Einzelbild herunterladen
 
  

th-

UM 1M1

Marburg, Mittwoch, den 19. Jsui.

1872.

ain

!or-

Rech- rtrSg, )Iban

id.

(19. Uhr, ttfin- öist- itung sind r in erei

1473

Juni )istrikt cheu- Läng! mesier Lohe irkholz in bet jen. 1872.

;en:

Nach e biefr

voi rt ba b ver [1475

d- A Ben n be bieteri flßort [1471

H

1

JA» !eschÄ »mis it bei sehenei h bei >esuchl Näht

zasst lanbtS

hoht> eint«

[uni

1.14*,H

>.79„$

81J

Oderhessische Zeitung.

Erscheint täglich außer den Woektaam nach Soim- und Feiertagen. Preis für bas Quartal der Oberhesfischen 8ethmg mit KrrtSblatt durch die Expedition (Avchlche Buchdruckeret) bejogen 221 »gr., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für »aS lllusland excl. Stempel 22 War.— Jusertionsgebühr für die gespalten« Zeil« 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreans nehmen Jnferate «u

Konferenz zur Berathuug von Fragen auS dem Geviete des Seminar- und Bolks-

fchulwesenS.

Die 4. Konferenz, am 14. b., wurde wieder nm 101/4 Uhr vom Hru. Minister Falk eröffnet. Die- jelbe beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Vor- bilbung jüdischer Elementarlehrer. Der Hr. Minister hatte als Sachverständige Rektor Horwitz von hier und LandeSrabbiner Meyer aus Hannover zugezogen. Diese beiden Herren legte» zunächst die chaffächlichen Verhältnisse dar.

Von 1826—1840 bestand in Berlin eine Vor- bilduiigsanstalt für jüdische Elementarlehrer, die ein Gemisch von alter Talmudschule und moderner Bil­dung war. Sie fristete ihr Leben kümmerlich. Erst nach längerer Pause wurde ein Seminar gegründet, bas den christlichen ähnlich gestaltet war; aber auch diese« krankte. 1850 wurde dasselbe geschlossen und die Sache ruhte bis 1859 Später trat das Seminar in Verbindung mit der von Rektor Horwitz geleiteten Schule wieder in's Leben, die nach de« Lehrplan deS Berliner Seminars sür «Stadtschulen eingerichtet war; die Lehrer prüften die abgehenden Seminaristen in Anwesenheit eines königlichen Commissärs und stellten die Entlassungszeugnisse ans; aber schon nach wenigen Jahren wurde bestimmt, daß eine königliche Prüfungs- Commission eintreten müsse; jüdische Lehrer könnten nicht als Mitglieder einer solchen thätig fein, und die von ihnen ausgestelllen Zeugnisse hatten keinen öffent­lichen Glauben. Man verhandelte hin und her, er­reichte es endlich, daß die Lehrer hin und wieder zu- gezogen wurden und konnten sich diese ebenfalls dabei be­ruhigen, weil die an sich schlechte, die Rechtsgleichheit verletzende Bestimmung milde und human gehandhabt wurde. So besteht die Anstalt noch.

In einer viel glücklicheren Lage beflibet sich diese Angelegenheit nach der Darstellung des Lanbesrabbiners Dr. Meyer in der Provinz Hannover.

Dort sind die Juden eine vom Staat anerkannte Religionsgesellschast; der Staat hat sein jus circa sacra (die Aufsicht über den Cultus) durch die Lan- besrabbrner geübt, die von den Gemeinden ihrer Bezirke gewählt und von ihm bestätigt werden. Ein kinigl. Cvmmissarius wohnt den Prüfungen der Rabbiner bei, und der Lehrplan für das Seminar ist von einer Jwmediat Commission fest gestellt, die auS Juden und königl. Beamten zusammengesetzt war. Wie die christ­lichen Seminare der Provinz ist auch das jüdische

I« Serßatzk.

Humoristische Erzählung von L. W.

- 1.

Nachlässig in einen Morgenanzug gehüllt, saß die nach unverheirathete Schwester be» Herrn v. Zehlen, do» Verwandten und Freunden des Hanse» gewöhn­lich Tante Anna genannt, auf ihrem Studirzimmer, und zerbrach sich den Kopf, um eine originelle und erhabene moralische Sentenz zu finden, mit welcher st« die Vorrede zu ihrem neuesten Geistes-Produkte j» beginnen gedachte. Tante Anna «ar weder jung, »och schön; beim nahe an vierzig Sommer waren schon über ihrem Haupte, und nicht spurlos, dahin gezogen, «ü die ergrcweeben, unter der Haube neu­gierig hervorsehenden Locken bezeugten; allein fie war Schriftstellerin, «ar ein schöner Geist, redete verschie­dene alte und neuere Sprachen, und quälte die ersten Gelehrten des Landes mit ihrer Correspondenz. genug, um sie, wenn auch nicht vollkommen liebenswürdig, doch im höchsten Grade intereffant zu machen.

Anna's Stellung war malerisch und bedeutungs­voll zugleich. Während ihre Füße auf einem beleibten Folianten ruheten, um durch diese symbolissche Hand- lvng ihre Herrschaft über, die tiefsinnigsten Wissen schäften zu beurkunde«, stützte die Linke da« Haupt, diese« ehrwürdigen Sitz erhabener Weisheit, und die dienftbave Rechte hielt die widerspenstige Feder krampf, haft umfaßt, welche von den Zähnen der zürnenden Sebieterin mit unzählbaren Bissen gezüchtigt wurde. Der Fußboden deS Zimmers lag voll gckundener Dächer, indeß Broschüren und Manuscripte jeder Starte und jedes Formats neben Kaffeegeschirren, hinten- und Medicinflaschen den Raum des Tisches Annahmen.

Durch welche Revolutionen deS Geistes fortgeris- stn, die Tante sich im Besitz einer so ausgebreiteten

dem Provinzial-Schul-Toklegium untergeordnet und seit 3 Jahren mit einer UebungSschule verbunden. Den Abgangszeugnissen fehlt demnach auch nicht die Kraft einer öffentlichen Urkunde. Die Geldmittel wurden Anfangs aus freiwillige» Gaben beschafft, später trat der Staat hinzu, und seit 1854 ist eine Summe für diesen Zweck int Staatshaushaltsetat ausgenommen; jetzt wird dieselbe aus dem Provinzial- fond« gewährt und beträgt jährlich 1800 Thlr.

In der Provinz Hannover ist man mit der gegen­wärtigen Gestaltung dieser Dinge sehr zufrieden und wünscht, dieselbe erhalten zu sehen.

Den Grund, weßhalb die Versuche, welche man mit der Gründung jüdischer Seminare an verschie- benen Stellen gemacht, keinen genügenden Fortgang gefunden hätte», erkannte man darin, daß die jüdischen Lehrer vielfach nicht fest angesteüt seien und nicht die Rechte öffentlicher Beamter hätten; eine so wenig ge­sicherte Stellung halte tüchtige junge Leute ab, sich dem Lehrerberuf- zu widmen und die Vorbildung in den dazu geeigneten Anstalten zu suche»; dazu komme noch, daß in anderen tbetten unseres Vaterlandes, z. B. im Elsaß, die jüdischen Lehrer dieselbe Stel­lung hätten, wie die christlichen. Die besten Kräfte wendeten sich naturgemäß dahin.

Unter den Konferenzmitgliedern sprach sich allge­mein die Ansicht aus, daß die Errichtung jüdischer Seminare nothwendig, zur Hebung des jüdischen Lehrerstande- aber die feste Anstellung desselben nicht weniger nothwendig sei. Fraglich könne es nur fein, ob die jüdischen Seminare als reine Staatsanstalten aus öffentlichen Mitteln zu gründen seien; daraus würde dann auch folgen, daß der Staat die Lehrer anstelle und die Leitung dec Anstalten in seine Hand nehme. Ein Verhältniß, wie eS sich in Hannover herauSgebildet habe, scheine jedoch empfehlenswerther, aber die Unterstützung des Staate- dürfe nicht fehlen; die Aufsicht gebühre ihm jedenfalls unzweifelhaft nach der Verfassung und den Gesetzen, selbst wwm er keine Geldmittel gewähre.

Hiermit wurde dieser Gegenstand für erledigt er­klärt, und wegen der vorgerückten Zeit di« Erörterung der Nummer 7 nur eben berührt; zur Vertheilnng kam dann noch die Vorlage, welche die Subeommissivn über Mittelschulen au-gearbeitet hatte, und eine ge« druckte Eingabe eine« Vereins angesehener hiesiger Männer, in der Wünsche über die Förderung Fröbel- scher Kindergärten, eingehend motivirt, ausgesprochen

und tiefen Gelehrsamkeit gesetzt habe, kann ich nur mulhmaßen; wohl aber darf ich mit Zuversicht be­haupten , daß jene Krankheit, welcher wir getrosten Muthe» Alles zuschreiben können, kurz, daß eine un­glückliche Liebe der erste Hebel zu der erstaunlichen Umwälzung war, welche Tante Anna ans dem liebens­würdigsten achtzehnjährigen zum schriftstellernden vier­zigjährigen Mädchen machte. Die Geschichte dieser merkwürdigm Ereignisse bildete, als Wahrheit und Dichtung bearbeitet, die Grundlage des Romans, mit deffen Vorrede sie in dem Augenblicke beschäftigt war, «0 ihr Bruder, der verabschiedete Major von Zeh- len, hereintrat, ein erbrochene« Schreiben auf den Tisch legte, und folgender Gestalt zu red« begann: „Höre mir zu, Anna! Dinge sollst Du vernehmen, worüber Du di« Ohren spitzen wirst, wie ein Husa­renpferd, wenn zur Attake geblasen wirb."

„Ich hör« schon, Bruder!" — entgegnete diese, indem sie die Feder an der Nachthaube reinigte, den Inhalt eine« kintengefäßes in die leere Kaffeetasse goß, und ihn bann gelassen einschlürfte.

„Du sollst Alles nach der Reihe erfahren" — fuhr der Major fort, ohne auf die Zerstreutheit sei­ner Schwester zu achten; — „also ersten«: „„Am Bord Ihrer Britt. Maj. Schiff Hanuibal auf

der Station von Jamaika, Febr., 187.

„„Gruß unb Freuudschast zuvor. Thue Dir hier­mit zu wissen, daß ich den geforderten Abschied erhal­ten habe, und in einigen Tagen nach Liverpool mit dem Paketboot unter Segel gehen wftbe. Habe gute Ladung; zwanzig tausend Pfund; und wünsche Deiner Nichte, die ein hübsches Takelwerk führen soll, an Bord zu kommen. Werde, wenn da« gelingt, in Ruhe bei Euch vor Anker liegen, bis der Tod mich £,in Grund bohrt. Hiemit Gott befohlen!

I. Traubenschuß, Kapitain.""

s- wurden. Hieraus wurde die Conferenz um 2* 1/« Uhr geschlossen.

Deutsche« «eich.

“ Berlin, 17. Juni. Der Tag der Abreise des Kaiser« von Berlin ist bi« jetzt noch nicht de­finitiv bestimmt. Keinesfalls aber wird die Reist vor dem 23. d. M. angetreten werden. — Die heutige zweite Debatte über das Jesuitengesetz zeichnete sich dadurch ans, daß auch der baierifche Minister Dr. Fänstle da« Wort ergriff und die Behauptung zurück­wies, daß durch dieses Gesetz die baierffchen Reservat- rechte verletzt würden. Damit ist am besten conftatirt, daß über diese Frage unter den deutschen Regierungen durchaus Einmüchigkeit herrscht. Unter den einge- brachte« Amendement« hat da« des Abg. Meyer (Thorn) sowohl beim Reichstage wie bei der Regie­rung die meiste Aussicht auf Erfolg. Angesicht« der derartig zugespitzten verhiltniffe scheinen die Ultra- montanen jetzt jede Maske fallen lasten zn «ollen. Die „Genfer Korrespondenz", bekanntlich der eigent­liche Moniteur de« JesuitiSmu«, von dem die hiesige „Germania" nur ein Ableger ist, schreibt wörtlich Folgendes: „Der Papst, indem er die Regierungen durch seine Sanfimuth versöhnen wollte, hat ihnen nur zuviel schon zugestanden. Jetzt sieht er, daß die Stund« der Barmherzigkeit vorüber ist und daß über kurz oder lang eine Periode voller und unerbittlicher Gerechtigkeit inaugurirt werden muß. Wenn die Staaten aufhören die Kirche aitzuerkennen, so wirb sie ihrerseits gezwungen sein, auch jene nicht mehr anzuerkennen. Die Welt wirb bann Zeugin von gran- famen Zerfieischungen sein und die Regierungen hätten Unrecht zu glauben, daß die Masten ihnen folgen würden. Niemals hat die Kirche durch Zuwartm ver­loren, aber wenn sie einmal einen Entschluß faßt, so kann nichts mehr sie abhalten, ihn in Vollzug zu sttzen. Nun aber beschleunigt Preußen seltsamer Weise diesen Augenblick, wo die Grenzen der Geduld erreicht sind und es kann geschehen, daß diese Geduld genau zu der Stunde aufhört, wo diese. Monarchie ein großes Interesse daran hat, sie sich noch verlängern zu sehen." Da« heißt gewiß deutlich erklären, daß der Ultramontanismus im Fall eine« neuen Kriege- mit Frankreich sich mit diesem verbinden wird. Deutsch­

land hat Gottlob keine Ursachen, sich vor einem solchen Bündmß zu fürchten. Inzwischen lasten die Ultra- montanen nichts unbeachtet, womit sie die deutsche

„Zweitens:"

„ „Liverpool.

„„Go eben angekommen; gehe morgen nach Lon­don. In größter Eile, nm Wilhelmine zu sthen. Ge- hab' Dich wohl!"*

„Dritten«:"

„„Hamburg.

„„ThueDir kund und zu wisstn, daß ich so eben hier vor Anker gekommen bin, und acht Sage hier bleiben werde. Dann gehe ich nach dem Seebabe. Ersuche Dich, baß Du au« alter Freundschaft zu mir, unb sobald al« möglich, mit Deinem ganzen Convoi gleichfalls dorthin steuerst. Bitte, Wilhelmine mit dreizehn Schüssen von mir zu falutiren; ich habe ihr einen Papagei mitgebracht, und in London für die —

„In der Thal sonderbare Briefe!" — unterbrach ihn Anna, ■ - „so viele ich deren auch geschrieben und von Andern gelesen habe, stt mir diese Gattung doch noch nicht vorgekommen; und hast Du Alle zu­gleich erhalten?"

„Alle auf ein Mal, einen in den andern einge­schachtelt", — antwortete der Major.

„Ich will nicht hoffen" — fuhr die Tante fort — „daß der alte Capstän Absichten auf Wilhelmine hat!"

„Freilich; er denkt ihr an Bord zu kommen, da« sind seine eigenen Worte; und hn Grunde ist mir’« recht lieb."

„Traubenschuß ist mein alter Freund, und ein braver Mann. Er flucht und schwört zwar bisweilen; aber daran braucht sich da« Mädchen nicht zu kehren und wenn er trinkt, so kann ei'« vertrugen. — Aber Du unterbrichst mich, Anna, jetzt kommt eine Nach­richt für Dich:

* V .unb bie alte Jungfer, Deute Schwester,

erneu Pavia» gekauft."

(Fortsetzung frtet.)