1872
Marburg, Sonnabend, den 8. Juni.
Nr. 132
MrhesMk Zeit»«!,
6
n bk
der
ver
n.
nur
dmg, 1293
.Rh. richt, teil* hten, Ge- acht- und [871
aus" Sie eine
Je weniger das Auftreten des Feldpropstes sich auf irgend welche bindenden kirchlichen Vorschriften gründete, desto entschiedener und bedeutsamer tritt in demselben die willkührliche und rücksichtslose Auflehnung gegen die Staatsgewalt hervor.
genau beobachtet, und wüßte nicht, was an ihm zusetzen wäre, und da an seinen Gefühlen für wohl nicht zu zweifeln ist, so dürfte Ihnen noch
gierung gezwungen sein, ihn von seinen amtlichen Befugnissen zu suspendiren und demnächst die Fortdauer der Feldpropstei selbst in Frage zu stellen.
Auf diese am 2. März d. I. ergangene Aufforderung meldete der Feldpropst am 4. März, daß er die Entscheidung deö römischen Stuhls über die Frage, ob eine Gemeinschaft in der Benutzung der Kirchen mit den Altkatholiken zulässig sei, erbeten habe; er fügte hinzu, er bezweifle nicht, daß vom Papste entweder ohne Weiteres oder nach vorgängiger Verhandlung mit der Regierung eine Entscheidung getroffen werde, welche geeignet sei, die entstandenen Schwierigkeiten zu beseitigen.
Statt jeder Verhandlung mit der Staatsifegierung aber ging am 20. Mai die Nachricht ein, daß der Papst das Verhalten des Feldpropstes nicht blos gebilligt und bestätigt, sondern auch als besonderen Lobes würdig befunden habe. Demzufolge untersagte der Felkpropst dem Pfarrer Lünnemann aufs Neue und unter Androhung der Amtsenthebung die Ausübung aller geistlichen Funktionen in der Pantaleonskirche so lange, bis ihm (dem Feldpropst) die amtliche Anzeige gemacht sei, daß diese Kirche von den Altkatholiken nicht mehr benutzt werde und er zufolge dieser ihm gemachten Anzeige den Pfarrer wieder zur Vornahme geistlicher Handlungen ermächtigt haben werde.
Von den angeblichen kirchenrechtlichen Gründen, aus welche der Bischof seinen Widerspruch gegen die Befehle der Militärbehörde früher zu stützen versucht hatte, war auch in der Entscheidung des Papstes nicht die Rede. Es handelte sich mithin in diesem Falle auch nicht einmal anscheinend darum, daß kirchliches Recht mit den Vorschriften der Staatsbehörden im Widerspruch stehe.
muß nun Ihnen überlassen, daö zu thun, was Sie als das Beste erkennen rc.
„Nachschrift. Werdenberg hat vor einigen Tagen eine große Reise angetreten, er will zunächst Frankreich und Großbritannien besuchen, von da wird er im nächsten Frühjahre nach Amerika gehen. Ob und wann er wiederkommen wird, darüber sprach er sich nicht aus, doch fürchte ich, daß er für dieses ganze Leben Abschied genommen hat; verschiedene Aeußerun- gen von ihm lassen mich diese» befürchten."
Matt kann sich denken, in welche Aufregung dieser Brief Mathilde versetzte, der mit einem Schlage alle ihre schönen Hoffnungen vernichtete. Doch machte derselbe einen ganz eigenen Eindruck aus sie, und als es ihr nicht ohne Mühe gelungen war, ihre stürmischen Gefühle wenigstens theilweise zu beschwichtigen, las sie den Brief nochmals mit großer Aufmerksamkeit durch, dann legte sie ihn kopfschüttelnd zur Seite.
„Wäre es möglich?" dachte sie. „Sollteich mich, sollte er mich so getäuscht haben? Sollte er so schnell mich ausgeben? Sollte er wirklich abgereist fein, ohne auch nur einen Versuch zu machen, diese Ereignisse mit mir zu besprechen, selbst ohne Abschied zu nehmen?" Sie lächelte stillselig vor sich hin, in der Erinnerung an all das, was Maximilian in den Augenblicken des Alleinseins ihr gesagt hatte, mit dem Ausdruck der Wahrheit und Bestimmtheit, der auch nicht den leisesten Zweifel zuließ, wenigstens nicht bei ihr, die sie so tief durch fein großes dunkles Auge in das Innerste feines Herzens gesehen hatte, das gewiß weder der Falschheit noch einer Verstellung fähig war. „Ihm wie mir wird leider nichts al« Entsagung Übrig bleiben, aber darüber bin ich gewiß, daß er nicht so ohne weiteres davonläuft!"
Bald jedoch berührten ihre Gedanken die nackte Wirklichkeit, und das arme Mädchen sah sich in einem Labyrinth schmerzlicher Erwägungen, denn wenn chr Verstand die Rathschläge der Frau von Seeburg fast durchgängig billigen mußte, so war ihr Herz doch immer noch weit davon entfernt, jenem die Oberhand einzuräumen und ihm Folge zu leisten.
Mathilde blieb den ganzen Tag in ihrem Zimmer, und ließ sich mit Unwohlsein entschuldigen.
(Fortsetzung folgt.)
-58t
-42
-55
-35
-23
-53
-2ö|
„Sie haben mich gebeten, Ihnen die Stelle der frühe verlorenen Mutter zu ersetzen und Ihnen meinen besten Rath ifl dieser schwierigen Lage zu erchßilen; ich will das gerne thun, und will nun wie fine be sorgte Mutter zu dem geliebten Kinde sprechen. Ich wollte Sie also aufsnchen, um sie zu ihrer Pflicht, in das Hau« des Vormundes zurückzubringen, was Sie in jugendlichem Trotz und in großer Uebereilung, aber völlig im Unrecht zum Nachtheil Ihres Rufes lasten hatten.
schöne Zukunst lächeln.
„Ich will Sie übrigens zu nichts bereden, den Rath, um den Sie mich so dringend ersuchen, wollte ich Ihnen in dieser allerdings bedenklichen Lage nicht vorenthslteg; ich gab ihn nach genauer Prüfung aller Umstände so gewissenhaft, wie meine freundschaftlichen Gesinnungen, meine wahrhaft mütterlichen Gefühle die ich für Sie hege, ihn mir bidirten, und
Der Bischof Namszanowski.
(Schluß.)
Der Vorgang in Köln ist für daö Wesen und den Geist der jetzigen kirchlichen Uebergriffe insofern von der größten Bedeutung, als bei demselben auch der bloße Schein einer Begründung im kanonischen Rechte fehlt.
Als die Militärbehörden den Mitgebrauch der evangelischen PantaleonSkirche den Altkatholiken gestatteten, konnten sie nicht annehmen, daß die römisch- katholische Geistlichkeit, welche seit Jahren die Gastfreundschaft und Gemeinschaft in einer evangelische» Kirche bereitwillig angenommen hatte, eine Entheiligung derselben in der. Zulassung des altkatholischen Gottesdienstes finden würde, welcher auf dem bis 1870 allseitig anerkannte» Bode» der katholischen Kirche steht.
Zu großer Ueberraschung der Militärbehörden eröffnete jedoch der Bischof Namszanowski dem Divi- stonspfarrer Lünnemann, daß er von dem Augenblicke, in welchem ein exkommunizirter Priester in sakrilegischer (gotteslästerlicher) Weise daS Meßopfer in St. Pantaleon darbringe, die Kirche für sich nach den kanonifchen Bestimmungen als geschlossen zu betrach ten habe, bis dieselbe wieder vorschriftsmäßig rekon- ziliirt (gesühnt und geweiht) sei. Bis dahin habe er sich auf den Gottesdienst in der abgesondertm Kapelle zu beschränken. *
Nicht blos die Militärbehörden, sondern auch der Garnisonpsarrer, ein der römischen Kirche treu ergebener Geistlicher, waren von der Auffassung des Bischofs Namszanowski überrascht; beim es fehlte ber» selben jebe kirchenrechtliche Begrünbung.
Die Behauptung, baß eine Kirche burch bas Meßopfer eines exkommunizirten Priesters entheiligt werbe und danach erst neu geweihet werden müsse, steht mit dem kanonischen Recht geradezu im Widerspruche; die katholischen Kirchenrechtslehrer bekunden vielmehr, daß nach einer in Kraft stehenden Entscheidung des Papstes HonoriuS IIL Altäre oder Kirchen durch die Meß-
„Es ist wohl in keiner Weise zu billigen, baß Ihr Oheim Sie zu einer Vermählung gegen Ihren Willen zwingen wollte, unb ich kann es nur recht finben, daß Sie sich entschieden weigerten, darauf einzugehen. Warum aber baß Haus verlassen, während Ihre einfache fortgesetzte Weigerung genügt hülle? Haben Sie auch überlegt, welche Folgen dieser Schritt für Sie nothwendig Haden mußte? Folgen, welche nicht fo leicht zu beseitigen fein werden! Ich bin überzeugt, liebe Mathilde, daß Sie bei ruhigem Nachdenken mir durchaus Recht geben werden.
„Als ich zur alten Martha kam, erzähle mir diese, Sie seien vor zwei Tagen plötzlich verschwunden gewesen, ohne daß sie sagen könnte wie das so schnell gekommen wäre, und wohin Sie gegangen seien. Ich war ziemlich beruhigt über Ihr Verschwinden, denn ich zweifelte nicht, Sie seien zur Einsicht Ihres Un» ^eckts gekommen und zu Ihrem Vormund zurückae
!ll liehst •ichs- irken itlich ings- rerth, Sgr.
en ehn’s itlich
Ver- Auf- iach- . bei Maris in [2367 berg.
als: c. rc. n , [MH.
en.
firfieint täglich außer den Werktagen nach Soun» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffischen Leitung mit Sreisblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen ttj Egr., durch die Postämter 27 Ggr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - JnsertionSgebühr für tie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
feier seitens exkommunizirter oder degradirler Priester keineswegs entweiht oder befleckt werden und daß eine neue Weihe ober Rekonziliirung geradezu unzulässig wäre.
Der Bischof Namszanowski selbst war über die kanonische Begründung seines Verbots so wenig im Klaren, daß er bald von einem Interdikt ober Ban» über bie Kirche (obwohl bieselbe als evangelische Kirche bem Bann des Papstes gar nicht unterliegen kann), bald von einer Befleckung (pollutio), bald von einer durch sakrilegischen Meßdienst entstandenen Entweihung (exsecratio) sprach, ohne eine dieser verschiedenen kirchenrechtlichen Annahmen näher begründen zu können.
Als der CultuSminister Dr. Falk ihn zur Erklärung darüber aufforderte, auf welche kirchenrechtliche Bestimmung er sein Verhalten gründen zu können glaube, gab er alle jene Versuche auf unb zog sich nur darauf zurück, daß er kraft seiner bischöfliche» Fürsorge unb Verantwortung für das Seelenheil ber ihm anvertrauten Militärgcmeinbe nicht zulassen könne, baß sie ber Versuchung ausgesetzt würben, an bem altkatholischen Gottesbienste, welcher bem römisch-katholischen Ritus äußerlich burchaus gleich sei, Theil zu nehmen. — Freilich hätte tiefer Gefahr, ba ber rö misch-katholische Gottesbicnst nur zu einer fest bestimmten Stunde stattfanb, burch eine entsprechende Belehrung der Militärgemeinde seitens des Pfarrers leicht vorgebeugt werden könne.
Inzwischen hatte der Kriegsminister den Feldpropst entschiede» aufgeforbert, bie an bett Pfarrer Lünnemann erlassene Weisung zurückzunehmen, inbem er durch eine Aufrechterhaltung derselben sich mit de» Pflichten des Gehorsams in Widerspruch setzen würde, welche er in militärischen Angelegenheiten auf Grund seiner Bestallung dem Kriegsmimster als seinem nächsten Vorgesetzten schuldig fei. Falls er dabei stehen bleibe, dem Pfarrer Lünnemann die Befolgung ber ihm erteilten militärischen Befehle als Ungehorsam gegen bie Kirche zu untersagen, würbe bie Staaisre- gangen, unb fuhr wieber nach Hause. Heute nun erhielt ich Aufschluß burch Ihren zweiten Brief. Ich freue mich, baß Sie ba finb, wo Sie hiugehören, unb hoffe, baß bie Verhältnisse sich noch zu Ihren Gunsten gestalten werben. Wenn ich alles berücksichtige, so muß ich jetzt eine Verbinbung mit Ihrem Vetter Ernst als wünschenswerth unb vortheilhaft für Sie ansehen. Ihre abentheuerlichc Flucht ist unstreitig in weiteren Kreisen bekannt geworden, denken Sie nur selbst data», wie viele Gäste an jenem Tage bei Ihrem Onkel anwesend, also Zeugen davon waren. Ihr Ruf kann nur durch eine schleunige Verbindung gerettet werde», unb zwar nur durch eine Verbinbung mit Ihrem Vetter, weil bann ber Geschichte ein burchaus wahrscheinlicher Mantel umgehängt werben kann. Vielleicht ist e» möglich ben Freiherrn unb seinen Sohn dazu zu bereden.
„Prüfen Sie meinen Vorschlag, liebe Mathilde, und sollten Sie dieses Heilmittel auch für bitter halten, so ist es eben ein Heilmittel und noch dazu dasjenige, welches voraussichtlich die beabsichtigte Wirkung äus- sern wird. Können Sie sich dazu entschließen, mei neu wohlgemeinten Rath zu befolgen, und wünschen Sie vielleicht meine Vermittlung dabei, so bedarf es nur eines Winkes von Ihnen, unb ich komme zu Ihnen, um Alles aufzubieten, tiefe unselibe Geschichte einem befriebigenben Ausgange zuzuführen.
„Nachbem Sie übrigens selbst bie Überzeugung gewonnen haben, baß eilte Verbinbung mit Graf Werbenberg nicht mehr möglich ist, scheint mir der Grund weggefallen zu sein, welcher Sie verhinderte, die jo empfehlenswerthen Eigenschaften Ihres Vetters mit unparteiischen Augen zu würdigen. Ich habe ihn
Novelle von Heinrich Hensler. (Fortsetzung.)
Jene schrieb:
„Meine theuerste Freundin! Ihre liebe Zeilen, weiche Sie mir aus ber Hütte beß ForstwartS M. schickten, habe ich richtig erhalten; sie veranlaßten mich, wie Sie gewiß auch buchten, in ber Stunbe be« Empfanges mich auf ben Weg zu machen, um Ihnen zu Hilfe zu eilen. Wie sehr bebauerte ich Sie, bie ich in der kurzen Zeit unseres Beisammenseins in Ischl f0 lieb gewonnen hatte. Da« mußte anbers werben! Doch war bie Hilfe, welche ich Ihnen bringen wollte, nicht bie, welche Sie vielleicht wünschten, beim ich glaube, Sie sinb nicht auf bem richtigen Wege!
kl
uali-
llg« h, rse-
1367
w
Ofl
I2«„.
)3,J.