Einzelbild herunterladen
 

2 Thlr. elder, fisch.

us wähl

r. i

---

Juui Diftriü iche» ■ Läng hmess« l Loh ieckhol in ba

!gen. 1872.

iten:

i- j

n btt bietend t.qdort: [1476

ntiiient en am

ter.

md). irmt >ci J. rbaih [1465

»g

ist bi Weg« berm dvarz erlorei >hnun c C rd g- [1481

e wird rftrch [1463

und nde« rnde

NN,

Jllaröurg, Donnerstag, den 20. Juni.

1872.

Oterhessische Zeitung.

Orfieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Obrrheffischeu -eit««- mit KreiSblatt durch die Expedition (Äoch'sche Luchdruäerei) bezogen 88; Gar., durch die Postämter 87 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl Stempel 18 Ogr. — JnfertionSgebübe für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-Büreaus nehmen Inserate an.

Konferenz zur Berathung von Fragen aus dem Gebiete deS Seminar- und Bolks- schulwefeus.

Die 5. Konferenz am 15. d. hatte die Nr. 7 der Borlage zum Vorwurf: UnterrichtSgegenstände, Volks­schullesebuch.

ES manifestirte sich zunächst im Urtheile der Kon­ferenzmitglieder über die Regulative ein scharfer Gegensatz. Von der einen Seite wurde das Gute in ihnen, da« Hindrängen auf das Praktische, das War­nen vor Zersplitterung, nicht, wie man gerühmt habe, als eine ganz neue Idee in der Pädagogik, sondern al« etwas sehr AlteS bezeichnet; es wurde den Regu- lativen vorgeu orfen, daß sie in ihrem Eifer «eit über das richtige Maß hinausgegangen seien, indem sie Vatcrlandskunde und Naturkunde, sowie das Zeichnen ganz vom Unterricht ausschlöffen oder nur unter be­sonders günstigen Verhältnissen gestalteten. Demnach beschränke sich die Unterweisung der Kinder auf Reli­gion, Lesen, deutsche Sprache, Schreiben, Rechnen und Gesang, und da für diese Gegenstände zusammen 26 Stunde» angesetzt seien, in den Dorfschulen aber wohl selten über diese Zahl hinauSgegangen werde, so sei die Zulassung der in unserer Zeit so wichtigen Erdbeschreibung, Natur- und VaterlandSkstnde als besondere Unrerrichtsgegenstände für die älteren Kinder ganz wcrthloS; dazu komme noch, daß im Rechnen ein sehr beschränkter Kreis gezogen sei, der erst später durch Hinzuziehung der Decimalbrüche ein wenig erweitert wurde. So seien die Regulative geradezu ein Hcmmniß sür die Volksbildung geworden. Das scheine der Verfasser derselben jetzt selbst einzusehen, indem er in seiner Flugschrift S. 27 und 48 eine Revision der Regulativ« nach dieser Richtung hin, wenn auch in sehr vorsichtiger Weise, für zulässig erachte. Es sei durchaus nothwendig, neben die Lehr- gegenstäude des Regulativs vom 3. Oktober 1854 siir die einklassige Volksschule einen selbstständigen Unterricht in der Geschichte und Geographie, in der Naturkunde, den Elementen der Geometrie (Raumbe- rechnung) und im Zeichnen zu stellen.

Bon der andern Seite wurden diese Forderungen als zu weitgehend bezeichnet. Um die Fortschritte auf dem gewerblichen Gebiete kennen zu lernen, dafür be­ständen andeke Schulen. Die Naturwissenschaften be­rechtigten zu keiner Aenderung des Lehrplanes; man müsse sich überhaupt hüten, durch nachgiebig sein gegen die von Jahr zu Jahr wachsenden Forderungen der Verflachung anheimzufallen. Zudem fehle eö an den

nöthigen Unterrichtsmitteln, um den erwähnten Forde­rungen zu genügen. ES halte schon schwer genug, nur das eine Lehrbuch von allen Kindern angeschafft zu sehen, und wenn man dieses verdrängen und durch mehrere Compendien ersetzen wolle, so werde man schon daran scheitern; zur Anschaffung derselben fehle Geld und zur Benutzung die Regelmäßigkeit deS Schulbesuchs, die bei ungünstigen klimatischen und örtlichen Verhältnissen gar nicht zu erzwingen sei; man könne zugeben, daß ein Lesebuch ein Nothbehelf sei, aber unter den bestehenden Verhältnissen sei dieser Nothbehelf unabweisbar. An ein solches Lesebuch lasse sich übrigens erfahrungsmäßig der Unterricht in den sogenannten Realien vortrefflich anschließen, und bei den Fortschritten, welche neuerdings auf diesem Ge biete gemacht worden seien, werde man auch finden, daß die neueren Lehrbücher einen reichen realistischen Lehrstoff gewährten, der nicht bloß lose an einander gebracht, sondern nach einem bestimmten Plane ge­ordnet sei.

So war man zu dem 2. Satz der Vorlage, der vorn Lesebuch handelt, gekommen. ES wurde von den Einen behauptet, daß dort nur der Ausgangspunkt gegeben sein sollte, und nichts den Lehrer hindere, darüber hinauszugehen; man solle nicht vergessen, daß dem Regulativ vom 3. October 1854 auf dem Ver­waltungswege besonders.seit 1859 eine Weiterentwicke­lung gegeben sei.

Hiergegen wurde von den Anderen auf die Worte der Vorlage Hingeiviesen, in der von einem erweiterten Regulativ keine Rede sei, sondern nur das Regulativ vom 3 Oktober 1854 als maßgebend bezeichnet werde. Via» wolle nicht in Abrede stellen, daß der Ueber- gang von den früheren Leitfäden zum Lesebuch ein Fortschritt sei, aber dieses dürfe nicht zum AuSgangS- und Mittelpunkt deS ganzen Unterrichts gemacht werden, man komme sonst zu einem mechaiiischen Aneignen des Stoffes; das lebendige Wort des Lehrers, sein Vor­trag sei das belebende und fördernde Element des Unterrichtes. Das Lesebuch solle ein Repetirbuch, nicht aber der Ausgangs- und Mittelpunkt für den Unter­richt sein. Hiernach empfehle eS sich, diese Ansicht in folgender Fassung der Nummer 7 niederzulegen: „Die Unterrichtsgegenstände für die einklassige Ele­mentarschule sind Religion, deutsche Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen und die Anfänge der Geometrie, Geographie, Naturkunde, Gesang und Zeichnen, Turnen oder weibliche Handarbeiten."

ES erhoben sich aber, selbst von der Seite, von

welcher diese Vorschläge auSgingen, manche Bedenken gegen die Möglichkeit ihrer Ausführung; besonder« würden bei diesem Umfang des Unterrichtsstoffes 30 Lehrstunden nicht hinreichen. ES wurde freilich da­gegen von Den Vertheidigern obiger Anschauung gel­tend gemacht, daß sie dabei die dreistufige Volksschule im Auge hätten, daß man demgemäß den Stoff auf die drei Stufen vertheilen müsse; die Art und Weise der Vertheilung wurde des näheren ausgcführt. Damit schloffen die Verhandlungen gegen 3 Uhr.

Deutsches Reich.

*» Berlin, 18. Juni. Wie man hört, ist die Instruction an den Grafen Arnim bereits am 12. d. M. abgegangen, am 13. in feine Hände gekommen und hat derselbe am folgenden Tage bereits eine Unterredung mit Herrn Thiers gehabt, in welcher er demselben eröffenen konnte, daß Deutschland die Grund­lage der bisher nur vertraulich kundgegebenen Ab­sichten Frankreichs wegen beschleunigter Abzahlung des Kriegsschuldenrestes acceptire. ES handelt sich augenblicklich jedoch durchaus noch um Vorbespre­chungen ; erst deren Resultat werden dann seitens Frank­reichs officicll zu stellende Anträge sein. — Die Nach­richt der „Prov.-Corresp.", daß der Kaiser von EmS nach Gastein reisen werde, wird in einigen Blättern mit dem Bemerken bestritten, daß hierüber noch keine Bestimmung getroffen sei. Demgegenüber kann ver­sichert werden, daß, wenn auch die Einzelheiten der beabsichtigten Reise noch nicht festgesetzt sind, an der Absicht derselben nicht zu zweifeln ist. — Der Bun­desrath ist nicht in der Lage, bereits vor der dritten Lesung de« Jesuitengesetzes einen definitiven Beschluß Über das Amendement Meyer (Thorn) zu saffen, wenn auch, wie schon bemerkt, kaum daran zu zwei­feln sein dürfte, daß dasselbe den Beifall der ver­bündeten Regierungen finden wird. Der Reichstag wird daher ohne irgend eigen Einfluß der Regierung rein aus seiner eigenen Initiative heraus abstimmen müssen und erst nachher der BundeSrath in der Lage sein, seinem Votum beizutreten und ihm Gesetzeskraft zu verleihen. Uebrigens bot die zweite Lesung deS Jn- leressanten nicht so viel wie die erste. Die einzig wahrhlch bedeutende Rede war wohl die deS Abz. Gneist. Der Grund, daß die Debatte hinter Dem ersten Tage zurückblieb, dürste darin zu finden sein, oaß in Wirklichkeit bereits durch die Einigung der Parteien die Majorität festgestellt und das Gesetz ge­sichert ist. Das Präsidium des Reichstages gibt sich

l>g" Näherei [1463

8 sind lise«- ib eint Röbel» [1488

«i,

ert w ii,

er«

i Sg» [ter.

r des

15

63,

Marburg, 14. Juni.

Der Sommer ist nach langem Sehnen mit seiner dollständigen Macht auch endlich bei uns eingekehrt. Nicht mit Unrecht wird Marburg mit seiner in Berg und Thal reich geschmückten Umgegend als einer der angenehmsten Sommeraufenthalte bezeichnet. Waren betbem noch nach all den reizendsten Höhen und Aus­sichtspunkten kaum passirbare Wege vorhanden, so hat jetzt der Verschönerungsverein es dahin gebracht, daß jedes schöne Plätzchen nicht allein mit Leichtigkeit zu erreichen ist, sondern daß nach den meist besuchten sogar doppelte und dreifache Wege führen, wobei es an den nöthigen Ruhebänken nirgends fehlt. Punkte, wie die Spiegelslust, Kirchspitze, MarienhäuSchen, Teufelseiche, Augustenruhe, DammelSberg, DreyerS- quelle, Weintrautseiche, Mooseiche ic. rc. bieten dem Freunde von Naturschönheiten einen Genuß, wie er wohl nur höchst selten in solcher Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit zu finden ist Neben diesen Natur- gmüffen verdient aber noch eine Anlage der letzten Jahre in Marburgs unmittelbarer Nähe, in dem im engen Thale, gleich einem Schweizerdörschen, ruhig und ftiedlich daliegendm Dorfe Marbach die 'aügemeinste Beachtung. Wir meinen die daselbst mit dem besten Somfort auSgestatlete Bade-Anstalt. DaS herrlichste Quellwasser und die mehr und mehr um die Anstalt sich entwickelnden Anlagen, dabei die bequemsten Wege »ach ben nahe liegenden Höhen und Wäldern lasse dieselbe mit den best gelegenen Kalt-Wasser-Anstalten Wetteifern. Wer nach des Winters Leiden durch die Heilkraft de« Waffer« und einen Aufenthalt in der schönsten und freiesten Natur seinem Körper und Geist Jtue Kraft und Frische zuführen will, dem sei ein besuch des „Bades Marbach", wie die Anstalt wohl ktlb heißen dürfte, aufs Wärmste empfohlen. — Den­

jenigen, die ihre Heilung und Stärkung nicht dem einfachen Ouellwasser allein anvertrauen wollen, können mit gutem Gewissen noch die Heil- und ErquickungS- wässer der hiesigen Mineralwasser-Anstalt von Zulius Zeiffe recht angelegentlich ft empfohlen werden. Haben bereits im vorigen Jahre unsere wissenschaftlichen Au­toritäten über das Fabrikat der genannten Anstalt sich in sehr anerkennender Weise öffentlich ausgesprochen, so kann dem noch beigefügt werden, daß durch Erwei­terungen und Vervollkommnungen allen und jeden An­forderungen die Fabrik jetzt entspricht; der beste Beweis hierfür dürste indeß der tägliche Versandt von vielen Tausend Flaschen der verschiedensten Mineralwässer sein. Und so sei denn nach diesen ©eiten hin unseren nächst wohnenden Lesern, wenn sie eine Badecur be­absichtigen, da« Verslein in Erinnerung gebracht:

Warum in die Ferne schweifen? Sieh! bas Gute liegt so nah.

Sollte auch in Manchem unserer ferner wohnen­den Leser die Reiselust sich regen, und er sich nach einem Erholungsplätzchen sehnen, das so sein soll, wie Marburg und Matbach ist, dem fei gesagt, daß Mar­bach von Marburg durch einen Thalweg von nur 1/4 Stunde getrennt ist und daß Marburg« Gasthöfe einen höchst familiären Aufenthalt zu den solidesten Preisen bieten.

3* Sektide.

Humoristische Erzählung von 8- W (Fortsetzung.)

„Alte Jungfer nennt mich das Seeungeheuer!" — schrie die Tante, vor Wuth außer sich, und warf die vom Kopfe gerissene Haube an die Wand; — „alte Jungfer! Und einen Pavian für mich, eine Bestie, ein Ungethüm! Ich werde mich rächen; ich will ein Pas­

quill auf ihn, auf alle Seeleute schreiben; er soll den Stachel meines Witze« fühlen! Bruder, ich eerlaffe das Haus in demselben Augenblicke, wo der alte See­räuber Wilhelminens Hand erhält!"

„Ganz nach Deinem Belieben!"—entgegnete ber Major; — „Du bist vollkommen ungeiunben; aber ins Bab wirst Du boch reifen, um ba« seltene Ge­schenk in Empfang zu nehmen?"

„Spotte nur" — versetzte Anna ruhiger; — „ich werbe reisen, allein in anderer Absicht. Mein Genie wird alle boshaften Anschläge des Ungeschliffenm ans Wilhelminens Besitz zu vereiteln wissen; ich werde Jntriguen anspinnen, werde ihm Nebenbuhler, furcht­bare Nebenbuhler erwecken, und ihm so zusetzen, daß er froh sein soll, wieder in die Kajüte Ihrer Britt. Maj. Schiff Hannidal zu kriechen! Ich eine alte Jungfer! Die Phrase ist unsinnig, sie enthält einen Widerspruch in sich selbst!"

„Desto eher kannst Du Dich dabei beruhigen," — sagte ber Major — „unb von bem Erfolge Deiner Kabalen wirb bie Zeit reben." Mit diesen Worten verließ er lachenb bas Zimmer, während Anna fort’ fuhr, bie Worte „Pirat, alte Jungfer unb Pavian" auSzustoßen, unb auf Folianten unb Quartanten um« herzuspringen, bis baS Kammermädchen hereintrat unb fragte: „Wa« befehlen Jhro ©naben?"

Die Zofe erhielt Den Auftrag, Wilhelmine sogleich zu rufen, unb als letztere binnen einigen Minuten erschien, hob Tante Anna mit einem Stoßgebet um Beschützung vor Corsaren und Husaren an, führte Den gaben ihrer Rebe burch eine Episobe über bie Unmanierlichkeit ber Seeleute, wobei sie in einer er­götzlichen Digression die Naturgeschichte der Paviane lieferte, machte bann einen reißenden Uebergänz zu einer Abhandlung über die Erfordernisse des guten