JliarÖUtg, Donnerstag, den 8. August.
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1872
OberhesMe Zeitung
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(Fortsetzung folgt.)
(Fortsetzung.)
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diesem Falle der Reichskanzler bereit erklärt, einen geeigneten Rechtsbeistand in Paris den Interessenten vorzuschlagen. — Dem Bescheide des Ministers des Innern ist ein Gutachten des RechtöbcistandeS der kaiserlich deutschen Botschaft in Paris beigegeben, welcher dahin culminirt, daß die Gesellschaft durchaus
auf den Schutz der französischen Gerichte rechnen könnten und daß der Ausgang der Processe ein gün
stiger sein werde, was um so zuverlässiger sei, als bereits in zwei Fällen, in welchen geklagt worden sei, die Gesellschaft selbst sehr vortheilhaste Ausgleichsverträge vorgeschlagen habe, die auch von den Klägern angenommen worden feien. Der Rechtsvertreter der Gesellschaft habe ebenfalls erklärt, er werde sich für die deutschen Interessenten günstig auSsprcchen. Sonach scheinen die Gerechtsame der Interessenten ge-
Sehr verschieden von der Pariser Hochschule und den nach ihr gestalteten Töchter - Universitäten waren von Anfang an die italienischen, die mit der Rechtsschule zu Bologna im 12. Jahrhundert begannen, im folgenden sich rasch mehrten. Dort waren gemäß dem realistischen Charakterzug des Pottes die praktischen, eiuträglichen, unmittelbaren Gewinn verheißm- 6en DiSciplinen, also römische und kanonische Jurisprudenz und Medicin, die Hauptsache, und nie Hot cs in Italien eine theologiiche, scholastisch-philosophische Schule gegeben, welche der Pariser oder Oxforder nur von ferne an Ansehen und Frequenz gleichgekommen wäre Bon Fürsten-Gunst oder Ungunst waren die italienischen Universitäten lange unabhängig. Es
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Deutsches Reich.
*» Berlin, 6. August. Bekanntlich schwebt zwischen den deutschen Interessenten der französischen Gesellschaft Credit viager und dieser eine Differenz, welche nunmehr ihrer Erledigung entgegen zu gehen scheint. Diese Interessenten kennten während des Krieges ihre Prämien nicht leisten, wollten nach Beendigung des Krieges diese Zahlungen wieder aufneh men, die Gesellschaft verweigerte aber die Annahme derselben. In Folge dessen wandten sich die deutschen Interessenten durch den Minister des Innern an den Reichskanzler, welcher die kaiserliche Botschaft in Paris um Mitwirkung in dieser Angelegenheit requirirte. Als Ergebniß der Verhandlungen liegt eine Erklärung des Verwaltungsraths dieser Gesellschaft vor, welche der Minister des Innern den Interessenten mit einem Bescheide zur Kenntniß gebracht hat. Nach diesem steht den Interessenten ein doppelter Weg offen: entweder bei der Gesellschaft den Antrag der Weiterzahlung der Prämien zu stellen, oder die Rückzahlung der bisher geleisteten Prämien zu fordern. In Betreff der letzten Eventualität verweigert jedoch der Verwal- mngSrath der Gesellschaft allgemeine Normen, nach denen verfahren werden soll, anzugeben, und will sich in jedem einzelnen Fall Bescheidung Vorbehalten. — Ein dritter Weg, der der gerichtlichen Klage, steht natürlich allen Interessenten offen und hat sich in
Ei« böses Gewisse«.
Von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Ich denke, gerade dies müßte seine Unschuld beweisen", entgegnete Frau Schulz, die an solche Com- binationen nicht im Entferntesten gedacht hatte. —
„Im Gegentheil", fuhr Wetterau gelassen fort, »die Beispiele stehen nicht vereinzelt da, daß der Mörder in dem guten Glauben, sich dadurch von jedem Verdacht zu reinigen, sogar selbst die Anzeige von dem verbrechen gemacht hat."
Die arme gequälte Frau konnte ihre Seelenangst nicht mehr bemeistern, sie ergriff die Hand des Bürgermeisters und bat ihn, ihr zu rächen, ihr beizustehen, ihr Mann sei gewiß unschuldig, das Gericht würde sich eines Mordes schuldig machen, wenn es ihn verurtheilte.
Wettcrau zuckte die Achseln, und diese kalte Gleichgültigkeit kontrastirte seltsam mit dem teuflischen Triumph, welcher in seinem stechenden Blick leuchtete „Was kann ich dazu thnn?* entgegnete er. „WaS ich thun konnte, ist geschehen, ich habe Eurem Manne ein gutes Jeugniß gegeben und will auch gern vor Gericht be zeugen, daß er stets brav und rechtschaffen war, ob dies aber der Anklage gegenüber überhaupt einen Eindruck machen wird, möchte ich saft bezweiseln. — Es zibe vielleicht rin Mittel, ein einziges", fuhr er nach ritter kurzen Pause fort.
„Welches?" fragte Frau Schulz hastig. „Sprecht, ich bin zu jedem Opfer bereit."
„Ein Opfer wird nicht verlangt; es gilt einfach z« beweisen, daß Euer Mann keinen Vortheil durch de« Mord gehabt hätte. Wie aber de» Beweis führen?
Für's Erste müsse« die zweihundert Thaler herbei- gkschafft werden. Euer Mann hat freilich in seinem Verhöre gesagt, sie seien noch nicht beisammen, cs
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rahrt zu sein. — Es ist bereits neulich mitgetheilt worden, daß die beiden projektirten Linien zur Herstellung eines Nord-Ostsee-Canals unausführbar seien. Dem gegenüber ist behauptet worden, daß das Königl. Handels Ministerium die Linie vom Flensburger Hafen bis zur Lyster Tiefe bevorzuge. Dieses ist nicht der Fall; es muß wiederholt werden, daß die angestellten Untersuchungen des Königl. Ober - Bau - Jnspeetors Hagen ein für die genannten Linien günstiges Resultat keineswegs ergeben haben. Die Erdarbeiten würden um mehrere Millionen Thaler theurer werden, als für die Linie Eckernförde - Margarethen und eine dauernde Beseitigung des auf ersterer Linie wegzu schaffenden Riffes würde, wenn dasselbe auch etwa nur 20 Fuß Wasser über sich hat, doch jedenfalls nicht ohne sehr kostspielige Arbeiten möglich sein, welche Umstände dahin führen, auch die Linie vom Flensburger Hafen bis zur Lyster Tiefe aufzugeben und eine neue dritte anzubahnen.
— Die „Spenersche Ztg." meldet: Forckenbeck wird sein Landtagsmandat beibehalten, sein Reichstagsmandat jedoch niederlegen.
Kiel, 4. Aug. Seit einigen Tagen finden auf dem Hafen interessante Schießübungen statt. Von Friedrichsort und den umliegenden Festungswerken aus schießt nämlich die See-Artillerie-Abtheilung seit 14 Tagen täglich nach Scheibe», die auf dem Wasser entweder fest verankert sind, oder durch ein Dampfschiff bei den Festungswerken vvrbeigezogen werden. Die Geschütze sind die allergrößten, die überhaupt existiren, und sollen manchmal Ladungen bis 80 Pfd. Pulver gebraucht werden. Höchst interessant ist es, zuzusehen, wie die hohen Wassergarben die sehr rasch bewegte Scheibe beim Aufschlagen der Geschosse momentan der- schleiern, und wenn sie zurückfallen, die weitgeriffenen Löcher erblicken lassen. Man beobachtete mehrmals, daß die Scheibe bis zur völligen Ruine geschoffen wurde, und doch hält sie vortrefflich zusammen, da sie nur aus dünnen Latten besteht, die ohne Erschütterung des Ganzen beim Schuß wegbrechen. Es ist sorgfältig Vorkehrung getroffen, daß die Schifffahrt auf dem sehr belebten Hafen nicht gehindert wird, und die ein und ausgehenden Schiffe haben vielfach Gelegenheit , in der nächsten Nähe des Beobachtungs- fehlten ihm noch fünfzig Thaler an der Summe, indeß auf diese Aussage wird vielleicht wenig Gewicht gelegt. Wenn ich zum Beispiel auftrete und sage, der Angeklagte habe mir am Tage vor seiner Verhaftung jene zweihundert Thaler mit der Bitte übergeben, sie ihm bis zur Rückkehr Krämer's aufzubewahren, so ist jene Aussage schon entkräftet. Oder bester, ich sage, Ihr hättet mir das Geld gegeben, aber vergessen, es Eurem Manne mitzuthcilen, — ja, ja, so gehl's."
„Ich werde Euch die Summe einhändigen, Gottfried soll morgen eine Kuh in die Stadt bringen, dann schicke ich Euch die zweihundert Thaler", versetzte Frau Schulz, die zu dem Bürgermeister bereits Zutrauen zu fasten begann.
„Das wäre für's Erste", fuhr Wetterau fort. „Jetzt kommt der zweite Punkt. Ihr besitzt ein Dokument, welches Krämer vor seiner Abreise Eurem Manne übergeben hat. Dieses Dokument enthält eine Anweisung auf das Vermögen Eures Pflegesohns, welches Jakob Krämer bei Vorzeigung desselben sofort an seinen Neffen auszahlen muß. Das Gericht könnte nun aufstellen, Euer Mann habe Krämer deshalb aus dem Wege geräumt, um sich selbst dieses Vermögen zu verschaffen. Nehmen wir znm Beispiel an, der Angeklagte stellt seinen [eigenen Sohn Gottfried dem Bruder Krämer's vor, sagt, dieser sei der Sohn des Ausgewanderten, laut Taufattest und so weiter, und hier die Anweisung auf das Vermögen, fo muß Jakob Krämer die Summe zahlen, da er ja nicht wissen kann, ob der ihm Vorgestcllte auch in der That sein Neffe ist. Begreift Ihr das?"
Tie Frau nickte, die Angst hatte ihre Sinne verwirrt. Sie bejahte die Frage, ohne die Bedeutung der Worte verstanden zu haben.
„Schön I Euer Mann nimmt nun da» Geld in Empfang und reift einige Tage später mit seiner ganzen
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schiffes sich von der Schnelligkeit und Sicherheit des Feuerns aus diesen großen Geschützen zu überzeugen. Wie man erzählt, wird die Uebung mit einem größeren Manöver schließen, an dem sich sowohl alle disponiblen Kriegsschiffe im hiesigen Hafen, als auch das Seebataillon und Infanterie betheiligen werden.
Bonn, 5. Aug. Konnte gestern das Fest durch das Wetter nicht gelingen, so wurde es heute noch mehr durch den Regen beeinträchtigt. Heute Morgen begaben sich die Turner hinauf auf den Festplatz, wo sie den ganzen Tag zubringen wollten mit turnerischen Hebungen. Das Turnen der einzelnen deutschen Kreise am Vormittage, wo vorzügliches geleistet wurde, wurde auch durch Regenschauer unterbrochen. Das Volks wettturnen heute Nachmittag, zu dem sich trotz des sehr drohenden Wetters noch viele Zuschauer eingesunden, ward aber gänzlich durch gewaltige Regengüsse vereitelt. Heute Abend war gemüthliches Zusammensein in der Beethoven-Halle.
Braunschweig, 31. Juli. Ans dem hier abgehaltenen Arbeitertage war eine Adresse von braunschweigischen Husaren zur Verlesung gekommen, worin dieselben den Bestrebungen der Arbeiter ungeteilten Beifall zollten. Betreffs derselben hat nun der Oberst und Regiments-Commandeur v. Rauch eine Erklärung an die Redarlion des „Volksfrd." gerichtet, in der eS heißt: „Die Mannschaften des Regiments sind vernommen worden, und es hat sich herausgestellt, daß vorstehendes in der Sitzung des Arbeitertages verlesenes Schreiben weder von einem Husaren des braunschweigischen Htisaren-Regimenfs Nr. 17 verfaßt, noch an den Arbeitertag abgesandt worben ist. Das betreffende Schriftstück muß daher von einer Person ausgegangen fein, welche den Namen des Regiments oder der einzelnen Husaren gemißbraucht hat." Der „Volksfrd." findet es sehr erklärlich, daß fein Husar das Schreiben an den Arbeitertag verfaßt und abgesandt haben will. Da es sofort verbrannt worden, eine weitere Untersuchung also nicht mehr gut ausführbar, so sei es leicht, daffelbe für unächt zu erklären. Der ,,Volksfrd." versichert aber dem Obersten auf das Bestimmteste, daß das Schriftstück von den Husaren ausgegangen und auch der Beweis für die Aechtheft hätte beigebracht werben können.
Familie ab, wer zieht beit Vortheil? Natürlich der Angeklagte, eine Entdeckung ist ja nicht zu befürchten, wenn Krämer im Grabe liegt, Ernst erfährt nie seinen wahren Namen, und Euer Mann wird drüben ein reicher Farmer. Das alles liegt so klar auf der Hand, daß jedes Kind es begreifen kann, und die Geschworenen werden sofort auf diesen Punkt fallen. Dem könnten wir nun ebenfalls vorbeugen dadurch, daß Ihr mir das Dokument übergebt und Euer Mann vor Gericht aussagt, er habe mir dasselbe schon vor Jahren eingehändigt und mir die Leitung der Angelegenheit überlassen. Das muß jeden Verdacht entkräften, da« Gericht kann die Behauptung, der Angeklagte habe durch die Ermordung Krämer's irgend einen Vortheil gehabt, nicht aufstellen, im Gegentheil muß alsdann angenommen werben, baß Euer Mann durch den Tod seines Herrn nur verlor.
cj„ [im Unrecht sek, daß die Interessenten bei einer Klage