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Mkrtzurg, Sonnabend, den 3 August.
Mr 181.
1872.
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Dberhesfifche Zeitung.
^lch«int "glich außer den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Obrrhrsfischrn Zeitung mit KreiSblatt durch die Ervedition es«»'s» Buchdruckere.) bezogen Lar. durck die Postämter L7 Lgr. « Pfg. (excl. Bestellgebühr und inel- Stempelsteuer), für das AMand excl Ztemvel L
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Er sah eine Weile in düsterem Schweigen vor sich
D>e Wittwe nickte, wie alle Frauen ihres Alters
.Und wenn ich nun eine solche Fran gefunden
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)2i, wenn ich entschlossen wäre, sie zu heirathen,
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»Und wenn 6« selbst diese Frau wären?" fragte
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würden Sie wohl ein gutes Wort für mich einlegen?" Frau Heller sah überrascht von ihrem Strick-
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Ei» böses Gewissen.
Bon Ewald August König.
I Fortsetzung.)
„Wie oft habe ich Ihnen dies sagen wollen " ent- gegnete die Witlwe. „Aber ich befürchtete, die Anhänglichkeit an Ihren Prinzipal —*
schiusst. Aber bevor ich zu einer ernstlichen Erwägung desselben übergehe, muß ich wissen, was Sie in Bezug auf Ihr Berhältniß zu Krämer und überhaupt für die nächste Zukunft zu thun gedenken."
„Auch darüber bin ich bereits mit mir im Reinen", entgegnete der Buchhalter, besten Züge durch die Aussicht auf bas Jawort der Wiltwe sich sichtbar erheiterten, „ich bewerbe mich im Stillen um einen anderen Posten, den zu erhalten mir wohl nicht schwer fallen wird, und kündige, sobald ich einen solchen gefunden habe, dem Rentier."
„Ich bin mit diesem Vorsatz einverstanden", fuhr die Wittwe fort. „Sie werden nun einsehen, daß unserer Verlobung die Hochzeit auf dem Fuße folgen müßte, damit den Leuten nicht lange Zeit zu Ver- muthungen und unnützem Gerede gegeben wird, erlauben Sie mir deßhalb, meine Antwort auf Ihren Antrag bis zu jenem Zeitpunkt aufzuschieben, in welchem Sie mir sagen können, daß ein glücklicher Erfolg Ihre Bemühungen um jene Stelle gekrönt hat."
Die Wittwe erhob sich nach diesen Worten und verließ, ohne eine Antwort abzuwarten, das Zimmer.
Heldau war nicht so beschränkt, baß er nicht das versteckte Jawort herausgefunden hätte, er mußte die Gründe der Wittwe gellen lassen, und begnügte sich deshalb auch mit dem vorläufigen Bescheid, indem er sich vornahm, am nächsten Tage seine Bemühungen mit rastlosem Eifer zu beginnen.
Seit der Verhaftung des Ackerers waren acht Tage verstrichen. Seine Sache stand schlimmer, als er selbst und seine Angehörigen glauben mochten. Dank der Bemühung des Bürgermeisters und dem Jnauisi- lions-Talent deö Untersuchungsrichters hatten sich so viele Beweise gegen Schulz gefunden, daß selbst der geschickteste Advokat gezweifelt haben würde, sie alle widerlegen zu können. Der Ackerer ahnte nicht, welche
Unschuldige mit leiden müssen. So soll ein Schueider- nteifter lebensgefährlich durch einen Hieb über den Kopf verwundet sein. Außerdem kamen noch viele andere größere und kleinere Verwundungen auf beiden Seiten vor, wie die Blutlachen auf dem Pflaster bezeugten. Gegen 12 Uhr war die Ruhe so ziemlich hergestellt, doch ist eine Erneuerung der Erceste zu befürchten. 0
Braunschweig, 31. Juli, lieber das Einschreiten des Militärs gegen die Markt-Exceste in Wolfenbüttel veröffentlicht bas Garnison-Commando m Braunschweig im „Tageblatt" eine amtliche Erklärung, in der es heißt: „Das Militär hat nicht mit Schüssen geantwortet, obgleich mit Steinen geworfen wurde und der commandirende Offizier, dem die Herstellung der Ordnung im vorliegenden Falle noch mit aiidereu Mitteln möglich war, zur Anwendung der Schußwaffe befugt gewesen wäre, da die betreffende gesetzliche Bestimmung wörtlich lautet: „Wird der bewaffneten Macht thätlicher Widerstand entgegengesetzt oder sogar ein Angriff auf dieselbe mit Waffen oder anderen gefährlichen Werkzeugen unternommen, wird mit Steinen oder anderen Gegenständen nach derselben geworfen, so ist die bewaffnete Macht auf Anordnung ihres Befehlshabers von der Schußwaffe Gebrauch zu machen befugt."
München, 31. Juli. Heute Mittags 12 Uhr fand der feierliche Empfang der Abgeordneten in der kleinen Aula der Universität statt. Anwesend waren die k. Staatsminister v. Pfretzschner, v. Lutz, v. Pseufer und etwa 80—90 Professoren. Cultusminister v. Lutz eröffnete die Feierlichkeit im Namen und Auftrag des Königs mit einer Rede, worin er sagte, daß der König, welcher der Universität München mit nicht geringerer Liebe anhänge, als der Gründer der Hochschule selbst oder irgend einer seiner Vorgänger auf dem Throne, sich hochbeglückt fühle, daß es ihm vergönnt sei, unter seiner Regierung ein so bedeutungsvolles Jubelfest feiern zu sehen und Zeuge davon zu sein, daß an Stelle der Hoffnungen, welche die Gründer der Hochschule hegten, die reifeste und schönste Erfüllung getreten. „Weit über den Horizont, welcher auf dem Gebiet der Wissenschaft zur Zeit der Gründung ^der^Hochschule sich darbot, hat sich diese seit
Heldau rasch, dem mit dieser Frage eine Last vom Herzen fiel.
Die Ueberraschung der Wittwe wich einer gerechten Bestürzung, sie war auf einen solchen Antrag nichts weniger als vorbereitet und blickte, um ihre Verwirrung zu verbergen und Zeit zu einem Entschlüsse zu gewinnen, so unverwandt auf ihren Strickstrumpf, als ob sie jene Frage ganz Überhört hätte.
„Würden Sie meinen Antrag zurückweisen?" fuhr der Buchhalter fort. „Sie wisten selbst, daß ich nirgends mich so heimisch fühle, wie bei Ihnen, daß Sie allein im Stande sind, auf meine Eigenheiten und Gewohnheiten einzugehen."
„Aber was werden die Leute dazu sagen?" entgegnete die Wittwe, welche das Heirathen durchaus noch nicht abgeschworen hatte.
„Kümmert's uns?" erwiderte Heldau achselzuckend. „Die Leute werden vielleicht ein paar Wochen lang ihr Erstaunen oder auch ihr Mißfallen äußern und schließlich sich daran gewöhnen."
Wollte die Wittwe ehrlich sein, so fühlte sie sich durch den Antrag geschmeichelt, auf der andern Seile bedachte sie auch, daß der Beistand eines Mannes in manchen Fällen sehr wünschenswerlh und die Erfahrung und die Geschäfiskenntniß des Buchhalter- für Ernst von großem Nutzen sein könne.
„Aber was wird mein Sohn sagen, wenn er erfährt, daß —"
„Ernst ist gewohnt, in mir feinen Vater zu sehen," fiel Heldau der Zögernden ins Wort, „ich bin über- zeugt, er wird über unfern Schritt sich freuen und ihn billigen."
Die Wittwe legte jetzt den Strickstrumpf hin und sah dem Brautwerber mit mildem Ernst in’« Auge: »Noch habe ich mich nicht entschlossen", versetzte sie, „gönnen Sie mir einige Tage Zeit zu diesem Ent- .
auf unser Blatt für die Monate
öquulluncil August und September werden angenommen von allen Postanstalten und in Marburg von *
6er Expedition der „Oberhesfischen Zeitung".
esr* Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an!
Deutsches Reich. ”
*• Berlitz», 1. August. Die Dreikaiserzusammenkunft hat nunmehr auch eine offieielle, wenn auch fürs Erste nur halbamtliche Bestätigung durch die „Wiener Zeitung" erhalten. Es verdient mit Anerkennung her- vorgehoben zu werden, daß auch die österreichische Journalistik die bevorstehende Thatsache mit der größten Unbefangenheit beurteilt Es hieß früher stets, daß die Intimität Deutschlands mit Rußland ein wahrhaft inniges Lündniß mit Oesterreich unmöglich mache, da letzterer Staat von einer gewissen Antipathie gegen den nordischen Nachbar beherrscht war. Man schätzi eS deshalb aii Oesterreich, daß nunmehr auf dem neutralen Boden Deutschland eine tiefere Verständigung beider Monarchen ermöglicht werden soll. Auf die Haltung der deutschen Presse ist bereits gestern hin- gewicsen. Hier war früher die Predigt gegen die russische Allianz das Lieblingsthema liberaler Leitartikel. Man Hal allmälig, besonders aber im letzten Kriege, kennen gelernt, was die russische Freundschaft bedeutet und wie sie unsere nationale Wiedergeburt gefördert hat. An eine Neubelebung der heiligen Allianz glaubt sogar die „Franks. Ztg." nicht, die sonst keine Gelegenheit vorübergehen läßt, der deutschen Regierung reactionäre Tendenzen zu imputiren. — Es scheint sich zu bestätigen, daß mit dem Geh. Rath Herrmann in Heidelberg Verhandlungen wegen Uebernahme des Präsidenten des Oderkirchenrathes angeknüpft sind. Doch sind dieselben bis jetzt keineswegs zum Abschluß gediehen. — Leider treffen Nachrichten von einer Aus breitung der Rinderpest an den östlichen Grenzen der Monarchie ein. Die Regierung läßt eS an den noch wendigen Vorsichtsmaßregeln, das Eindringen derselben auf deutsches Gebiet zu verhindern, natürlich nicht fehlen. Bereits hat das hiesige Polizeipräsidium in Bezug auf den Eisenbahntransport Anordnungen ge-
.„„.vuumpfe auf.
„Sie haben Ihre Wahl bereits getroffen?" fragte
„Da sehe mir einer die Junggesellen an, sie sind do«» friedliebend und unschuldig nicht, wie sie sich den "ischein geben. Je nun, wenn diese Frau mir bekannt und ich Grund habe, zu glauben, daß sie einen dmWann glücklich machen wird, so stehe ich gern zu 743 — -
troffen, die Verschleppung der Viehseuche anf diesem Wege unmöglich zu machen.
— Nach ber. letzten Notiz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen waren bis zum 13. Juli d. I in den deutschen Münzstätten in Zwanzigmarkstücken 203,965,180 Mark und in Zehnmarkstücken 8,155,060 Mark geprägt worden. In der Woche vom 14. bis 20. Juli d. I. sind ferner geprägt in Zwanzigmark- Hütfen: in Hannover 1,004,940 Mark, in Franifurt a. M. 2,104,860 Mark, in München 1,196,920 Mark, in Dresden 1,224,780 Mark, in Stuttgart 552,420 Mark und in Karlsruhe 250,000 Mark; ferner in Zehnmarkstücken: in Berlin 3,121,270 Mark. Die Gesammt Ausprägung stellt sich daher bis 20. Juli d. I. auf 221,575,430 Mark, wovon 210,299 Mark in Zwanzigmarkstücken und 11,276,330 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.
Halberstadt, 28. Juli. Gestern fanden hier Morgens und Abends sehr bedauerliche Excesse statt Der städtische Pöbel vergriff sich an den Landleuten, welche seiner Ansicht nach die Lebensrnittel zu theuer verkauften. Sämmtliche Butterverkäufer flüchteten sich vor der drohenden Masse in ein am Markte gelegenes Hans. Die Wuth des Pöbels wandte sich nun gegen dieses. Mit Beginn der Dunkelheit wurde es ernst. Hafter, Baffermann'sche Gestalten mischten sich zwischen die Haufen und einzelne Steine flogen gegen die Fenster, Laden und Thüren. Um 9*/2 Uhr hatte der Skandal seinen Höhepunkt erreicht, eine um 81/2 Uhr einberufen gewesene Arbeiterversammlung hatte ihr Kontingent gestellt, so daß der ganze Markt voll und von gewiß 2—3000 Menschen besetzt war. Der unge- dildett und pöbelhafte Theil derselben demolirte nun mit Steinen die Fenster in drei Etagen, selbst in den Wohnungen der Miethsleute, und mit Aexten und Beilen die Läden und die Hausthüre, schließlich auch einen Theil der Zimmer. Die Macht der Polizei war zu gering, dem Unfug Einhalt zu thun. Es mußten die Kürassiere einschreiten. Als man der Aufforderung zum Auseindergehen mit Schreien und Steinwürfen antwortete, wurde Befehl zum Säubern des Platzes und der nächsten Straßen, sowie im Falle des Wiederstandes zum Einhauen gegeben. Wie es bei derartigen Vorfällen immer geht, so haben auch hier viele
> eaL. "äa, ja, heirathen wäre für mich das Beste," fuhr 'ö « endlich fort, „aber ich möchte eine Frau haben, —- ganz zu mir paßte, im Alter, im Charakter, kurz,
in Weib, welches mich so nehmen und verstehen rse>» hnn, wie ich mich gehe, waS meinen Sie dazu, Frau
mb- 0)1,110 r '"»re, rote alle Frauen ihres Alters 896, »ahm sie an solchen Heirathsprojecten lebhaftes Jn-
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tert ^n' offenbar kämpfte er mit einem Entschluß. —
, „Sie hat ihre Grenzen," versetzte der Buchhalter s rasch. „Heute Mittag, als ich gleich einem Schulbuben dem jungen Bauer gegenüber stand, empfand ich lief, welchen unwürdigen Posten ich ausfülle, ich ®«g mich nicht länger zu solchen Kommissionen her- geben."