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Marburg, Sonntag, den 23. Jurii.

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Oberhessische Zeitung

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Die Expetz. d. Oberh. Ztg.

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Politische Wochen-Uebersicht.

Der rasche Verlauf der Verhandlungen im Reichs­tage gestattete bereits am 19. d. den Schluß seiner Weiten Session, welche außerordentlich reich ist an schwerwiegenden Resultaten. Das allgemeine deutsche Militärstrafgesetzbuch, das Reichsbeamtengesetz, die Erledigung des Budgets, das Gesetz, bett, die Ver­wendung bezw. Vertheilung der französischen KriegS- entschädigungSgelder, die Einführung der Gewerbe­ordnung in Baiern, das Brausteuergesetz, die Post­verträge mit Frankreich, Oesterreich, Rußland, Spa­nien und Portugal, das Gesetz über die ReichSeisen- bahnen, der Luxemburger Eisenbahnvertrag, das Je­suitengesetz rc. sind theils Früchte unserer nationalen Errungenschaften, theils befruchtende Momente für unsere gedeihliche Weiterentwicklung nach Innen und Außen; somit gewähren sie einerseits einen befriedi­genden Rückblick auf die Vergangenheit, andererseits erwecken sie gerechtes Vertrauen in unsere Zukunft. — Seit dem 11. d. finden zu Berlin in täglichen Conferenzcn, zu welchen der Cultusminister aus allen Landestheileu ohne Rücksicht, oder vielmehr gerade mit Rücksicht auf ihren religiösen und politischen Partei­standpunkt, Sachverständige berufen hat, eingehende Besprechungen des preußischen Seminar- und Volks­schulwesens statt. Ohne bestimmte Beschlüsse zu fassen, haben durch den Austausch ihrer Meinungen die Confe- reuz-Mitglicder, die gegenwärtig in ihren Berathungen nahe dem Ende des ihnen vom Minister vorge­legten Programms stehen, bereits schätzenswerthe Er­gebnisse aufzuweisen, welche ohne Zweifel gebührende Be­rücksichtigung beim Erlaß des neuen UnterrichtsgesetzeS finden werden; aber schon vorher, wie der Hr. Mi­nister versicherte, soll, wenn es geboten erscheint, durch VerwaltungSmaßregeln eine Umgestaltung der Me­thode und des Umfangs im Volksunterrichte, d. h. der sogen. Regulative, die bisher diesen Unterricht ge­regelt haben, eintreten. Die große Bedeutung dieser Conferenzen ist mithin einleuchtend.

Für den nächsten Herbst steht der Besuch deS Kaisers von Oesterreich am kaiserlichen Hofe in Berlin bevor. Von allen Seilen, die ein Interesse am europäischen Frieden haben, wird dieses Ereigniß, dessen hohe politische Bedeutung in dem eben erwähn­ten Sinne die beiden offiziösen Blätter Wiener „Abend­post" und Berliner „Provinzial Korrespondenz" bereit» hervorgehoben haben, auf das freudigste begrüßt. — Der Reichsrath hat am 17. d. in dritter Lesung das Landwehrgesetz angenommen, dagegen den vom Landes- vertheidigungsminister befürworteten Antrag auf Er­richtung von Znstruetionseadres für die Kavallerie ab­gelehnt. — Der Verfassungsausschuß hat endlich seinen Bericht über das politische Elaborat am 14. d sestgestellt. — Die Wahlschlacht in Ungarn ist bis jetzt für die Deakisten siegreich ausgefallen; die äußerste

den Lehrplan aufzunehmen und chas praktische Rechnen durch die Grundlehren der Arithmetik zu begründen; die Geometrie umfaßt auch Uebungen in der Ausmes­sung und Berechnung der ebenen Flächen; Ausmessung und Berechnung der Hauptformen der Körper ist, ohne daß eine wissenschaftliche Begründung gegeben wird, hinzuzufügen."

aus Germanen zu Romanen macht. Der Abgeord­nete Dr. Windthorst hat neulich gesagt: Wenn Ste den Krieg haben wollen, nun gut, so sollen Sie ihn haben! Man hat dies als Ueberhebung des Ka- tholicismus angesehen, allein, m. H., ich meine, wir müssen den Krieg aufnehmen, es ist unsere Pflicht, ihn aufzunehmen. Wir wiffen ja alle, daß wir ma­terielle Mittel nicht haben und daß, wenn wir sie hätten, wir ste als gnte Katholiken nicht gebrauchen dürften. Wir haben ganz andere Mittel, wir haben die Waffe des Opfermuthes, der Glaubenskraft und des Gebets! Das sind Waffen, die Ihnen sehr curioS vorkommen mögen, allein wenn Sie das katholische Volk richtig kennten, so würden Sie anders denken. Wenn Sie auch aus den confessionslosen Schulen die sogenannten Kreuzverehrer und Madonnenanbeter vertreiben, so werden die Katholiken ihre Kreuze auf die Berge tragen und auf den Feloern sie aufpflanzen, sie werden in Schaaren hinaus ziehen und sie dort verehren. Freilich könnte es dann leicht geschehen, daß man auch die Prozessionen für staatsgefährlich erklärt Man wirst uns vor, wir hätten die ersten Angriffe gethan und das Concil sei der eigentliche Kernpunkt der Aggression. Die Aggression aber ging von der liberalen Seite aus. Im Jahre 1859, also lange vor dem Eoneil, sprach die Londoner protestantische Kirchenversammlung Folgendes auS: 1) Das Wesen des modernen Staates liegt in der Conemtrirung

SRHMhnWn auf die „Oberh esfische Zeitung" pro drrttes Quartal bitte» wir bei den Postanstalten gefl. recht bald zu machen. Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellun-

wenn Sie in die Theater gehen. Und trotz dieser Gewalt müssen Sie noch zu solchen mechanischen Mit­teln greifen! Meine Herren, daö junge Deutsche Reich hat vorgestern eine neue Aera angetreten. Die Zeit der Karlsbader Beschlüsse kehrt wieder. Man erinnert sich unwillkürlich an die Wirksamkeit des Ministers v. Kamptz, der den berühmten Aus­spruch gethan hat, als man ihn auf Ungerechtigkeiten in der Verfolgung der Studenten aufmerksam machte: „Ach was! Burschenschaft ist Burschenschaft!" Das ist auch Ihre Devise: „Jesuit ist Jesuit!" und der Jesuit ist einmal verdächtig und staatsgefährlich. Früher sind die Jesuiten auch verfolgt worden, und deßhalb muffen auch wir Spieß und Lanze gegen sie zur Hand nehmen, gleichviel, ob Gründe voriiegen oder nicht. Als Beweise hören wir dafür abgedrojchene, hundertmal wiederholte Redensarten. Ja, selbst Witze brauchen Sie, um daö große Publikum für Sich zu gewinnen, die man sonst wohl auf den äußersten Ga lenen hört, aber in diesem Saale nicht hören sollte Man hat es übel bemerkt, daß wir im Centrum bei

der Debatte manchmal gelacht haben. M. H., miß- verstehm Sic das Lachen nicht; wir haben gelacht, wenn wir gehört haben, daö Deutsche Reich befände Iich im Falle der Nothwehr gegenüber dem Papste im Vatikan, cs sei ein Kampf deS Germanismus gegen den RomaniSmus; wir haben gelacht, wenn wir hotten, wie man uns Alle hier im Centrum plötzlich

Bon der anderen Seite wurde behauptet, daß der Erfolg der Regulative in Preußen ein guter gewesen sei und davor gewarnt, nicht dasjenige als verwerflich zu bezeichnen und abschaffen zu wollen, worin man gerade jetzt in Süddeutschland anfange, den Vorzug des preußischen Volksschulwesens zu erkennen. Es wurde erklärt, daß alle jetzt gestellten Anforderungen an den Unterricht, wie das Lesen und die Erklärung der Klassiker, in der Thai auf den Seminaren längst ihre Befriedigung gesunden hätten und die Vorschriften der Regulative keineswegs so auszulegen seien, wie wenn sie die Ertheilung dieses Unterrichts hätten ver­bieten wollen.

Darauf wurden die von der Kommission für die Fortbildungsschulen aufgestellten Thesen vertheilt. Die- selben lauten: „1) Die Fortbildungsschulen haben die Aufgabe, der ans der Elementarschule entlaffenen Jugend, soweit dieselbe nicht in anderweitige Bildungs­anstalten übergeht, in de» nothwendigen Schulkennt- nissen die erforderliche Befestigung und Ergänzung zu vermitteln und dieselbe je nach den örtlichen Bedürf- niffen für das praktische Leben in Wissen und Fertig, keilen zu fördern. 2) Der Besuch dieser Schulen ist für Stadt und Land nur dann obligatorisch, wenn sich die Kommunen oder sonst zur Unterhaltung der Elementarschulen Verpflichteten im Einverständnisse mit der königl. Regierung dafür erklären und die erfor­derlichen Mittel nach Möglichkeit zur Verfügung stel­len. Der Staat tritt mit Beihülfen nach Bedürfniß ein. 3) Die Verpflichtung zum Besuche erstreckt sieb bis zum Schluffe des 16. Lebensjahres. Es sind wöchentlich wenigstens drei Stunden zu ertheilen. Ter Unterricht findet in der Regel im Winter statt 4) Die Ziele allgemeiner Bildung sind vorzugsweise Ver­tiefung und praktische Einübung des in der Elemen­tarschule Gelernten. Die Richtungen und Grenzen der Fortbildungsschulen als Fach- und Spezialschulen werden von dhn öttlichen Bedürfnissen bedingt und durch den vom Schulvorstande und Ortslehrer mit Genehmigung königl. Regierung festgestellten Lehrplatte näher bestimmt." Damit wurde die Sitzung gegen 4 Uhr geschlossen.

derer Hervorhebung der griechischen, römischen, deut­schen und brandenburgisch-preußischen. Der Unterricht in der Naturkunde gibt auf der untersten Stufe Na­turgeschichte, auf den beiden oberen Naturlehre, zu der auch Meteorologie und mathematische Geographie in populärer Form gehören. M Mathematik ist in den Lehrplan anszunehmen und das praktische Rechne

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal der Obrr-esfische« Seitung mit Kreitblatt durch di- Expedition lKoch'sche Buchdruckerer) bezogen 22; Egr., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland erd. Stemnel 22 Lar — Jnsertionogebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Eämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Konferenz zur Berathung von Fragen aus dem Gebiete des Seminar- «nd Dolks- schulwesenS.

In der 8. Sitzung am 19. d. wurde die Diskitsston über Nr. 14 und 15 beendigt. Die Versammlung war im Allgemeinen darüber einig, daß sowohl die Land- als die Stadtschullehrer der Grundlage nach ein und dieselbe Bildung empfangen müßten. Einige wollten die nöthige Fortbildung der Lehrer durch Hin­zufügung einer Seleeta zu den bestehenden Seminaren erreichen, andere eine von den Seminaren vollständig getrennte Fortbildungsschule eingerichtet wiffen. Noch andere sahen den Hauptgrund nicht genügender Aus­bildung der Seminaristen in der mangelhaften Fort­bildung, mit welcher dieselben in das Seminar ein treten, und wünschten deßhalb diese Vorbildung zu vervollkommnen.

Bezüglich der Frage, ob Internat oder Externat in den Seminaren vorzuziehen sei, gingen die Meinungen der Hauptsache nach dahin, daß jede von beiden Ein­richtungen ihre Vorzüge habe und eS wesentlich auf ein tüchtiges Lehrerpersonal ankomme, um im Inter­nate oder Externate brauchbare und sittlich gute Lehrer heranzubilden.

Bei der Berathung Über die Gegenstände und die Art des Unterrichts, wurde der Wunsch ausgesprochen, daß nicht Theologen, sondern praktische Schulmänner zu Seminar-Direktoren gewählt würden. Man gab zu, daß im ersten Regulativ das Meiste von demjeni­gen genannt werde, was in den Seminarunterricht aufgenommen werden müsse; aber es sei doch in der Vertheilung deS Lehrstoffes nirgends eine bestimmte, unzweifelhafte Hervorhebung dessen, was eigentlich verlangt werde, nirgends eine feste Abgrenzung erkenn bar, an manchen Stellen aber auch eine empfindliche Lücke wahrnehmbar. Von dieser Auffaffung ging der Vorschlag aus, diesen ganzen Abschnitt der Vorlage folgendermaßen zu fassen: „Der Unterricht in den Seminaren bedarf einer erheblichen Erweiterung Statt der „Schulkunde" ist auf den beiden unteren Stufen in 2 wöchentlichen Stunden Didaktik, auf der "bersten Pädagogik zu lehren. Der Unterricht in der Religion erhält seine Ergänzung durch den Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der christlichen Re­ligion und Kirche. Für das Deutsche ist die Einfüh­rung in unsere National-Literatur unerläßlich und die Erläuterung der verschiedenen Slilgattungen und Dichtungsarten. In der Geschichte soll der Unter­richt die allgemeine Weltgeschichte umfassen mit beson

A«S der letzten Sitzung des Reichstages.

Aus den Debatten gelegentlich der oritten Bera- chung des Jefuitengesetzes in der Schlußsitzung des Reichstages am 19. d. tragen wir noch die Reden des Abg Reichensperger (Krefeld), des StaatSministers Delbrück und des Abgeordneten Dr. Gneist nach.

Reichcnsperger (Krefeld): M. H.I Indem Sic vorgestern mit 183 Stimmen gegen 101 daö „nonl sint" gegen die Jesuiten ausgesprochen haben, haben Sie einen liefen Schnitt in das Herz eines sehr grc ßen Theils der Bevölkerung Deutschlands gemacht. Meines ErachlenS kennzeichnet der vorgestrige Beschluß den modernen Liberalismus auf geistigem Gebiete, und unter diesem Liberalismus begreife ich auch diejenigen Herren von der conservativen Partei, die heute einmal ihren Namen gewechselt haben. Sie haben gezeigt, daß sie mit geistigen Waffen gegen die geistige Macht der Kirche nicht kämpfen können, und das ist ein gei­stiger Bankerott. Man hat schon auf die immensen ■Mittel hing,wiesen, die Sie gegen den Jcsuitismus ui der Hand haben, auf die Armee, die Universität, Leitung der öffentlichen Schule u. s. w. Ich verweise bie noch auf ein neues, nämlich die Preffe, welche uiit AuSnahÄe vielleicht weniger Blätter in Deutsch­land in der Verfolgung der katholischen Kirche wirk­sam ist; vom Kladderadatsch an, der in 50,000 Exem-1 Waren in das Volk geht, bis zum letzten Blatt sind ' W alle einig in diesem Ziele. Dasselbe finden Sie,