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Marburg, Mittwoch, den 7. Angust. ' 1672.

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rang gute Dienste geleistet. Einmal entsprach jene Wendung durchaus nicht den Thatsachen. Die ganze Angelegenheit ist zwischen unserm Kaiser und seinem Neffen auf durchaus vertraulichem Wege besprochen worden und nicht im Mindesten ein Werk der öfter reichisch - ungarischen Diplomatie. Aber gerade dies verleiht der Zusammenkunft ihren wahren Werth, daß ße nicht durch künstliche Mittel herbeigeführt ist, son­dern aus der freien Initiative der drei Monarchen selbst Sogar ist zu hoffen, ja erneut zu sehen, daß die noch immer zwischen Oesterreich und Rußland schwebende Spannung für immer einer dauernden jreundschaft Platz machen wird. Jenes Dementi lag oher auch im Interesse Oesterreichs selbst. Wäh end der Erfolg der französischen Anleihe fast in allen Wischen Blättern mit der geziemenden Nüchternheit gehandelt ist, vergleicht ein hiesiges Blatt denselben nit der kleinen Betheiligwig, welche 1870 die Kriegs­anleihe des norddeutscheu Bundes fand. Ein solcher Vergleich, der natürlich auf den deutschen Patriotis­mus ein schlechtes Licht werfen muß, ist jedoch durch­aus nicht am Platze. Damals stand man vor einem langwierigen, ungewissen Kriege, jetzt vor einem ge­sicherten Frieden. Ferner verschmähte die deutsche Re­gierung alle finanziellen Künste, welche jetzt die fran- jösische im reichsten Maaße hat spielen lassen. End lich mußten damals die deutscherseits gezeichneten Be­hage voll eingezahlt werden, während die eolossale Überzeichnung der jetzigen französischen Anleihe durch aus Schwindel ist. Der Kultusminister ist am Evunabeud über Frankfurt von Homburg nach Berlin

Animosität zwischen Oesterreich und Rußland noch immer nicht verschwunden sei. Allmählich ist ein Um­schwung eingetreten, ja ungarische Blätter sind soweit gegangen, das Verdienst an dem Mouarchencongreß in cffter Linie dem Grafen Andrassy zuschreiben zu wollen. Es ist schwerlich anzunehmen, daß derartige An schaumigen aus den ungarischen Regierungskreisen

Turnschaaren zum Festzuge, aber eben waren sie im Begriffe anzutreten, als ein schwerer Gewitterregen losbrach und den Zug zerstreute. Alles stob aus einander und flüchtete theils ins Zeltlager, theils in die Stadt. Gegen 2 Uhr heiterte sich bet Himmel etwas auf und rasch sammelte sich ein Theil der Turner zum Zuge, der auch bald geordnet, sich in Bewegung setzte. Prachtvoll war er noch immer mit den Hunderten herrlicher Fahnen und an 23000 Mann stark.- Auf dem Berge eben angelangt, ergoß sich eine neue Fluth über die Schaar, und wieder flüchtete Alles nach den Festzelten, so daß die Ordner kaum im Stande waren, die Turner zusammenzuhalten. Jndeß zerlheilten sich -die Wolken bald wieder und

in heiterster Weise. Die hiesigen Studentencorps ver­anstalteten gestern Nachmittags eine Suite zu Wagen nach Nymphenburg. Nach der Zurückkunft der CorpS begann das Kellerfest im Augustinerkeller, von dem Magistrate der Universität und ihren Gästen veran­staltet. Die Dekoration war sehr geschmackvoll und sinnig arrangirt und die Bedienung geschah durch Kellnerinnen int früheren Münchener Bürgercostüm mit Ningelhauben, während die Schenk-Kellner wie die Schäffler beim Schäfflertanze uniformirt waren. In der Halle des Kellers saßen auch Prinz Luitpold, die Minister v. Pfretzfchner, v. Lutz, Dr. Fäustle, Aürst Hohenlohe und der erste Bürgermeister Dr. Erhardt. Später erschienen Prinz Adal­bert und der Bruder des Königs, Prinz Otto, der nunmehr zwar genesen ist, aber noch etwas leidend

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» Berlin» 5. August. Die österreichische Presse

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stammen; auch ist denselben bereits von wohlunter- ~ ' formelles Dementi entgegengesetzt.

einen poetischen Trinkspruch vor. Drei MusikcorpS executirten Stücke aus Opern und, als die Stimmung gehobener wurde, Vaterlands - und Stu­dentenlieder. Etwa um 10 Uhr wurde ein Feuerwerk unter den Klängen der Musik abgebrannt; bald nach dessen Beendigung zwang jedoch ein Regen die Gäste, die gedeckten Lokale aufzusuchen. Die Adresse der Ge- meinde-Collegien der Stadt München an die Univer­sität lautet:Zur 400jährigen Stiftungsfeier der Ludovica-Maximilianea bringen wir herzlichen Glück­wunsch dar. Von jeher in ernsten wie t* frohen Tagen waren Universität und Stadt von dem Bande der Eintracht umschlungen. Möge diese Ein­tracht zwischen den Priestern der Wissenschaft und einer freisinnigen Bürgerschaft fortan auch walten zum Nutzen und Frommen der Univer­sität, wie zum Segen und zur Ehre unserer Stadt." Am 3. früh sand der Ausflug der Studirenden und Professoren nach Landshut statt, trotz des schlechten Wetters bei sehr großer Betheiligung. Nach der An­kunft in Landshut und Begrüßung am Bahnhofe fand der Festzug durch die reichbeflaggten Straßen statt, der sich aber des unausgesetzten Regens wegen nur bis zum Fuße des TrausnitzbergeS, nicht aber aus die Trausnitz selbst bewegte. Vor dem Denkmal Kö­nigs Max II. hielt Bürgermeister Gehring eine Be­grüßungsansprache, die von den Gästen mit einem Hoch auf die Stadt Landshut erwidert wurde; Pro­fessor Dr. Prantl hielt beim Monumente Ludwig» des Reichen eine Rede, in welcher er einen Rückblick auf die Geschichte der Münchener Universität warf, namentlich jenen Zeitraum berührend, da sie nach Landshut verlegt war. Die Häuser der Stadt zierten außer den Flaggen und Kränzen mancherlei Sinn­sprüche, in deren einem auch des verstorbenen Bischofs Sailer von Regensburg gedacht war. Der Schloß­hof der Trausnitz war zum Empfang der Gäste her­gerichtet; es waren Tische und Bänke bereit gestellt, Zelte aufgespannt, für mehrere Vierbuden und eine Weinschenke gesorgt, auch wechselten zwei MusikcorpS in der Aufführung hübscher Piecm ab und vieles Landvolk war dorthin zur Befriedigung seiner Schau­lust gekommen, aber die feindselige Witterung litt Niemanden lange im Freien, und so brachten die Fest­gäste den Nachmittag zerstreut in den verschiedenen Restaurationen zu. Nachmittags von 1/236 Uhr war im Saale des Bernlochuer Hotels Diner für die Damen, Deputirten und Universitäts-Professoren, zu dem sich auch Prinz Ludwig und der Magistrat Lands­huts eingefunden hatten. AbendS fanden mehrere ge­sellige Unterhaltungen statt. Allein die Tücke deS Wetter» hatte den Meisten die Festluft verdorben und so kehrte ein sehr großer Theil der Festgäste schon um 8 Uhr wieder nach München zurück.

Ausland..

Salzburg, 4. Aug. Bei strömendem Regen langte gestern Punkt 5 Uhr Nachmittags Se. Maj.

In nocturna cella

Habitat splendida stelle

Willst du dich freuen an seinem Schein, ; Schau recht tief in's Faß hinein k"

Im späteren Verlaufe trug Professor M.

gegen 4 Uhr begann das allgemeine Freiturnen, an dem aber nur nahe an 800 Mann Theil nahmen. Zum darauf folgenden Schauturnen des 8. Kreises (Rheinland und Westphalen) traten 4500 an und es entwickelte sich noch ein leidliches Bild turnerischen Lebens. Doch war die Stimmung eine gedrückte und konnte sich auch Abend das Fest im Zeltlager nach solchen diegengüffep nicht glänzend entfalten. Der zweite Tag des Festes war ein mißlungener. Hoffmt lich wird morgen das VolkSwettturnen am Nachmit­tage auf dem herrlichen Turnplätze besser vom Wetter begünstigt sein und so das eigentliche turnerische Leben noch einen guten Abschluß finden.

München, 3. Aug. Gestern Nachmittag 2 Uhr begann das vom hiesigen Magistrate veranstaltete Diner im großen Rathhaussaale. Wohl an 400 Fest­gäste halten sich zu dem in jeder Beziehung prächtigen Feste, das in würdigster Weise verlief, versammelt. Den Reigen der Toaste eröffnete der erste Bürger­meister Dr. Erhard. Er erinnerte daran, daß seit den 400 Jahren, vor welchen dieser Saal erbaut worden, in demselben viele denkwürdige Akte vollzogen worden, z. B. Versammlungen deS Landadels, Eröffnung der Landtage, Bestätigung der Freiheiten der Stadt, Em­pfang der Gesandten, fürstliche Hochzeiten, Installation des Bürgermeisters, Zusammenkunft der Bürger in ernsten Zeilen u. s. w. Auch heute habe der Saal ein festliches Gewand angezogen, um milzuwirken an der 400jährigen Stiftungsfeier der Universität. Die baierifchen Fürsten hätten stets als sicherstes Mittel zur Wohlfahrt deS Landes die Pflege der Wissen schäften erachtet; die Stadt München sei stets dankbar, daß sie zum Sitze der Hochschule erwählt worden. Redner schließt mit einem Hoch auf das Haus Wit- telsbach mid den König. Der zweite Redner war Staatsanwalt und LandtagSabgeordneker Wülfert. Derselbe trank auf den Kaiser Wilhelm. Der zweite Bürgermeister Dr. Wiedenmayer gedachte des Unter­schieds, welcher sich gebildet feit bem Zeitpunkte, als ein kunstsinniger Fürst den Grundstein der Universitäl hier legte. Wenn es wahr, was vor zwei Tagen ge­sagt worden, daß seit dem Einzug der Universität die Verwaltung der Stadt vorwärts geschritten, bann ge­bühre der Ruhm ben Männern der Wissenschaft. Redner erhob das Glas auf bas Wohl bet Univer­sität. Felix Dahn trug unter großem Beifall ein von ihm gedichtetes lateinisches und deutsches Gedicht vor. Nun folgte mit einer längeren Rede Hr. v. Döllinger, welcher, der Gründung der Universität gedachte, indem er erwähnte, daß die Stadl bei ihrer Gründung durch Lvalzhandel wohlhabend geworden, und daß das Salz der Wissenschaft auch noch in ihr walle. Er leerte fein Glas auf das Wohl der Bürgerschaft und des Magistrats der Stadt München. Tie nächste Rede hielt Dr. Völk, welcher erwähnte, daß noch vor Kurzem ein derartiges Fest unmöglich gewesen wäre. Er glaube im Namen Aller zu sprechen, wenn er ein Hoch auf den Rektor der Universität ausbringe. So lange der geistige Kamps nicht beendigt sei, habe die deutsche Nation keine Ruhe, und ein Vorzeichen seiner baldigen siegreichen Beendigung sei die Universität München und deren Rektor. Es toasteten nun weiter Professor Mommsen aus Berlin auf die deuffchen Brüder und Gastfreunde, Profeffvr Thiersch auf die Eintracht der Universitäten; Rektor Brandt von Christiania über­bringt Grüße der Universität und des Königs von Schweden. So verlief das Fest bis zum späten Abend

no hatte die Nachricht von der Dreikaiserzusammenkunft trft mit einem gewissen Mißtrauen ausgenommen, i2 welches deutlich erkennen ließ, daß die langjährige

aussieht, lieber den verschiedenen Thüren und Thoren waren launige Sprüchlein angebracht, von betten wir nachstehendes als Probe mittheilen:

strückgekehrt. Ueber die Resultate der Berathungen phen bie Vermuthungen sehr auseinanber und läßt ßch bis jetzt nichts Bestimmtes darüber melden.

Bon», 4. August. Am Freitag waren bereits tttt 3000 Turner, darunter etwa 150 von der Turn- chrcr-Verfammlung auö Darmstadt zum vierten Turn iche angefommen. An 200 logirten im Zeltlager, das aus perlen und vom Kriegsministerium geliehenen fran- löslichen Zelten besteht. Gestern Morgen 11 Uhr trat in Saale der Lese- und Erholungs Gesellschaft der iusschuß der deutschen Turner schäft und um 12 Uhr ü Sonntag zusammen, der an 200 Vertretern zählte »b bis gegen 5 Uhr unter Leitung Georgii'« aus gingen dauerte. Außer Deutschland und Deutsch Österreich waren Newyork, Petersburg, London, CH itraffburg und Metz durch Abgeordnete vertreten.

>eim Verlesen und der Vorstellung dieser, namentlich er beiden Vertreter aus Elsaß - Lothringen, erscholl ibeludes Bravo zum Willkommen. Im Verlaufe des Sorgens, namentlich aber Mittags, strömten mit jedem Uge und Schiffe die Gäste herbei. 1 Uhr kamen i* Londoner, 4 Uhr ein Theil der Oesterreicher; die Erster, Amerikaner und wieder Oesterreicher, Schweizer nd Sachsen reihten sich mit späteren Zügen und Schiffen an. Stark 3000 Festlheilnehmer versammel- sich gegen 8 Uhr in der Beethovenhalle, wo Reden, i L'ber und Musikvorträge wechselten und bis zur Ktternachtsstunde das fröhlichste Leben und Treiben kftschte, welches namentlich im Verlaufe des Nach- taogg, da das Wetter nach gewaltigen Regengüssen . j ch klärte, auch die Stadt und das Zeltlager immer

*hr beherrschte. Der heutige Tag ließ sich in her Hhe schön an. Im Laufe beö Vormittags kamen

mehr denn 1000 Gäste an, so daß deren Zahl 4000 betrug. Um 12 Uhr versammelten sich die

Erscheint tilglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberhrsfische« Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22; egt., burd; die Postämter 27 Egr. ft Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für baS Ausland excl. Stempel 22 Eigr.

Jmenionegebtidr für bie gespaltene Zeile ! Sgr. Sämmlliche Annonren-BüreauS nehmen Inserate an.

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