Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Dienstag, den 30 Juli.

1872

Oberhessische Zeitung

jubelte

«Seit Habe könnte

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischeu Atttuu- mit «reisblatt durch die Ervedition (Ra&'i&i Buchdruck.r.i) bezogen tt, Sgr., durch d,° Postämter L7 Sgr. « Psg. (excl. Bestellgebühr und St.M»el^uer^^aS AuSlan7 ».?

^»lertionrgedüdr litt tte gespaltene Zeile 1 L>gr. Sämmkliche Annoncen-Büreauk nehmen Inserate an.

richtet. Don Carlos benutzt diese Reise deS König-, um sich seinen Landsleuten durch eine Proclamation wieder in Erinnerung zu bringen. So wenigstens meldete ein au« Versailles datirteS Telegramm, mit dem Beifügen, daß der tapfere Prinz diese Proclama- tion von der spanischen Grenze erlassen habe. Die Berichte über den Aufenthalt des spanischen Kronprä­tendenten schwanken aber immer noch; vor wenigen Tagen hieß es, daß er sich in Lausanne, auf schweizer Boden befinde und es dürfte nicht anzunehmen sein, daß er dies sichere Asyl mit dem unsicheren an der spanischen Grenze" namentlich nach der unglücklichen Affaire von Orvieta vertauscht habe.

Ei» bises Gcwiffe«. -

Von Ewald August König. (Fortsetzung.)

J ' ,@ie?" fragte Mathilde vorwurfsvoll, wann sind wir einander so fremd geworden ? ich der Freunde so viel, daß Du glaubst, ich den beste» und aufrichtigsten entbehren?"

Palitische Wachr»«Ueberficht.

Wenn im deutschen Reiche auch die Politik ihre Ferien hält, so bleibt doch in einem Rückblick auf die vergangene Woche einiges nicht Unerhebliche zu berichten. Zunächst ist durch das Zusammentreffen unseres Kronprinzen mit dem Kaiser von Oesterreich in Ischl den vielfach auSgestreuten Gerüchten über da» nicht mehr vorhandene gute Einvernehmen zwi­schen Deutschland und Oesterreich die Spitze abge­brochen, in gleicher Weise dürfte eine offiziöse Mel bung derKarlsr. Ztg." auS Wien aufzufassen sein, wonach eS keinem Zweifel mehr unterliegt, daß die Kaiserin ihren Gemahl nach Berlin begleiten wird; daS weibliche Gefolge, heißt eS namentlich in der er­wähnten CorrespoNdenz, sei zu diesem Zwecke bereits zujammengestellt. Unser Kaiser hat seine Kur in Ems beendet und ist am Sonnabend nach Wies­baden gereift, wo ihm der herzlichste Empfang zu Theil wurde. Aeußere Feierlichkeiten hatte sich der Monarch verbeten. Der Schluß der Woche wurde in Beilin durchStraßenunruhen" illustrirt und fanden mehrstündige Kämpfe zwischen der Polizei und dem Pöbel start, die mit zahlreichen Verwundungen und massenhaften Verhaftungen endeten. Die Woh- nungsnoth war dieses Mal der Haupthebel nicht, |on- dern mehr die Lust am Skandal. 1 Polizei-Lieutenant und 15 Mann von der Schutzmanuschaft sind ver­wundet worden. Der am Donnerstag begonnene Stan dal wiederholte sich am Freitag und dauerte bi« in die Nacht hinein; in mehreren Straßen, deren Be­wohner mit der Sicherheitsbehörde in fortgesetztem Streit leben, artete dieser Unfug fast bis zu Barri­kadenkämpfen aus.

Zn Oesterreich sind die verschiedenen Ausgleiche immer noch schwebend, auf der einen Seite kämpfen die Feudalen gegen das auf den Herbst vei tagte Wahl­gesetz, andererfeits sind es die Episcopalen, welche ihre Hoffnungen, die Schul- und Ehegesetze werden nicht zur Geltung kommen, immer sicherer verkünden. So wenig erfreulich die politischen Nachrichten über die inneren Veihältnisse dieses Staates zur Zeit anch

wie schwer mir dasSie" geworden ist, aber Mutter meinte, Du seiest nun eine vornehme Dame und ich dürfte

»Pfui, da« war garstig!" wandte da« Mädchen sich zu der $8itnet, die kopfschüttelnd neben den Beiden stand.Wie sehr haben Sie mich verkannt!"

Nun, nun, ich weiß nicht, was bester wäre", versetzte Frau Heller,)0 sehr ich auch die Freund schäft achte, wenn aber die Stände gar zu ungleich sind"

Die Stände zu ungleich?« unterbrach Mathilde. Sondern auch Sie die Menschen nach ihren Gütern iu Klassen ab? Nimm Dir die Worte der Mutter nicht zu Herzen", fuhr sie, sich zu dem jungen Manne wendend, fort,ich sehe schon, ich muß e« bei ihr verdorben haben, weil sie das Band unserer Freund­schaft zerreißen will. Aber was auch kommen möge, «n meinem Herzen zweifle niemals." Ernst etgiiff freudig die Rechte des Mädchens und drückte sie stür- visch.Tu bist mein guter Engel", sagte er,und nur einen Wunsch kennt meine Seele, bett, daß Du fietS mir zur Seite bleiben mögest."

Dank, tausend Dank für diese Worte", Ernst, dem eine Last vom Herzen fiel.Gott weiß

sind, um so bester und fester gestalten sich die äußeren ! Graf Andrasty hat die Cotirung der türkischen Rente! an der Wiener Börse gestattet und wie dieOesterr * Corresp « hierzu bemerkt, seien wichtige politische Mo­mente maßgebend gewesen. Auch die glückliche An­knüpfung eine« herzlichen Einvernehmens der Höfe von Petersburg und Wien hat stattgefunden, und in gleichem Sinne ist der bevorstehende Besuch am Hofe deS deutschen Kaisers aufzufassen.

DaS Genfer Schiedsgericht tagt noch weiter, und sollen die Schiedsrichter ihre Proeedur nicht vor drei oder vier Monaten znm Abschluß zu bringen gedenken. Sie sind noch immer mit der einleitenden DiScussion über die Verbindlichkeit Englands, welches Land durch seine Bevollmächtigten geltend macht, alles Mögliche innerhalb der Grenzen seiner Gesetze und Verfassung geihan zu haben, um Kaperschiffe am Auslaufen aus seinen Häfen zu verhindern, beschäftigt. Die Sommer- Session der schweizerischen Bundesversammlung ist geräuschlos beendet worden. Das Schützenfest in Zürich ist mit einem Banket und vielen Reden ge­schlossen worden.

Die beiden Häuser des englischen Parlament- Haben das Gesetz über die geheime Abstimmung bei den Wahlen nunmehr angenommen. Sir R. Peel hat eine Anfrage an die Regierung gerichtet über die Aus­führung deS gegen gewisse katholische Orden gerich­teten Gesetzes von 1829. Gladstone glaubte jedoch, die Regierung müsse es ernstlich überlegen, ob ein so veraltetes Gesetz noch zur Anwendung kommen könne. An die englischen Bischöfe hat der Papst die Mahnung gerichtet, durch Hirtenbriefe eine etwaige Verfolgung oer Orden zu bekämpfen. Ein im Parlamente von Gilpin eingebrachier Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe ist mit 167 gegen 5i Stimmen abgelehnt worden. Die Strikewuth hat in London die Bries- träger und die Polizisten ergriffen, ohne daß sie ihre Drohung über Arbeitseinstellung bis jetzt auSgeführt haben. In Nottingham hat die englische Abthei- lung der Internationale ihren ZahreScongreß abge­hallen.

Der König von Schweden hat am 24. d. sein Land auf einige Zeit verlassen und sich nach Deutsch­land begeben, um in den heißen Quellen Aachens sein hartnäckiges Leiden endlich loszuwerden. Sein Bruder Oscar, der Herzog von Oftgolhland, der als Thron­folger ihn inzwischen in Regirmn^sangelegenheiten zu vertreten hat, ist am 18. d. in Haugesund (an der Westküste Norwegens) bei der feierlichen Enthüllung oeS Denkmals zugegen gewesen, welches dort zur Er­innerung an Harald Haarfagar und an den tausend­jährigen Bestand des norwegischen Königreichs errichtet wurde.

Der russische Großfürst Thronfolger begibt sich am 29. d. zu Schiff von Petersburg nach Kopenhagen zu seiner dort bereit« weilenden Gemahlin. Daß die russische Regierung mit der römischen Curie vollstän- dig einig geworden wäre, muß sehr bezweifelt werden, oder düsterer Mißmuth sie sprechen ivnnte, und daS Geipräch stockte. Der Buchhalter mochte selbst fühlen, daß er heute in den Kreis der kleinen Familie nicht paßte, daß seine trübe Laune jener die Freude verdarb, er wollte deshalb gleich nach Tisch sich ent­fernen^ aber Ernst hielt ihn am Arm zurück.

So schlecht gelaunt habe ich Euch seit Jahren nicht gesehen", hob der junge Mann an,ist Euch irgend Etwas Unangenehmes begegnet, so müßt Ihr doch wissen, daß wir gerne ßertit sind, Sorge und Aerger mit Euch zu theilen, und e« ist deshalb sehr unrecht, wenn Ihr uns gegenüber bieS verschweigen wollt."

Aus das Herz Heldau'S machten diese Worte sicht­lich Eindruck, die Wolken ichwanv« allmählich von seiner Stirne, er zögerte einen Augenblick und setzte sich dann wieder hin.Hole der Henker die ganze Geschichte!" rief er unwillig.Ich hab'« bald satt, stets für meinen Herrn die gebratenen Kastanien an­dern Feuer zu holen. Da sendet er mich heute Mor­gen mit einem ganz sonderbaren Auftrag nach C. Ich sollte ihm von dort ein Document holen, ein versie­gelte- Dokument, welche« irgend ein Anderer, Gott weiß vor wie vielen Jahren, einem dortigen Lauer anvertraut hat"

In C.?" fragte Ernst,darf ich wiffen, wie der Bauer heißt, der jenes Document besitzt?"

Der Bauer heißt Konrad Schulz", fuhr der Buch­halter fort,er selbst ist verhaftet."

Konrad Schulz? Verhaftet rief der junge Mann bestürzt, indem n bett Amt Heilbares umklammerte

auf unser Blatt für die Monate öC|lCUUUguU August und September «erden angenommen von allen Postanstalten und in Marburg von

der Expedit»« derOberhesfischeu Zeitung".

H* Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an!

In Frankreich handelt es sich fort und fort um den Versuch einer Annäherung des linken unk rechten CentrumS auf Basis der Anerkennung der Republik seitens der Elemente, welche sich so lange eagegen gesträubt haben. Als Aequivalent für diese Anerkennung soll eine zweite Kammer gebildet, ein parlamentarisches Ministerium, dieser Traum der Rechten, eingesetzt werden; ferner soll eine auf demo kratischen Tendenzen beruhende Verfassung auSgear- beitet werden, freilich nur als Versuch für eine Periode von 5 Jahren. Die Veisammlung in Versailles hat das Gesetz über die Besteuerung der Rohstoff turchberathen und daS Militärgesetz in dritter Lesun^ angenommen. Die Drei Milliarden-Anleide, die größte, welche je zur Zeichnung gelangt, ist nun auf­gelegt und werden bis zum Montag den 29. Juli, Zeichnungen angenommen.

Das Attentat auf den König AmadeuS von Spanien hat in Italien mannigfache Ovationen heivorgerufen. Bei den Commnnal-Wahlen in den Städten Italiens haben die klerikalen Anstrengnngen nichts geholfen, selbst in Rom nicht. Der bäurische Gesandte bei dem päpstlichen Hofe, Graf Taufkirchen, ist abgereist, seine Rückkehr ist unbestimmt.

Der König von Spanien hat seine Reise in die Provinzen angetreten und wird über die Nieder rcerfuitg des carlistischen Aufstandes nur günstig be

Ein freundliches Lächeln umspielte die Lippen Ma­thildens, während flüchtiges Roth ihre Wangen über goß- Wer weiß, was uns die Zukunft bringt, ent gegnete sie.Muth und unermüdliches Streben Haden schon manchen an's gewünschte Ziel geführt."

Ein herrliches Mädchen!« versetzte der junge Mann, als Mathilde dasHauS verlaffen hatte.Mutter, entweder führe ich Dir diese als Tochter in die Arme, oder keine!"

Die Alte seufzte tief auf.Du liebst zu hoch, und das thut nimmer gut",' erwiderte sie,bedenke doch, das einzige Kind eine« Millionärs und Du, der arme unbemittelte Agent."

»Hal Mancher mit Kleinem angefangen und mit Großem aufgehört", meinte Emst, warum sollte ich denn verzagen und die Hände muthlos in den Schooß legen!" Die Mutter schüttelte den Kopf und ging hinaus, sie konnte die Hoffnungen ihres Sohne- nicht theilen.

Ernst arbeitete bsS zum Abend und ging dann in'S Wohnzimmer, um dort der Ankunft Heldau'S zu harren, mit welchem er heute noch über die zweck­mäßige Verwendung der erhaltenen Summe sich be- rathen wollte."

Es schlug bereit- 8 Uhr, als der alte Mann, der sonst stets Punkt 7 Uhr nach Hause zu kommen pflegte, eiutrat. Er war mifetuutyig und einsilbig, mit düsterer Miene nahm er, al« das Esten aufgetragen wurde, «m Tische Platz, und so oft auch Ernst ober besten Mutter die Unterhaltung zu beleben suchte, Heldau warf jedes Mal Worte ein, wie nur verhaltener Groll :