärkten Europas ist die Summe tiou etwa 44 Milliarden, also mehr als der vierzehnfache Betragt des geforderten Kapitals, gezeichnet worden. In Frankreich herrscht über diesen glänzenden Erfolg der Zeich lumg eine freudig gehobene Stimmung, welcher man. eine gewisse Berechtigung nicht absprechen darf, wenn sie sich von falschen Deutungen und verderblichen Fvl gerungen frei^lt? . ‘
Zunächst ist rathsam, daß man sich nicht von der Massenhaftigkeit der Zahlen täusche« lasse. Die Summe von 44 Milliarde» stellt eben nur die Höhe der auf dem Papier zusammengebrachten Zeichnungen, nicht aber einen Betrag dar , der von den Kapitalbe ßtzcrn Europa's ernstlich ber französischen Finanzver roaltung zur Verfügung gestellt würbe. Bekanntlich ist die Anleihe an den Börsen zum Gegenstand einer maßlosen Spekulation gemacht worden, Und die Sub- scribenten mußten daher, um beider voraussichtlich starken Ueberzeichnung wenigstens einen nicht- ganz unerheblichen Antheil zu erlangen, ihre Anerbietungen bis zu Zahlen von schwindelnber Höhe steigern, an welche nicht einmal bte Gesammtmittel ber Zeichn«, gMveige denn ihr»,etgenttichen Betheiligungs-Absichten heranreichen. Ja, bie Abnahme der wirklich ausgege benen Anleihe - Titel erfvlgt zum weit überwiegenden Theile durch solche Zeichner, welche dieselbm durchaus nicht für eine baldige Weiterbegebung mit Agio - Gewinn benutzen wollen. “ ‘!1!''
Ferner ist eS durchaus unstatthaft, den üben fluthenden Stron? der Zeichnungen vorzugweise aus politischen Gründen zu erklären. Die Bewegungen bti großen Geldmarktes folgen nicht irgendwelchen Antrieben aus einer fremdartigen Region, sondern be-
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ringere Pflege, welche man unter den Belagerungs- Verhältnissen den Verwundeten angedcihen taffen konnte und welche eine größere Sterblichkeit zur Folge haben mußte, daß zahlreiche Soldaten der deutschen Armee jetzt verschwunden sind, von denen sich nicht nachweisen läßt, daß und wo sie gestorben sind; mit Sicherheit läßt sich jedoch anuehmen, daß alle die nöch Vermißten zu dieser Kategorie vön Tobten zu rechnen sind. ‘ p-
Bonn, 6. Aug. Schön gestaltete sich heute did Festfghrt ber Turnerschaft^ Ans biet Extra-Dampf- doten fuhren die noch anwesendm Turner, etwa 1500 an der Zahl, und viele andere Festtheilnehmer bi« Rolanbscck und zurück bi« Lönigswinter. Hier wurden die Turner feierlich und herzlich empfangen/' Der Bürgermeister mit den Gemeinderäthen empfing dir Turnerschaar an dem Triumphbogen an ber Sanbungt* brücke und begrüßte sie mit herzlicher Ansprache. Hinaus zog mau durch das festlich geschmückte KönigS- minter und dann nach dem Drachenfels und von dort nach Heisterbach, wo ein VolkSwettturnen veranstaltet wurde, das den Verhältnissen nach recht gelang. Gehoben war die Stimmung aller Theilnehmer und freudig wurde gegen 8 Uhr der Rückmarsch angetrwten. Unter lautem Jubel ber Bevölkerung fuhren bie Schiffe von Königswinter ab. Herrlich war ber Gruß von der glänzend ißuminirten Cementfabrik in Ober- cassel, prachtvoll die Beleuchtung Bonns und begeistert die Begrüßung der unabsehbaren Menge an den Ufern des Rheines. Jubelnd und freudig kehrten die Turner in langem Festztige in die Beethovenhalle zurück. Dort wurden bie Namen ber Preisturner verkündet uub ihnen die Diplome überreicht. Dr. Götz begrüßte da» Bonner Comite und bankte ihm für seine Mühe. Abvokat Trapp au« Friedberg brachte noch einen Toast auf den Rhein, dankte den Gästen und ermahnte st« zum treuen Festhalten an den edlen Bestrebungen. Mit Betonung desselben Gedankens brachte Dr. Götz der Turnerschaft den Scheidegruß. Schön und herrlich schloß das Lest und machte ber letzte Tag viele« gut, was leiber an ben beiden vorher mißlungen war.
Dresden, 7. Aug. Vorige Nacht ist nach zehntägigem Krankenlager der berühmte Schauspieler Emil Devrieut Hierselbst gestorben. e ;
Dessau, 4. August. Um die mawrielle Lage der Staatsbeamten und Volksschullehrer ben Ansorberungen veS Lebens entsprechenb zu verbessern, hat ber Landtag in ber letzten Wintersession 50,000 Thlr. für bk ersteren und 20,000 Thlr. für bie letzteren bewilligt. Die Erfahrung hat indeß gelehrt, baß für bie VolkS- schullehrer die ausgeworfene Summe nicht ausreichend war, und somit beabsichtigt die Staatsregierung, im Finanzetat pro 1873 eine nochmalige gleiche Summe zu Gehaltsaufbesserungen für Volksschullehrer auSzu- werfen.
Darmstadt, 7. Aug. Die „Darmft. Ztg." stellt die Nachricht von einer beabsichtigten ober bereits vollzogenen Vermählung beS Großherzogs von Hessen zur linken Hanb auf das Bestimmteste in Abrebe.
Mai«), 6. Aug Nachdem die seit vier Tagen durch den General-Jnspector des preußischen Artilleriewesens, General Lieutenant v. PodbielSki (während des Kriegs General-Quartiermcister ber deutschen Armeen), begonnene Inspektion ber Artillerie übermorgen mit einem großen Prämicn-Schießen zu Enbe gegangen sein wird, sollen die Mannschaften deS 11. Felb- Artillerie Regiments am 12. l. M. einstweilen wieder in ihre Cantonnements zurückkehren. Inzwischen haben bie Vorbereitungen zu ben FestungsmanSvern bereits begonnen, unb es werben am 27. L M. bie betreffenben Cavallerie - Regimenter in der Nähe ber geftung eintreffen unb in ben umliegenden Orten auf acht Tage Quartiere nehmen.
Stuttgart, 7. Aug. Die hiesigen Blätter theilen das Programm für die Inspektionsreise beS Kronprinzen des deutschen Reichs mit. Derselbe trifft am 15. August in Friedrichshafen ein und reist mit dem König Karl nach Stuttgart, kommt daselbst am Abetck um 9 Uhr an^ wo er durch die Bürgerschaft festlich empfangen wirb. Am 16. August findet die Jn- spettivn ber Stuttgarter Garnison unb Nachmittags