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Marburg, Donnerstag, den 25 Juli
1872
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Oierhessische Zeitung
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lsgte er erstaunt.
„Ja ich," fuhr Mathilde fort, „Du weißt, meine Ksparnisfe betragen, Tank Deiner Freigiebigkeit, sünf- »send Thaler; wie wäre es, wenn ich diese Summe •'n jungen Manne anvertraute und dabei die Bcbin- ^ng stellte, daß mir Anspruch auf einen Thcil des ^kschäitsgewinnes gestattet werde?"
»Also stille Association?" entgegnete der Rentier,
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Ein biises Gewissen.
Von Ewald August König.
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34 ff.
■34 -
Michen Mächte zur römischen Curie auf die Be- timmungen und Erachtungcn des Conclave Gewicht egt. Der Verfasser erklärt, daß durch die Beschlüsse 1 in les vaticanlschen Concils auch die Verfassung der । be- kirche eine Umgestaltung erhalten habe, durch welche >eren icn Regierungen und auch Preußen die Verpflichtung mjerlegt werde, bestimmte Positionen zu fassen, wo- >urch dann auch geboten werde, daß die deutsche Re jerung eine Einwirkung auf die Papstwahl erhalte, scheu »eiche ihr durch das Exclusivrecht für die katholischen
Mächte entzogen war. Die Tendenz der Schrift ist natürlich in erster Reihe die, das Recht des Staates ligcn die Kirche zu schützen. -- Rach Berichten aus Schleswig ist die öffentliche Stimmung im Ganzen zu- sri-denstellend und wird namentlich von Nordschleswig erwähnt, daß, wenn auch rein deutsche Gesinnungen «och nicht zum Ausdruck gelangt, so doch die dänische Agitation an Zuversicht verliert, indem das Bewußt-
Tkutsches «eich.
♦» Berlin, 23. Juli. Nach den gesetzlichen Be- tiuimungen erfolgt die Veröffentlichung von Con- :effionen zu Eisenbahnen und Privilegien zur Ausgabe von Papier au porteur nur von jetzt an durch ne Regierungs-Amtsblätter. Es ist aber vielseitig der Wunsch ausgesprochen, diese Bekanntmachungen auch wrch den „Reichsanzeiger" publicirt zu sehen und ;at in Folge dessen das Moratorium des „ Reichs - tlnz." sich bereit erklärt, diese Publication unentgeltlich ju übernehmen. — Das neueste Heft des Central- latles für die Unterrichts-Verwaltung bringt in ausführlicher Weise die Protokolle der Verhandlungen über bas Volksschulwesen und zwar unter Anführung der Namen der einzelnen Redner; dieser Bericht läßt daher an Klarheit und Uebersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig und dessen Abdruck in der Presse wird gewiß zum großen Theile erfolgen. — Das neuerdings erschienene Werk „Ein Wort über die Papstwahl" hat nicht blos deßhalb große Beachtung zefuiiden, weil die „Nordd. Allg. Ztg." die in jener Schrift niedergelegten Anschauungen zu den ihrigen uachen zu können glaubt, wodurch gewissermaßen die Infchauungen des Werkes als gouverncmentale ge mnzeichnet werden, sondern auch deshalb, weil der lersasser mit großer Sachkenntniß unter Hinweis auf ie gediegensten Werke der Literatur über diesen Gelegenstand auf die Geschichte des Papstlhums zurück- vmmt und weil er namentlich auf die Stellung der
festzustehen, in einzelnen Kreisen, die auch dem diplo- rnatischen Verkehr nicht fern stehen, zweifelt man noch zur Zeit an der Glaubwürdigkeit dieser Mittheilung Wiener Blätter. — Der Staatssekretär im auswärtigen Amte, Hr. v. Thiele, wird binnen Kurzem eine längere Urlaubsreise antreten; seine Vertretung wird voraussichtlich Hrn. v. Balan, Gesandter in Brüssel, wie im vorigen Jahre, so auch in diesem wieder zu- fallen. — Die halbamtliche „Provinzial Correspondenz" hat kürzlich bei Besprechung der kirchlichen Angelegenheiten die Aeußerung gethan, daß die Absicht der Regierung in Bezug auf ihre Stellung zu der katholischen Kirche im Allgemeinen und auf die Stellung zu den Bischöfen im Besonderen wohl im Landtag und Reichstag hervortreten werde. Diese Aeußerung ist nun in der Presse verschiedentlich beurteilt und kri- tistrt, die ultramontane Presse hat diese Aeußerung als eine vollständige Kriegserklärung aufgefaßt und hielt sie als eine Drohung, daß bittrer Ernst mit den Maßnahmen der Regierung gemacht werden werde; ein größerer Theil der Presse hat diese Aeußerung matt und nicht von der Energie der Regierung zeigend, genannt. Jene Aeußerung der „Prov.-Corr." dürfte jedenfalls dahin zu verstehen fein, daß man in der Staatsregierung nicht die Absicht hat, rnit Octrohirungen vorzugehen, sondern die ganze Angelegenheit auf dem Wege der Gesetzgebung zu regeln. Man muß glauben, daß dieser Weg der richtigere ist, der auch gewiß Anerkennung und Zustimmung aller Klarurtheilenden finden wird, denn es handelt sich um Regelung der Grenzbeziehungen zwischen Kirche und Staat, es handelt sich um dauernde Verhältnisse zu schaffen.
— Nachdem nunmehr die Gehalte der Staatsbeamten anderweit normirt sind, liegt eö in der Absicht der Regierung, auch das Diäten Reglement entsprechend abzuändern und die den Beamten bei ihren Dienstreisen zu gewährenden Tagegelder und Reisekosten anders zu fixircn.
— Dieser Tage ist eine von dem Abgeordnetenhause bei der Budgetberathung angeregte Rechtsfrage zur Entscheidung in letzter Instanz gediehen. Bekanntlich strich die Majorität dem Cullusminister v. Mühler diejenigen 500 Thlr., welche für die Heidenmission in Folge einer Cabinetsordre König Friedrich Wilhelm IV. feit länger als 20 Jahren als wiederkehrender Beitrag vont Staate gezahlt worden waren. Die Heidenmissionsgesellschafl verlangte nunmehr vom pünktlich und gewissenhaft seinen Dienst, so konnte er in feinem Privatleben ganz nach Gutdünken schalten und walten, ohne eine Einmischung seines Herrn befürchten zu müssen.
Er wurde von seinen Hausleuten vom ersten Tage an als Familienglied betrachtet, ihr freundschaftliches Entgegenkommen war für ihn der Sonnenstrahl, der die Eisrinde schmolz, welche der Spott und die verletzende Kälte der übrigen Menschheit um sein Herz gezogen hatten, und sein Dank für dieses Wohlwollen äußerte sich in unbegrenzter Hingebung an Ernst, den er gleichsam als seinen Sohn betrachtete. Zwischen ihm und Mathilde war seine Liebe getheilt und deshalb'auch empfand er fein größeres Vergnügen, als wenn am Sonntag Nachmittag die beiden Kinder unter seiner Aufsicht in dem Garten oder in seiner Stube spielten und er ihnen Sagen und Mährchen erzählen konnte, denen jene mit ungeteilter Aufmerksamkeit lauschten.
Mathilde verschwieg das ihrem Vater, sie kannte seine auffahrende Heftigkeit wie seinen Stolz zu gut, um nicht zu wissen, daß er ihr diese Besuche streng verboten haben würde.
Die Wärterin aber, welche Mathilde bis zum 14. Lebensjahre stets begleitete, fand in der Unterhaltung mit der Wittwe Heller zu große Annehmlichkeiten, als daß sie diese durch einen Machtspruch ihres Herrn hätte verlieren mögen.
An dem Tage, an welchem Mathilde für den Gespielen bei dem Vater bat, saß Ernst in seinem kleinen Schreibzimmer, um an die Geschäftsfirmen, welche er vertrat, zu schreiben. Aber so sehr er sich auch zwang, seine Gedanken zu sammeln, wollte ihm dies doch nicht
„Das heißt, er macht Schulden, läßt Gott einen igen Uten Mann sein und wirft, wenn die Passiva ihm —♦ ber den Kopf wachsen, den Karren um," ergänzte •r Alte, „ich kenne diese Art Geschäftsführung. Zu- son- tm ist der Name Ernst Heller eine unbekannte tärt, iröße an der Börse, ich glaube, die Agenten so ziem der ich alle zu kennen, aber ein Mann dieses Namens
sein immer klarer hervortritt, daß eine Ausführung des Artikels V. des Prager Friedens nicht mehr zu erwarten fei und daß daher die Bevölkerung mit Dänemark nicht wieder vereinigt werden wird. Die deutsche Sprache in den nördlich von Flensburg gelegenen Di- ftricten macht in der Bevölkerung immer mehr Fort schritte, was auch u. A. daraus hervorgeht, daß eine Gemeinde beantragt hat, die deutsche Sprache als L-chulsprache einzuführen. Der Ausfall der Commu nalwahlen in Sonderburg, wo bekanntlich die deutsche Partei siegte, beweist, daß das Deutschthum weiteren Boden gewinnt, wie denn überhaupt Alles darauf hin- oeutet, daß der Widerstand gegen alles Deutsche, der mit Zähigkeit gelobt ist, nachläßt und daß man anfängt, deutschen Unterricht zu würdigen. — In dem neuesten Hefte der Revue des deux mondes befindet sich von einem Schifsscapitän Laycle ein intereffanter Aufsatz über die Operationen in der Ostsee während des deutsch-französischen Krieges 1871—72. Der Aufsatz, der die damaligen Vorgänge mit großer Sachkenntniß behandelt, weist auf die Nolhwendigkeit hin, vaß die deutsche Flotte sich vor einem Zusammenstoß mit Frankreich zurückgehalten hat, und bespricht das Verhältniß Frankreichs zu Dänemark, wobei das offene Bekenutiuß abgelegt wird, daß der Gedanke einer Landung an den deutschen Küsten nur mit ber Hoffnung auf ein actives Einschreiten Dänemarks verbunden gewesen ist. — Die osficiellen Berichte auö Spanien melden stets eine große Siegesgewißheit, die aber in Berichten, die nicht officieller Natur sind, nicht getheilt wird. Nach letzteren wird die carlistische Bewegung nicht als bedeutungslos hingestellt und soll namentlich in Catalonien ein starker Heerd der Jnsurrection sein. — Nach Meldungen aus Konstantinopel haben die Beziehungen der Pforte zu Rumänien sich befriedigend gestellt, was auch daraus erhellen dürfte, daß Fürst Karl eigene Münzen mit dem rumänischen Lan- deöwappen schlagen kann. In Betreff der Judenver folgung gilt es als wahrscheinlich, daß eine Intervention der Großmächte nicht staltfinden werde, da man hofft, daß die Mahnungen der Pforte und die Austrengungen des Fürsten Karl den gewünschten Erfolg haben werden. Von einer Collectivnote in dieser Angelegenheit ist wohl keine Rede mehr.
— Wiewohl Wiener Blätter bereits berichtet haben, daß eine Badekur Napoleons in Wildbad bevorstehe , scheint doch noch nichts bestimmtes darüber der für die Aussicht auf hohe Prozente nicht unzugänglich war. „Baust Du wirklich so fest auf die Ehrlichkeit dieses Mannes? Glaubst Du in der Thal, daß ein Vorschuß von fünftausend Thalern fein Geschäft bedeutend heben könne?"
„Nun wohl," fuhr der Rentier fort, als Mathilde dieses bejaht hatte, „ich will sehen, was sich thun läßt, der junge Mann mag mich einmal besuchen."
Mathilde dankte dem Vater mit mehr Wärme und Herzlichkeit, als in Anbetracht des geringen Dienstes nöthig gewesen wäre und eilte in ihr Zimmer, wo sie rasch einige Zeilen niederschrieb, welche der Diener sofort an ihre Adresse befördern mußte.
3.
In einer der entlegensten Straßen ber Stabt wohnte in einem klein n einstöckigen Häuschen, welches burch seinen Blumengarten unb den frischen sauberen Anstrich der mit Schiefer bekleideten Wände einen gar freundlichen Eindruck machte, die Wittwe Heller mit ihrem Sohne, welch letzterer ein kleines Agentur-Geschäft betrieb. Fügen wir hinzu, daß der Buchhalter Helldau in diesem Häuschen ein kleines Zimmer bewohnte, daß ferner Mathilde nicht nur als Kind, sondern auch noch in späteren Jahren oft den Buchhalter besuchte, um seine Bibliothek zu bewundern und in dem Gärtchen sich zu ergehen, so wird der geneigte Leser bald errathen, daß die Bekanntschaft Mathildens mit dem Sohne der Wittwe nicht aus einer flüchtigen Begegnung in der Vorhalle des Theaters her- rührte, vielmehr eine Jugendsreundschaft war, von der ber Vater bes Mädchens freilich nichts ahnte. Krämer kümmerte sich nicht dämm, wo sein Buchhalter wohnte, ober wer seine Miethlinge waren, verrichtete Helbau
mir bis heute noch nicht vvrgestellt worben."
Das Mädchen sah ein Weile schweigend vor sich »>.», „Unb wenn ich nun das Darlehen für meine lhig »fahr übernehme?" fragte sie. „Wenn ich die Bürg- ges- haft stelle?"
Der Rentier hielt in dem Spaziergang durch die Stube, den er unternommen hatte, inne und sah seiner echter forschend in die scelenvollen strahlenden lugen. „Du wolltest Vie Bürgschaft übernehmen?"
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffischr« Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j ®gr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 ®at.— Insertionsgebülu für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
(Fortsetzung.)
„In meinen Augen gelten sie wenig, sehr wenig," »»setzte Krämer, „ich bin durch Ersahrungen klug worben. Wie heißt Dein Prolege?"
er muß von seinem Verbienst eine
________ ernähren unb schlägt sich burch, so gut