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Marburg, Freitag, den 2. August.

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1872

Oderhessische Zeitung

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wird. Dagegegen hat der Kaiser das vom König ihm angebctene Diner auf dem Bahnhofe von Nürnberg angenommen; das Souper und die ihm zur DiSpo- silion gestellten Hofequipagen in Regensburg aber, sowie den Empfang an der Landesgrenze und die Be­gleitung durch den Generaladjutanten Freiherrn von der Tann dankend abgclehnt.

Nach telegraphischer Nachricht aus Rom Ist die Präconisation des Abtes Haneberg als Bischof von Speyer im letzten Consistorium vollzogen worden.

Oesterreich-Ungar«.

Pest, 30 Juli. Graf Ändrassy ist heute Morgen hierher zurückgekehrt. Nach demBester Lloyd" wäre feine Reise nach Wien eigentlich durch die Petersburger Nachricht in Betreff der am 6. September erfolgenden Ankunft des russischen Kaisers in Berlin hervorge­rufen. Daffelbe Journal schreibt die Urheberschaft der Zusammenkunft der drei Kaiser direct dem Grafen Ändrassy zu und bemerkt, daß daS Zusammentreffen alS eine Friedensdemonstration bedeutendster Art be­zeichnet werden könne.

Schweiz.

Bern, 31. Juli. In der heutigen Sitzung des Bundesrathes machte das politische Departement Mit- iheilung von der von ihm betreffs der projeclirtcn Gründung eines BiSthumS in Genf getroffenen Ge- genmaßregeln, welche die Genehmigung des Bundes- raths fanden. Alle Aufschlüffe der Schweizer Presse über den Abschluß des Vertrages, betreffend den Bau des Gotthard-Tunnels, beruhen auf bloßer Vermuihung. Die Angelegenheit befindet sich noch im Stadium der Unterhandlung, welches keine Veröffentlichung zuläßt.

Frankreich.

Pari-, 30. Juli. Nicht einmal die Rücksichten auf die Anleihe waren im Stande, die National Ver- sammlung zu einer ruhigen und würdigen Haltung zu bewegen. Statt sich einfach mit der Sache zu beschäftigen und ruhig die Zahlen und die Menschen zu prüfen, wurde die gestrige Debatte über die Unter- fchleife Gambetla's und Genossen ein Chaos von politischen Leidenschaften, und schließlich blieb die Sache selbst so unklar wie zuvor. Seit Frankreichs Weizen in der Anleihe so schön blüht, thut man, als wären alle Schwierigkeiten der Lage überwunden und als seien für die Gloire der großen Nation bereits wieder sieben fette Jahre angebrochen. Tie ganze Welt bringt Frankreich denTribut" ihres Vertrauens, dieHuldigung der Republik" dar. Diese und ähn­liche Weihrauckswolken ziehen von Paris aus durchs Land, wie in Nordwestdcutschland der Höhnrauch in Folge des Moorbrennens. Ein Schwindel hat wieder die Franzosen ergriffen, der sie zu allem, waö sie ge­rade jetzt vermeiden sollten, fähig macht.Frankreich richtet sich auf, Frankreich steht wieder aufrecht!" ruft das Siede der Welt unter Hinweisung auf seinen Credit drohend zu.Die Republik verlangte von der Nation, von allen europäischen Völkern drei Milliarden, um das durch die Dummheit und das Verbrechen deS Kaiserlhums dem Fremdling überlieferte Gebiet zu be­freien. . . Heule geht die Wahrheit wie die Sonne auf. Es sind nicht drei Milliarden, ja, eS sind nicht bloß dreißig, welche Europa, die ganze civilisirte Welt der Republik anbictet." Und weil dem so ist, nennt das Siede keckdie Stimmen der Interessen unfehl­bar." Auch das Siede droht den Royalisten Tod und Verderben:Die Natter zischt und beißt in dem Momente, wo die Anleihe ihr das Haupt zertritt!" La Presse, die sonst ziemlich kühl zu rechnen pflegt, jubelt ebenfalls heute:Die zur Zahlung unserer gebier und Mißgeschicke des Krieges von 1870 und 1871 bestimmte Anleihe ist die erste Revanche dieses Krieges; sie ist eine unserer finanziellen und moralischen (?) Lebenskraft dargebrachte Huldigung; sie ist bas Zeug- niß einer wirklichen Sympathie von bisher gleichgültig oder mißtrauisch gewesenen Freunden, und diese Sym­pathie wurde gegengezeichnet von unseren Feinden so­gar, und zwar nicht mit unfruchtbaren Worten, son­dern mit der fruchtbaren Beredsamkeit des Geldes. Wahrlich, ein Gefühl des Stolzes und der Hoffnung ist unserem Lande wohl gestattet Angesichts des rin­

der Chef des Militär -Cabinets General v. Treskow, die Obersten v. Hartmann (Kriegs Ministerium) und Bronsart v. Schellenborf (Generalstab), sowie der Generalstabs-Arzt der Armee Dr. Grimm.

Wiesbaden, 30. Juli. Heute Nachmittag 5 Uhr verließ der Kaiser mit der Taunusbahn unsere Stadt. Am Bahnhofe hatte sich die Generalität, das OsfizierS- corps, die Chefs der Justiz- und Verwaltungsbehör­den, Bischof Wilhelm!, die beiden Herren Bürgermeister von Wiesbaden, sowie ein großes Publikum eingefun­den. Dem Kaiser wurden von Damen viele Blumen­sträuße überreicht, die er mit freundlichster Miene ent gennahm. Er verabschiedete sich in fröhlichster Laune von den Anwesenden. Bei seiner Abreise erscholl ein dreimaligesHoch dem deutschen Kaiser."

Homburg, 31. Juli. S. M. der Kaiser traf gestern Nachmittag gegen halb 7 Uhr in unserer, im reichsten Festgewande prangenden Stadt ein. An dem Bahnhof von den Spitzen der Civil- und Militärbe­hörden empfangen, fuhr Se. Majestät den Weg zum Schlöffe, überall von einer dichtgedrängten Menge mit Hochrufen und Tücherschwenken begrüßt. Um 7% Uhr erschien der Kaiser int Theater. Die Vorstellung begann mit einem Prolog, gesprochen von Frl. Köhler vom großh. Hofrheater in Darmstadt. Das Hoch, welches in der Schlußstrophe des Prologs ausgebrachl wurde, fand lebhaftes Echo unter den Anwesenden, welche die nun vom Orchester angestimmte National­hymne stehend anhörten. Es folgte nun Berdi'sTra- viata" mit Signora Volpini alS Violetta und Signor Marini als Alfredo in vorzüglicher Aufführung. Die Vorstellung war erst um 10% Uhr zu Ende. Vor dem Theater hatte sich das gesammte Curpublikum ver­sammelt, welches abermals den Monarchen aufs Wärmste begrüßte. Der Platz vor dem Curhaus bot einen interessanten Anblick, indem die Fayade des Cur- hauses brillant' illuminirt war und bei Abfahrt des Kaisers von allen Seiten bengalische Flammen aus- loderten. Aus Frankfurt war eine so große Menschen­menge herübergekommen, daß der 11-Uhr-Zug nur mit ziemlicher Verspätung expedirt werden konnte.

Darmstadt, 31. Juli. Der hier tagende Turnlehrertag zählt ungefähr 300 Theilnehmer. Die Minister v. Lindelof, v. Bechtold, sowie die Ministerial- rälhe v. Bodenstein und v. Lehmann wohnen den heuti­gen Verhandlungen bei. TieTarmslädter Zeitung" enthält in einer Beilage die Verluste der Großherzog lich Hessischen (25.) Tivision im Feldzuge 187071. Hiernach betragen dieselben a) an Tobten und zwar an Gefallenen oder an den Wunden Verstorbenen 37 Olficiere, 495 Mannschaften, an Krankheiten Verstorbenen 6 Olficiere, 535 Mannschaften; b) an Verwundeten 60 Officiere, 1460 Mannschaften; c) an Vermißten 39. Der Gcsammtverlust beträgt also 103 Officiere, 2529 Mannschaften gleich 2632 Mann.

München, 31. Juli Der König hat anläßlich des Jubiläums aus den Mitteln der Cabinetscaffe ein Stipendium von 10,000 Gulden für Sludirende der Geschichte oder zum Zwecke einer wissenschaftlichen Reise gestiftet. Dem Rector der Universität, Professor v. Döllinger, ist das Großcomthurkreuz des Kronen- Ordens, dem Prorector Giesebrecht der Titel eines Geheimralhs, den Professoren Prandl, Roth, Brinz, Helferich und Hecker der Kronenordcn, den Professoren, Schmid, Voit, Müller und Radekoser der Michaeis- orden verliehen worden. Minister Lutz, von den Mi­nistern v. Pfretzschner und v. Pfeufer umgeben, über­brachte im Aultrage des Königs dessen Glückwunsch zur Jubiläumsfeier und verkündete die Siipendienstiflung und Ordensverleihungen. R-ctor v. Döllinger dankte Namens der Universität. Es folgten dann die Begrüßungsreden Bürgermeister Erhardt sprach Namens der Residenz, Sybel für die deutschen, Max Müller für die außer- deuischen Universitäten, Ernst Curlius für die ge­lehrten Gesellschaften, Herrwanger für die Mittelschulen, Student Krauß für die Studentenschaften.

Wie verlautet, wird der Kaiser von Deutsch­land die Reise durch Baiern im strengsten Inkognito machen. Der Kaiser wird mit dem Könige von Baiern nicht zusammentreffen, weil der Letztere dem gleich­zeitig stattfindenden Universitälsjubitäum beiwohnen

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Deutsches Reich.

Berlin, 31. Juli. Unser Kaiser hat nun Mhr dem Kaiser von Oesterreich die Herkunft des Kaisers von Rußland durch ein eigenhändiges Schreiben notiftcirt. Wie man hört, wird der Kaiser von Ruß­land nicht nur vom Großfürsten Thronfolger, sondern auch von zwei andern Großfürsten begleitet sein. Ob auch Fürst Gortschakow nach Berlin kommen wird, ist noch unbestimmt, dagegen steht es fest, daß Graf Ändrassy seinen Monarchen begleiten wird. Die Nach Acht von der bevorstehenden Kaiserzusammenkunst wird überall in der Prcsie mit Genugthuung begrüßt und stößt man nirgends auf ReminiScenzen an die heilige Allianz. DaS Bündniß und daS einträchtige Zusammen­halten der drei, nordischen Mächte ist die sicherste Bürgschaft des Friedens und am geeignetsten, dem augenblicklich gerade wieder lichterloh auflodernden Chauvinismus der Franzosen einen kräftigen Dämpfer aufzusetzen. Es konnte nicht fehlen, daß der glänzende Erfolg der Anleihe bei diesem Volke eine eigemhüm- lichr Deutung erfahren mußte. Einige Blätter ver steigen sich dahin, in dem Seitens Europa's dem fran­zösischen Volke gemachten Credite nicht bloß ein Zeichen der Sympathie zu sehen, solidem sie erblicken darin eine offene Aufmunterung zur künftigm Revanche. Europa ist indeß viel zu friedensbedürftig, als daß t« derartige Bestrebungen gewisser französischer Par­teien, die nicht einmal an der eigenen Regierung einen Rückhalt haben, unterstütze; eine nüchterne Be­trachtungsweise kann in dem gewährten Credite nur den Wunsch auSgedrückt finden, recht bald alle Streit­punkte zwischen Deutschland und Frankreich beigelegt ju wissen. Es muß mit Befriedigung constalict »erben, daß Angesichts der neueren socialen Zustände «nd Ereignisse die liberalen Blätter vielfach von ihrer Einseitigkeit zurückkommen. So ist dieNat.-Ztg." sogar zu der Einsicht gelangt, daß die unleugbaren Mißstände der Residenz theilweise durch die schranken- lose Freizügigkeit veranlaßt seien, sie ermahnt ihre Leser, sich ein Beispiel an den Engländern zu nehmen und die Polizei thatkräftig zu unterstützen, nicht aber, wie dies in Deutschland hergebracht, ihr gar hindernd mtgegenzutreten. Der neue Polizei-Präsident von Berlin wird voraussichtlich erst am 10. August hier tinlreffen. Prinz August von Würtemberg, der cvmmandirende General deS Garde-Corps ist zum Gou­verneur von Berlin ernannt.

Bei Gelegenheit der Feier der silbernen Hoch­zeit des Fürstm Bismarck in Varzin überreichten hinterpvmmer'jche Freunde desselben dem Jubelpaare ein kostbares Album. DieNeue Stettiner Ztg." berichtet darüber: Mit Rücksicht auf die Devise des Fürsten:In trinitate rodur ist in dem Album in einem Epos (in drei Hetdengesängen) besungen und durch zahlreiche Photographien wie künstlerische Tag kau veranschaulicht, wie sich die Dreizahl durch das Leben des Fürsten hinzieht.

T Vor etwa Jahresfrist hatte die japanische Re­gierung auf diplomatischem Wege durch den damals gerade in Berlin anwesenden deutschen General Consul d. Brandt beim dasigen Kriegs-Ministerium eine An­zahl von Jnstructoren erbeten, welche im Heere des Mikado von Japan die Grundsätze der preußischen Militärerzichung nach und nach entführen und zur Geltung bringen sollten. ES wurden zu diesem Zweck Mehrere frühere Offiziere, Wachtmeister, Feuerrverker inb ein Wallmeister, Vertreter sSmmtlicher Waffen­gattungen , mit deren Zustimmung nach Japan kom- manbirt Jetzt hat die japanische Regierung den bei inten Verhandlungen beteiligt gewesenen höheren preußischen Offizieren fein gearbeitete werthvolle Ehren- fibcl zum Geschenk gemacht und sollen solche erhalten: bie Generale Graf v. Roon, v. Kameke, v. Stiehl«,