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Marburg, Dienstag, den 2 Juli.
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ßrfdbeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffischen Jeitung mit KretSblatt durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 28} Ear., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Ltenipelsteuer), für das Ausland excl. stempel 22 Eigr. — JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sümmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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dieser Interpretation wenig Glück haben, da seine Beziehung auf das deutsche Reich, als dessen Gründer eben Bismarck bezeichnet war, nur allzu klar ist. Ebenso lächerlich ist es, wenn dasselbe Blatt dem Reichskanzler in seinem Leitartikel einen Vorwurf daraus macht,
Angebot wäre angesichts der gegenwärtigen Situation wohl als mehr wie seltsam zu bezeichnen; es möchte eher schicklich sein, wenn umgekehrt die Kurie zwischen Regierung und Bischof zu vermitteln suchte. — Es ist nicht zu läugnen, daß die kirchliche Frage durch die jüngste auf Deutschland bezügliche Rede des Papste« bedeutend verschärft ist. Wenn die „Germania" versucht, den Passus vom Stein, welcher binnen Kur- rjem den Coloß zertrümmern werde, auf dm Sturz des Liberalismus zu deuten, so wird fie wohl mit
Deutsches Mich.
•• Berlin, 30. Juni. Der vorgestrige Mini- sterralh beschäftigte sich, wie bereits gemeldet, mit der Angelegenheit des Bischofs von Ermland, und zwar auf Grund des von ihm an den Kultusminister und ferner an Se. Maj. den Kaiser unmittelbar gerichteten Briefes. Ueber die gefaßten Beschlüsse wird man wohl in nächster Zeit nichts Näheres erfahren, da dieselben zunächst dem Reichskanzler nach Barzin übermittelt werden, worauf dann noch die Sanction des Monarchen selbst einzuholen ist. Das vom Bischof Krementz an den Kaiser gerichtete Schreiben hat der „dmtschen Reichs-Korrespondenz" Anlaß zu einer Verwechslung gegeben; sie will nämlich noch von einem zweiten Briefe an den Minister wissen, ja sie bringt sogar über den Inhalt desselben einen kurzen Bericht. Aber sowohl die Thatsache selbst als auch die gemachten Angaben sind irrthümlich. Ebenso falsch ist die Nachricht, der Bischof habe sich zum Mittler zwischen der Etaatsregierung und der Kurie angeboten; ein solches
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wir bei den Postanstalten gefl. recht bald zu machen. Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellun
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daß er dem Papst auf seine Frage keine Antwort gegeben habe. Was die Lage zwischen Staat und Kirche verändert hat, liegt so offen zu Tage, daß es ebenso thöricht ist, nach den Gründen zu fragen, als eö thöricht wäre, solch eine Frage zu beantworten. Seitdem durch das vatikanische Konzil die Kirche selbst eine andere geworden ist, kann auch ihr Verhältniß zum Staate nicht mehr dasselbe sein.
— Die Bundesraths-Ausschüsse für Handel und Verkehr so wie für Rechnungswesen haben einen eingehenden Bericht über die Erbauung eines deutschen Krankenhauses in Konstantinopel erstattet. In demselben wird zunächst das Bedürfniß eines solchen In stituts für die Angehörigen der deutschen Nation in Konstantinopel um so mehr anerkannt, als fast alle übrigen europäischen Nationen berartige Anstalten besitzen. Es sind Gutachten von Architekten über den Umfang des anzulegenden Hospitals eingegangen und geprüft worden. Die Ausschüsse sind mit Rücksicht auf diese Vorlagen der Ansicht, daß 80,000 Thlr. aus Reichsmitteln zu bewilligen seien und die Gesandt schäft in Konstantinopel an der Hand einer Zustimmung zu diesem Anträge Seitens des Bundeöraths veranlaßt werbe, neue Pläne und Kostenüberschläge zu senden, und zwar in Verbindung mit den Statuten des Deutschen Wohlthätigkeitö-Vereins, welcher die Verwaltung und Unterhaltung des neuen Krankenhauses übernehmen soll, mit einer bindenden Erklärung des Vereins wegen Ueberlassung des jetzigen Hospitals an bas Reich und endlich mit einer Zusammenstellung der wahrscheinlichen Einnahmen und Ausgaben des neuen Krankenhauses.
— Es bestätigt sich, daß Generalpostdirector Stephan bei seiner jüngsten Anwesenheit in Moskau für das Zustandekommen eines europäischen Postkongresses unter Einführung eines Wett-PortoS thätig gewesen ist. Seine Bemühungen sollen Aussicht auf Erfolg haben. Man versichert, daß die Schwierigkeiten, welche wegen des noch bestehenden internen russischen Portos erhoben wurden, nicht beträchtlich genug seien, um das großartige Project zu schädigen.
— Der hiesige amerikanische Gesandte, Herr G.
Bancrofi, hat die an ihn ergangene Einladung, der Einweihung deö Stein-Denkmals beizuwohnen, angenommen und wird sich in acht Tagen nach Nassau begeben. — Der englische Generalkonsul Victor v. Magnus ist gestern Abend gestorben. — Wie die „Krefelder Zeitung" meldet, hat Graf Hoensbroech (sprich: HunSbruch) dem Jesuitenorden seine in der holländischen Provinz Limburg an der preußischen Grenze gelegenen Güter Blycnbeek (bei Goch) und Hoensbroech (bei Roermond) zur Aufnahme ausgewiesener Jesuiten zur Verfügung gestellt. — Die „Epen. Ztg." schreibt: Wie man hört, ist vor einigen Tagen die Ordre zur Augmentation unserer Artillerie unterzeichnet worden, so, daß künftig jedes Armeekorps zwei Artillerie-Regimenter haben wird. Dadurch dürfte eine Gleichstellung unserer Artilleriestärke mit der französischen erzielt werden. Daß hierorts gegenüber den militärischen Anstrengungen Frankreichs keine Vorsichtsmaßregel versäumt wird, geht auch daraus hervor, daß bis zum Herbst 600,000 durch den Krieg in unsere Hände gekommene Chastepotgewehre aptirt werden sollen und daß bedeutende Bestellungen nach dem System Mauser gemacht worden sind.
Dortmund, 30. Juni. Die gestrige „Wests. Ztg." meldet: Die Strikebewegung im Dortmunder Bezirk ist im Abnehmen begriffen. Auf der Zeche „Tremonia" sind 200, auf der „Westfalia" 250 Mann angefahren. Der auf der Zeche „Franziska" beabsichtigte Strike unterbleibt. Friedrich Harckort veröffentlicht eine Ansprache an die Sinkenden, in welcher er auf die Verhandlungen bei Berathung des Coalitions- gesetzeS, sowie auf die befriedigende Lage der Bergleute hinweist, von thörichtem Beginnen abzulaffen und den böswilligen Hetzereien das Ohr zu verschließen ermahnt. Die liberale Partei habe trotz eingestandener Bedenken das Eoalitionsrecht für die Arbeiter errungen , allein diese hätten keineswegs das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt. — Heute fand hier die große Bergmannsversammlung statt. Das Strike- comite für Dortmund legte sein Mandat nieder und die Versammlung beschloß einstimmig, morgen wieder zu arbeiten.
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Humoristische Erzählung von L- W- (Fortsetzung.)
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„Ich danke Ihnen, meine Herren I" — begann der Rothe, nachdem ihm Walter eine beträchtliche Quetschung am Fuße.verbunden hatte; — „aber so wahr ich Traubenschuß heiße, in meinem Leben bin ich noch nicht so schnell gesegelt!"
„Traubenschuß 1“ — erwiderte Walter erstaunt, und der Obersteuerkontroleur fragte den Capitain, was ihn denn zu einem so verteufelten Ritte bewogen habe?
„Darnach muffen Sie einen verdammten Fuchs und mein Pferd fragen" — antwortete dieser; — »ich ritt hinaus, um mich mit einem Narren eines hübschen Mädchens und einer alten Jungfer wegen ju schlagen, als plötzlich ein Fuchs aufsprang. Ich hallohte, und nun ginge fort, daß mir fast Hören und Schm verging; ich voran, mein Gegner mit vollen Segeln hinterdrein; was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht; ich aber habe hier schon eine Viertel stunde festgesessen, ohne daß eine menschliche Seele meine Nothschüsse hörte."
Walter unterstützte den Capitain, und so erreichte die Gesellschaft das Bad, wo der Obersteuerkontroleur sogleich zu Sophie eilte, um ihre Ohren durch Erzählung seiner Heldenthaten bei dem nicht erfolgten Duell zu ergötzen, während Walter den Verwundeten nach seiner Wohnung führte, und auf vieles Bitten desselben ihm den ganzen Abend über Gesellschaft leistete.
Das offene und treuherzige Benehmen des ehrlichen Seemannes flößte auch ihm Vertrauen ein, und da der Capitain tausendmal schwor, er wolle mit den Weibern, von benen sein ganzes Unglück herrührte, nichts mehr zu schaffen haben, Ünb Wilhelmine möge hnrathen, wen sie wolle, wenn er sich nur an ber Tante unb ihrem Günstlinge Spiribion rächen könne, sv entdeckte ihm Walter mit bem Versprechen, seinen romantischen Feinben einen Possen zu spielen, seine Siebe zu Wilhelmine, und die Art, wie er ihn an dem Schriftsteller-Paar zu rächen gedenke. Traubenschuß
hörte mit der größten Kaltblütigkeit, ja, selbst mit Gähnen, das Liebesgeständniß, versprach jedoch, es zu verschweigen, unter der Bedingung, daß sein neuer Freund seinem brennenden Verlangen nach Rache sobald, als möglich, ein Genüge thne.
Am andern Morgen eilte Walter frühzeitig in den Park, und war so glücklich, seine geliebte Wilhel- mine nach einigen Stunden vergeblichen Harrens wirk lich zu treffen. Aber dergleichen ©eenen sind schon so häufig beschrieben, und wir selbst können dabei so wenig aus Erfahrung sprechen, daß wir es für gera- thener halten, die Liebenden ihrer zärtlichen Neigung ohne lästige Zuschauer sich hingebm zu lassen, und uns nach dem würdigen Spiridion Morgenstern umzusehen.
Wir finden den Humoristen durch das Schlamm bad des b origen Abends zwar etwas abgekühlt, aber noch keineswegs ohne Hoffnung, seine Wünsche noch endlich in Erfüllung gehen zu sehen, wie er im Begriff ist, nach der Wohnung des Majors zu eilen, und der Tante von dem Verlaufe der Expedition Bericht zu erstatten. — Er ging, erzählte fein Abenteuer mit solcher Kunst, und setzte seine Tapferkeit im Verfolgen des fliehenden Capitains in ein so' Helles Licht, daß Anna ihn nur mit dem größten Bedauern in die Grube stürzen sah, und nicht umhin konnte, ihn für den zweiten schönen Geist zu erklären, wodurch sie sich unmaßgeblich als den ersten geltend machen wollte.
Der Capitän erschien, als schäme er sich seiner Feigheit, mehrere Tage hindurch nicht im Hause des MajorS, wo sich Spiridion nun saft beständig aufhielt, und von Wilhelmine mit der zuvorkommendsten Vertraulichkeit behandelt wurde Der glückliche Morgenstern schwebte in höheren Regionen, machte Verse und deklamirte sie, unb belustigte sich nun über die Angst Wilhelminens unb ben Zorn ber Tante, als Traubenschuß sich wieber zeigte, unb ernstlich auf seine baldige Verlobung mit der Schönen drang, welche doch ihm allein angehören mußte; denn ein guter, aber unbekannter Freund hatte ihm einen Plan mit- getheilt, wodurch er sich Wilhelminens Besitz auf
immer sichern konnte, sobald er nur wollte, und noch mehr, diese hatte schon, soviel jun^räuliche Sittsamkeit ihr erlaubte, darein gewilligt. So lebte Spiridion unbekümmert und sorglos, bis die nicht mehr zurück- zuweisende Zudringlichkeit des CapitänS den Major, trotz; alles Tobens von Anna's und der Bitten von Wilhelminens Seite, bewog, den Tag der Verlobung zwischen der letzteren und Traubenschuß auf morgen festzusetzen.
Jetzt hielt eö Spiridion für nöthig, feine Minen springen zu taffen, und entfernte sich, um die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.
Es war ein schöner stiller Sommerabend, und die Hörner deö MondeS, nur feiten von einem vorüber- ziehenden Wölkchen verdunkelt, hüllten Land und See in ein magisches Licht, als Wilhelmine der Tante vorschlug, noch einen Spaziergang nach dem Strande zu unternehmen. Anna, welche ihre schwärmerische Dichter-Phantasie zu solchen Ausflügen geneigt machte, willigte, ohne sich lange bitten zu lassen, ein, und verhüllte, auf Ansuchen ihrer Nichte und des Kammermädchens, ihr Antlitz gegen die scharfe Nachtluft mit einem Schleier, der von einem rosafarbenen Hute herab- hing. Alle drei verließen das HauS und wendeten sich nach der Küste. Sie hatten dieselbe fast erreicht, als plötzlich drei verkappte Männer hinter dem Gebüsch hervorsprangen, Anna ergriffen, und sie, alles Sträubens und Schreiens ungeachtet, nach einem am Strande liegenden Boote trugen, während Wilhelmine und das Kammermädchen eiligst entflohen.
(Forschung folgt.)
Die Trophäenbeute des deutsch-französischen Krieges von 1870 und 1871.
(Schluß.)
Tatsächlich müssen jedoch die Kapitulationen der drei in Sedan, Metz und Paris zur Ergebung gezwungenen feindlichen Armeen als die Schlußresultate der zu dem Zweck der Einschließung, wie ber Aufrechthaltung ber Cemirung unb ber enblichen Bewältigung bieser feinblichen Heere geschlagenen Schlachten betrachtet werben, unb ist deshalb auch die in diesen Capitula-