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JRarÖurg, Freitag, den 12. Juli.

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h Oberhessislhe Zeitung.

TTT^rTTTT^^ZTber^krttaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffksche« Zeitung mit Kretlblatt durch die Expedition (Koch'sche

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Dk«tschrS Reich.

** Berlin, 11. Juli. Der Reichshaushalts «tat pro 1873 ist vom Kaiser genehmigt und voll­zogen worden. In Wiener und ungarischen Cor- reipondenzen findet sich fortlaufend die Nachricht, daß Fürst Bismarck den Kaiser nach Gastein begleiten werde; hier ist von dieser Absicht deS Reichskanzlers nichts bekannt. Die Wahl des Herrn v. Forcken- d«ck zum Oberbürgermeister von Breslau macht in allen und auch in Regirrungskreisen einen günstigen Eindruck; cs scheint übrigens, als ob bei dieser Wahl die Parteien keine Rolle gespielt haben, man hat nur die persönliche und politische Charaktcrtüchtigkcit des Gewählten in Betracht gezogen. Gewiß wird auch das communale Interesse Breslau's gefördert sein, da ein gutes Einvernehmen des Gewählten mit der Negierung wohl vorher zu bestimmen ist; die Regierung kann nur bedauern, eine so bedeutende parlamentarische Krast zu verlieren, wenn man in Breslau nicht da­rauf Bedacht genommen haben sollte, die Möglichkeit herbeizuführen, daß Herr v, Forckenbeck auch Prä­sident des Abgeordnetenhauses bleiben könne. Die Prov.-Correfp." wies bei der letzten Besprechung der Rede deS Papstes darauf hin, daß ein katholisches Blatt, dieSchles. Volks-Ztg.", die Rede des Papstes höchst bedauerlich genannt. Das letzgenannte Blatt kommt in feiner neuesten Nummer daraus zurück und constatirt, daß die Interpretation derGermania" wohl ganz gut gemeint gewesen sei, daß sie aber nicht1 haltbar sei und gegen die objective Wahrheit verstoße; ihre eigene Interpretation, jagt das Blatt, sei nicht interpretatorisch geschickt gewesen, sie komme aber der jubjectiven Wahrheit nahe. Die Redaction verwahrt sich alsdann gegen Angriffe aus ihrem Leserkreise, in­dem sie sagt, man könne ihr nicht zumuthen, neben der Vertretung für eigene Worte auch noch solche für andere Auffassung zu übernehmen. Aus diesen Worten geht deutlich hervor, welchen Zwiespalt die Rede des Papstes in der katholischen Kirche hervorgebracht hat. Vielleicht muß Hr. v. Flourencourt zum Opfer fallen! TieGermania," welche ebenfalls auf diesen Gegen­stand zurückkommt, meint, der Papst habe gesagt: ohne Hände werde sich das Steinchen lösen, dasohne

Hände" ist gesperrt gedruckt, um darauf besonders aufmerksam zu machen, als ob der Papst gemeint hätte, er würde nicht die Hände rühren, um das Steinchen zu lösen. ES steht auch hiervon nichts in der Rede des Papstes, dieGermania" hat diese Worte nur derKreuzztg." entlehnt. Der Po­lizei-Präsident v. Madai ist nunmehr zum Polizei- Präsident in Berlin ernannt. Das neueste Heft des Centrallattes für die gesammte Unterrichtsvcr waltung bringt unter Anderem eine Verfügung, durch welche die Lehrer Oberschlestens, Posens und West Preußens gewarnt werden, in den in Posen gebildeten Nationalverein einzutreten, ebenso eine Warnung an die Lehrer, nicht Vereinen beizutreten, die die Anordnun­gen der Regierung zum Gegenstand heftiger Angriffe machen. In beiden Fällen wird aus die Disciplinar- strafen, welche alsdann Eintreten müßten, hingewiesen. Auf einen Bericht des Oberpräsidenten von Han­nover, die Ausbildung von Taubstummen-Lehrern Sei­tens des Staates bett., erklärt der Cultusministcr, daß die Frage für das Taubstummenschulwesen Sache der ständischen Verwaltung sei, und daß zu diesem Zweck die Provinzialfonds disponibel seien.

Der Bericht über die Berathungen der freien Conferenz von Fachmännern, die von dem Cultus- Minister zur Berathung der Angelegenheiten des Volks Schulwesens im vergangenen Monat zusammenberufen war, ist, wie dieD. R. Corr." hört, jetzt so weit vollendet, daß er demnächst im Druck erscheinen wird. Der Bericht ist in Form eines Referats in indirekte Rede gekleidet und enthält die Namen der betreffen­den Redner und in protocollarischer Kürze die Aeu ßerungen derselben. Derselbe nimmt ungefähr eine Ausdehnung von 1520 Druckbogen in Anspruch und wird, wie wir hören, als besondere Beilage zu dem Centralblat der gesammten Unterrichtsvcrwaltung ausgegeben werden, jedoch wird auch ein Separatabzug in den Buchhandel kommen. Es dürfte bei dieser Ge legenheit von Interesse fein, darauf hinzuweisen, daß bei der Conferenz auch die Frage zur Erörterung ge­langte: ob es den Mitgliedern der Conferenz gestaltet sei, über die darin gepflogenen Berathungen auch nach außen hin Mittheilungen gelangen zu lassen. Der

Minister Dr. Falk sprach sich in dieser Beziehung da­hin aus, daß es weder in der Absicht der StaatSre- gierung, noch in der Natur der Sache liege, über die dort zu Tage getretenen Meinungen den Schleier des Geheimnisses zu breiten, daß es daher auch den Mit­gliedern nicht zur Pflicht gemacht werden könne, jede Miltheilung nach außen hin, namenllich auch an die Presse, zu vermeiden, daß es jedoch wünschenSwerth ei, da diese Mittheilungen nur auf subjektiven Auf- 'assungen beruhen, dabei die Namen der betreffenden Redner zu verschweigen. Diese Ansicht fand Beifall.

Die Errichtung einer ständigen Eisenbahn- truppe, mit welcher Preußen durch Errichtung des neuen Eisenbahnbataillons zuerst vorangegangen ist, hat mittlerweile bereits in Oesterreich und Rußland eine Nachahmung gefunden. Im ersteren Staate sind 5, im letzteren sollen 12 Eisenbahncompagnien er richtet werden Die 'deutsche Armee besitzt vorerst nur 4 derartige Compagnien. Die von süddeutschen Blät­tern in Aussicht gestellte Errichtung noch eines zweiten süddeutschen Eisenbahnbataillons hat bisher noch keine Bestätigung erfahren. Dagegen wird eine Eisenbahn­bau. und Betriebsverwendung für das preußische Eisenbahnbataillon als eine Grundbedingung seiner zweckentsprechenden Ausbildung bezeichnet, lind ist zu beiden Zwecken die von Berlin resp. Spandau nach dem neuen großen Artillerieschießplatz im KummerS- dorfer Forst projectirte Bahn in Aussicht genommen.

In diesen Tagen wird es zwei Jahre, daß in Paris und Ems das kurze, so rapid verlaufene Vor­spiel zu einem der größten Dramen der Weltgeschichte begann. Was hat sich seitdem alles vollzogen und verändert! Wir sahen einen der größten Kriege aller Zeiten auskämpfen, eine Revolution unter namenlosen Greueln in Frankreich sich abspinnen, die tausend­jährige weltliche Herrschaft des Papstes zusammen­brechen, den italienischen Nationalstaat sich vollenden, ein neues Kaiserreich gründen in der Mitte Europa's und eS in angestrengter Arbeit in kurzer Zeit über­raschend ausgestalten ganz zu schweigen von minder wichtigcir Ereignissen in fast allen europäischen und außereuropäischen Staaten, die zu anderer Zeit sür sich genügt hätten, die Aufmerksamkeit der Menschen

Em böses Gewissen.

Von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Der Jnstructionsrichter fühlte, daß er auf dem gewöhnlichen Wege dem Landmann nicht beikommen tonnte.

Wenn Euer Herr nicht zurückkehrte, wenn er starb oder überhaupt verscholl, so wäret Ihr ver­pflichtet, dem Sohne deffelben ein Document einzu händigen, welche« diesen in den Besitz einer bedeu tenten Summe setzt?" hob er nach einer Pause wieder an.Lautet dieses Document auf den Vor- zeiger?"

Ich weiß e« nicht, es ist versiegelt, und mir wird es nie in den Sinn kommen, das Siegel zu erbrechen "

Aber Ihr vermuthet es?"

,.Nein!"

Auch gut. Gesetzt nun, Ihr verhelft dem jungen Manne, der Euch gewissermaßen als Pflegevater be­trachten muß, zu feinem Vermögen, so erwerbt Ihr Euch dadurch ein Recht auf feine Dankbarkeit, nicht wahr?"

Ich flnde hiergegen nichts einzuwenden."

Schön; gehen wir weiter in unseren Kombina tionen. Diese Dankbarkeit könnte sich auf die Dul- tung einer Vormundschaft erstrecken, welche Ihr nach wie vor über Euren Zögling ausübet; unter dem Vor­wande, er sei zu jung, um sein Vermögen zu verwal ten, nähmet Ihr die Summe an Euch, und suchtet sie durch vorlheilhafie Anlage, natürlich im Interesse Eures Mündels, zu vergrößern."

Auch das will ich nicht bestreiten, obschon ich dem Sohne meines Herrn keine Vorschriften in dieser Beziehung machen werde."

Tas fiele fort, wenn der Vater Eures Zöglings erschien und selbst das Vermögen in Empfang nahm?"

Ich weiß nicht, weßhalb Sie diese Fragen stellen", entgegnete Schulz ungeduldig.Lassen Sie mich nach Hause gehen, in meinem Kopfe ist es so wüst und wirr, daß ich auf Ihre Kreuz- uild Querfragen gar keine Antwort mehr zu finden weiß.

Der Richter warf seinen College« einen Blick des Triumphs zu.

Wieviel erhielten Sie für den Knaben?"

In den ersten Jahren dreihundert Thaler", ent­gegnete der Ackerer,später als der Knabe die Schule besuchte und seine Bedürfnisse zunahmen, erhielt ich für ihn hundert, auch hundertfünfzig Thaler mehr."

Und Ihr führtet über diese Summe Bücher?" Auf Heller und Pfennig."

Ihr erspartet von diesem Gelbe nichts?"

Doch, zweihundert Thaler."

Und wo ließt Ihr diese Ersparniffe?"

Der Ackerer zögerte einen Augenblick.

Muß ich Ihnen auf diese Frage Antwort geben?" versetzte er.Ich denke, ich bin nur meinem Herrn gegenüber Rechenschaft schuldig"

Ihr müßt!" unterbrach ihn der Richter, der jetzt den Faden gefunden zu haben glaubte, an welchem er den Verbrecher fassen konnte.

Nun wohl, ich benutzte dieses Geld zum Ankäufen von Vieh," fuhr Schulze ruhig fort.Ich halte die kleine Summe in die Sparkasse gebracht, mit dem festen Vorsatz, sie meinem Pflegesohn oder dessen Vater einzuhändigen, da raffle eine Seuche mir ein Pferd und zwei Kühe fort; um sie zu ersetzen, benutzte ich die zweihundert Thaler, welche ich meinem Herrn zurückzahlen wollte, sobald ich ihm Rechnung ab­legte. "

Und das Geld liegt zur Rückzahlung bereit?"

ES fehlen noch 50 Thaler an der Summe." Der Jnstructionsrichter erhob sich.

Konrad Schulz, ich verhafte Euch im Namm des

Gesetzes, als der Ermordung des Kaufherrn Karl Krämer verdächtig!"

Der Ackerer, der auf solche Wendung nicht gefaßt war, sah dem Richter eine Weile stier ins Antlitz, dann brach er in ein bitteres Lachen aus.

Mich, mich wollen Sie verhaften?" rief er.Ich soll meinen Herrn gemordet haben?"

Sehen Sie, das ist das Erwachen des bösen Ge­wissens," nahm der Bürgermeister, sich zu seinem Collegen wendend, das Wort.Nun? Hatte ich Un­recht, daß ich Sie auf diesen Menschen aufmerksam machte?"

Wenn Ihr wirklich unschuldig seid, so wird da« Gericht dies schon ermitteln," versetzte der Jnstruc­tionsrichter.Ich hoffe, Ihr folgt mir gutwillig, eS sollte mir um Eure grauen Haare leid thun, wenn ich Euch Handschellen anlegen müßte." ' Der Alte richtete das Haupt stolz empor.

Jeder Mensch kann irren," sagte er,deshalb zürne ich Ihnen nicht, baß Sie in übertriebenem AmtS- eifer mich für schuldig halten. Ihre letzten Worte aber waren unnölhig, ich weiß, daß ich dem Gesetz gehorchen muß."

Die Gendarmen nahmen den Alten zwischen sich.

Noch eins," sagte er, indem er sich in der Thür umwandte,darf ich von meinem Weibe Abschied nehmen?"

Der Richter schüttelte verneinend den Kopf.

So erlauben Sie mir wenigstens, daß ich meinem Sohn Lebewohl sage, er steht hier an der Thür."

Er mag hereinkommen," entgegnete der Richter, Ihr feto ein Arrestant und dürft nicht allein"

Schon gut," fiel der Ackerer ihm in« Wort, Gottfried tritt ein!"

Der Jüngling ballte zornig die Fäuste, als er sah, in wessen Begleitung sich der Vater befand, ein Blick