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Mr. 139.

Marburg, Sonntag, den 16. Juni.

A

Oberhessische Heilung

sammengetreten, nachdem zuvor die Fraktionen getrennt berathen hatten, um ihre Delegirten zu instruiren. Die Entziehung des JndigenatS, von der man ur­sprünglich glaubte, daß sie in dem Gesetz in's Auge gefaßt werde, ist nicht zum Ausdruck gekommen, da­gegen ist thatsächlich die Bestimmung des Freizügig­keitsgesetzes aufgehoben, der zufolge keinem Reichsan­gehörigen aus anderen als in dem Gesetz bezeichneten Gründen der Aufenthalt an irgend einem Orte deS Bundesgebiets versagt werden darf. Die Fassung deS Jesuitengesetzes macht ebensowohl die schlaffeste wie die strengste Ausführung desselben möglich. UebngenS soll der Entwurf, wie die beigefügten bundeSräthlichen Motive besagen, nur ein Nothgesctz sein; weitere Ge­setze zum Schutze gegen Uebergrisfe der geistlichen Ge­walt sind ausdrücklich Vorbehalten. Noch eine andere wichtige Vorlage wird in der gegenwärtigen Session dem Reichstage zugehen: der am 11. d. abgeschlossene Eisenbahnvertrag mit Luxemburg, dessen Wortlaut der Staatsanzeiger soeben veröffentlicht. — Die Arbeiten im Reichstage gehen rasch voran, so daß sich der in Aussicht genommene Termin für den Schluß dieser Session, der 20. Juni, wird einhalten lassen. Im Laufe der verflossenen Woche hat sich der Reichstag mit der Regierung über das Militärstrasgesetzbuch, über das Reichsbeamtengesetz und die Verlängerung der Dictatur in Elsaß Lothringen verständigt. Eine Verständigung über daö Gesetz, betr. den Reichsrech­nungshof, kam nicht zu Stande. Das bezügliche Pro­visorium wird also vorerst fortdauern. - - Der preußische Landtag ist letzten Montag bis zum 21. Oktober d. I. vertagt worden. — Die Parteien in der San-Juan- Augelegcnheit, England und Amerika, haben dem von ihnen zum Schiedsrichter gewählten deutschen Kaiser ihre schriftlichen Darstellungen der Angelegenheit über­reicht. Dem Vernehmen nach ist der kaiserliche Schiedsspruch, der auf Grund gutachtlicher Äußerungen von Rechtsgelehrten und Marine-Verständigen erfolgt, in Monatsfrist zu erwarten.

Die gegenwärtige Session des österreichischen Reichsrathes soll diesen Monat geschlossen und derselbe im Herbst wieder einberufen werden. Die beiden wich­tigsten Versassungsfragen also, auf welche Oesterreich und das Ausland schon so lange gespannt sind, der Ausgleich mit den Polen und das Reichswahlgesetz

• bleiben bis dahin verschoben. Es scheint fast, als ob i der Aufschub des galizischen Ausgleiches mit einem gänzlichen Fallenlassen resp. Nichtzustandekommen des­selben identisch werden solle. Die Verfassungspartei wenigstens, die sich durch die jüngsten Wahlen in i Böhmen sehr erstarkt fühlt, will, festhaltend am dua- ; listischen Princip, über die Polen hinweggehen. Aber die Fähigkeit Oesterreichs, fremde Nationalitäten, in­sonderheit die zähen und an Anzahl starken Polen, - im Ganzen des Staates aufgehen zu laffen, hat sich

Politische Wochen-Ueberficht

Das vielbesprochene sog. Jesuitcngesetz ist letzten Dienstag vom Bundesrath angenommen und be­reits dem Reichstag vorgelegt worden. Gestern (14. Abend sind Vertrauensmänner der verschiedenen Frac- tIonen zur Besprechung der wichtigen Vorlage zu-

und schließt mit dem vollendeten 14. Lebensjahre." 1 Diese Position fand allgemeine Zustimmung. Von ' mehreren Seiten wurde als Zusatz zu dieser Nummer Folgendes beantragt: „Für die Kinder unter 6 Jah­ren ist, wo es die Verhältnisse irgend gestatten, die Errichtung von Kindergärten in Aussicht zu nehmen und der Fürsorge des Staates zu empfehlen." Fast von allen Seiten fand dieser Antrag Fürsprecher; es wurde erwähnt, daß der Oberpräsident der Provinz Preußen die Errichtung von Kinder-Bewahranstalten mit sehr gutem Erfolge empfohlen habe und der Hr. Minister führte als eines der Ergebnisse, welche die außerordentlichen Schulrevisionen in Oberschlesien ge­habt hätten, das an, daß ihm fast von allen Seiten die Errichtung von Kleinkinderschulen dringend em­pfohlen werde; nur könne sich die Fürsorge deS Staa­tes zunächst weniger durch Gewährung von Geldmit­teln, als durch sonstige Förderung und Unterstützung bethätigen, man müsse auch der freien Liebesthätigkeit vertrauen, wenn das Bedürsniß erst anerkannt sei.

In gleicher Weise fand Nr. 2 allgemeine Zustim­mung: „Normalzahl in einer Klasse höchstens 80." Für viele Theile des Staates wurde diese Zahl als ein ideales Ziel, das nur sehr langsam zu erreichen sei, bezeichnet; der Hr. Minister gab an, daß allein im Oppelner Regierungsbezirk 700 Schulklassen und Lehrer nöthig sein würden, um diesen Zustand zu er reichen. Man verständigte sich dahin, daß der Satz nur ausdrücken solle, es dürfe „in der Regel" die Zahl 80 nicht überschritten werden.

Bei Nr. 3. „Stundenzahl wöchentlich höchstens 30" wurde abermals der Wunsch ausgesprochen, das Maximum in den unteren Stufen der Volksschulen auf 24, in den mittleren Stufen auf 26 festzusetzen. Ebenso wurde als wünschenswerth hervorgehoben, hierbei festzusetzen, wie viel Stunden als Maximum die Lehrer zu crtheilen verpflichtet werden können.

Nr. 4 lautet: „Halbtagsschüle mit verkürzter Unterrichtszeit darf nur als Nothbehelf geduldet werden." Als Prinzip fand dieser Punkt allgemeine Zustimmung und es knüpfte sich hieran eine längere Diskussion, in der aus dm verschiedenen Provinzen dargelegt wurde, welcher Unterschied zwischen der Halb­tagsschule und der Sommerschule bestehe.

Damit schloß die Versammlung ihre Verhandlungen um 3V2 Uhr. — Auf Feitag hat der Staatsminister Dr. Falk die Mitglieder zu einem Diner zu sich geladm.

30 festzusetzen. ,

Nach Schluß der Debatte resummirte der Mtm- ter Dr. Falk in präciser Weise die bei der Discus- ion zu Tage getretenen verschiedenen Ansichten (Be chlüsse werden von der Versammlung nicht gefaßt)

Es folgte sodann die Unterabtheilung Nr. 1: „Der Schulbesuch beginnt mit dem vollendeten 6.

"Buchdruck,re» bezogen lt4 ’W 6ämXe an~mreau. nehmen Inserate an.

Konferenz zur Beralhung von Fragen aus dem Gebiete des Seminar- und Bolrs- schulwesens.

Die zweite Sitzung am 12. d. eröffnete der Vor sitzende, Slaatsminister Dr. Falk um 10*/* Uhr mit ber Verlesung deS Schreibens eines Arztes, welcher die Gesundheitspflege der Schüler als Berathungs gegenständ empfiehlt.

Darauf wurde in die Berathung deS gestern nut« artbeilten Programmes eingetreten. Nr. 1 lautet: wird von der einklassigen Volksschule als Basis ausgegangen."

Von einigen Mitgliedern der Commission wurde der Antrag gestellt, Nr. 1 so zu fassen: „Es wird die dreistufige Volksschule als Norm aufgestellt. Bei der Diskussion über die beiden sich gegenüber stehen­den Fragen wurde daraus hingewiesen, daß von allen in Preußen bestehenden Volksschulen stebenzig Prozent zu den einklassigen Volksschulen zählen, und daß man sich daher auf den Boden der Thatsachen, der gege­benen Verhältnisse stellen müsse; man könne also nur als Basis der Verhandlungen die einklassige Volks­schule annehmen. Dieser Ansicht traten die Unter zeichner des entgegenstehenden Antrages gegenüber. Die Volksschule biete eine verschiedene Form, sie sei entweder eine dreiklassige oder aber zerfalle in zwei verschiedene Klassen, oder endlich sie sei derartig, daß ein und derselbe Lehrer in einem Raum unterrichte, dabei aber den Unterricht in drei verschiedenen Abthei- lungen crtheile. Es sei nun aber nothwendig, daß für die einklassige Volksschule die Realien nicht blos im Anschluß an das Lesebuch gelehrt werden, wie die Regulative es vorschreiben, sondern es müsse einer jeden Vollsschule die Ausgabe der möglichst selbststän­digen Behandlung der Realgegenstände gestellt werden. Nach dieser Auffaffung sollten die Schüler der einzel­nen Stufen m Bezug auf die Vertheilung der Lehr- gegenstände besondere Berücksichtigung erfahren, so daß z. B. in der Mittelstuse Geographie und vaterlän­dische Geschichte, in der oberen Stufe Naturkunde, Geometrie und Zeichnen zu lehren seien. Ebenso wurde von dieser Seite dafür cingetrtten, daß für die drei verschievenen Stufen der Volksschule auch ver­schiedene Maximal-Stundenzahlen festgesetzt würden. Man schlug vor, für die untere Stufe eine Stunden­zahl von 18—24 scstzusetzen; für die mittlere Stufe die Unterrichtsstunden bis aus 26 zu erhöhen und für die obere Stufe das Maximum der Stundenzahl aus

Sn»S Freiherr Hex uni zu Aufseß.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Wenn aber der Adel im Ganzen, wenn die Fa­milien des Adels im Einzelnen solche bedeutende Vor­theile von einer Anstalt erwarten können, welche nur mit großen Mitteln ihre große gemeinnützige Aufgabe zu lösen im Staude ist, für die ich, als der Anfänger und Begründer, im Bewußtsein, eine treffliche vater­ländische Sache und die wahren Ingressen meines Standes zu unterstützen, die größten Opfer, deren ich fähig war, nicht scheute, so glaube ich dagegen einige Hoffnung, ja eine Art moralischer Berechtigung auf eine thätige Mitwirkung meiner verehrten Standesge- noffen zu haben, denen ich mich jetzt mit Vertrauen nähere. Liegt es schon im Berus, int Wesen des AdelS, für alles Edle und Gute mitzuwirkeu, wenig­stens, so weit eS an ihm ist, seine Hülfe, wenn sie erbeten wirb, hierzu nicht zu versagen, so wird er, d»ß bin ich gewiß, ein Werk, welches einer seiner Ge­nossen zur Ehre der deutschen Nation, zum Frommen deS AdelS und seiner Geschlechter, unter dem Schutz und mit Unterstützung deutscher Fürsten und des ganzen deutschen Bundes begonnen und so weit zu Stande gebracht hat, — nicht verachten, noch ver- laffen, sondern auch als sein Werk ansehen und kräf- tig unterstützen und fördern helfen. ES handelt sich hier nicht um Opfer, die dem Einzelnen schwer fallen sollen; denn unser deutscher Gesammt-Adel ist noch zahlreich und besitzt noch, Gott fei Dank, fo viel

Kraft, daß, wenn er zusammensteht, Großes geleistet werden kann, ohne vom Einzelnen Großes zu fordern. Darum bitte ich meine lieben und verehrten Standes- genoffen: „Mann für Mann thu ein jeder, was er kann I“

Es ist aber nicht allein damit gethan, daß jeder, je nach seinen Verhältnissen, sei es Einen, mehrere ober viele Gulden oder Thaler als jährlichen Zuschuß in die Kasse des Museums lege, sondern daß auch die Geschichtsquellen und die ehrwürdigen Reliquien der Adelsfamilien erhalten werden. Wer daher von meinen sehr verehrten Standesgenossen in seinen Schlöffern, Burgern oder Häusern dergleichen Dinge hat, die entweder entbehrlich ober einer späteren Gefahr bet l Zerstörung und Mißachtung ausgesetzt sind, möge sie dem germanischen Museum überlassen, sei es als Stif­tung , ober auch nur auch nur als Depositum auf Wiberruf für längere Jahre, wie ich selbst es gethan habe, obgleich ich mit größtem Fleiß mein Hausarchiv geordnet hatte. Während mir die als Stiftung für immer feststehende Anstalt des Museums ganz andere Garantien bietet für die ewige Erhaltung meines alten ArchiveS, als ich selbst beim besten Vertrauen auf den Sinn und deren Beamte haben konnte, habe ich noch den Gewinn, das Wichtigste und Beste meines Ar­chiveS in sauberer und lesbarer Abschrift wohlgeordnet zu erhalten. Möge dies der Beachtung werth gefunden werden! So wird mit der Zeit der deutsche Adel ein reiches, sonst kaum genießbares Material seiner Ge­

schichte auf einem Punkt vereinigt erhalten, welcher zugleich ein schöner EinigungSpunkt für unsere Stan­desgenossen werben kann und zwar ein Einigungs­punkt fern von allem politischen Treiben und ge­meinen Materialismus, lediglich zur Ehre und für Begründung der Bedeutung unseres Standes. Wäh­rend selbst entschiedene AdelSfeinde dieses Bestreben zu verurtheilen nicht vermögen, werden alle wahren Freunde des Vaterlandes, der deutschen Geschichte und Kunst unS ihren Dank nicht versagen können.

Daß ich aber als deutscher Edelmann meine ver­ehrten Standesgenossen — nicht für meine Person, sondern für eine gemeinsame gute Sache — um Bei­stand anspreche, deffen schäme ich mich nicht. Habe ich doch ein erhabenes Vorbild in einem erlauchten Erzherzog von Oesterreich vor mir, der bei seinen fürstlichen Genossen zur Errichtung einer historischen, jetzt noch berühmten Sammlung auf seinem Schlöffe Ambras sich eine gute Beisteuer von Bildern und Rüstungen erbat. So entstand die vom Erzherzog Ferdinand schon vor fast 300 Jahren gegründete Ambraser Sammlung, die heute noch eine Zierde der Kaiserstadt Wien bildet. So möge denn auch unser deutscher Adel das Seinige zum Aufbau eines bereits gegründeten germanischen National-Museums bei­tragen und noch von der Nachwelt dafür gepriesen werden!

(Schluß folgt )