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Fulda, 29. Mai. Das „Franks. Journ." will wissen, daß anläßlich der neuesten Verfügung an den Bischof von Ermland eine abermalige Conferenz der preußischen Bischöfe hier stattfinden soll.

Hamburg, 29. Mai. Auf das von der Lehrer- versammlung au Fürst Bisniarck gerichtete Telegramm ist folgende telegraphische Antwort eingelaufen: „Herrn Theodor Hoffmann, Präsidenten der allgemeinen deut scheu Lchrervcrsammlung in Hamburg. Meinen her; lichen Dank für die mir gewidmeten guten Wünsche der dort versammelten Mitglieder des Standes, wel­cher an unseren gemeinsamen Erfolgen einen so her vorragenden Antheil und auf den Dank des Vater­landes so berechtigte Ansprüche hat. Varzin, 25. Mai. Bismarck."

Leipzig, 29. Mai. Im Jahr 1838 fand in Nürnberg die erste Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner statt; sie zählte 81 Theilnchmer. Zur diesjährigen am 22. Mai hier eröffneten 28. Versammlung hatten sich über 900 Teilnehmer ein­gefunden. Prof. Georg CurtiuS aus Leipzig, Präsi­dent der Versammlung eröffnete dieselbe am gewann ten Tage mit einer begrüßenden Ansprache, welcher eine längere Vorlesung folgte über die heutige Stel­lung und Bedeutung der Philologie in der gegen­wärtigen Kulturepoche. Es erfolgten darauf von Seiten des Vieepräsidcnteu, Prof. Eckstein aus Leip­zig, eine historische Uebersicht den Verein betreffend, und einige Mittheilungen aus dem Schooße des frü­heren Präsidiums. Der Geh. Kirchenrath Dr. Gil­bert aus Dresden begrüßte darauf in einer längeren Rede Namens der Regierung die Versammlung; das­selbe that der Vieebürgermeister Dr. Stephani im Namen der Stadl Leipzig.' Ein längerer Vortrag des Prof. Curtius aus Berlin legte die durch die neueren umfangreichen Ausgrabungen und Forschungen engli­scher und französischer, später auch deutscher Alter- lhumssreunde in Kleinasien gewonnenen wissenschaft­lichen und künstlerischen Resultate dar. Darauf theille der Präsident mit, daß außer den bereits bestehenden Sectionen noch eine für neuere Sprachen unter dem Vorsitze der Professoren Matzner und Herwig aus Berlin gegründet worden sei. Bei dem offi- ciellen Mittagsmahl brachte Professor G. Curtius den Toast auf Se. Maj. Kaiser Wilhelm und König Johann aus. Prof. Eckstein ließ die beiden anwesenden Staatsmiuister Dr. v. Gerber und Frhr. v. Falcken- stein leben, worauf elfterer im Namen und Auftrag des Königs Johann die Philologenversammlung zum dritten Male in Sachsen willkommen hieß. Pros. Schroer aus Wien, ein ehemaliger Leipziger Student, hob den freudigen Stolz hervor, mit dem die alte Kaiserstadt Wien jetzt auf das neue Deutsche Reich blicke, und brachte dann der Stadt Leipzig sein „Hoch", und Vieebürgermeister Dr. Stephani ließ das „wieder- gewonnene Elsaß-Lothringen" leben. In der ersten, anderen Tages, am 23. Mai, stattgehabten Sitzung wurden zu Sekretären gewählt: Prof. Dr. Authenrieth aus Erlangen, Dr. Bormann aus Berlin, Dr. Gehrt und Dr. Jungmann aus Leipzig. Die Commission zur Beralhung des nächsten Versammlungsortes bestand aus den Präsidenten der früheren Versammlungen, welche hier anwesend waren: Geh. Rath Professor Dr. Ritsch l, Prof. Dr. Eckstein, Direktor Dr. Classen, Prof. Dr. Fleckeisen und Rektor Dr. Dietsch; außerdem Prof.

Residenz war, wie sehr er sich bemühte, immer in ihre Nähe zu kommen, und — Ha! Fluch! dreimal Fluch über euch beide! Ich werde ein fürchterliches Gericht halten!"

ES gelang ihm, ohne bemerkt zu werden, in das Schloß und in das Schlafzimmer seiner Gemahlin zu kommen. , Zwischen ihrem Bette und dem der Kammer­frau stand eine Wiege, und auf ihrer rechten Seite eine kleine Bettlade; der Graf ging zu beiden — in der letzteren lag ein Kind von zwei bis drei Jahren — es war seine geliebte Marie. In der Wiege lag ein kleines Kind! Er lachte laut auf, daß eS schauer­lich widerhallte. Die Gräfin sowohl als die Kammer­frau fuhren erschrocken aus dem Schlafe:

„Um Gottes Willen — wer ist da?" rief die Gräfin.

„Dein Richter! Du Ehebrecherin!" stieß der Graf mühsam zwischen den knirschenden Zähnen heraus.

„O Gott! Was ist das — bist Du es, Franz? Was für sonderbare Reden führst Du? Wo kommst Du denn her?"

Die plötzliche Erscheinung des ferne geglaubten Gatten — mitten in der Nacht — in ihrem Schlaf­zimmer — ihre Schlaftrunkenheit — das durch den bleichen Schimmer der Nachtlampe noch vermehrte grauenhafte Aussehen ihres Gatten, und seine auf­fallenden Reden hatten sie ganz verwirrt gemacht. Sie schlug die Hände zusammen, suchte hastig nach ihren Kleidern, die sie jedoch nicht finden konnte — da zwischen tönte das Weinen der durch den Lärm er­wachten Kinder, welche die Kammerfrau vergebens zu beruhigen suchte, — und nun trat der Graf an ihr Bett, schwang einen blitzenden Dolch in seiner Hand und rief:

Dr. Roth aus Tübingen und die Professoren Dr. Jüly und Dr. Wilmanns von Innsbruck. Von 8 bis 11 Uhr fanden die Verhandlungen der Sec- tioiien statt. Unter den Anträgen heben wir als die wichtigsten hervor, zuerst für die mathematische Sektion: daß an jeder Universität ein mathematisch naturwissenschaftliches Seminar errichtet werde; ferner der Mathematik eine Stunde entzogen und der Natur­kunde zugclegt werde, die mit zweistündigem wöchent­lichem Unterricht schon in die Quarta zu verlegen sei. In der Sektion für neuere Sprachen war eine Mil theilung des Professor Herrig aus Berlin über die neu zu begründende Akademie für moderne Philologie in Berlin, angekündigt. In der pädagogischen Sektion sollte die übermäßige Belastung der Lehrer durch Correc- turen diseulirt und das Bedürfniß als dringend hingestellt werden, daß das zu erwartende Unterrichtsgesetz hier, so weit al« dies durch gesetzliche Bestimmungen überhaupt ge­schehen kann, Abhülfe schaffe, indem dasselbe eine feste Schranke für die pflichtmäßige Leistung der Lehrer zieht. Eine besonders lebhafte und energische Diskussion er­regte ein Vortrag: „Der lateinische Aufsatz und das griechische Seriptum sind nothwendige Bestandtheile der Maturitätsprüfung." Die Stimmen dagegen ver­hallten gegenüber dem kräftigen und beredten Ausdruck deS zähen Festhaltens an der lateinischen Sprache, und es fehlte, nicht an bitteren Anspielungen auf das Der halten süddeutscher Regierungen, die den unbegründe­ten Klagen über das Zuviel der alten Sprachen und die Ueberbürdung der Jugend ein geneigtes Ohr ge­liehen und ihre höheren Schulen an Leistungsfähig­keit geschädigt hätten. Nicht die lateinische Sprache, hieß es, raube der Jugend die Jugend, im Gegentbeil gehe die Strenge und Zucht des grammatischen Ele­ments, die Kraft und Logik de« Gedankens aus. der lateinischen Sprache in den jugendlichen Geist über und stähle oder spanne ihn; werde die Jugend über­haupt überbürdet und geknickt von der Last des Ler­nens, so sei der andere Lehrstoff, besonders aber die ungeordnete Vertheilung desselben schuld. Eine interes­sante abgesonderte Besprechung fand über die Dota­tionsfrage der an nicht landesherrlichen Schulanstalten angestellten Lehrer statt. Die Mehrzahl der städtischen Behörden zeigt wenig Neigung, die Gehälter ihrer Lehrer zu verbessern, und die Staatsregierung kann auf gesetzlichem Wege keinen Zwang ausüben. Es dürfte schwer sein, hier einen Weg vorzuzeichnen, um zum gewünschten Ziele zu kommen. Man einigte sich endlich dahin, eine Commission zu ernennen, welche eine Petition entwerfen sollte, damit auf irgend eine Weise eine gerechte Ausgleichung städtischer und float sicher Schulanstalten statlfinde. Für die zweite allge meine Sitzung um 11 Uhr standen drei Vorträge auf der Tagesordnung, und zwar 1) Professor Delbrück aus Jena: Ueber die Ergebnisse der vergleichenden Syntax, 2) Gymnasiallehrer Dr. Trieber aus Frank­furt a. M.: Ueber die spartanischen teXt] und 3) Direktor Dr. Hasper ans Glogau: Ueber die Lage von Ilion. Nur das erste Thema gelangte zu einer freilich durchaus gediegenen Ausführung und Be fprcchung, worauf wegen der vorgerückten Zeit Pro fessor Dr. Eckstein die Versammlung schloß.

München, 29. Mai. Der Krankheitszustand des Minister-Piäsidenten Grafen Hegncnberg Dux ist nicht unbedenklich, gibt jedoch zu ernstliche» Besorg-

„Bift Du bereit, vor Deinen Richter in die Ewig­keit zu treten, treuloses Weib?"

„Um Gottes Willen! Was soll das nur sein? Was willst Du denn nur ? Was sind daS für son­derbare Reden? Bin ich Dir denn treulos gewesen?"

„Ha ha ha ha! — Du warst nicht treulos? Wagst Du das zu sagen — hier in Gegenwart leben­diger Zeugen?"

Mit diesen Worten erhob er abermals die Hand mit dem Dolche — seine Gattin suchte ihn zurück- zustoßen und rief:

»Hilfe, Hilfe!«

Aber jener stieß ihr in blinder Wuth mit furcht­barer Gewalt den Dolch in die Brust---die

Kammerfrau sprang zur Thüre hinaus und rief: „Mord! Mord!" Bis aber die Leute zusammen kamen, war jener längst verschwunden.

Er eilte in die Stadt zurück, bestellte Postpferbe und setzte seine angestrengte Reise fort nach der Re­sidenz. Da suchte er einen Freund auf, dem er seine Absicht mittheilte, den Herrn v. Dienstorff, der ihn beleidigt habe, zur Rede zu stellen. Beide gingen so­fort zu demselben — er war sichtlich überrascht, als er den Grafen sah, und sehr betreten; noch mehr, alS derselbe ihn nach der ersten kalten Begrüßung fragte:

„Sie haben, wie ich hörte, während meiner Ab­wesenheit Schloß Eulenbuch mehrmals mit Ihrer Ge­genwart beehrt?"

„Allerdings," antwortete Jener in großer Verle­genheit, „ich — ich war —"

Ein Unbefangener konnte wohl sehen, daß Herr v. Dienstorff durch die Anwesenheit eines Dritten

niffen keine Veranlassung. Mit seiner Vertretung in Besorgung der laufenden Geschäfte ist der Staats­rath v. Weber beauftragt.

Stuttgart, 29. Mai. Im Jnscrathcntheit m „Schwäbischen Merkur" eiläßi eine Anzahl würtem- bergischer orthodoxer Geistlicher und Laien einen Pro test gegen die unbeschränkte Lehrfreiheit der Prediger, wie sie die Jenaer Erklärung verlange.

Straßburg, 29. Mai. Bezüglich der unglück­lichen Ausseß'schen Affaire ließ sich die „Nationalztg." kürzlich aus Straßburg schreiben, es fei „kein Pro­fessor an der Herrn von Aufseß gewordenen Miß­handlung beteiligt gewesen." Die genannte Zeitung hält diese Mitkheilung auch heute noch, gegenüber den anders lautenden, auch vou uns reproducirten Erklä­rungen deS Herrn Oberzollrathes von Aufseß auf­recht, indem sie schreibt: Die Sache ist die, daß di, geführten Schläge von dem „kaiserlichen Beamten' ausgegangen sind, während der „Profeffor" bei jener Scene zwar anwesend war, aver stch vollkommen pas­siv verhalten hat. Nach dem Namen noch weiter zu forschen, worauf die ultramontanen und demokrati­schen Blätter dringen, wäre vollkommen überflüssig.

Oesterreich - Ungarn.

T8ieu. 29. Mai. In der Abgeordnetenkammer machte gestern der Präsident Mittheilung von dem erfolgten Ableben der Erzherzogin Sophie und gab in seiner Rede dem tiefen Beileid sowie der steten Loyalität des Hauses Ausdruck. Nachdem das Prä- sioium die Ermächtigung erhalten, dem Kaiser das tiefe Beileid des Hauses zu übermittel«, wurden die Sitzungen bis nach erfolgter Beisetzung ausgesetzt. — Der Verfassungsausschuß genehmigte da« vom Sub- comite modificiite galizische Ausgleichsgesetz uno ver­schob die Berichterstattung über dasselbe im Abgeord­netenhause bis zum Berichte über die ruthenischen Pe­titionen. Im Laufe der Diskussion stellte der Mi­nisterpräsident, Fürst Auersperg, die Vorlage betreffs der Wahlreform für die Herbstsession in Aussicht. Tomaszczek. Coronini und Ianovki kündigten an, daß sie im Abgeordnetenhause den Antrag stellen würden, über das Ausgleichsgesetz zur Tagesordnung über­zugehen.

Salzburg, 29. Mai. Die Erzherzogin Alice, Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand, ehemaligen Groß- herzogS von Toskana, ist hier am 24. d. vou einem Prinzen entbunden worden.

Lemberg, 29. Mai. Neueren Nachrichten zufolge sind die aus zwei Bezirken gemeldeten agrarifchen Unruhen nicht erheblicher Natur und haben ihren Grund in Differenzen über Hutweiden, Streitigkeiten, die in Galizien öfters Vorkommen.

Schweiz.

Bern, 29. Mai. Der Nationalrath und der Ständeralh genehmigten einstimmig, ohne Debatte, die Nationalbotschaft über die Revisionsabstiminung Beide Rälhe wurden hierauf vom Präsidium ent­lassen.

Frankreich.

PariS, 29. Mai. Die birmanische Gesandt­schaft ist gestern früh in Paris angekommen und im Hotel du Louvre abgestiegen. D,r Tag, an welchem sie von Herrn ThierS empfangen werden wird, ist noch nicht bestimmt. — Dem „Moniteur" zufolge wird der Kriegsrath, wen« er fein molivirtes Gut-

genirt war, sich, wie er wollte, offen auSzusprechen — Graf Kausberg war nichts weniger als unbe fangen — er unterbrach jenen sogleich mit der wei­teren Frage:

„Wie kommt es, mein Herr, daß Sie stets die Nachtzeit zu Ihren Besuchen wählte«? Es ist doch mehr als auffallend, daß Sie immer in der Nacht ankamen und vor Anbruch des Tages wieder weg­gingen; — oder ist es vielleicht-nicht so?"

„Es ist wirklich so, — aber ich kann Ihnen sagen —" erwiderte Dienstorff.

„Und ich sage Ihnen", unterbrach ihn der Graf, der seine Wuth kaum so weit bemeistern konnte, um sich nicht thättich an seinem Gegner zu vergreifen,1 „daß das — mehr wie sonderbar ist, in Abwesenheit des Mannes solche nächtliche Besuche einer verheira- raihetm Dame zu machen — ich bitte mich nicht zu unterbrechen, — ich weiß Alles — mir blieb nichts verborgen; — mein Haus ist beschimpft, meine Ehre durch Sie angetastet — weitere Erklärungen sind nicht nöthig, würben eie Sache auch nicht ändern. Mein Freund hier wird das Erforderliche mit Ihnen ver- Derabreten, er kennt meinen Willen!"

Er entfernte sich rasch.

An demselben Morgen noch fand der Zweikampf statt. Kausberg wieS jeden Ausgleichungsversuch der Secunvanten auf das Entschiedenste zurück. Del Ausgang des Duells war blutig - Kausberg erhielt eine Wunde in den linken Arm — seine Kugel zer­schmetterte die Brust seines Gegners — tr stürzte nieder und hörte schon nach einigen Minuten zu athmen auf.

(Fortsetzung folgt.)

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