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Ur. 151. Alarktrrg, Sonntag, den 30. Juni.

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Erscheint täglich außer den Werktagen »ach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der OberheMche« Aettuug mit Krei-blatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 £ Gar., durch die Postämter 27 Tgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und ind. Lter..peistcucr), für das Ausland ex:l. Stempel 22 Lgr. — Insertionsgebüdr füt dir pespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche AnnoncemBüreaus nehmen Inserate an.

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Die Expes. d. Oberh. Ztg.

Polttische Wochen-Ueberficht.

Am Montag Abend hat sich der Kaiser von Berlin zur Ladecur nach Ems begeben. — Der deutsche Bundeörath hat am 25. d. das Jesuitengesetz in der vom Reichstage beschlossenen Fassung angenommen, und den näheren Ausführungs-Anordnungen wird mit Spannung entgegengesehen. — Die preußische StaatS- regierung hat endlich vom Bischof von Ermeland eine Antwort auf ihre beiden Forderungen erlangt, aber die erfolgte Erklärung soll bezüglich keine» der beiden Punkte: nämlich betreffend die Verkündigung des kanonischen „großen Bannes" ohne vorgängige Einholung der staatlichen Genehmigung und den Vor­behalt der Ucberordnung kanonischer Gesetze und päpst­licher Befehle in Bezug auf den eidlich gelobten Ge­horsam gegen die Landes gesetze,: genügend ausgefallen sein. So stehen in dieser Angelegenheit nunmehr Entschließungen der preußischen Staatsregierung un mittelbar bevor, die voraussichtlich für eine ganze Reihe von Maßregeln entscheidend und auf lange Zeit folgenreich sein werden. Gleichzeitig schweben, wie aus officiösen Auslassungen geschlossen wird, Erwä- gungm und höchst wahrscheinlich auch schon vertrau­liche Besprechungen in Bezug aus die Haltung der europäischen Regierungen gegenüber der nächsten Papst- wahl. — In München erwartet man die baldige vollzählige Rückkunft der Minister, theils aus dem BundeSrathe, theils aus Dadeferien, und hofft, daß dann die Wiederbejetzung der durch den Tod des Grasen Hegncnberg erledigten Präsidentschaft des Staats-Ministeriums erfolgen werde. — Im Essener Reviere des dortmunder Oberbergamtsbezirks ist seit Milte dieses Monats eine große Arbeitseinstellung unter den Bergleuten im Ganze, in Folge deren nahe an 20,000 Bergleute außer Arbeit getreten waren; doch scheint es, daß bereits mehr Arbeiter zu den Gruben zurückkehren als neue auStreten.

Am 28. d. wurde der österreichische Reichstag vertag:. Am gleichen Tage hielt das Herrenhaus seine

letzte Sitzung; in dieser gelangte das neue Landwehr­gesetz mit Ausnahme der Bestimmung über die Er richtung der Cadres für die Landwehrkavallerie zur An­nahme. Der bömischeLandtag soll auf Mille Oktober ein­berufen werden. Das wichtigste Ereigniß der Woche ist die Wahlschlacht in Ungarn, deren Resultat einen uner wartet glänzenden Sieg für die Deakpartei ergeben hat.

Der Große Rath von Basel hat die Abschaffung der Todesstrafe und Annahme eines neuen Strafge­setzes beschlossen; in Genf beschäftigt sich der Große Rath mit Gesetzentwürfen in Betreff der Trennung von Kirche und Staat.

Die französische National-Versammlung hat die Finanz-Debatte begonnen, welche sehr langwierig und stürmisch zu werden verspricht. — Die Verstän­digungsversuche zwischen den Centren sind gescheitert, eben so die Schritte von Vertrauensmännern der Rechten beim Präsidenten der Republik, um denselben zu einer monarchistischen Politik zu zwingen. In Folge dessen trat der Legilimfft de Larcy aus dem Minister-Cabinet. Von einzelnen Faiseurs werden nun Manifeste gegen Thiers vorbereitet; ein Schrei den des Herzogs von Broglie, das den Reigen eröff­nete , macht viel böses Blut, weil man fürchtet, es möchte im Auslande Mißtrauen erwecken und auf die Verhandlungen wegen der Räumung nachtheilig ein­wirken. Dies scheint indcß eine unnöthigc, übertrie­bene Furcht zu sein: die Verhandlungen sind dem Ab schlusse nahe. Sobald der Vertrag fertig ist, wird ibn Thiers der National Versammlung vorlcgen und nach Schluß der Session, die Mitte Juli erwartet wird, die große Anleihe folgen lassen, über die bereits Con- ferenzen zwischen Thiers, dem Finanz-Minister und Ver retern der großen Finanz Institute von Paris stattfinden.

Das engl. Parlament hat seine Thätigkeit den inneren Angelegenheiten zugewandt. Der Gesetzentwurf über die geheime Wahlabstimmung ist vom Oberhause nach vollzogener dritter Lesung dem Hause der Gemeinen zurückgesandt worden, welches ihn in der vollständi­gen Umgestaltung kaum wieder erkennen, ihm aber jedenfalls annähernd feine frühere Fassung wicdergeben wirb. Ein im Unterhaufe gestellter Antrag auf Ein­verleibung der Fidschi-Inseln, .unter der Form einer britischen Schutzherrschaft, wurde von der Regierung selbst bekämpft und mit bedeutender Mehrheit verwor­

fen. — Im Krystallpalaste hat der national-conserva- tive Verein sein Jahresfest gefeiert, wobei sich Hr. Disraeli über die Ansichten und Aufgaben der „con- stitutivncllen" Partei, wie sich die Tories jetzt nennen, aussprach. — Auf die Arbeitseinstellung der Bauhandwer­ker in London ist die angedrohte Aussperrung von Seiten der Bauunternehmer gefolgt, so daß jetzt 64 Firmen ihre Thätigkeit unterbrochen haben. Hoffentlich wird der Strike nicht die Ausdehnung erreichen, welche im Jahre 1859 so großes Elend über die Arbeiter ge­bracht hat. — Die Alabamafrage scheint vor dem Genfer Schiedsgericht zum definitiven Austraa kommen zu wollen, da nach den neuesten Telegrammen die Schiebsgcrichter die indirekten Schadenansprüche von vornherein als von den Verhandlungen ausgeschlossen erklärt haben und sich Amerika damit einverstanden zeigt.

Wenn der deutsche Reichstag am 19. d. mit dem Bewußtsein auSeinanoergehen konnte, in seiner abge­laufenen Session bedeutende Resultate erzieh zu haben, so mußten die Mitglieder des italienischen Parla­ments, welches am 20. d. geschlossen wurde, mit dein gcgentheiligen Gefühle die Kapilale verlaffen; keiner der parlamentarischen Faktoren hat feiner Aufgabe den nöthigen Fleiß und Ausdauer gewidmet. — In letzter Zeit hat der Papst zweimal Gelegenheit ge­funden, sich in Klagen über den Stand der Kirche zu ergehen; es war dies beim Empfang eines katho­lischen deutschen Lesezirkels in Rom und bei der Ueber- reichung eines Schriftstückes seitens der geistlichen Ordcnsgeuerale, in welchem diese dem Papst für seinen bekannten Brief an Antonelli danken. Da» meiste Interesse hat für uns die erstere Unterhaltung, weil sich der Papst in derselben über das deutsche Reich ausließ. Es läßt sich nicht läugnen, das Vertrauen — sit venia verbo — des hl. Vater» ist groß: „ES wird ein Stein fallen, der den Koloß zertrümmern wird" schloß er seine Rede.

Das in Aussicht gestellte Programm der neuen radikalen Regierung in Spanien ist erschienen in Gestalt eines Rundschreibens des Ministerpräsidenten Zorilla. Dasselbe ist etwas zahmer ausgefallen, als man bei Zorilla's Vergangenheit 'erwartet hat. Mit Ausnahme jener Punkte, die sich auf die Einführung der Geschwornengcrichte und die Armeereform beziehen, euihält daö Rundschreiben größtentheils nur vage An­deutungen und Versicherungen. Zum Schutze der

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Humoristische Erzählung von L. W.

(Fortsetzung.)

„Wie!" — rief Walter mit der größten Verwun­derung, Wilhelmine denkt an mich, spricht von mir! Es ist unmöglich, ich verdiene dieses Glück nicht! Du hintergehst mich, Mädchen. Deine Gebieterin liebt mich nicht!"

„Ach, mein Gott, das sage ich auch nicht!" — entgegnete das Mädchen; — „wenn ich das gesagt hätte, und das Fräulein erführe es, käme ich gewiß heute noch um meinen Dienst. Aber ich habe Sie nicht hintergangen; mein schönes Fräulein ist Ihnen wohl recht herzlich gut, und hat mir schon tausendmal gesagt, daß Niemand sie von dem Capitain retten werde, und sie dann sterben muffe."

„Ich will, ich muß sic befreien!" — erwiderte Walter mit Heftigkeit — „Himmel und Erde werde ich bewegen; Niemand soll meine theure, meine ange betete Wilhelmine länger belästigen! Doch wie kann ich dies bewirken? — Darf ich meine Wünsche zu ihr erheben? — Nein! sie steht zu hoch über mir, und doch muß ich sie von ihren Verfolgern erlösen! — Höre, Mädchen, darf ich hoffen, daö Fräulein vielleicht heute noch zu sehen?"

„Das ist unmöglich" — antwortete jene; — meine Herrin würde nie wieder aus dem Hause gehen, »tnn sie nur ahnte, daß ich mit Ihnen gesprochen habe: aber morgen wird sie, nur von mir begleitet, früh sich im Park zum Spaziergang einfinden."

Walter hörte nicht mehr; er eilte nach seiner Wohnung, warf sich in einen Seffcl und schloß die Augen, um ungestört und mit vollen Zügen den Strom der Seligkeit einzuschlürfen, welchen das Be­wußtsein von Wilhelmineus Liebe in ungetrübter Klarheit über ihn ergoß. Er schwelgte im Genussi btt ungemessenen Wonne, bis der Glockenschlag ihn

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Meierei zusammentreffen sollte. Walter besaß so viel Murh, wie irgend Jemand, und doch wäre es ihm gerade jetzt, da ihm in Wiihelmincns Liebe ein neuer, herrlicher Tag des Lebens angebrochen war, überaus erwünscht gewesen, hätte er den Handel in Güte bei­legen können. Indessen besiegte seine natürliche Herz­haftigkeit bald diese Eingebungen der Furcht; er ver­sah sich mit Waffen, und ging, um den Odersteuer kontroleur auszusuchen. Dieser saß mürrisch und verdroffen auf dem Sopha, und blies dicke Dampf- woifen in die Luft, um die peinigenden Gedanken an Sophiens Kälte und Walters Duell zu verjagen, als Letzterer zu ihm hereintrat, und ihn zur Begleitung aufforderte. Der Pensionirte gehorchte mit verhalte- nem Grimme und ohne ein Wort zu sagen; sein Gesicht erheiterte sich etwas, als Walter ihm erzählte, wie er an Sophie keine Ansprüche mehr mache, legte sich aber wieder in die alten finstern Falten, je mehr man jdem Schauplatz dcS Zweikampfes nahe kam; endlich war dieser erreicht, und, vielleicht zum ersten Riale in seinem Leben, beklagte sich der Dicke über die Kürze deS Weges.

Schon fing er an, mit so weiten Schritten, als Furcht und Zittern, welche ihn des Athems beraubten, ihm zu machen verstatteten, die Schußweite adzu- mcsscii, als plötzlich mit einem Geschrei und Getöse, wie sämmtliche höllischen Heerscharen es nur zu erheben vermögen, das Gebüsch sich theilte, ein Mann mit einem rothen Rocke, dem ein Säbel wie die Flügel einer Windmühle den unbedeckten Kopf umschwirrte, aus schäumendem Rosse über den Platz sprengte und mit der Schnelligkeit des Blitzes auf der entgegengesetzten Seite wieder verschwand. Der Obersteuercontroleur bedeckte vor Schrecken das Gesicht mit den Händen unb fiel platt auf die Erde; auch Walter war im höchsten Grade überrascht. Letzterem näherte sich jetzt ein Mann und überreichte ihm ein Billet; er erbrach es hastig und las:

„Amalie hatte Recht, ich habe mich wirklich in Ihrer Person geirrt; und da Ihr Uebcrfluß an Muth eben so groß zu sein scheint, als Ihr Mangel an Geld, so habe ich alle weiteren thätlichen Erörterun- geit mit Ihnen vermeiden wollen. Sie werden mich nicht wieder sehen! Biest."

„Sonderbar!" — rief Walter, nun wohl mer­kend, daß er es mit einem Abenteurer zu thun gehabt halte, und näherte sich seinem Freunde, der noch immer wie tobt am Boden lag. Endlich erhob sich dieser, sah sich nach allen Seiten um, und fragte dann mit einem Seufzer: „Ist der böse Feind weg?"

„Ja" — entgegnete Walter — „und das Duell ist auch voüber!"

„Das Duell auch! Wie, haben Sie sich geschlagen?"

„Das nicht, es ist auch gar nicht mehr nülhig; lesen Sie!" Der Obersteuerkontrolleur durchlief das Billet, warf es verächtlich von sich, unb rief dann mit funkelnden Augen und drohender Gebehrde: „Wie, cer Schurke hat sich geirrt, hält er es für gerathen, sich nicht zu schlagen! Gott behüte ihn, daß er mir nicht in den Weg kommt; ich will ihm den Jrrthum mit blauen Streifen auf den Rücken schreiben."

Walter, dem diese Prahlerei seines Freundes um so lächerlicher erschien, da er kurz zuvor noch seine Todesangst gesehen hatte, faßte ihn beim Arm und führte ihn schnellen Schrittes nach dem Bade zurück; allein beide waren noch nicht weit gegangen, als ein jämmerliches Geschrei um Hülfe in ihre Ohren drang.

Sie wendeten sich nach der Gegend hin, woher der Ton kam, und erblickten denselben Rothrock, welcher den Obersteuerkontrolleur so erschreckt hatte, zwischen zwei dicht neben einander stehenden Bäumen so fest eingeklemmt, daß es Anstrenguiig erforderte, um ihn aus der Gefangenschaft zu befreien.

(Forschung folgt.)