Marburg, Sonntag, den 4. August
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von Athen" von Beethoven in gelungener Weise vorgetragen war, führte der akademische Gesangverein den von btffen Mitgliedern Fr. v. Ziegler und A. Heurung gedichteten und componirten Weihegesang au«. Hierauf hielt der Rector Professor Dr. v. Döllinger die Festrede. Rach der Festrede wurde vom akademischen Gesangverein und von dem Hoforchester eine Festhymne, gedichtet von M. (Saniere, componirt von Fr. Wüllner, vorgetragen. Hiermit schloß dieser Theil der Feier. Bei dem heute Nachmittag 3 Uhr im königl. Odeon veranstalteten Festmahl, welchem Prinz Ludwig und Herzog Karl Theodor, dann die sämmtlichen Minister beiwohnten, wurde der erste Toast von Döllinger auf den König und daS königl. Haus auSgebracht. Hieraus
Philister und Commilitone der Gerichtshalter Jacob Heiß aus Landshut, welcher in den Jahren 1809—12 die damalige Universität Landshut frequentirte. Gestern Abend feierten die Obscuranten ein Gartenfest, wobei selbst der Nestor der hiesigen Hochschule, Professor E. Hierl (feit 1811 im Staatsdienste), am Tanze Theil nahm. Bezüglich des Fackelzuges wird mitge-
kunst, womit das Festspiel endet. Die Tableaux und Decorationett des Festspiels waren in vortrefflicher Weise ausgeführt, so insbesondere die Copie deS hiesigen neuen RathhauseS und der auf der Bühne dargestellte Festzug. Die Aufführung des „Lohengrin" war sehr gut; der König wohnte derselben bis zum Schluffe bei, sowie die in der Hofloge anwesende ver- wittwete Königin von Schweden. Vielfach wurde in- deß die Klage laut, daß die Hälfte aller Sitzplätze von Damen, hauptsächlich aus München, eingenommen war, und auf den schönsten Sitzplätzen junge Männer saßen, während nicht wenige alte Herren, ehemalige Mitglieder der Universität Landshut, mit Stehplätzen vorlieb nehmen mußten. Heute Vormittag 9 Uhr fand der Festzug nach dem Programm statt. Den Zug eröffnete die Universitätssahne zwischen der baierffchen und der Reichsfahne, begleitet von dem Festcomite der Studirenden. Hierauf folgten mit Musikbegleitung die verschiedenen Corps mit ihren Fahnen, der akademische Gesangverein, die Profefforen in ihren Talaren, die Deputationen der Akademien rc. in Uniform, der Magistrat, die verschiedenen Verbindungen ebenfalls mit ihren Fahnen und die früheren Studirenden, darunter auch Offiziere in Umform. Zu bemerken ist, daß der 8. C. der hiesigen Corps keine Vertretung unter dem Festcomite der Studirenden hatte, das hinter der Universitätsfahne ging, weil derselbe mit gewissen Studentenverbindungen nicht in Berührung kommen wollte. Der König sah von der Residenz aus sich den zum Universitätsgebäude bewegenden Zug aU. Die sämmt- lichen Häuser der Straßen , durch welche der Zug kam, waren festlich beflaggt. In der großen Aula des Universitätsgebäudes, in welcher sich die Prinzen Abalbert und Ludwig und Herzog Carl Theodor, dann die Minister v. Pfretzschner, v. Lutz, v. Pscufer und Frhr. v. Prankh eingefunden hatten, erfolgte hierauf ver Festact. Nachdem der Marsch aus den „Ruinen
bens und die festen Burgen deutscher Wissenschaft; daß sie das ferner noch sein möchten, daS walte Gott und die deutsche Jugend. Rector Döllinger erwidert diesen Gruß und Glückwunsch mit dem Ausdrucke der Freude darüber, daß Max Müller, ein Mann deut scher Abstammung und deutscher Bildung, berufen worden sei, in England für die deutsche Wiffenschaft zu wirken. Professor v. Curtius aus Berlin bringt seinen Glückwunsch als Vertreter der Akademien bei Künste und Wissenschaften mit einem Hinweis darauf, wie nothwendig eS sei, daß Wiffenschaft und Kunst einander unterstützten. Rector Döllinger erwidert mit einigen Bemerkungen über die Verschiedenheit deS Zweckes, den die Universitäten,Hund jenes, den die Akave mien der Wissenschaften verfolgen. Dem Profeffor v. Heerwagen, der den Glückwunsch der Lyceen, Gyrn-
ein Diner gegeben werden wird, zeigt sich im schönsten Festgewande. Zwischen den weiß und blauen Dra perien erheben sich die Fürsten-Standbilder, die ganze nördliche Langseite nimmt ein schönes historisch-allegorisches Bild, den Einzug der Hochschule in Münchens Mauern darstellend, ein; gegenüber aber über dem Eingangsportale steht folgender, von Hermann Ling verfaßter Sinnspruch:
In Reife prangt der Obstbaum und die Rebe, Der Ernte schwillt entgegen gold'ne Saat, Doch daß der Baum der Menschheit Früchte gebe. Vollbringt allein des Geistes freie Tbat!
In Jahren und Jahrhunderte erweitert Die Sphäre der Erkenntniß seiner Kraft, Erforscht und wirkt, durchdringt, beseelt und läutert: Heil ihm und jedem Sieg der Wissenschaft!
Den Willkomm! biet' ich und ich schwing' Euch Allen Um's Haupt den Kranz aus deutscher Eichen Blatt: Laßt froh und frei den Fluß der Rede wallen, Willkommen in den festgeschmückten Hallen, Willkommen München, Landshut, Ingolstadt! . Unter den 1840 bisher bekannt gewordenen Festgenossen der Münchener Universitätsfeier ist der älteste
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Deutsches Reich.
Berlin, 1. Aug. Dor Kurzem ging die Nachricht durch die Blätter, daß dem Reichskanzler Berichte über die jüngste Pocken-Epidemie zugegaugen, aus denen sich ergeben, daß zwar einmal geimpfte Per- jenen in größerer Zahl von der Krankheit befallen worden seien als nicht geimpfte, daß aber das Sterb- lichkeits-Verhältniß für Letztere ein weit ungünstigeres gewesen sei. Bei der großen Wichtigkeit, welche statistische Erhebungen für die Frage nach dem Werth der Impfung haben, dürfte es angezeigt sein, die amt- lichen Mittheilungen darüber aus einem preußischen Regierungsbezirk im AuSzuge zu veröffentlichen. In 962 städtischen und ländlichen Ortschaften deS Bezirks wurden von 823,539 Einwohnern 10,138 von den Pocken befallen, und von diesen starben überhaupt 1670, also 16,45 Procent. Von ungeimpften Personen waren im Ganzen erkrankt 577, also 5,69 Procent der überhaupt Erkrankten. Von diesen ungeimpft Erkrankten sind aber gestorben 250, also 43,33 Procent. Von einmal Geimpften erkrankten 9184 Personen, also 90,59 pCt. der überhaupt Erkrankten, von diesen starben aber nur 1365, also 14,86 pCt. WaS den hohen Procentsatz der erkrankten Geimpften betrifft, so erklärt sich derfelbe einfach dadurch, daß mindestens ein gleich hoher Procents tz der Einwohner jener Städte und Ortschaften als geimpft anzunehmen ist, aber der Werth der Impfung ergibt sich doch klar, wenn man den Procentfatz der ungeimpst an den Pocken Verstorbenen — 43,33 — mit dem der vaccinirlcn an den Pocken Verstorenen — 14,86 pCt. — vergleicht. ES ergibt sich eine mehr als 3 Mal größere Sterblichkeit für die ungeimpften als für die geimpften Pockenkranken.
— Das Handelsministerium hat umfaffende Maßregeln gegen die Verbreitung der Cholera • Epidemie durch den Eisenbahnverkehr und deren schleunige Ausführung angeordnet.
— Das Stadtgericht in Berlin hat kürzlich eine Entscheidung getroffen, welche nicht nur in prinzipieller Beziehung sondern auch in Rücksicht auf die in dem Prozesse figurirenden Personen von hohem Interesse ist. Ein früherer fchleswig-holstein'fcher Offizier hatte gegen den Reichskanzler Fürsten Bismarck eine Klage »egen Anerkennung seines — des Offiziers — Rechte auf Bezug einer jährlichen Pension eingcteitet. Fürst AiSmaick hatte aber den Prozeß dem ReichSkauzler- atute überwiesen, welches letztere den Justizrath Lüdicke i» seinem Anwalt erwählte. Am Tage der Ent scheidung erschienen nun der Justizrath Lüdicke als Vertreter deS Reichskanzleramtes und der Kläger in Person vor Gericht. AlS indessen der Anwalt des Reichskanzleramtes für dieses plädiren wollte, erhob der Offizier dagegen Einspruch, indem er ausführte, daß daS Reichskanzleramt auf Grund des ReichSge- jetzes den Reichsfiscus nicht vertreten könne; dies zu chun fei nur der Reichskanzler befugt Deshalb habe er auch nur diesen verklagt, und da derselbe nicht erschienen sei, sondern die Sache einer anderen, nicht zu ftänbigen juristischen Person übertragen habe, so fordere er die Verurtheilung des Reichskanzlers in contumaciam. DaS Stadtgericht hielt die Ausführungen des Klägers für zutreffend und erkannte dem Anträge gemäß. Gegen dieses Urtheil hat der Reichskanzler die Appellation eingelegt , und darf mau dem Ausgange dieses interessanten Prozesses gewiß mit Spannung 4ntgegenfehen.
— Am Schluß brt ersten Semesters 1872 befanden sich Post - Spar- und Vorschutzvereine an 35 Orten des deutschen Reichspostgebietes mit 10,973 Mitgliedern, welche 10,330 Thlr. an laufenden orbent- llchen Monatsbeiträgen zahlten, während im Ganzen 14,456 Thlr. an Vorschüssen aus Vereinsmitteln den Plitgliedern gewährt waren.
Homburg v. d. H., 2. Aug. Heute Vor •htag sind Se. Maj. der Kaiser und König von hier ^och Nürnberg abgereist und passirten Frankfurt mit * Verbindungsbahn.
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München, 1. Aug. Der Münchener Rathhaus- W, in welchem bett JubilänrnSgästen von der Stadt
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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal de, Oberbesfischen Seitung mit Krei«blatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 82; Gar., durch die Postämter 27 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für daS Ausland excl- Stempel 22 Gar.— Jnserlionsgebüdr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
naften, Realschulen rc. darbrachte, antwortete Döllinger mit Betonung der Nothwendigkeit jener Anstalten für die spätere Ermöglichung einer höheren wiflcnschaft- lichen Ausbildung. Schließlich sprach noch NamenS der Studirenden cand. jur. Kraus und gedachte mit dankenden Worten der mühevollen und segensreichen Thätigkeit der akademischen Lehrer. Mit Dankesworten Döllinger's auch auf diese Begrüßung schloß diese erste der Feierlichkeiten. — Die Räume des k. Hos- und Nationaltheaters waren wohl selten noch so Überfüllt, wie bei der Festvorstellung zum Universitätsjubiläum. Nach 6 Uhr erschien der König in der Hofloge und wurde mit Hochrufen empfangen. DaS Orchester stimmte die baierische Nationalhymne an, welche von den Anwesenden mitgefungen wurde. Hierauf begann daS Festspiel, in welchem das „Münchener Kindl" sich beklagt, daß eS keinen Dichter finden könne, der das Universitätsjubiläum verherrliche. Auf diese Klage hin tritt später ein solcher auf. Einem Streit „Münchens" und „Ingolstadts" und „Landshuts" Über die Berechtigung zur Begehung des Festes wirb ein Ende gemacht durch das fröhliche Auftreten einer Schaar von Studenten, begleitet von den durch Frauengestalten dargestellten Personificationen der fünf Fakultäten. Der Dichter, der im weiteren Verlaufe de« Spiels den Prolog spricht, findet den Beifall de« „Münchener Kindl'ö" nicht, weil er viel zu klassisch , „ , M .. „ „ „ und nicht im gemüthlichen altbaierischen Dialekt spricht,
«heilt, daß der König dessen Annahme ablehnte, diese In der letzten Scene prophezeihen die LandeSgötter an den dermaligen Rector magnificus Reichsrath Baierns der Münchener Universität eine glückliche Zu- v. Döllinger verwiesen, aber feine Anwesenheit wäh- * r' " ~ ...... ~ '
tenb desselben zugesichert habe. Auch die Alumnen des GeorgianumS nehmen am Fackelzug wie am Feste Theil. Doch bemerken dieselben, daß die von ihnen gebrachte Ovation dem Rector magnificus der Universität, „nicht aber dem zur Zeit excommunicirten Priester Döllinger gelte." Di« Aufstellung geschah am Athenäum und der Zug bewegte sich von da durch durch die Maximilianstraße in die Stadt. Die erste Ovation ward vor dem Standbilde Königs Max I. auf dem Max-Josephsplatze dem Könige Ludwig IL dargebracht , unter Abspielung der Nationalhymne, die zweite fand vor dem Bilde Königs Ludwig's L auf dem OdeonSplatze statt. Der Fackelzug ging dann die Lndwigsstraße hinunter, bog in die Adal- bertstraße ein, um durch die Amalien- und Schelling- straße an jenen Platz zu gelangen, wo unter den Klängen des Gaudeamus die Fackeln zufammenge worsen wurden. Trotz deS starken Regens war die Betheiligung großartig. Eine ungeheure Menschenmenge wogte in den Straßen. Von einem Fenster der Residenz sah der König, von tausendstimmigen Hochs begrüßt, dem Fackelzuge zu.
— Bei der Begrüßungsseierlichkelt war Profeffor Dr. Max Müller von Oxford beauftragt, den Glück wünsch der auswärtigen Universitäten, der Hochschulen von Schweden, Holland und England zu überbringen und conltatirte mit Freude die Verbreitung deutschen Wesens und deutscher Bildung bei den andern Völkern germanischen Stammes. Er kann den deutschen Universitäten das batikende Zeugniß ausstellen, auch in dem letzten geistigen Kampfe Das gewesen zu sein, was sie feit ihrer Entstehung sein sollten und Jahrhunderte lang gewesen sind, die Schulen einfacher deutscher Sitte, die Tempel einfachen deutschen Glau
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