Einzelbild herunterladen
 

ab.

W. 1533 -UNg anzt. its. llch. rme i J. bach 1469

legi! t zum res in 1565

»i,

erl M n.

rs

1554 Sgr. ter.

uni:

d | eert senden

t

0.

M.

pa’s. rller •igi;

ldes

ig-

ind

• 84J

ter.

ten.

3-55 3—35 3J-24 51—5" 2—44 154-25

MI». M9. JUarfiurg, Freitag, den 28. Juni. 187%»

Oberhessische Zeitung.

Erschein« täglich außer de» Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der OberheMche» Peitung mit KreiSdlatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 8t; Lar., durch die Postämter 87 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 88 Lar.— Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserat« an.

SRfWhtltflMI °uf die „OberhesfischeZeitung" <K|lllUlll|JUl pro drittes Quartal bitten wir bei den Postanstalten gefl. recht bald zu machen. Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellun gen an.

____________Die Gxtzed. d. Oberh. Ztg. Deutsches Keich.

Berlin, 26. Juni. Die „Prov.-Corresp." schreibt: „Der Gesetzentwurf gegen die Jesuiten ist im Reichs tage auch in der dritten Lesung mit bedeutender Mehr­heit von 181 gegen 93 Stimmen angenommen worden. Namens der verbündeten Regierungen konnte bei der Berathung im Reichstage noch keine ausdrückliche Zu­stimmung zu der vorgeschlagenen veränderten Fassung des Entwurfs ausgesprochen werden, - weil die ein­zelnen Regierungen ihre Erklärungen darüber noch nicht hatten abgeben können. Der Präsident des Reichskanzleramtes, Minister Delbrück, beschränkte sich darauf, den allgemeinen Standtpunkt den Regierungen in Bezug auf die Vorlage gegenüber der Angriffen von katholischer Seite wiederholt zu bezeichnen. Nach­dem die Vorlage in der neuen Fassung vom Reichs­tage entgültig genehmigt war, hat der BundeSrath am 26. seinerseits beschlossen, dem veränderten Ent würfe die Zustimmung zu ertheilen. Die Publikation des Gesetzes und den Erlaß der zur Ausführung und zur Sicherung des Vollzugs desfelben erforderlichen Anordnungen wird in Kürze erfolgen." — Demselben Blatt zufolge gedenkt Se. Majestät etwa vier Wochen ins Ems zu verweilen, und später noch auf einige Wochen nach Gastein zu gehen. — In Betreff der Räumung der noch oceupirten französischen Landes bemerkt das officiöse Organ: „Die Verhandlungen mit Frankreich wegen beschleunigter Zahlung der ver­tragsmäßigen Kriegskosten-Entschädigung und wegen entsprechender früherer Räumung französischer Gc- bietStheile seitens unserer Truppen sind nunmehr in vollem Gange. Nachdem die französische Regierung in Verfolg der vorläufigen vertraulichen Besprechungen noch im Laufe der vorigen Woche bestimmte Vor­schläge als Grundlage der Verhandlungen gemacht hat, sind in den letzten Tagen dem deutschen Bot­schafter in Paris die erforderlichen Weisungen und Ermächtigungen zum Eintritt in die wirklichen Ver­handlungen zugegangen."

— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernen­nung des Oberregierunsraths Wolff zum Regierungs­präsidenten in Trier, das Gesetz betreffend die Fest stellung des Nachtrags zum Etat von 1872, sowie die Regelung des Reichshaushalts von 1871, ferner das Gesetz betreffend den Termin der Wirksamkeit der deutschen Reichsversassung in Elsaß-Lothringen, sowie den außerordentlichen Geldbedarf für die ReichSeisen- bahnen in Elsaß-Lothringen.

— In diesen Tagen sind die Anweisungen für die von Regierung und Landtag beschlossene Erhö­hung der Gehälter der Gymnasiallehrer von hier nach mehreren Provinzen abgegangen. So vorgestern die nach Westphalen. Auch für Brandenburg wird in kürzester Frist die Anweisung ergehen. — Wie die „Osid. Ztg." hört, steht die Ernennung von achtzehn weltlichen Schulinspeetoren für die Provinz Posen mit einem Gehalt von 1000 Thlrn. nebst Diäten und Reise­kosten bevor. — Die preußischen Eisenbahnen haben im Monat Mai 1872 bei 1723,40 Reichsmeilen Bahnbetriebslänge eine Gesammt - Einnahme von 11,402,136 Thlr. ober 6622 Thlr. pro Meile erzielt und die Einnahme vom 1. Jan. bis ult. Mai stellte sich auf 51,634,883 Thlr. ober 30,327 Thlr. pro Meile unb 6065 Thlr. pro Monat unb Meile. Im Monat Mai 1871 betrug bie Einnahme bei 1566,48 Meilen Länge 10,589,282 Thlr. ober 6760 Thlr. pro Meile unb vom 1. Jan. bis ult. Mai 1871 kamen ein 48,322,865 Thlr. ober 30,947 Thlr. pro Meile unb 6189 Thlr. pro Monat unb Meile.

— Nach der letzten Notiz übet bie Ausprägung der Reichsgoldmünzen waren bis zum 1. Juni b. I. in den Münzstätten bes beutichen Reiches in Zwanzig- mark-Stücken 156,606,200 Mark ausgeprägt worben. In der Zeit vom 2. bis 8. Juni b. I. finb ferner in solchen Stücken geprägt in Berlin 4,702,820 Mark, in Hannover 1,597,140 Mark, in Frankfurt a. M. 2,059,020 Mark, in München 966,660 Mark, in Dresben 1,215,640 Mark, in Stuttgart 577,540 Mark unb in Karlsruhe 250,000 Mark. Die Ge- sammtausprägung stellt sich daher bi« 8. Juni d. I. auf 167,975,020 Mark.

Dortmund, 26. Juni. Die „Wests. Ztg." berichtet: Die gestrige Berathung des Vereins für bergbauliche Interessen sand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Auf der Zeche „Tremonia" ist

gestern Nachmittag unb aus ber Zeche „Westfalia" heute früh bie Einstellung ber Arbeit eingetreten.

Ems, 26. Juni. Von hier berichtet man der „N. P. Z." über die Haute volse des Heilung suchenden Publikums: Aus ben „Vier Thürmen" (be­kanntlich feit einer Reihe von Jahren burch Miethe im Quastbesitz bes nahen Hotels d'Angleterre, des ersten hiesigen Gasthofes) weht eine dunkelblaue Flagge mit großem, orangegelbem Kreuz; sie verkündet die An­wesenheit I. K. H., ber hier unter bem Namen einer Gräfin Rosenbal als Kurgast weilenden Prinzessin Osear von Schweben, welche mit ihrem zahlreichen Gefolge in jenen stets von hohen Herrschaften bevor­zugten Räumen Platz ergriffen hat. Außerdem wohnt auch K. H. die Erbprinzesstn von Hohenzollern mit Gefolge in den vier Thürmen. Außerdem ver­zeichnet bie Kurliste eine russische Fürstin, Gagarin unb bie Galizin, unb eine Prinzessin von Ttabia mit Familie unb Dienerschaft aus Palermo. Die Kurliste zeigt wieder Gäste aus allen Ländern Europa's wie auch aus Nord- und Südamerika auf, besonders viele Engländer, Russen, Ungarn; doch fehlen auch Franzosen nicht. Selbst bie Türkei ist vertreten burch einen ihrer Söhne, ber in rothem Fez umherwandelt und sich zwei Frauen, eine eorpulente und eine schlanke mitgebracht hat, beide jedoch unverschleiert unb in europäischer Tracht. Zu ben vielen anwesenden Per­sonen von Distinction gehören u. A. ferner Graf Festestes, königl. ungarischer Kronhüter, k. k. Geheime- rath unb Kämmerer mit Gemahlin; ferner ein alter Bekannter mit fremdartig klingendem Namen: Mr. le Cte. de Schmising-Kerssenbrock, Cam. Segreto di Spada e Cappa di Sua Santita und Mad. la Cssa., nee Gordon of Albergeldie, aus Westfalen; ferner Herr v. Zwehl, Frhr. v. Varnbühler, Staatsminister a. D., aus Stuttgart, welcher einen früheren Jrrthum gewissermaßen dadurch sühnt, daß er hier in „Burg Hohenzollern" wohnt. Auch Baron Krug v. Nidda aus Potsdam, Oberstlieutenant und Führer der Leib- Gendarmerie Sr. Majestät, ist hier angelangt. Unter den sonstigen Gästen sind zu vermerken eine er­hebliche Zahl von Opernsängern und Sängerinnen, daneben viele Pastoren, welche hier Heilung für Hals- unb Kehlkopfbeschwerben suchen, wozu sich 15 (!) Brunnenärzte als berufene Rathgeber darbieten.

Karlsruhe, 26. Juni. Eine Verordnung des

Zm Seeßade.

Humoristische Erzählung von L. W.

(Fortsetzung.)

Nachdem Anna in langen wohlgeordneten Perioden baS Uebergewicht ihres Gegners über den Geist ihres Bruders in das hellste Licht gesetzt und ihre Fertig­keit im Anspinnen von Jntriguen gerühmt hatte, ver­sprach sie, alle diese erhabenen Vorzüge einzig zur Vereitelung der Absichten des alten Corsaren anzu- »enben. Wilhelmine bankte mit ber ihr eigenen An- «uch für diese Versicherung, kam aber, allem An­scheine nach, viel zu früh damit, denn bie Tante war ben ganzen Abend und bie Nacht hinburch noch in ber größten Verlegenheit, wie sie ihre Verheißungen unb Drohungen wahr machen solle Doch mit dem rosigen Lichte des Morgens befreite sie Spiridion Morgenstern auch aus dieser Noth.

Der Humorist nämlich, welcher zwar ber Äffen- unb Papagei-Scene nicht beigewohnt, wohl aber aus einzelnen aufgefangenen Aeußerungen gemerkt hatte, daß Traubenschuß Absichteti gegen Wilhelmine im Schilde führe, bie ben {einigen gerade entgegen liefen, »ar zu dem kühnen Entschlüsse gekommen, der Tante den Zustand seines Herzens zu entdecken, und ihren Schutz und Beistand nachzusuchen. Nun hatte er so wenig Zeit zu verlieren, daß er in aller Frühe Anna seine Aufwartung machte unb, obwohl diese sich »och nicht aus dem Bette erhoben hatte, eine Audienz er­hielt, in welcher er mit dem jämmerlichsten Teli-' tzuentengesichle alle Geheimniffe seines Herzens zu bm Füßen der heroischen Affenbekämpferin auSschüttcte.

Anna hörte ihn nicht ohne Erstaunen an; allein b» sie selbst von aller Eifersucht frei war, unb sogleich begriff, daß das Schicksal ihr in Spiridions Person ön Werkzeug zugeführt habe, um ihre blutigen Ge- bttnfen gegen Traubenschuß ins Leben treten zu lassen, •® erzählte sie erst dem Bittenden mit dem gräßlichsten Wt$o« die ganze Geschichte der von dem Capitän

ihr zugefügten Beleidigung, und versprach ihm endlich zur Erreichung seiner Absichten ihren Beistand einzig und allein unter der furchtbaren Bedingung, daß er sich noch heute mit Traubenschuß schlage. Spiridion schauderte, aber die Tante wich nicht ab von ihrem Vorsätze; sie bot vielmehr alle Kräfte ihrer Bered samkeit auf, und entflammte den Zaudernden so mit Blut- und Mordgedanken, daß er mit funkelnden Augen unb zitternber Stimme sofort Abschied nahm, um feinen Nebenbuhler noch in der nämlichen Stunde zum Duell zu fordern.

Anna säumte nicht, Wilhelmine sogleich zu sich entbieten zu lassen, um ihr die ergötzliche Nachricht baß sie nun auch an dem geistreichen Spiridion eine Eroberung gemacht habe, mitzutheilen. „Du wirst Dich nicht wenig glücklich preisen, meine Liebe" — hob siei mit Würde an, als ihre schöne Nichte ins Zimmer trat — „wenn ich Dir sage, daß ein ebenso geist­reicher unb berühmter, als tapferer Mann, der jetzt, Dich gegen bie Nachstellungen bes alten Piraten zu sichern, im Begriff ist, sich so eben bei mir um Deine Hanb beworben hat."

„Unb wer ist benn ber Ausbunb aller LiebenS- würbigkeit?" — rief Wilhelmine, das Ganze für Scherz haltend.

„Du kannst noch fragen, Kind?"— versetzte Anna; — „wen anders würde ich wohl mit dem Namen eines berühmten, geistreichen und tapfern Mannes zu­gleich belegen, als meinen Freund, den gefeierten Spi­ridion Morgenstern? So eben hat er mich verlassen, um ben Capitän wegen ber mir zugcfügten Beleidi- gung zur Rechenschaft zu ziehen; ich werde seine Be­werbungen mit meinem ganzen Einflüsse unterstützen."

„Großer Golt!" — seufzte Wilhelmine, sich kaum der Thränen erwehrend — „muß noch ein Narr mehr mich quälen? — Ich kann ihn eben so wenig lieben, als ben Capitän, ich —*

„Wie!" - fuhr Anna auf — „ihn nicht lieben,

Spiribion nicht lieben, Morgenstern ein Narr! — Fort, Unbesonnene, fort aus meinen Augen, unb lerne künftig Deine Worte besser Überbenfen, bamit sie mehr der Erziehung ensprechen, bie Du von mir genoffen hast! — Tu sollst, Du mußt ihn lieben!" —

Wilhelmine wartete das Enbe dieser Rebe nickt ab! sie floh, um baß Gehörte der Vertrauten ihres Herzens, bem Kammermädchen, mitzutheilen.

7.

Spiridion nahm unterdessen den Weg nach der Behausung des Kapitäns; allein je weiter er ging, desto kürzer und langsamer wurden seine Schritte, denn baS Gefahrvolle seines Unternehmens fiel ihm immer schwerer und schwerer auf die Seele. Endlich, als er bie mit Gewalt hervorbrechende Todesfurcht nicht länger bezähmen konnte, gerieth er auf ben klugen Gedanken, sich durch ein Glas Wein Muth zu machen. Er ging also nach dem Weinhause, und fand zu seinem großen Tröste, daß das Trinken seinem Körper und Geiste gleich sehr zusage"; schon beim dritten Glase verlor fich das Zittern, das vierte gab seinem Gesichte die natürliche braune Farbe wieder, und als die Flasche geleert war, fühlte er Muth ge­nug in sich, um eß mit allen Helden, bie er jemals in seinen Romanen sich hatte duelliren lassen, geschweige denn mit dem Capitän, der gegen ihn nur eine Pyg­mäe war, aufzunehmen.

Spiridion wankte nach dem Hause beß See­mannes , ließ sich keineswegs erst melden, sondern öffnete sogleich unter Poltern und Schreien baS Zimmer seines Gegners, den er beim Verzehren eine« derben Frühstücks fand, und redete, wie folgt:

„Nicht sowohl eigenes von Ihnen mir zugefügtes Unrecht, obwohl ich dergleichen, in Ihrer Bewerbung um die Hand der schönen Wilhelmine, reichlichen Maße« erlitten, sondern vielmehr die Unbill, welche das unvergleichliche Fräulein Anna von Zehlm gestern von Ihnen erfahren, bewegt mich, Sie, ben Schiffs-