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Marburg, Sonnabend, den 29. Juni.
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Oberhessische Zeitnn-,
' (fr'Atint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffische« Leitung mit Kret-blatt durch di- Expedition (Koch'sche
8 1 kbru der t i) 6«ogen- 821 »ar., durch die Postämter 27 »gr. fl Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- -Stempelsteuer), für das Ausland etcL stempel 22 -Lgr. - ® " Infertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Tgr. Sümmtliche AnnoncemBüreauS nehmen Inserate an.
ttioMnitrtiMt auf die „ObrrhesstscheZeitung" <5C|WUUllQvll pro drittes Quartal bitten mir bei den Postaustalten gefl. recht bald zu machen. Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellun 8<tt °n’ Die Exped. d. Oberh. Ztg.
” Deutsches Keich.
«• Berlin, 27. Juni. Es scheint sich zu bestätigen, daß Polizeipräsident v. Wurmb seinen hiesigen Posten verläßt und nach Wiesbaden geht. Durchaus falsch aber ist die Nachricht, daß er an Stelle des Grafen Eulenburg Präfect in Metz werde. Die Anwesenheit des Grafen Eulenburg in Berlin war durch den Johannitertag zu Lonnenburg veranlaßt. Derselbe ist bereits wieder nach Metz zurückgekehrt. — Es ist richtig, daß bereits in den einzelnen Mi nisterien wichtige Vorlagen für den Landtag vorbereitet werden. Wenn man indessen wissen will, die am 21. October wieder aufzunehmende Session werde bis Mitte November dauern und dann eine neue beginnen, so dürste doch Vieles gegen eine solche Annahme sprechen. Einmal wäre der dann für die Be- rathung der Kreisordnung zu Gebote stehende Zeitraum ziemlich eng bemessen, andererseits würde der Etat sür 1873 erst sehr spät in die Hände der Abgeordneten gelangen. Aus diesen Gründen wäre es gewiß wünschenSwerth, wenn alte und neue Session gleichsam nebeneinander vom Anfang an fortliefen. Alsdann könnte die Discusston der Kreisordnung und die zwischen beiden Häusern des Landtages noch nöthige Vereinbarung in aller Muse von Statten gehen und der Etat sofort auf den Tisch der zweiten Kammer gelegt werden. — Die „Germania" pro- testirt heute sehr energisch gegen die Bezeichnung der „Essener Blätter" als eines ultramontanen Organs und weist von Neuem alle Gemeinschaft mit dem So- ciaiismus zurück. Was den Esiener Strike anbelangt, so ist indessen eines allgemein ausgefallen, nämlich, daß der Erzbischof von Köln, der sich acht Tage lang in jenen Bezirken der Firmelung wegen aufhielt, als man ihn anging, einen Schritt zur Versöhnung der Gemülher zu thun, dies unter dem Vorwande ablehnte, er wolle die dortige Geistlichkeit nichi com- promiitiren. — Der Ausschuß des Bunvesrathes für Juftizwesen hat bereits seine Vorschläge bezüglich des Jesuitengesetzes formulirt. Es soll den Angehörigen der Gesellschaft Jesu jede OrdmSthäligkeit in Kirche und Schule und Missionen untersagt sein. Die näheren I Vorschriften haben die Landespolizcibehördcn zu ver I
anlassen. Ein dem deutschen Reiche angehöriger Jesuit soll nur dann, falls dies überhaupt nöthig, zu irgend einem bestimmten Aufenthalt gezwungen werden, wenn er nicht selber sich einen für angemessen erachteten wählt. Endlich werden die einzelnen Regierungen ersucht, den Reichskanzler von der durch das Gesetz an- geordneten Auflösung jesuitischer Niederlassungen, von der Auswesung ausländischer und der Anweisung eines bestimmten Wohnsitzes an deutsche Jesuiten zu benachrichtigen und binnen drei Monaten ihn von den etwa im Lande angesiedelten, dem Jesuitenorden verwandten Congregationen Kunde zu geben. — Der Präsident der brasilianischen Provinz San Pedro do Rio grande do Sui hat mit mehreren Auswanderungs- Agenten einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge 40,000 Auswanderer, darunter 20,000 Deutsche, in dieselbe eingeführt werden sollen. Es kann im Jn- teresie unserer Landsleute nicht genug gemahnt werden, sich nicht durch die Versprechungen solcher Agenten bethören zu lassen, da die brasilianischen Verhältnisse durchaus keine Bürgschaft für ein gedeihliches Weiterkommen der Auswanderer bieten, außerdem auch nicht einmal zwischen Deutschland und Brasilien eine genügende Consular-Conventton besteht, die den deutschen Ankömmlingen einen genügenden Rückhalt gewährte.
Dortmund, 27. Juni. Eine Bekanntmachung des Landraths, der Bürgermeister und Aemter des Kreises Dortmund wurde heute Morgen durch Straßcn- anschlag veröffentlicht. Dieselbe warnt vor Ausschreitungen und sichert den bei der Arbeit bleibenden oder zurückkehrenden Bergleuten den vollen Schutz der Staatsgewalt zu. Zu diesem Zwecke seien die aus reichendsten Vorkehrungen getroffen. Die einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung und deö Strafgesetzbuches sind zur Warnung aufgeführt.
Koblenz, 27. Juni. Um auf alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ist (wie das „Franks. Journ." erfährt) die große Besitzung der Jesuiten am Laacher See bei Andernach bereits Privathänden übertragen worden. Die Auflösung der von den Schulbrüdern geleiteten und aus mehreren Klassen bestehenden höheren Bürgerschule bürfte nach den neueren Intentionen des Cultusministers ebenfalls bevorstehen.
Ems, 27. Juni. Seine Majestät der Kaiser machte vorgestern Abend noch einen kurzen Spazirgang und nahm später den Thee bei der Frau Herzogin Wilhelm von Mecklenburg ein. Gestern Morgen hat Se. Maj. die Brunnenkur begonnen. Prinz Georg von Preußen ist hier eingetroffen.
Zm Seebade.
Humoristische Erzählung von L- W- (Fortsetzung.)
„Hört, guter Freund!" — erwiderte Trauben- schnß, gelassen zu seinem riesigen Gegner hinaus, sehend; — „Ihr seid wahrhastig ein verdammt ein- sältiger Kerl, daß Ihr Euch einer alten Hexe wegen mit mir schlagen wollt, die ein Irokese nicht einmal des SkalpirenS werch halten würde. Wenn Ihr übrigens meine Seele ausznstörcn gedenkt, so kann ich Euch gleich jetzt Gelegenheit dazu geben. — Johann, heda, meine Pistolen!"
„Nein!" — entgegnete Spiridion mit einem Tone, den man sür den Ausdruck der Furcht hätie halten mögen; — ich protestire und verwahre mich seierlichst gegen den Gebrauch aller Feuergewehre, von Haubitzen bis Pistolen; es sind heimtückische Waffen; der Degen ziemt einem Manne weil mehr. Heute gegen Abend begleiten Sie mich in das Gehölz, welches sich nach dem Strande hinzieht."
„Nun wohl" — versetzte der Capitän -- „ich will Euch aus alter Freundschaft gegen Anna schon einmal den Gefallen thun; kommt Ihr mir aber öfter mit dergleichen Zumuthungcn, so mögt Ihr Euch mit Meinem Affen schlagen, der paßt für Leute Eures Gelichters am Besten!" Mit diesen Worten schob cr den nicht aus der Fassung zu bringenden Morgenstern zur Thür hinaus, und frühstückte weiter.
Die Sonne hatte schon den größten Thcil ihres Laufes zurückgelegt, als Capitän Traubenschuß, mit einem Sarazenen-Säbel versehen, auf seinem prächtigen englischen Jagdpferde vor der Behausung Spiridion Morgensterns hielt, und diesen mit lauten Worten aufforderte, ihm zu folgen. Spiridion war auch keineswegs abgeneigt, diesem Anfinnen zu genügen; denn
ein Billet von Anna's Hand, und ein reichliches Maaß der geistigen Getränke, von denen er heute auf seine Kosten schon mehr genossen, als sonst in einem Jahre, hatten ihm unüberwindlichen Muth eingeflößt, und da er seinem Gegner in keinem Stücke nachsteheu wollte, so bestieg auch er, seinen Hut auf den Kopf stülpend und seine Hüften mit einem Seitenhieber umgürtend, die Rosinante, welche ihn hierher getragen, und nun trabten beide Helden wohlgemuth dem Gehölz zu, welches sie zum Schauplatz ihrer Thaten auSersehen halten.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als ein in geringer Entfernung von ihnen aufspringender Fuchs und das Halloh deS Capitäns die Scene veränderte. In dem edlen Renner erwachte nämlich plötzlich die ölte Jagdlust, er that einen so entsetzlichen Sprung, daß sein Reiter, mit Verlust seiner Kopfbedeckung, sich nur eben im Sattel erhalten konnte, und nun gingö über Stock und Stein mit der Schnelligkeit des Sturmwindes dem fliehenden Fuchse nach. Auch Morgensterns muthiger Klepper wollte nicht zurück bleiben; er folgte im gestreckten Lauf, während Spiridion, gleich der daherfahrenden Windsbraut, mit auf der Erde schleppenden Beinen ungeheure, Alles verfinsternde Staubwolken erregte. Eine tiefe und breite Mergelgrube schien endlich der Hetzjagd Einhalt thun zu wollen; der Renner setzte spielend hinüber, und verfolgte, durch die Flüche und das Angstgeschrei des Seemannes immer mehr und mehr angefeuert, das fliehende Raubthier über Gräben und Zäune und Gebüsch; aber den Klepper verließen die Kräfte ge rade im entscheidenden Augenblick, er kam mit seiner geistreichen Bürde, bis an den Hals im Morast versinkend , glücklich in der Grube vor Anker. Spiri- dions gräßliches Geschrei lockte einige Feldarbeiter,
Aus Rheinhessen, 27. Juni. In einer am 24. d. M. zu Alzey statlgehabten Sitzung des Provinzial - Comilo's für die rheinhessische Unionsfeier wurde u. A. beschlossen, das 50jährige Jubiläum der Union am 18. September d. I (nicht am 28. November) in Worms abzuhalten. Die Vertretungen der unirten Kirchen in Baden, Rheinbayern, Rhein- preußen und Nassau werden zu dem rheinhessischen Unionsfeste eingeladen.
Metz, 27. Juni. In Metz hat der deutsche Bestandthcil der Bevölkerung eine Stärke und Ausdehnung gewonnen, die für so kurze Zeit überraschend ist. Vielfach sieht man deutsche Schilder an den Häusern, in allen Gasthöfen hört man deutsch reden. Französisch ist nicht mehr allein vornehm, deutsch ist die Sprache der Regierenden — das allein macht schon viel auS. Schon jetzt darf man über ein gutes Viertel der Stadtbevölkerung als deutsch rechnen. Metz hatte nämlich schon früher eine starke Beimischung veutscher Herkunft. Die Dienstboten kamen durchgehends aus der „Allemagne", wie man den deutschredenden Theil Lothringens nannte, mit ihnen eine Menge Arbeiter. Ein Stock deutscher Juden war von jeher ansässig. Endlich halten sich lheils aus dem Elsaß, theiis aus Luxemburg und den Rheinlanden Handwerker, Bahnwärter, Kaffee- und Speise- wirthe und andere kleine Geschäftsleuie eingesunden. Fast alle diese Leute finden es jetzt bequemer, auch vortheilhafter, wieder ihre Muttersprache zu reden. Zu ihnen nun kam außer der deutschen Besatzung im Jahreslauf eine sehr beträchtliche Einwanderung von Beamten, Lehrern und Geschäftsleuten aus Deutschland hinzu. Umgekehrt aber verlor in derselben Zeitsrist die französische Bevölkerung durch bei} Abzug des französischen Militärs und seines großen Anhanges, sowie der Stockfranzosen und französisch gesinnten Lothringer. Ein Unglück war es, jedoch unvermeidlich, daß von jenseits des Rheins Leute herbei- stcömten, welche den Kopf voll Pläne und in der Tasche kein Geld halten. Sie fingen frischweg allerlei Geschäfte an, verloren sehr bald den Boden unter den Füßen und mußten Bankerott machen. Solche Leute schufen dem deutschen Namen keine Ehre; ihre Art stellt sich aber überall ein, sobald ein Land den Herrn wechselt. In dieser Beziehung hat sich's in der letzten Zeit bedeutend abgeklärt. Jetzt wäre es Zeit, daß solide Geschäftsleute herkämen, die erst das Lanv und seine Bedürsuifse und Verbindungen sorgfältig kennen lernen und dann auf sicherer Grundlage
welche der entsetzlichen Kavalkade schon mit Verwunderung zugesehen halten, herbei; sie zogen ihn heraus, und unberitten, vom Kopfe bis zu den Füßen mit einer dicken Lehmkruste überzogen, mußte cr den Weg nach seiner Wohnung antreten.
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_ Walter hatte die ihm sich darbietende Gelegenheit, Sophie auf einem Morgenspaziergange zu begleiten, so klug zu benutzen gewußt, daß sowohl Worte, als Blicke seiner Schönen ihm deutlich sagten, er sei dem Zwecke seiner Reise über alle Erwartung nahe ge-. kommen, und es werde nur von ihm abhängen, ihn völlig zu erreichen; denn Sophie fühlie sich durch die Eroberung, welche sie an dem" schönsten Manne unter allen Anwesenden gemacht hatte, nicht weniger geschmeichelt, als ihre Mutter durch die Bemerkung, wie unwiderstehlich die Reize ihrer Tochter seien. Walter kehrte, obwohl nicht sreudetrunken, doch wenigstens ziemlich vergnügt, zurück, und begegnete der Zofe Wil- helminens, welche alle ihre Beredsamkeit aufgeboten hatte, ihre Gebieterin zu trösten und eben von derselben ausgesendet worden war, um insgeheim Nachrichten über Waller einzuziehen. Letzterer erkundigte sich jetzt mit freundlichen Worten nach dem Befinden ihrer Herrschaft. „Ach, mein schöner junger Herr!" — antwortete die Dienstbare — „mein atmef Fräulein hat viel leiden müssen, seitdem ich Sie »ich! gesehen habe. Denken Sie nur, der Herr Major will sie einem alten Schiffskapitän, der gestern einen ausländischen Affen auf unsere Tante Anna gehetzt hat, zur Frau geben; noch heute Morgen hat er geschworen, nur Traubenschuß solle seine Nichte haben, und dabei hätte er seine Schwester beinahe tobt geschossen, weil sie ihm so heftig widersprach und ihm endlich eine Ohrfeige gab. Und nun läßt die Tante ihre Wulh