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1872

Marburg, Donnerstag, den 11. Juli

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I Oberhessische Zeitung

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~7 spricht die jüngste Vereinbarung mit Frankreich und >tL ein iernerer Artikel referirt über die Ansprache des Hß7i Papstes au den deutschen Lcseverein. Zum Beweise, L _ patz diese Ansprache auch ernste Katholiken in Deutsch

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dahin modificirt hat, daß der Papst die Ehrfurcht und den Gehorsam gegen die Regierung empfohlen, so lange sie nichts gegen die Gebote Gottes und die Kirche befehle, während eS heißen muß, nicht freilich gegen Gesetze, welche der Kirche zuwider sind und dies kann doch weiter nichts heißen, als eine Aufleh­nung gegen bürgerliche Gesetze. DieDanziger Ztg." ist ärgerlich darüber, daß dieProv.-Corr." in ihrer vorigen Nummer gesagt, Deutschland häite die späteren Termine der Zahlung abwarten können; dieDanz. Ztg." meinte, das Geld könnten wir sehr nöthig gebrauchen. Dem gegenüber ist die heutige Mittheilung derProv.-Corr." zu registriren. Deutsch­land hatte seinerseits kein Interesse und kein beson­deres Verlangen danach, eine oder einige Milliarden, der Schuld früher als bestimmt war, zu erhalten. Das Generalstabswerk über den letzten Krieg, desien dieProv.-Corresp." auch Erwähnung thut, wird be­sonderes Jnteresie erregen, weil sich auS dem Inhalt des Werkes ergibt, daß in einem bereits im Winter 1868 69 vom General Moltke verfaßten Memorie die detaillirten Vorschläge für die Verwendung aller deutschen Streitkräfte im Falle eines Krieges mit Frankreich und für Aufstellung und Gliederung der einzelnen Armeen als Basis jeder Operation ange­geben waren. Eine Notiz derSpen. Ztg." vom Rhein besagte, daß den Schülern ein Verbot zur Theilnahme an den Marianischen Congregationen zu­gekommen sei. Wie man hört, bestätigt sich diese An-

widmet ihren heutigen Leitartikel ebenfalls der Stein­seier, ein weiterer Artikel deS halbamtl. Blattes be-

infallibilistischen Pfarrer Blaschy die Anweisung zu, einen Auszug aus dem von ihm früher geführten Militärkirchenbuche dem Landwehr - Bezirkscommando auszuantworten.

Graudenz, 10. Juli. Auch mit der Festung Graudenz scheint eine Umgestaltung beabsichtigt zu werden. ES ist nämlich vor Kurzem der Befehl ein­getroffen, die üblichen Bauten für dieses Jahr einzu­stellen und die darauf bezüglichen Contracte zu lösen. Ueber die Veränderungen, die das Kriegs-Ministerium Dabei im Sinne hat, verlautet nichts.

Essen, 10. Juli. Die hiesigen Jesuiten rüsten sich zum Abzüge. Fünf davon haben sich bereit« Auslandspässe und zwar für Holland, England, Frank­reich, Spanien, Portugal und Nordamerika ausstellen lassen. Der Pater Superior hat sich mit einem Passe für Dänemark und Nordamerika versehen.

Leipzig, 10. Juli, Zum Antritt seiner Hast­strafe ist vorgestern der Reichstags-Abgeordnete Drechs­lermeister Bebel nach Hubertsburg abgereist. Unge­fähr 100 seiner Gesinnungsgenossen mochten sich auf dem Bahnhofe eingefunden haben, um von ihm Ab­schied zu nehmen. Irgend eine Demostrativ» kam da­bei nicht vor.

München, 10. Juli. Der Erzbischof von Utrecht reiste vorgestern nach Kiefersfelden, um dort zu firmen. Heute wird sich derselbe nach Mering begeben, um dort die Firmung zu spenden und am künftigen Don­nerstag zu gleichem Zwecke in Kempten eintreffen. Von Kempten aus wird der Erzbischof, wie verlautet, gleich nach der Rheinpfalz gehen. Der Besuch von Landau, Kaiserslautern und Zweibrücken ist in Aussicht ge­nommen und als Begleiter des Erzbischofs in der Pfalz Pfarrer Thürlings von Kempten bestimmt. Da die Convention zwischen Deutschland und Frank­reich vom 29. Juni d. I. einige Aenderungen der Versailler Präliminarien vom 26. gebt v. I. und des Frankfurter Friedensvertrages vom 10. Mai v. I. enthält, zu welchen beiden völkerrechtlichen Tractaten seinerzeit der Beitritt Baierns förmlich erklärt worden war, hat der Reichskanzler die neu abgeschlossene Con­vention der bäurischen Regierung mit dem Ersuchen mitgetheilt, derselben die Zustimmung ertheilen zu wollen. Auf hierüber erstatteten Vortrag der Staats­ministerien hat der König unterm 6. d. M. beschlossen, daß der staglichen Uebereinknnft von Seite Baierns zugestimmt und eine Ministerial-Urkunde hierüber aus­gefertigt werde. Diese Urkunde ist noch am nämlichen Tage nach Berlin übersendet worden. Das Fest- comite für die Jubiläumsfeier der Münchener Uni­versität ist zusammengesetzt aus den Profefforen: Pro­rector Giesebrecht, Brunn, Helferich, Kobell, Plank, Pötzl, Rothmund jun. und Seidel, dann aus dem ersten Bürgermeister Erhardt, dem Generalintendanten Frhrn. v. Perfall und dem Ministerialrath Völk. Am vergangenen Sonnabend wurde das Programm für die Festlichkeiten von dem Comite definitiv festgestellt und dem Cultusministerium zur Genehmigung über­reicht. Wenn letztere erfolgt ist, wird das Programm sofort durch den Druck veröffentlicht werden.

Stuttgart, 10. Juli Die Cotta'sche Buchhand­lung veröffentlicht in derAllg. Ztg." einen in ihrem Archiv befindlichen, bisher unbekannt gebliebenen Brief des Frhrn. v. Stein. Wie dieAllg. Ztg." bemerkt, spricht derselbeSteins Meinung über einen der ersten und wichtigsten Vorgänge unseres parlamenta­rischen Lebens aus. König Friedrich von Würtemberg hatte bekanntlich den Glanz der neuerworbenen Kö­nigskrone mit der Aushebung der alten erbländischen Verfassung befleckt. Die darob im Volke erwachte Opposition veranlaßte de» König, am 15. März 1815 der Repräsentation einen Verfassungsentwurf vorzulegen, der meist seiner eigenen Einsicht entsprossen war, trotz mannigfacher Lockungen aber die Opposition auf das stärkste herausforderte. Graf Waldeck stellte sofort den Antrag auf Ablehnung des VerfasiungS- entwurfs und der überrafchte König sah sich, vom ganzen Lande verlaffen, geuölhigt, auf Unterhandlungen sich einzulaffen. Der Sieg der deutschen Elemente über den französisch gesinnten König ward in Wim aus das freudigste begrüßt. Hauptsächlich war eS

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Bürgschaften für eine aufrichtige Friedenspolitik ge­geben sind. DaS Generalstabswerk über den letzten Krieg ist soeben im ersten Hefte erschienen. Das Werk führt den folgenden Titel: Der deutsch-französische Krieg 18701871. Redigirt von der kriegsgeschicht­lichen Abtheilung des Großen Generalstabes. Erster Theil. Geschichte des Krieges bis zum Sturz des Kaiserreichs. Heft 1- Die Ereignisse im Monat Juli, enthält zunächst eine Einleitung über die poli­tische Veranlassung des Krieges, sodann eine Dar­stellung der Organisation der französischen Armee, des Operationsplans und Aufmarsches derselben, fer­ner eine Uebersicht über Organisation, Operations­plan und Aufmarsch der deutschen Armeen, endlich eine Darstellung der Ereignisse zur See bis zum 31. Juli. In diesem Hefte wird vornehmlich die Mit­theilung des von dem General v. Moltke in großen Zügen im Voraus aufgestellten und im Wesentlichen durchgeführten Operationsplans das größte Interesse erregen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht daö Gesetz, betr. den Orden der Gesellschaft Jesu. Dasselbe lautet:Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen re., verordnen im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung deö Bundesrathes und des Reichstages, waS folgt: §. 1. Der Orden der Gesellschaft Jesu und die ihm verwandten Orden und ordensähnlichen Congregationen sind vom Gebiet des Deutschen Reichs ausgeschlossen. Die Errichtung von Niederlassungen derselben ist unter­sagt. Die zur Zeit bestehenden Niederlassungen sind binnen einer vom Bundesrath zu bestimmenden Frist, welche sechs Monate nicht übersteigen darf, aufzulösen. §. 2. Die Angehörigen des OrdenS der Gesellschaft Jesu oder der ihm verwandten Orden oder ordens­ähnlichen Kongregationen können, wenn sie Ausländer sind, aus dem Bundesrathe ausgewiesen werden; wenn sie Jnnländer sind, kann ihnen der Aufenthalt in be­stimmten Bezirken oder Orten versagt oder angewiesen werden. §. 3. Die zur Ausführung und zur Sicher­stellung des Vollzugs dieses Gesetzes erforderlichen Anordnungen werden vom Bundesrathe erlaffen. Ur­kundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichem Jnsiegel. Gegeben Bad Ems, den 4. Juli 1872. Wilhelm. Fürst v. BiSmarck. Den Wortlaut der AuSführungsbestimmungen, welche der Staatsanzeiger ebenfalls publicirt, haben wir gestern mitgetheilt.

Nach allgemeiner Anordnung soll nunmehr der Unterricht im Turnen in den öffentlichen Volksschulen Überall, wo ein zu dessen Ertheilung befähigter Lehrer sich findet, betrieben werden. Die Schulvorstände sind dehhalb veranlaßt worden, Lehrern, welche zum Turn- Unterricht besonders befähigt und die ihren Körper- und Gesundheitsverhältnissen nach hierzu geeignet sind, behufs ihrer Ausbildung zur Ertheilung des Turn­unterrichts jede mögliche Gelegenheit zu bieten, sich an den in den Schullehrer-Seminarien eingerichteten Turn- curfen zu beteiligen.

Nach der letzten Notiz über die Ausprägung der Reichsgoldmünzen waren bis zum 22. Juni d. I. in den Münzstätten des deutschen Reiches in Zwan­zigmarkstücken 184,676,620 Mark und in Zehnmark stücken 1,586,840 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 23. bis 29. Juni d. I. sind ferner ge­prägt : in Zwanzigmarkslücken in Berlin 3,024,500 Mark, in Hannover 987,180 Mark, in Frankfurt a. M. 1,199,540 Mark, in München 602,220 Mark, in Stuttgart 562,680 Mark, in Karlsruhe 270,000 Mark und in Darmstadt 400,000 Mark, ferner in Zehnmarkstücken in Berlin.1,223,870 Mark. Die GesammtauSprägung stellt sich daher bis zum 29. J»ni d. I. auf 194,533,350 Mark, wovon 191,722,746 Mark in Zwanzigmarkstücken und 2,810,610 Mark iu Zehnmarkstücken bestehen.

Königsberg, 10. Juli. Der altkatholische Pfarrer Grunert in Insterburg ist mit der Führung besonderer Militärkirchenbücher beauftragt und der Propst Tinder von der Regierung angewiesen worden, eine von Grunert vollzogene Taufe binnen acht Tagen in das Kirchenbuch einzutragen. Gleichzeitig ging dem

Deutsches Reich.

»» Berlin, 10. Juli. DieProv.-Corresp."

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sonnement der katholischenSchles. Volksztg." vor. Daß dieGermania" die Worte des Papstes, mit , welche,, derselbe die Ehrfurcht und den Gehorsam gegen , M, [j die Regierung empfohlen, in unehrlicher Weise aus­gelegt, zeigt sich immer deutlicher, da nur allein die Germania" den Text des ursprünglichen Telegramms

gäbe, da dieselben Genossenschaften sind, welche die Kinder frühzeitig außer des kirchlichen Unterrichtes mit den kirchlichen Bestrebungen in ihrer ganzen Schroffheit bekannt machen. Die Angabe der ,Vre?l. Ztg." über den Ankauf dieser Zeitung durch den Geh, Reg.-Rath Hahn bestätigt sich nicht. Es haben !C. re. in letzter Zeit Besprechungen über bei, Kauf derPost" ----- von einer Seite stattgefunden, die zu diesem Gerüchte wahrscheinlich Veranlassung gegeben habe, zum Ab­schluß ist aber auch dieses Kaufgeschäft nicht gediehen.

---- Geh. Legationsrath Abecken soll sich nach neueren Mittheilungen noch immer in einem sehr traurigen Gesundheitszustand befinden.

s : Berlin, 10. Juli. Die Prvvinzial-Korrespon benz" bespricht in Übersichtlicher Weise die jüngste , j Vereinbarung mit Frankreich.Nicht der Wunsch", ft : hebt das Blatt hervor,früher in den Besitz der Kon- i tribution zu gelangen, konnte Deutschland bestimmen, j dem Verlangen Frankreichs nach früherer Räumung I seiner Departements entgegenzukommen. Was für j unsere Regierung dabei allein maßgebend sein konnte, - war die ^leberg.ugung, daß in dem Wunsche und An­erbieten Frankreichs zugleich ein Anzeichen und eine Bürgschaft einer Friedenspolitik zu finden sei. Von dem Augenblick an, wo sich die französische Regierung nicht nur im eigenen Namen, sondern in der Zuversicht auf die Billigung Frankreichs zu Anträgen entschloß, welche nur auf dem Boden friedlicher Absichtm be­gründet fein konnten, hielt es die deuffche Regierung ihrerseits für eine Pflicht aufrichtiger Friedenspolitik, diesen Anträgen soweit entgegenzukommen, als es die Fürsorge für die Sicherung der eigenen Interessen irgend gestattete. Es versieht sich von selbst, daß Deutschland irgend welche finanziellen Bürgschaften aur dann als ausreichendm Ersatz für die jetzige Dccupation wird erachten können, wenn in den Zn- MNden und in dem Verhalten Frankreichs zugleich

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Aeituug mit Kreitdlatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruclerei) bezogen 22; Gar., durch die Postämter 27 ®gt. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und ind- Stempelsteuer), für das Ausland exd- Stempel 22 Ggr. - JnsertionSgedübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Siimmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.