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Marburg, Dienstag, den 6 Augllst.

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(Fortsetzung.)

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seinen größtm Triumph mit seiner Milliarden-Anleihe. Würden die Herren Franzosen unser deutsches Sprich­wort kennen,es ist nicht Alles Gold, was glänzt", eS wäre dann wohl möglich, daß ihr Jubelgeschrei etwas gedämpfter klänge; so aber kennt eS keine Grenze. Als vor Jahresfrist 5 Milliarden Kriegs­entschädigung verlangt wurden, hielt Frankreich diese Summe für unerschwinglich, und heute hat Deutsch­land allein mehr gezeichnet, freilich nicht effektiv, son­dern nur spekulativ. Sollte in Herrn Thiers wohl nicht der Gedanke aufkommen, daß er nicht dieses Ver­trauen geschaffen hat, sondern daß es überhaupt in den befestigten Friedenszuständen Europas liegt, wer deren Träger ist, wissen wir in Deutschland Alle, doch jenseits der Vogesen ist es eben dieconservative Re­publik des Herrn Thiers." Seit lange raucht man in Frankreich schon Staatstabak, bald königlichen, bald kaiserlichen, bald republikanischen, jetzt nun hat die Nationalversammlung das Gesetz angenommen, wonach die Streichholzfabrikation auf den Staat über­geht. Man steckt also für die Folge seine republi­kanische Cigarre mit einem bitte Streichhölzchen an; Frankreich will damit 9 Millionen Franken verdienen Am 4. August wird die Nationalversammlung bis zum November sich vcttagen und hat bereits ihre Permanenz- Commission gewählt. Vor dem Schluß ihrer Thätig keil mußte es noch etwas stürmischer als je in der Versammlung hergehen. Es handelte sich um den Be- richt des Herzogs d'Audiffret-Pasquier über die Ver­träge der Commission, die von Gambetta in Tours zur Begutachtung der Waffenankäufe eingesetzt worden war. Die Absicht der Royalisten bei dieser Gelegen­heit war weniger eine sachliche als eine politische: man wollte vor den Ferien noch einen Kolbenschlag auf das Haupt Gambetta's und seiner Freunde führen, die sich anschicken, die Zeit der Ruhe zu einer Propaganda für die Auflösung der Nationalversammlung zu. ver- werthen. Gambetta wehrte sich in einer eben so hef. tigen Rede wie in seinem Organe, derRepublique Franxaise", die der Majorität ein Ende mit Schrecken androhte. Audiffrct-PaSquier wurde durch 371 Stimmen unterstützt, die Linke enthielt sich der Abstimmung.

In Italien ist der auf ausdrücklichen Befehl des Papstes von der dentalen Partei auf die Gemeinde­ämter unternommene Sturm auf allen Punkten zu­rückgeschlagen worden, ein Beweis, wie sehr sich die

Politische Wschen-Urberficht.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Wiesbaden und Homburg hat Se. Maj. der Kaiser zur Badekur in Gastein die Reise über Nürnberg und Regensburg ge­macht. Noch immer sind unsere politischen Nach­richten mehr oder weniger mit kirchlichen gemischt. Ein Aufruf desVorstandes des Vereins bet beut- schcn Katholiken" fordert nicht nur zu neuer Bethei­ligung auf, sondern schildert die Zustände in Deutsch­land im schlimmsten Lichte und hebt den Jesuitismus unter dem Namen des Katholicismus in den Himmel. Neuer Stoff für politische Conjunkturen erblüht in der in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Zusammenkunft der drei Kaiser im September in Berlin. Tie Auferweckung der heiligen Allianz haben wir indessen nicht zu befürchten. Die Arbeitsein­stellungen in den rheinisch - westfälischen Kohlen- distrikten haben ohne wesentliche Vortheile für die Strikenden wiederum ihr Ende erreicht. In Berlin und in Halberstadt haben Tumulte stattgefunden, die, trenn auch nur lokalen Ursprungs, mit bewaffneter Macht unterdrückt werten mußten. In München ist die Feier der vierhundertjährigen Stiftung der Universität zu einem der großartigsten und erhebendsten nationalen Feste geworden.

In Oesterreich sind die Ultramontanen noch immer bemüht, die Kirchen- und Schulfrage in ihrem Sinne, im Gegensätze zu der Bewegung in Deutsch­land, zu lösen. Die Einwanderung der Jesuiten hat vielfache Proteste hervorgerufen. Die Drei-Kaiser zusammenkunft wird auch von den österreichischen libe taten Blättern als eilt weiterer Schritt zur Befesti­gung des europäischen Friedens begrüßt, der Oester- r-ich-Ungarn Zeit gönnen wird, seine inneren Fragen und Klagen zu lösen und fein ReorganisationSwerk zu vollenden.

In der Schweiz hat das Scheitern der Revision der Bundesverfaffung den Papst ermuthigt, zur Be­festigung des Einflusses der Curie neue Schritte zu thun. Durch päpstliches Breve ist der Canton Genf don der Diöcese Lausanne abgelöst und Mermillod, Bischof von Hebron L p., als Bischof von Genf ein« znetz, worven. Diese neue Maßregel der Curie Hal großes Aufsehen erregt und der Bundesrath be­faßt sich schon mit Gegenmaßregeln.

Frankreich feierte in der vergangenen Woche

Ein böses Gewissen.

Von Ewald August König.

n. ix 1872

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Rückkehr, Euer Mann hat das Geld noch nicht bei­sammen, es fehlen ihm 50 Thaler was nun ihun? Soll er seinem Herrn sagen:Ich habe das Geld für diesen ober jenen Zweck ohne Deine Erlaubniß ausgegeben!" Ihr werbet einsehen, baß er dies nicht konnte, Krämer würbe ihn ber Unredlichkeit beschul­digt haben, er mußte das Geld sich jedenfalls zu ver­schaffen suchen. Dies gelingt ihm nicht, seine Ehre steht auf dem Spiele, ta fällt ihm ber Gedanke ein: »Wie wenn ich ben Eigenthümer bes Gelbes aus dem Wege schaffe? Dadurch wäre mir auf dem kürzesten Wege geholfen, ich hätte nicht nöthig, länger mich zu grämen, und könnte die übrigen hundert und fünfzig Thaler behalten." 5 8

|Herr Bürgermeister!" fuhr die Frau in gerechter Entrüstung auf.

»So laßt mich doch ausreden! Ich sage ja nicht, daß dem wirklich so ist, oder daß ich es glaube, ich sage nur, die Herren Geschworenen werden sich in dieser Weise eine Geschichte zusammenreimen, welche Eurem Manne den Hals brechen muß. Er geht also mit diesem Gedanken einige Zeit um, macht sich immer vertrauter mit demselben, und der Umstand, daß Niemand außer ihm von der Rückkehr KrämerS etwas weiß, erleichtert sein Vorhaben. Der Moro wird vollbracht, zufällig aber fällt dem Mörder ein Messer aus der Tasche, welches sofort dem Gesetze einen Beweis gegen ihn in die Hand gibt, dazu treibt den Mörder die Gewissensangst, nach dem Morde wieder der Erste aus dem Schauplätze de- Verbrechens zu sein."

(Fortsetzung folgt.) - , .

Fgenb etwas milzutheilen, was auf das Schicksal Steg Mannes Bezug habe, bot sie dem Eintretenden fctn Stuhl an, auf welchem dieser ohne Zögern

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Wenn auch die Wangen der Frau erbleichten, w Bewußtsein der Unschuld ihres Mannes ließ Zweifel in ihrer Seele aufkommen, daß das ,cnlx "icht seinNicht schuldig!" sprechen werde.Mag n Schein auch gegen ihn jein," erwiderte sie ruhig, ie Herren Richter werden ihn nicht verurtheilen, er * ja so unschuldig an dem Morde wie ein nenge- tteneS Kind."

Führer dieser Partei über die Bedeutung der ihnen zu Gebote stehenden Mittel getäuscht haben, wie das anderwärts in noch viel höherem Grade der Fall ist als in Italien. Daß der Vatiean diese beschämende Lection, die er sich aus freien Stücken geholt hat, zu würdigen weiß, zeigt das Eingehen der Genfer Cor- respondenz, welche die vorzüglichste Wortführerin der . internationalen schwarzen Verschwörung gegen die mo­dernen Regierungen war.

Die Königin von Belgien ist am 30. Juli von einer Prinzessin entbunden worden, welche die Namen Cle­mentine Albertine Marie Leopoldine erhalten hat.

Der König von Spanien hat auf seiner Reise in die Provinzen. in Santander einen warmen Em- pfang gefunden, nicht minder auch in den benachbarten Städten, die er von dort aus besucht hat. Von einem Ergebnisse der Nachforschungen über die Urheber des Attentats ist noch nichts in die Oeffentlichkeit ge­drungen. Die Carlistenschaaren unter Tristany und Sanz in Catalonien, welche immer mehr ben Charakter von Räuberbanden annehmen, haben einige empfind­liche Niederlagen erlitten. IhrKönig" Ton Carlos hat ben Ruf seiner Lächerlichkeit durch eine neue pomp­hafte Proklamation wo möglich noch vermehrt. Nnter- bessen soll der Papst, von der Königin Isabella ge­beten, daß er Don Carlos zur Aufgebnng seiner An­sprüche bewegen möge, sich statt dessen für diesen Prä­tendenten erklärt haben.

In Portugal, und zwar speziell in der Haupt­stadt Lissabon, gehen wieder Gerüchte von einer Ver­schwörung, welche die Bevölkerung in Unruhe versetzen; die Regierung hat besondere Vorsichtsmaßregeln ge­troffen.

Auch England ist nun in den politisch-religiösen Strudel hineingerissen worden. Das Keogh'sche Ur- theil über die Wahlumtriebe in Galway hat zu einer ziemlich erregten Debatte im Unterhause Anlaß gege­ben , welche natürlich fein Resultat hatte; aber mit großer Spannung steht man dein Proceffe entgegen, welcher auf Grund jenes Urtheils gegen die Bischöfe von Clonfert und Galway und 22 Priester eingeleitet werden wird. Sir Robert Peel wollte die Regierung durch eine Anfrage dazu drängen, sich auszusprechen, ob sie das in Vergessenheit geratene Jesuitengesetz von 1829 nicht in Kraft fetzen wolle. Herr Gladstone fand es jedoch bedenklich, eine direkte Antwort zu geben,

«Ja, seht, das ist ein eigenes Ding," fuhr der Bürgermeister fort.Da sitzen die zwölf Geschworenen, Herren, welche Euren Mann nie gesehen haben, also auch nicht wissen, ob er ein braver rechtschaffener Mann ist, die hören den Anklageact des Staatsan walts, und die Zeugen werden nachher einfach ge­fragt, ob der Angeklagte schuldig sei oder nicht. Da helfen keine Zeugnisse und wenn sie auch noch so günstig wären, hier wird nur gefragt, konnte der An­geklagte irgend einen Grund haben, den Mord zu begehen? Und wenn dies der Fall ist, dann haben sie schon von vorne herein die Ueberzeugung, daß der AngeNagte wirklich den Mord begangen hat, versteht Ihr mich?"

Nicht so ganz!" eroieberte die Frau, bereit Angst, sich bereits steigerte. |

Nun, seht einmal, Euer Mann halte von dem Gelbe, welches Krämer ihm zur Erziehung seines Sohnes wie heißt er doch?"

Ernst," warf die Frau arglos hin.

Seines Sohnes Ernst schickte, eine Summe von zweihundert Thaler unterschlagen," fuhr Wetterau, ber im Stillen schon trinmphirte, fort,bas werbet Ihr boch zugeben müssen."

Unterschlagen?" fiel Frau Schulz ihm entrüstet in bie Rebe.Er hat bas Geld geliehen, um Vieh dafür zu kaufen, er wollte es zurückgeben, sobald fein Herr hier eintraf."

Seht Ihr, da liegt der Hase im Pfeffer! Leihen ohne Erlaubniß des Eigenthümers heißt unterschlagen. Er wollte es zurückgeben, folglich hat er es nicht zu rückgegeben. Nun gut, gesetzt auch, das Gericht nimmt 1 die redliche Absicht an, damit ist iudeß noch nichts gewonnen. Der Brief Krämer's meldet dessen baldige

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and-Es steht schlecht um Euren Mann," hob der Bürgermeister an, indem er aus feiner Horndofe eine leibt eise nahm und die alte Frau scharf beobachtete;die eweise gegen ihn sammeln sich von Tag zu Tag, 041, ährend für seine Unschuld kein einziger Beweis zu «den ist."

.Der Bürgermeister zuckte die Achseln.Mag sein," mte* Ersetzte er,ich bestreite daS durchaus nicht, habe ych bisher an feiner Unschuld noch nicht gezweifelt, ' "n - aber .

,,dc»Nun? Aber?" fragte Frau Schulz, die bei ben __iwmnif}eoneii Wesen Wetterau's doch eine innere p8ft erwachen fühlte.

R Wette.au ließ die ersten Tage verstreichen, ohne ' ^6 er einen Schritt in dieser Angelegenheit that, §ar- - tral tr eines Morgens, just als käme er nur ~n, ^fällig vorbei, in daS Haus des Ackerers. Die Frau iun«k verhafteten befand sich allein im Wohnzimmer; 'pkimuthenb, daß der Bürgermeister komme, um ihr

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