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JHatOurg, Dienstag, den 18. Juni.

1872

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(fcfieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfifche« Zeitung mit Krettblatt durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 88; ®gt., durch die Postämter 87 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempel fteuer), für daS Ausland excl. stempel 88 Ggr. — JnfertionSgebübi für di« gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Konferenz zur Berathirng von Fragen aus dem Gebiete des Seminar- und Dolks- fchniwesens.

In der 3. Konferenz am 13. d. wurde zunächst über die Nummern 5 und 6 der Vorlage auf Antrag des Vorsitzenden zugleich berathen; dieselben betreffen die Anzahl der Stunden für den Religionsunterricht, den konfefsionellen Charakter der Schule und die Leitung des religiösen Unterrichtes durch die Religions gksellschaftcu.

Bei der Besprechung dieser Punkte wurde von der eine» Seile verlangt, daß jeder konfessionelle Unter­richt ausgeschlossen werde; die Glaubenslehre solle fortbleiben und dem Konfirmanden-Unterricht Vorbe­halten werden; die biblische Geschichte und die Sitten lehre böten dazu einen reichen Stoff, nur auf diese Weise werde die Einheit und Gemeinsamkeit des Unterrichts erhalten. Von der anderen Seite wurde hervorgehoben, man solle den gesammten Unterricht in die Hand eines Lehrers legen, der mit seinen Schülern von derselben Konfession sei und die Re­gierung habe bei der Bildung der Schulbezirke daraus Rücksicht zu nehmen, datz die gleichen Konfessionen zu­sammengelegt würden. In Gegenden gemischter Be­völkerung, in welchen eS sich nicht durchführen lasse, daß nur Kinder einer Konfession zur Schule kämen, müsse für diese Minderheit die Schulgemeinde einen geeigneten Religionsunterricht besorgen, sobald jene die Zahl 15 erreiche. Ein Mitglied dieser Richtung wollte durch das Schulgesetz festgestellt haben, daß die­jenigen Eltern, welche ihre Kinder einer solchen kon­fessionellen Schule nicht anvertrauen wollen, eine eigene Schulgemeinde bilden und das Recht erhalten, auf öffentliche Kosten für ihre Kinder eine öffentliche Schule zu bilden.

Eine Mittelpartei sprach sich dafür auö, den kon­fessionellen Charakter der einklassigen Schule insoweit anzuerkennen, daß die Konfession der Mehrzahl der Schüler für die Konfession des Lehrers und des Un­terrichts in der Religion matzgebend sei; für den Reli gionsunlerrichl der Minderheit in ihrer Konfcssson müsse die Schulgemeinde sorgen, aber in allen übrigen Gegenständen seien die Kinder beider Konfessionen von demselben Lehrer zu unterrichten. In dem katholischen Schulreglement für Schlesien vom 18. Mai 1801 sei ausdrücklich festgesetzt, daß in katholischen Dörfern der Schullehrer katholisch, in protestantischen protestan­tisch sein müsse; in gemischten Dörfern der Schullehrer

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Hans Freiherr va» und zu Aufseß.

(Schluß.)

Man kann wohl sagen, die Gleichgülsigkeit, die zu Anfang noch da und dort in einzelnen Schichten der Gesellschaft, in einzelnen Kresten obgewaltet, sie war im Verlaufe der ersten Reihe von Jahren ge­schwunden. Alle deutschen Fürsten und Regierungen, alle mediatisirten Reichsstände hatten fixe Geldbeiträge bewilligt, Städte und Privatpersonen aller Stände Überboten'sich in edlem Wetteifer, der Sache Vorschub zu leisten. Da war es, wo der edle König Ludwig I. von Baiern das ehemalige Karthäuserkloster, das seit geraumer Zeit als Hcumagazin benutzt wurde, durch sein Fürwort dem blühenden Unternehmen, zuwandte. Referent hat seiner Zeit noch dem Momente beige­wohnt, wo die Vorrathe, die die ehrwürdige Kloster­kirche barg, aufgeräumt, daS alte Gotteshaus wieder gereinigt, restaurirt, mit dem ganzen, reichen Schmuck, den daS Museum an religiösen Gemälden und Para- mentm besaß, wieder ausgestattet wurde. Bekannt ist, wir der treffliche Maler Kaulbach sein berühmtes FreScobild, die Scene darstellend, wie Otto III. in dir Gruft Karl des Großen hinabdringt, auf die Hauptwand malte. Bekannt ist wieder, wie die Sammlungen aus dem Thiergärtnerthorthum abgeholt und nach den Klostergebäuden übergeführt, die schöne sog. „Frauenhalle" ausgestattet wurde. Bekannt ist schließlich, wie sich im nachfolgenden Zeiträume ein Streit in die Oeffentlichkeit hinüberspann, ob die ver- hällnißmäßig als zu groß erscheinende Menge von Museumsbeamten zu rechtfertigen sei, und vielleicht ist rS der erste Mißton gewesen, der sich in die Thätig- keit und zähe Beharrlichkeit des Gründers einwob, im großen Publikum Zweifel an seinen Maßregeln austauchen zu sehen.

Zwar hatte er gleich beim Einzuge in die Kloster­

allen Kindern ohne Unterschied der Religion den Un- terricht im Lesen, Schreiben und allen solchen Kennt­nissen, die nicht zur Religion gehören, ertheilen, in der Religion dagegen nur die Kinder seines Glaubens unterrichten solle, während für die andern ihr Pfarrer zu sorgen habe. Nach diesen Grundsätzen müsse auch jetzt in den einklassigen Schulen verfahren werden, wo es aber die konfessionellen Verhältnisse der Schul gemeinde und die Zahl der Kinder erforderten, daß 2 Schulen gebildet werden müßten, sollte dies nicht in 2 Parallelschulen geschehen, sondern in einer Si­multanschule mit 2 aufstcigenden Klaffen.

Diese Ansicht fand ihren Ausdruck in einer anderen Formulirung der Nummer 5 und zwar in folgender Weise: „5) Für den Religionsunterricht wöchentlich 4 Stunden; die einklassige Schule hat einen konfessio­nellen Charakter, die mchrklassige ist, wo die konfessio nelleu Verhältnisse der Schulgemeinde es erfordern, eine Simultanschule; für die Minderheit der einer andern Religions-Gesellschaft angehörenden Kinder besorgt die Schulgemeinde den Religionsunterricht; Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses schließt von der Aufnahme nicht aus. Diese Auffassung fand von den meisten Seiten in ihrer angegebenen Begründung lebhafte Unterstützung.

Was die im Art. 24 der Verfassung vorgesehene Leitung deö Religionsunterrichts durch die Religions- gesellschasten betrifft, so war man in der überwiegen­den Mehrzahl darüber einig, daß Leitung nicht gleich­bedeutend sein könne mit Aufsicht, die nach Art. 23 allein dem Staate zustehe, daß ferner der Religions­unterricht in der Schule nur durch den Lehrer enheilt werden dürfe. Die Ansichten gingen nur über die Art der Ausführung auseinander. Von einer Seite wurde im Anschluß an die zu erwartende KreiSordnung auf eine zu bildende Kreis-Schulkommission hingewie- sen, in die unter dem Vorsitz des Landraths und neben einem technisch und praktisch bewährten Schulmanne als Krcis-Schulinspektor auch je ein Geistlicher der beiden Konfessionen bei gemischter Bevölkerung zu berufen sei. Ein anderes Mitglied wollte in den lokalen Schulvorstand einen Vertreter jeder Religions- gesellfchaft eintreten lassen und auch gestatten, daß die Religionsgesellschaften zu den Abgangsprüsungen der Seminaristen einen Abgesandten schickten. Darauf wurde die Sitzung durch den Unter-Staatssekretär Dr. Achenbach geschlossen.

gebäude unter dem Reichsadler eine Tafel mit den Worten über dem Portal anbringen kiffen:

„Germanisches National-Museum.

Eigcnthum deö gesammten deutschen Volkes," zwar stand ihm ein Verwaltungsausschuß bewährter Ehrenmänner zur Seite, zwar reguiirte ein Gelehrten vusschuß das gejammte geistige Streben und Forschen der Anstalt, zwar war die gesammtc Wesenheit ber Verwaltung geprüft, revidirt, für passend erachtet, ge­nehmigt, dann aber- und abermals geprüft und noch­mals erwogen worden; zwar stand es fest, daß die Einnahme des Museums von Jahr zu Jahr stieg, daß der Zug der Touristen und Vergnügungsreisen­den sich der ehrwürdigen Reichsstadt Nürnberg immer mehr zuwandte, daß bas dortige Kunstgewerbe einen erhöhten Aufschwung nahm; allein demnngeachtet dauerten die Ausfälle und Sticheleien in der Presse fort und ergingen sich eine Anzahl Federn in der Frage, was denn die Zukunft der Anstalt jein werde, wenn deren Gründer einst nicht mehr unter den Le­benden weile und seine reichen Sammlungen, der Kern des Ganzen, seitens der Erben reclamirt würden?

Wer alle diese Fragen angeregt, ist dem Referenten unbekannt, nur so viel weiß er, daß die mehrberegten Sammlungen und Kunstschätze Nationaleigenthum ge­blieben und dem Gründer ober vielmehr dessen Erben tu längeren Ratenzahlungen ein Aequivalent aus den Mitteln des Museums zu Theil werden soll, wozu wohl auch der Anfang seit etwa acht Jahren gemacht worden ist.

Nach einer Reihe unerquicklicher Weiterungen zog sich inzwischen Aufseß von der Präsidialstelle gänz lich zurück. Zwei seiner Söhne waren bereits längere Zeit im activen Staats- und Militärdienste, drei seiner Töchter vermählt; seine übrigen Familienange-

DrutscheS Reich.

Berlin, 16. Juni. Heute ist es ein Jahr, daß Se. Maj. der Kaiser und König an der Spitze der Vertreter des siegreichen Reichsheeres feierlich in seine Residenz einzog. — Die Annahme, der Reichstag' werde durch den Kaiser geschlossen, wird von der „Kreuzztg." von neuem als mindestens zweifelhaft bezeichnet. - Die „Spen. Ztg." schreibt: „Der hiesigen industriellen Welt steht möglicher Weise eine schwere Erschütterung durch eine drohende Arbeits­einstellung sämmtlicher Maschinenbauer bevor; den Inhabern der Maschinen-Fabriken war ein von vier Personen unterzeichnetes Circular zugegangen, welches achtstündige Arbeitszeit, erhebliche Lohnerhöhung und entsprechende Bestimmungen für die Accordarbeit zur Bedingung stellt. Die Fabrikbesitzer sind sofort zusammengetreten, um ihre Maßnahmen zu treffen, doch sind sie bereits darüber schlüssig, daß falls in einer einzigen Fabrik vor erfolgter Verständigung die Arbeit eingestellt wird, sämmtliche Fabriken gleichzeitig die Arbeiter entlassen werden."

München, 16. Juni. Der Kronprinz von Italien, welcher gestern Morgen von Frankfurt a. M. hier eintraf, ist am gleichen Tag Abends 11 Uhr direkt über den Brenner nach Italien zurückgekehrt. — Die außerord. Professoren der theol. Fakultät, Bach (Infallibilist), und Friedrich (Altkatholik) sind zu ord. Professoren ernannt worden. Ferner wurde Prof. Schegg (Infallibilist) von Würzburg hierher versetzt und dem ord. Prof. Silbernagel (Infallibilist) ist zu seinem bisherigen Fache des Kirchenrechtes noch die Professur der Kirchengeschichte Übertragen worden.

Stuttgart, 16. Juni. Am 10. d. Abends ent­wickelte Prof. Dr. Hack aus Tübingen im großen Saale der Liederhalle in längerer Rede die Grund­sätze, nach denen er die Stelle des Oberbürgermeisters verwalten würde. Die zahlreiche Versammlung accep- tirte durch lauten Beifall die Kandidatur des Prof Hack.

Straßburg, 16. Juni. Die neue kaiserliche Universiläts- und Landesbibliothek bietet das erfreu­lichste Bild des Wachsens und Gedeihens. Noch nie vielleicht lag die Aufgabe vor, eine solche Schöpfung, welche sonst langsam in Jahrhunderten heranwächst, auf einmal zu begründen. Trotz der eifrigsten Thätig- keit der zahlreichen Bibliothekbeamten können sie die eintreffenden Büchergeschenke nicht bewältigen, zu beten Herrichtung 26 Buchbinber in Neu- und Altdeutsch - land bis nach Leipzig hin beschäftigt sind. Bereits hörigen siedelte» wieder nach der alten Väterburg Über, indessen er selber, dem Vernehmen nach, den Abend seines Lebens in wohlverdienter Beschaulichkeit cheils auf Reisen, theils auf einer feiner Besitzungen verbrachte und in stetem Verkehr mit den ausgezeich­netsten Gelehrten blieb. Immerhin war mit dem Nie­derlegen seines Amtes auch eine Art Rücktritt vom Schauplatze verbunden gewesen, und eS mögen Jahre, wie schmerzliche Erfahrungen ihr Recht auch auf ihn, einen Charakter, eine Persönlichkeit, auögeübt haben, die seit den Tagen der Jugend einen begeisterten, unbezähmbaren Drang zur Förderung nationalen Sinnes und nationalen Strebens, Gemeinnützigkeit in des Wortes edelstem Sinne, mit einer Festigkeit, Consequenz und Ausdauer verband, wie sie nur wenig Sterblichen hienieden verliehen ist. Es sollte ihm ver- gönnt und befchieden bleiben, die Früchte seines Stre­bens noch zu schauen, Deutschland stark, geeinigt und siegreich zu erblicken.

Wohl wäre dem einst so Rastlosen, so Unermüd­lichen ein schmerzloserer Abschied aus dem Leben, frei von Bitterkeit, zu wünschen gewesen in der Umgebung seiner Kinder, Enkel und Freunde!

ES bleibt uns wenig zu sagen übrig! Das Por- trait des nun Verewigten ist durch illustrirte Blätter weit verbreitet worden, und wohl bedarf es nur des einen Wortes, wenn man seiner angenehmen und an­sprechenden Erscheinung gedenken will: Noch vor zwölf bis vierzehn Jahren vermochte man den Freiherrn im heitern Kreise, der sich fast allabendlich um ihn ver­sammelte, zu betrachten, ohne auch nur entfernt an 2llter, Hinfälligkeit ober Kränklichkeit zu denken! Bei seht mäßiger und thätiger Lebensweise hatte er sich rx $u. "h^ten gewußt, daß, wer ihn, nament­lich im weiten oder wallenden Mantel, erblickte, ver­sucht jein mochte, anzunehmen, seine Figur träte frisch