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Marburg, Sonnabend, den 6. JE

Nr. 156.

1872

Oterhessische Zeitung

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhefstsche« Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen $2; Gar., durL die Postämter 27 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Au-land excl. Stempel 82 Gar. Jnfertivasgedüdr für eie gespaltene Zeile 1 Sgr. GämmÜiche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

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zwar sehr zugethan sei und nur in concreto nichts von ihnen wissen wolle. Davon ist wenigstens das Gestänb- niß zu acceptiren, daß der Papst die deutsche Regie­rung, wie sie wirklich ist, anfeindet. Eine solche deutsche Regierung, wie er sie sich wünscht, dürfte wohl un­möglich und eben nichts als eine Abstractton sein, so daß wir uns jedenfalls von dieser Art der päpst­lichen Zuneigung nicht allzu übertriebene Vorstellun­gen zu machen brauchen.

DerReichsanzeiger" publicirt das Gesetz wegen Einführung der deutschen Wechselordnung und des deutschen Handelsgesetzbuchs in Elsaß-Lothringen, sowie die Ernennung Dr. Barack's zum Oberbiblio thekar der Universität Straßburg mit dem Charakter eines ordentlichen Professors. Der Handels-Minister hat aus Veranlassung der in letzter Zeit bei Verlassen der Eisenbahnzüge wiederholt vorgekommenen Unglücks­fälle angeordnet, daß künftig das Aussteigen aus den Zügen immer nur an derjenigen Seite stattfindcn darf, an welcher ein Schienengeleise nicht vorhanden ist.

Die militär-wissenschaftliche Bibliothek aus Metz, etwa 40,000 Bände umfassend, welche bereits an meh­rere militär-wissenschaftliche Anstalten, wie die dortige Kriegsschule, die hiesige Kriegs-Akademie, das Kadetten- Corps zur Vertheilung gelangt war, soll auf Befehl des Kaisers wieder vereint und ungelheilt dem hiesigen Generalstabe überwiesen werden. Die Metzer Biblio­thek enthält Werke, welche zu den größten Seltenheit len gehören, ja überhaupt nur noch in dieser Biblio­thek vorhanden sind, sowie höchst werthvolle Hand- ichriften und Zeichnungen. Ueber zwei Jahrhunderte laug ist daran mit regstem Eifer und ohne die Kosten zu scheuen, geschaffen worden. Zur Unterbringung dieser Bibliothek, von welcher bis jetzt erst der ge­ringste Theil hier eingegangen ist, werden einige Säle des Generalstabsgebäudes frei gemacht werden; die völlige Ausstellung wird jedoch erst dann erfolgen können, wenn die Räumlichkeiten des schon sehr be­schränkten Gencralstabsgebäudes durch weiteren Anbau vergrößert worden sind.

Für Oldenburg und Coburg-Gotha läuft mit dem 1. Juli d. I. der Termin ab, während dessen beiden Staaten in den 1867 mit Preußen abge­schlossenen Militär-Conventionen ein Nachlaß deö Nor­malbeitrages für ihre Contingentsstellung gewährt worden war. Für die anderen eils bei diesem Nachlaß

beteiligten Staaten, nämlich für Weimar, Meiningen, Altenburg, Anhalt, beide Schwarzburg, beide Reuß, Lippe, Lippe-Schaumburg und Lübeck erlischt diese Vergünstigung hingegen erst mit dem 1. Juli 1874. Auch für diese Staaten ist jedoch, da nach den be­treffenden Verträgen zu dem pro 1867 gezahlten Be­trage von 162 Thlrn. eine jährliche Steigerung von 9 Thlrn. festgesetzt war, der Normalbeitrag für die zu stellende Mannschaftsquote pro Jahr und Kopf bereits bis zu 207 Thlr. angewachsen, so daß sich die Differenz, welche Preußen bisher zu tragen hatte, nach dem Contingentssatze der betreffenden Kleinstaaten nur noch etwa auf 228,000 Thlr. berechnet. Noch läuft mit Abschluß dieses Jahres auch die in der Militär-Convention vom 1. April 1867 dem Groß- herzoglhum Hessen durch §. 2 Satz 2 auf noch fünf fernere Jahre gewährleistete Stellvertretung ab. Thctt- sächlich scheint dieselbe jedoch im Verlauf ves Krieges von 18701871 außer Kraft getreten zu fein. Da die Reservepflicht für alle die 1866 in dm Nord­deutschen Bund eingetretenen Staaten mit dem Jahr­gang der Dienstpflichtigen von 1865 anhebt, würde außerdem noch für die sämmtlichen ehemals Nord­deutschen (Kontingente mit diesem Herbste die erste Ueberweisuiig eines vollen Dienstjahrganges zur Land­wehr eintreten müssen, doch dürste hiefür möglicher Weise die noch erforderliche Deckung der in dem Re­servestande durch den letzten Krieg veranlaßten Aus­fälle und Verluste eine Aenderung bedingen, und ist bisher die betreffende Ueberweisungsordre noch nicht erfolgt.

Hannover, 4. Juli. Am 11. d. M. erwartet man in Bremerhaven die Ankunft von etwa 230 amerikanischen Schützen; der dortige Schützenverein und die benachbarten «Lchützengesellschasten Lehe, Geeste­münde und Geeftendorf werden denselben einen fest­lichen Empfang bereiten und sie durch ein aus 12 Personen bestehendes Comite an Bord des Dampfers Deutschland" begrüßen lassen. Bis zur Abreise nach Hannover soll den Gästen Freiquartier gegeben werden. Die Zahl der Schützen, welche sich zum Feste an- melden, wächst übrigens mit jedem Tage, und ebenso mehren sich in erfreulicher Weise die Ehrengaben, von denen bereits mehr als 200, und zwar sehr viele außerordentlich werthvolle, angemeldet sind; so hat z. B. in den letzten Tagen auch das Offizier Corps

befindet sich die Angelegenheit bereits in einem vor­gerückten Stadium; ist nämlich nur noch die Höhe der zu gewährenden Zulage zu erörtern. Die Germania" windet sich heute in einer bedauerus- werthen Weise unter den Deductionen derProv.- Corresp.". Sie scheint jetzt mit ihrer Weisheit zu Ende zu sein, sonst würde sic nicht ihre berüchtigte Deutung von dem zu zertrümmernden Koloß auf den Liberalismus zum zweiten Male vorbringen. Das ganze Raisonnement läuft daraus hinaus, daß der Papst dem deutschen Reiche und seiner Regierung in abstracto

Ein bösxs Gewissen.

Von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Kopfschüttelnd verließ |bie Alte die Stube, und schon nach wenigen Minuten trat der Sohn des Ackere»s, ein frommer kräftiger Bursche, der ungefähr sechrundzwanzig Jahre zählen mochte, ein.

Deutsches Reich.

e» Berlin, 4 Juli. Das Staatsministerium ist heute Mittag um 1 Uhr im Kriegsministerium zu .einer Berathung zusammengetreten. Etwaige Nach­richten über die Resultate derselben wird man fürs Erste mit der größten Vorsicht aufnehmen müssen, da es sich von selbst versteht, daß über dieselben Still­schweigen bewahrt wird, bis sie die Genehmigung des Kaisers gefunden haben. Jrrthümlich berichtet man, Geh. Rath Wagener werde nach Ems reisen, um per­sönlich zu berichten; cs liegt in der Absicht, dies auf schriftlichem Wege zu thun. Sollte es sich trotzdem als nöchig erweisen, direct an dm Kaiser sich zu wenden, so würde sich eventuell der Cultusminister nach Ems begeben. Ueber die Absicht der Regie­rung in Bezug auf die nächste Landtagssession ur- \ theilen die öffentlichen Organe sehr verschieden. In einem sehr verständigen Artikel bespricht heute die Börsenztg." die Sache. Nur auf dem von der Re­gierung eingefchlagenen Wege wird es möglich sein, das Budget rechtzeitig zu erledigen. Es kann durchaus die Nachricht derKreuzztg." bestätigt werden, daß dasselbe gleich bei der Eröffnung des Langtages vor­gelegt werden wird. Auch ist durchaus keine Ver- fassungsbesttmmuug vorhanden, welche das Verbinden der alten mit der neuen Session verböte; verfassungs­widrig würde die Regierung nur handeln, wenn sie einen abgelehnten Gesetzentwurf in derselben ober wenigstens nur sehr unbebeutenb veränberten Gestalt von Neuem einbrächte. Dies wirb aber jedenfalls nicht

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bett Blick auf baö Antlitz ber Leiche warf. Ein Schrei, ein wilder markerschütternder Schrei entrang sich seinen Lippen, gleich einem Verzweifelnden sank er neben dem Tobten auf die Kniee und riß die Hand von teer Wunde, um sich zu überzeugen, ob sie tödt- lich war.

Gottfried stand erschüttert neben dem Vater, er ahnte, daß der Ermordete diesem nicht fremd gewesen war.

Er ist tobt," murmelte ber Alte, inbetn er sich erhob unb das Antlitz mit ben Hänben bedeckte; »gestorben in dem Augenblick, in welchem er am Ziele feiner Wünsche stand. Gott Deine Wege sind unerforschlich und wunderbar, ich will nicht rechten mit Dir und mich ruhig in Deinen Willen ergeben!"

Das letzte Wort war seinen Lippen kaum ent- flohen, als der Bürgermeister in Begleitung des Amtsboten und eines Chirurgen auf dem Schauplatz der blutige« That erschien. Die Niedergeschlagenheit, das verstörte Wesen des Landmannes, der auf alle an ihn gerichtete Fragen keine oder unzusammenhängende Antworten gab, erregten den Verdacht des Bürger­meisters, der in feiner früheren Stellung als Assessor schon manchen Kriminalprozeß geführt hatte. Er ließ den Alten stehen und begann die Erfüllung seiner Amtspflicht damit, daß er den Ort des Verbrechens einer genauen Untersuchung unterwarf. Auf dem festen trocknen Rasen war kein Eindruck- einer Fuß­spur zu finden. Eben so wenig ließ sich konstattren, ob dem Morde ein Kampf vorhergegangen war, denn die Kleider des Todten waren weder zerrissen, noch in Unordnung.

Der Chirurg gab nach Sondirung ber Wunde das Gutachten ab, baß eine Kugel ben Unglücklichen in'S Herz getroffen unb fast augenblicklich getöbtet habe. Neben ber Leiche fanb man ein Pistol unb ein Meffer, bas erstere dicht neben ber krampfhaft ge­ballten Rechten, unb hieraus glaubte der Bürger­

meister auf die Vermulhung schließen zu können, daß der Todte sich selbst entleibt habe.

Gleich einem elektrischen Schlage wirkten diese Worte auf den Ackerer. Er warf ben grauen Kopf in die Höhe unb richtete ben zürnenben Blick auf ben Bürgermeister.Ein Selbstmörder war dieser hier nicht!" sagte er ernst, fast feierlich.Sein ehrenfester Charakter, der jede unwürdige Handlung haßte, würde ihn stets, auch in ben Augenblicken der Verzweiflung, vor solchem Verbrechen bewahrt haben.

So kanntet Ihr den Mann?" fragte der Bür­germeister , der sich immer hartnäckiger einzureden suchte, daß sein alter Verdacht begründet sei.

Ich kannte ihn," fuhr Schulz mit ehrlichem Stolze fort,laßt den Tobten in Euer Haus bringen," bort will ich unter vier Augen Euch feinen Namen nennen."

Der Bürgermeister übergab das Pistol dem Amts­boten und warf einen Blick auf das Meffer. Es war ein großes, sogenanntes Dolchmcffer, dessen Klinge durch eine Feder gehalten wurde, auf der Hornschale befand sich ein silbernes Schildchen, in welches die NamenEduard Schulz" eingravirt waren. Ein Lächeln des Triumphs flog über die Lippen des Bür­germeisters.Kennt Ihr dieses Messer?" fragte er, dem Ackerer das corpus delicti vorhaltend.

Ich schenkte es dem Todten, als er die Heimath verließ," erwiderte Schulz unbefangen,daß er es von drüben wieder mitbrachte, ist nur ein Beweis, wie sehr fein Herz an mir hing."

Der Bürgermeister steckte das Meffer schweigend in die Tasche und befahl dem Amtsboten, die Leiche auf oen Schubkarren zu legen unb ins Amtshaus zu fahren.

Laßt mich bas besorgen," sagte Schulz, indem er seinem Sohne einen Wink gab,er war mein guter, liebet Herr, meine Hände sollen ihm den letzten Dienst erweisen."

(Forsetzung folgt)

der Fall sein, da selbst das Gesetz wegen Aufhebung der Klassensteuer bedeutende Veränderungen erfahren wirb. Was ben Staatshaushalt betrifft, so beräth ° a man im Finanzministerium bereits seit Monaten über w- eine ben Beamten zu gewährcnbe Local-Zulage unb

Wie grell mit der Schönheit dieser Nacht ein olcher Mond tontraftirt!" brach Gottfried endlich das schweigen.Oben der klare, heitere Himmel, die euchtenden Gestirne, und hker unten"

Der Alte fuhr mit der Hand über die Stirn, lls wolle er Bilder verscheuchen, welche seine Seele mgstjgten.Diese Nacht erinnert mich lebhaft an ent, in der mein juter Herr Abschied von mir nahm, um die weite Reise anzutreten," sagte er leise, wie in Sinnen verloren.Wie heute, schien auch damals

Mond, wie heute, lächelte auch damals ber heitere Frühlingshimmel hinunter auf bie Fluren, wie heute, Singen auch bamals zwei Männer auf bicsem Wege - doch wozu bie Erinnerung! Er har ja geschrieben, baß er halb wieder kommen werde, der Himmel weiß, $ie sehr ich mich auf dieses Wiedersehen freue! Was kr wohl sagen wird, wenn ich ihm den Sohn in bie Arme führe, beu er bamals als ein kleines hilfloses ^ud mir zurückließ! Freilich, seit biesem Tage hat manches geänbert, ber ©ruber ist ein reicher,

" sicher Herr geworben"

Vater, hier stnb wir an Ort und Stelle!" unter- ) dk^ach Gottfried das Selbstgespräch des Alten, der seinen Sinnen auffahrend, einen raschen prüfen«

. . -Hole den Schubkarren und folge mir!" versetzte LXi Alte, indem er hinaus schritt.Auf ben Bürger- meister können wir nicht warten, wenn ein Menschen kben gilt; er mag nachkommen."

erba< Schweigend schritten Vater unb Sohn ber Stelle