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geben worden nnd zwar zuerst durch die „Süddeutsche Reichspost", das Organ der vereinigten Couservativen Süddeutschlands Es scheint dieses Blatt aus Rück­sichtnahme auf letztere auSgcwählt zu sein, da das Pro­gramm alS Grundlage für die Neugestaltung der con- servativen Partei in ganz Deutschland dienen soll. Dasselbe trägt, mit Ausnahme von ein oder zwei nock ausstehenden Namen, bereits die Unterschriften sämmt- licher konservativen Mitglieder des Reichstages und soll ihm auch die Zustimmung der meisten Partei Ange­hörigen im preußischen Landtage gesichert sein. Die „Kreuz-Zeitung" verhält sich dem Programme gegen­über noch mit einer gewissen Scheu; sie druckt eS ab und begleitet es nur mit einigen kurzen Bemerkungen in welchen sie besonders die angebliche Unklarheit des­selben in Bezug auf die kirchliche Politik tadelt. Dieser Tadel des hochconservativcn Blattes muß um so mehr in Erstaunen setze», als es wohl selbst kaum wagen wird, sich auf diesem Gebiete eine übermäßige Klarheit nachzurühmen. Uebrigens dürfte das ganze Verhalten der „Kreuz - Zeitung" zum Theil seine Erklärung in den augenblicklich obwaltenden Redactionsverhältnissen finden. Es sind zwar bereits mannigfache Unterhand­lungen augeknüpft, um dieselben neu zu ordne», allein bis jetzt ist eS noch nicht einmal definitick entschieden, ob Herr Dr. Beutner seine Arbeiten von Neuem übernehmen könne, oder ob derselbe gezwungen sei» wird, seine Stelle überhaupt aufzugeben. — Es be­stätigt sich, daß das Staats Ministerium in seiner heutigen Sitzung über die Vertagung des Landtages Beschluß fassen wird und unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß derselbe bejahend ausfällt. Wenn ein Korrespondent der „Elberfelder Zeitung" erzählt, die Vertagung werde von den süddeutschen Abge ordneten ungünstig ausgenommen, so scheint der­selbe zu vergessen, daß es sich hier um den preußischen Landtag handelt, in welchem keine Süddeutschen sitzen. An eine Herbstsession des Reichstages ist noch niemals gedacht worden. — Das Wolff'sche Telegraphcnbureau meldet heute, daß man sich in den Kreisen der fran- sischen Deputirlen erzählt, die deutsche Regierung habe sich bereit erklärt, die noch occupirten Gebietsteile mit der successiven Abzahlung der noch restirenden Kriegsschulden successive zu räumen und nur noch Belfort und Toul bis zur gänzlichen Tilgung der­selben besetzt zu halten. Dieser Nachricht gegenüber kann nur auf die gestern hier gegebenen Erklärungen verwiesen werden. Jene Nachricht spiegelt wohl mehr die in französischen Kreisen herrschenden Wünsche, we nigstenS ist hier von derartigen Anerbietungen Deutsch­lands nichts bekannt. — Das Befinden des Wirkt. Geh. RaihS Abeken ist leider durchaus ungünstig. Vor einigen Tagen war zwar eine leichte Besserung eingetreten, aber seitdem ist dasselbe stationär geblieben und ist bis jetzt keine Hoffnung auf eine baldige Ge­nesung vorhanden.

Tas italienische Kronprinzenpaar ist heule Mit­tag 21/2 Uhr hier eingetroffen. Dasselbe wurde am Bahnhofe vom Kaiser, dem Kronprinzen, dem Prinzen Friedrich Karl und einer Menge Notabilitäten von Auszeichnung unter militärischen Ehrenbezeugungen empfangen. Der Kaiser selbst geleitete die hohe» Gäste nach dem Schlosse. — Die „Nordd. Allg. Ztg."

schreibt, daß einem Gerüchte zufolge der Armeebischos NamszanowSki vom Amte snspendirt worden sei.

Straßburg, 28. Mai. Die schon früher an gekündigten Geschenke des deutschen Kaisers und des Königs von Bayer» für die Univerfitäts und Lan- deSbibliothek sind hier eingelroffen. Das kaiserliche Geschenk umfaßt gegen 4000 Bände und ist beson­ders reich an kostbaren Kunst-, Reise- und Geschichts­werken ; das des Königs von Bayern gibt in ca. 700 Bänden eine sehr wesentliche Bereicherung, inSbeson dere an ausländischen Geschichtswerken. — Zn der traurigen Angelegenheit deS jüngst verstorbeiieii Frhin. v. Aufseß veröffentlicht dessen ältester Sohu, Frhr Otto v. Aufseß, im „Nürnberger Korrespondenten von und für Deutschland" nachfolgende Erklärung: „Ein offenbar in der ersten Aufregung geschriebener und in der zu Berlin am 14. Mai erschieneneii „Germania" besprochener Brief meines Bruders Her­mann zu Göppmannsbühl vom 10. d. M. über den bedauernSwerlhen Vorfall vom 1. Mai Abends im Schlosse zu Straßburg, ferner eine Notiz deS Ge nannten im Stadtamhofer „bayerischen Volksblatt" und sonstige Besprechungen dieses Gegenstandes in der Presse geben dem Unterzeichneten den nothgedrun- genen Anlaß als Senior der Familie Folgendes zu erklären: Daß mein am 6. b. M. zu Münstcrlingeii bei Konstanz am Schlagflusse plötzlich verschiedener Vater Hans Frhr. v. Aufseß leider am 1. Mai l. I. Abends im Schlosse zu Straßburg der Gegenstand einer allerdings durch einen unglücklichen Jrrthum veranlaßten, aber trotzdem für die Thäter unwürdigen Mißhandlung war, die bei dem ohnehin Herz- i»id lungenkranken 71jährigen Greise nach den allgemeinen Erfahrungen nur höchst nachtheilig auf dessen Lebens­kräfte einwirken mußte, steht leider eben so fest, als daß die Beleidiger in der Person eines Professors und eines kaiserl. Beamten aus Elsaß-Lothringen durch deren eigene Briefe vom 2. und 5. d. M. an meinen seligen Vater nachgewiesen erscheinen. So betrübend diese Thatsachen für die trauernde Familie und jeden wohlgesinnte» Deutschen sein muffen, so bedauerlich ist es außerdem, daß dieser Vorfall in dem bezeichne­ten Briefe in einer für die Straßburger Universität und deren Lehrer, so wie für die deutsche Wissenschaft gehässigen Weise besprochen und hiedurch die Mei­nung erweckt wurde, als ob unsere Familie diese An sichten theile. Dieselbe theilt jedoch diese Ansichten keineswegs und glaubt, daß durch de» Ausspruch sol cher das Andenken des Verstorbenen keineswegs geehrt werde. Derselbe hat offenbar, trotz des großen Un­rechtes, das ihm widerfahren ist, seinen ihm unbe­kannten Beleidigern, deren Briefe ihn nicht mehr am Leben trafen, als Christ vergeben, und würde es als wahrer deutscher Patriot und Protestant mißbilligt haben, wenn dieser Vorfall von einem seiner Söhne in einem Briefe an die „Germania" in einer für die Straßburger Universität und deutsche Wissenschaft ge­hässigen Weise besprochen worden wäre; es würde ihn auch betrüben, wenn seiner ohnehin nefbekümmer- ten Familie durch weitere Besprechungen dieser Ange­legenheit i» der Preffe von Tag zu Tag die liefe Wunde ihrer Trauer neu ausgerissen werden würde. Indem daher die Familie des Frhr». Hans v. Auf­

seß für die wohlgemeinte» Besprechu»gen dieses trau­rigen Vorfalles den Vertreter» der Presse ihren ge­bührenden Dank ausspricht, ersucht sie zugleich nun­mehr mit Rücksicht auf den Schmerz und die Trauer der Hinterbliebenen die weitere Discusston hierüber gefälligst einstellen zu wollen. Kreßbrunn am Boden­see, 19. Mai 1872. Otto Frhr. von und zu Auf­seß, Ober-Zollralh und Zollvereinsbevollmächtigter.''

Oestenrich - Ungarn.

Wien, 28. Mai. Tie Journale veröffentliche» einen Ausruf für Böhmen. Die böhmischen Abgeord­neten im Reichstag werden au cie Regierung ras Er­suchen stellen, Staatsgelker zur Unterstützung der von der Ueberschwennnung Betroffene» flüssig zn machen Zur augenblickliche» Linderung der Noch in ben von der Ueberschwemmung heimgesuchten Gegenden Böhmens spendete der Kaiser aus Privatmiltei» Zehntausend Gulden. — Erzherzogin Sophie, welche heule früh um 3 Uhr nach langem Todeskampfc gestorben ist, war eine Tochter deS Königs Joseph Maximilian L von Baiern und ist geboren am 27. Jan. 1805; sie vermählte sich am 4. Nov. 1824 mit Erzherzog Franz Karl von Oesterreich, zweitem Sohn des Kaisers Franzi.; sie ist die Mutter des gegenwärtigen Kaisers Franz Joseph I.

Lemberg, 28. Mai. Im Zolkiever und Gro- dekcr Bezirk sind agrarische Unruhen ausgebrochen.

Schweiz.

Bern, 28. Mai. Die Bundesversammlung ge­nehmigte das Entlassungs-Gesuch des BundeSralhs DubS unter dankbarer Anerkennung seiner geleisteten Dienste. Ein Antrag auf Danksagung für „eminente" Dienste wurde mit 16 gegen 57 Stimmen verworfen. Die Wahl des Nachfolgers ist auf die Juli - Session vertagt.

Frankreich.

Paris, 27. Mai. In den Provinzen sind einige neue republikanische Journale erschienen, so zu Mar­seille „Le Midi" und „Le Prvgrss de Marseille", zu Amiens „Le Progrss de la Somme", zu Gien „L'Jndöpendant", zu Orleans „Le Räpublicaiu de Loiret" und andere mehr. Ein neues legitimistisches Journal „Echo du Velay" erscheint in der Auvergne, Dagegen ist das in Evreux erscheinende Journal „L'Eure",^ welches Hru. de Broglic gehörte, eingegange». In Paris werden auch mehrere mue republikanische Blätter erscheinen, darunter „Le Ralliement" unter der Leitung von Barbieux, ehemals Gerant des „Rappel", ferner „L'Jndspendanee Frantzaise," „Le Journal bu Peuple", von Tony Revillon geleitet, ein Concurrenz- blatt für das „Journal du Peuple", welches von Francois Hugo und Locleroy retigirt wird. Das „Ralliement" hat bis jetzt allein die nölhige Autori- lation zu erscheinen erhalte». Bisher waren alle pariser Ein-Sou-Journale (5 Centimes die Nummer) republikanisch, mit Ausnahme des „Petit Moniteur", welcher orleanistisch, und der „France Nouvelle", welche legitimistijch ist. — Man hat in neuerer Zeit mehrfach die Frage aufgeworfen, was aus dem Kapital geworden ist, welches vor dem Krieg zum Besten eines deutsche» Hospitales in Paris gesammelt worden war. Die betreffende Summe, nahezu 400,000 Franken,^ war der Verwaltung einer Commission von sechs Mit-

stattfindenden Unruhen des weitverbreiteten Krieges und bei der weiten Entfernung verloren gegangen fein, wie unverkennbar aus den folgenden Briefe» hervorging und ebenso war es mit den Briefen, die er nach Hause schrieb.

Kaurn begann der Graf die wohlthätigen Folgen deS Bades und der Ruhe, welcher er sich hingeben konnte, zu spüren, als er plötzlich obreifte. Er hatte entsetzliche Nachrichten erhalten, die ihn bestimmten, noch in derselben Stunde die Reise in feine Heimath anzutreten. Er gönnte feinem immer noch sehr schwa­chen Körper^keine Rast, er fuhr Tag und Nacht, gab doppelte und dreifache Trinkgelder und war in vier­zehn Tagen an Ort und Stelle. Aber nicht sein Schloß Euleubuch war eS, wo er anhielt, — das war der Ort, wo seine Gattin in stiller Zurückgezo genheit nur ihrem Kinde — wie sie ihm schrieb — und der Erinnerung an die verlebten glücklichen Tage, und ihrer Sehnsucht nach dem heißgeliebten Gatie» lebte; er kehrte in dem Gasthause der nahgelegenen Stadt ein und erwartete da in glühender Ungebulo ben Ein bruch der Nacht, dann setzte er seine Reisezu Fuß fort.

Etwa eine kleine halbe Stunde von dem genannten Schlosse entfernt, am Saum eines Waldes, lag die Wohnung des Försters Heilmann, eines alten treuen Dieners der Familie Kausberg. Es war Mitternacht vorüber und der Förster log in tiefem Schlafe, als ein heftiges Pochen an der Thüre ihn erweefte. Er sah zum Fenster hinaus — eine dunkle Gestalt stand vor der Thür.

„Wer ist ba?" rief der Förster.

„Mache schnell auf, Heilmann l" war die Antwort. „Ich bin eS! Dein Herr ist eS!"

„Um aller Heiligen Willen, der gnäoige Herr!" sagte der Förster, indem er öffnete und jenen einließ. „Willkommen, gnädiger Herr, in der Heimath! Wo

kommen Sie beim so spät in der Nacht her? Ich habe ja gar nichls davon gehört, daß Sie wieder zurückgekommen sind, sonst hätte ich mich gewiß schon pflichtschuldigst gemeldet "

Unter diesen Worten hatte er schnell ein Licht an- gezündet und es auf ben Tisch gestellt, an welchen ber Graf sich setzte.

„Um bes Himmels Willen," fuhr jener fort, „wie sehen Sie aus, gnäbiger Herr! Sie ftnb gewiß »och recht krank. Ich habe im Schloß gar oft gehört, — ich komme ja täglich bohin, — baß Sie schwere Wunden im Krieg erhalten hätten m b deßholb in einem Bade wärm; Sie hätten aber noch länger dort bleiben sollen, benn Sie finb wahrhaftig »och krank, lieber gnäbiger Herr, daS sieht man Ihnen an!"

»Setze Dich zu mir her, Heilmann!" sagte der Graf mit ernster, eintöniger Stimme, ohne auf dessen Reden Rücksicht zu nehmen; „ich habe Wichtiges mit Dir zu reden!"

Als Heilmann sich gesetzt hatte, fuhr der Graf fort: „Wie alt bist Du, Heilmann?"

„Auf Martini werde ich 68 Jahre alt."

„Unb wie lange bienst Du meinem Hause?"

„Ihnen, dem gnädigen Herrn Vater und dem Großvater 52 Jahre. Ich war noch nicht 16 Jahre alt, als ich. zum Waidjungen angenommen wurde."

„äljo Über ein halbes Jahrhundert! Eine schöne Zeit! Und in diesen 52 Jahren warft Du immer ein ehrlicher unb treuer Diener meines Hauses. Mein Vater hat noch auf seinem Sterbelager Dir das schönste Zeugniß gegeben. „Auf den Heiimann kannst Du Dich in allen Stücken verlassen — er ist treu wie Gold — Du kannst.ihm Dein ganzes Ver­mögen anvertranen, Dein Leben und Deine Ehre__

er ist fest wie Felsen. Die Welt kann aus ihren Bahnen weichen, aber Heilmann wankt nicht!"

„Ach, gnädiger Herr!" erwiderte der Förster, in­dem Thränen über seine braunen Wangen liefen unb in den grauen Bart träufelten, „solche Worte wiegen ein ganzes Leben voll Mühseligkeiten und Beschwerden auf; — und doch hatte ich keinen harten Dienst. Und wie gut ist jetzt in meinen alten Tagen für mich gesorgt. Ich habe die schöne Wohnung da, habe meine gute Kost aus der herrschaftliche» Küche, und über­dies »och ein reichliches Taschengeld. Könnte ich nur noch Dienste thun, damit ich für meinen Unterhalt etwas leisten könnte — benn mit meinem bischen Herurnlaufeii ist nichts gethan!"

„O nein, lieber Hcilmann," unterbrach ber Graf den alten Mann, „ein so treuer erfahrener Diener wie du bist kann durch Aufmerksamkeit auf Alles,^ was vergebt, oft viel bessere Dienste leisten, als durch! die gewöhnliche Arbeit. Darum hat mein Vater! nicht von deinen Diensten gesprochen, — es gibtj gar viele Forstmänner in der Welt, die deinen Dienst- in drm Walte eben so gut versehen könnten; — aber von dir sagte mein Vater: Vermöge», Leben und Ehre kannst du ihm unbedenklich anvertranen, und das ist eine seltene Eigenschaft bei Leuten deines Standes. Ich bin das auch von Dir überzeugt, und kann nicht daran zweifeln, daß Dir meine Ehre über Alles geht. Unb so frage ich Dich jetzt, bei bieser Treue, mit der Du an uns hängst, — bei ber Asche meines Vaters, ber Dich wie Du sagtest mit Wohltha- tea überhäufte: Ist während meiner zweijährigen Ab­wesenheit meine Ehre nicht angetastet worben? Ist Dir nichts in bieser Beziehung vorgekommen in unb außer bem Schlosse? Warm feine verbächtigen Be­suche ba ? Was ist Alles vorgefallen, wovon ich wohl keine Kunbe nach Spanien erhielt? Rebe, Alter!"

(Fortsetzung folat.)