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die Vertheidigung des Platzes durch die Artillerie ge­habt. Die Vcrtheidiguiigsmaßregeln wurden nicht im passenden, Augenblicke ergriffen; so beschäftigte man sich ungeachtet der wohlbekannten Unzulänglichkeit der gewölbten Schutzorte in Straßburg nicht mit der Herstellung gepanzerter Schutzorte, und doch sind die früher schon so nothwendig gewesenen Schutzorte wegen der Fortschritte der modernen Artillerie dies noch mehr geworden. WaS die Minen anbelangt, so verschaffte man sich nicht im voraus das nothwendige Material, um die Contre-Minen zu benutzen, welche sich vor der Lünette 53 befanden. Obgleich Straßburg in seinen Magazinen 30,000 Schanzpfähle besaß, so betrieb man die Verpfählung der bedeckten Wege und Vorwerke de» Platzes nicht thätig genng, damit die Operation vor der Einschließung des Platzes beendet gewesen wäre, und dann wurde eben so sehr in Folge des bösen Willens der Civil- und Militärarbeiter als aus Mangel der Or­ganisation von Genie -Hülfscompagnien, welche man mit mehr Initiative und Willenskraft sehr leicht hätte bilden können, die für die Vertheidigung der bedeckten Wege so wichtige Verpfählung nach dem Rathe der Commandanten der vier Vertheidigungsbezirke ver­nachlässigt ; deßhalb wurden auch die Außcnwerke der Reihe nach aufgegeben, ohne daß man versuchte, Widerstand zu leisten. Während der ganzen Belage­rung war die Vertheidigung mehr passiv als actio, und sie gestattete dem Feinde rasch, fast ohne Hinder- niß von den Außenwcrken bis zur Besetzung des be­deckten Weges der Contre-GardeS deS Attaquenweges vorzugehen. Der Rath conftatirt, daß die Protokoll­bücher, welche von den Artikeln 253 und 259 des Deeretes vom 13. October 1860 vorgeschrieben sind, mit Ausnahme des des Genies nicht regelmäßig ge­führt wurden und gänzlich fehlen; daß das Protokoll­buch des Vertheidigungsrathes, in welches alle Bera- thungen eingeschrieben werden sollen, das gestattet hätte, die Operationen der Belagerung zu verfolgen, und das fo zu sagen den Theil der Verantwortlichkeit eines Jeden an der Vertheidigung constatiren würde, nicht existirt; man besitzt nur das Journal des Ge­neralstabs, welches von Niemandem paraphirt oder unterzeichnet ist. Weder daS Protokollbuch des Platz- commandanten noch das der Artillerie und der Mili­tär-Intendantur wurde ungeachtet der förmlichen Vor- fchrifterr des bestehenden Reglements geführt; bezüg­lich dessen und vieler anderer Dinge muß conftatirt werden, daß der Direction die Ueberwachung und der Impuls fehlte. In Erwägung, daß, wenn vom 16. bis 17. Aug. vom Ober - Commandanten der Befehl gegeben wurde, die Häuser vor dem Platze abzutragen, er die beschränkende Bedingung stellte, das Privat- eigenthum so viel als möglich zu schonen; daß bejon ders aus der westlichen Seile die Häuser nicht nieder­gerissen worden und so den feindlichen Tirailleurs Schutz boten; in Erwägung, daß, wenn in der Sitzung de« Vertheidigungsrathes vom 29. Deccmber das Verlangen deS Gemeinderathes, mit dem Feinde zu unterhandeln, einstimmig verworfen worden ist, weil

halben Stunde war die Gosaumühle zu Wasser er­reicht, und der sogenannte Gosauzwang, eine 420 Fuß lange, auf 7 theils 138 Fuß hohen Pfeilern ruhende Ueberbrückung des Thales überschritten. Hier begann ein ganz passabler Fußweg, welcher sich durch eine enge Thalschlucht in vielfachen Windungen nicht allzusteil aufwärts zieht. Maximilian machte den Freiherrn auf die Soolenleitung aufmerksam, welche längs des Weges aufwärts bis zum Rudolphs thurm führt.

Der Weg ist wirklich nicht übel," sagte der alte Herr,er wäre aber eben so gut zu reiten, und ich begreife nicht, weßhalb auf der Mühle nicht einige Esel gehalten werden, um zu diesem Zwecke zu dienen. Ich glaube gewiß, die kleine Spekulation würde sich gut renttren."

Der Berggeist könnte das ja besorgen," setzte Mathilde hinzu und sah den Grafen lachend an meinen Sie nicht?"

Gewiß nicht," antwortete dieser,der Berggeist wird etwa den lebhaften Wunsch einer so liebenswür digen Dame erfüllen eine solche gemeine Specu- lation würde er aber in keinem Falle unternehmen."

Ich glaube weder das eine noch das andere," setzte Mathilde hinzu;wäre der Berggeist so galant, wie Sie glauben, so müßte er meinen Wunsch, der ihm nicht unbekannt sein kann, jetzt schon erfüllt haben, ohne zu erwarte», daß ich ihn förmlich ausspreche."

Mathilde hörte Lärmen hinter sich, sie drehte sich um da stand plötzlich ein prächtiges Maul­thier mit bequemem Damensattel hinter ihr, und ihm zur Seite ein stattlicher Führer.

Sieh' da," sagte der Graf,der Berggeist ver steht zu leben!"

Ich glaube, der hilfreiche Geist hat die Gestalt eine- jungen Herrn angenommen," erwiderte Mathilde von unangenehmer Ueberraschung tief erröthend, wüh rend Ernst sich vor Verdruß in die Lippen biß.Zch werde aber künftig Ihre freundlichen Dienstleistungen," fuhr jene fort,nur mit einer gewissen Scheu an-

die Frage der Menschlichkeit von der der militärischen Pflicht und dem Interesse deS Vaterlandes getrennt werden müsse, es zu bedauern ist, daß die nämlichen Gesinnungen nicht die Oberhand behielten, als acht Tage später der General-Obercoaimandant nach dem Expose, welches er dem Vertheidigungsrath über die Lage des Platzes machte, und nachdem er die Mei- nuug eines jeden der Mitglieder angehört, in förm­lichem Widerspruche mit dein Reglement den Antrag stellte, wegen der Uebergabe des Platzes, in Anbetracht der Unmöglichkeit, den Widerstand mit Erfolg bis aufs Aeußerste zu treiben, in Unterhandlung zu treten; in Erwägung, daß zu dieser Zeit die Breschen an den Bastionen 11 und 12 »licht benutzbar und diese außer- dem von einem sehr breiten, sehr tiefen, mit Wasser angefüllten Graben vcrtheidigt warm; daß sie durch noch unbeschädigte und ebenfalls durch mit Wasser angefüllte Gräben beschützte Contre-Gardes gedeckt und vertheidigt waren; daß in Folge dessen der Ober- Comrnandant gegen die Vorschriften deS Artikels 254 de« DccretS vom 13. Oktober 1863 gehandelt hat, welcher die Kapitulation erst zuläßt, wenn der Platz einen oder mehrere Stürme ausgehalten hat; daß er vor der Uebergabe nicht den Befehl gab, die Fahnen einzuäschern, und sich in dieser Beziehung auf die An­sichten der Corpsführer verlassen hat, daß er die Ka­nonen nicht vernageln, die Munitionen, die Waffen nicht vernichten, daS Pulver nicht unter Wasser setzen ließ, welche Gegenstände vom Feinde bei den späteren Belagerungsoperationen benutzt wurden; daß er Un recht hatte, für die Garnison nicht die kriegerischen Ehren zu verlangen, und nicht zu stipuliren, daß die Offiziere ihre Degen und die Offiziere und Soldaten ihr Privateigenthum behielten; daß er tadelnswerth ist, diese Ausnahmen nur für die Offiziere zugelassen zu haben, welche in ihre Heimath zurückkehrten, nach­dem sie die Ehrenvcrpflichtung eingegangen, während deS Krieges nicht mehr gegen den Feind zu dienen kann der Rath ihn nicht streng genug tadeln, daß er selbst diese Ausnahmen unter dem scheinbaren Vorwand benutzt hat, sich nach Tours zu begeben, um dort die Vorschläge zu unterstützen, welche er zu Gunsten der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Garnison von Straßburg gemacht hatte, Vorschläge, welche nicht weniger Werth gehabt hätten, wenn er sie aus den Gefängnissen des Feindes, wo er das Schicksal seiner Soldaten getheilt haben würde, abgesandt hätte. Der Präsident des Kriegsrathes: Baraguay d'Hilliers."

Versailles, 25. Mai. Die Nationalversamm­lung nahm in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzvor schlag Goulards, betr. die Abänderung des Gesetzes über die Stempelgcbühr für ausländische Börsenwerthe, an. Dasselbe bestimmt eine Stempelgebühr von 75 Centimes für Werlhe bis zu 500 Frcs., vou 1 Frcs. 50 Ct. für Werthe von 500 bis 1000 Frcs. nnd von 1 Frc. 50 Ct. für jedes weitere 1000 Frcs. oder einen Theil dieser Summe. Das über die Communisten Serister und Boudin gesprochene Todes- urtheil ist heute Morgen auf der Ebene von Sa

nehmen, und stets eine plötzliche Verwandlung be­fürchten."

Diese Furcht ist ganz unnöthig, gnädiges Fräu­lein," unterbrach sie Maximilian, indem er ihr be­hilflich war, das Thier zu besteigen:betrachten Sie mich nur stets als Ihren ergebenen und bereitwilligen Diener, das werde ich unwandelbar sein!"

Was das betrifft," fiel Ernst, dessen üble Laune in stetem Zunehmen begriffen war, ein:so erlauben Sie mir wohl, Herr Graf, daß ich mit Ihnen in die Schranken trete."

Das wird wohl mehr auf das Fräulein ankom men, als auf mich," erwiderte Maximilian.

Oder vielmehr auf die Bereitwilligkeit und Ge fchicklichkeit des Berggeistes", setzte Mathilde hinzu, meine Wünsche zu errathen und zu erfüllen. Glaube mir," lieber Vetter! es hätte mich auch von Dir ge­freut, wenn Du auf diese zuvorkommende Weise für meine Bequemlichkeit und mein Vergnügen gesorgt hättest."

So freundliche Blicke, wie sie dem Grafen zu Theil wurden", erwiderte der Rittmeister pikirt,hätte ich wohl vergebens als Dank zu erwarten."

Wer für eine Gefälligkeit Dank erwartet", ant­wortete Mathilde in gleichem Tone,der verdient ihn nicht."

Ei, ei! ihr Kinder!" rief der alte Freiherr, wel­cher einige Schritte hinter den jungen Leuten drein ging, und dem diese Wendung des Gespräches sichtlich sehr unangenehm war:Ihr habt Unrecht, den schönen Einfall unseres werthen Freundes zu einem so uner­quicklichen Wortgefechte zu benutzen. Für dieses Mal, lieber Sohn, bist Du aus dem Felde geschlagen und oon Deinem Gegner besiegt. Es mag Dir dieser Vorfall für die Folge als eine Warnung dienen, und eine Aufforderung, umsichtiger zu fein. Mathilde hat deutlich genug zu verstehen gegeben, wie angenehm es ihr wäre, wieder einmal reiten zu können; erst gestern sprach sie davon, und somit war eS eine ganz ge wöhnliche Aufmerksamkeit, sich dieses zu merken und

tory vollstreckt worden. Dieselben starben unter dem Rufe:Es lebe die Commune!" Thiers wird sich heute nach Paris begeben und dem Grafen Arnim einen Besuch abstattm.

Großbritannien.

London, 25. Mai. Ter bei HasliitgS auf den Grund gerathene Dampfer des norddeutschen Lloyd Baltimore" befindet sich auf ebenem Kiel in so günstiger Lage, daß bei guter Witterung Aussicht auf Rettung des Schiffes vorhanden ist. Die Ladung ist muthmaßlich schwer beschädigt, da daS Schiff voll Wasser ist. Die Passagiere sind mit ihren sämmtlichen Effecten in Hastings gut untergebracht. Man ver- muthet, daß der vorgestern in Southampton beschädigt eingelaufene spanische DampferLorenzo", welch« sich auf der Fahrt von Norwegen nach Bilbao befand, das Ereigniß herbeigeführt hat.

Zlnlik».

Rom, 25. Mai. Die Deputirtenkammer hat alle Artikel deS definitiven Etats für das Ministerium des Innern angenommen; eben so der Ausschuß ber Kammer den Gesetzentwurf, betr. die Ponteba Bahn. DieAgenzia Slesani" meldet, daß der Senator Graf Cambray-Digny nach Wien entsendet ist, um wegen Trennung des italienisch-österreichischen Süd- bahnnetzcs zu verhandeln.

Spamm.

Madrid, 25. Mai. Serrano hat die Bildung eines neuen Ministeriums übernommen; da er aber die baskischen Provinzen nicht verlassen kann, bevor die Ordnung wieder hergestellt ist, so hat er die Neu­bildung Topete übertragen. Die neue Ministerliste verzeichnet Topete für den Vorsitz (interimistisch), Ma­rine und Krieg, Augusto Ulloa für auswärtige An­gelegenheiten , Groizard Justiz, Elbuayen Finanzen, Balaguer öffentliche Arbeiten, Ayala Colonien, Candan Inneres. Man glaubt, die Minister werden heute Abend den Eid leisten.

St. Sebastian, 25. Mai. Serrano hat heute zu Bilbao die Meldung von der Unterwerfung aller in der Provinz befindlichen Insurgenten, welche ihre Waffen ablieferten, empfangen. Die von Carasa be­fehligte Bande, welche in Navarra allein übrig bleibt, ist von den Truppen des Generals Marionez einge- schlossen.

Türkei.

Konstantinopel, 25. Mai. Beim feierlichen Hochamte, welches der neuernannte Exarch vor einer zahlreichen Versammlung bulgarischer Kirchengenossen cdebrirte, sprach derselbe in der Liturgie, ohne den Namen des Patriarchen irgendwie zu erwähnen, nur vom orthodoxen Episkopat. Nach Abhaltung des Hoch­amtes verlas der Archimandrit ein Schriftstück, wel­ches die Unabhängigkeit der bulgarischen Kirche pro- clamirt.

Amerika.

Washington, 25. Mai. Das neue Amnestie­gesetz, welches die Unterschrift des Präsidenten erhaben hat, schließt von seinen Wohlthaten auS: den ehe-

einen Führer mit einem Maulthier hierher zu be­stellen."

Sie haben recht, lieber Oheim", fiel ihm Ma­thilde in die Rede, da sie seine Absicht merkte, die ihr erzeigte Gefälligkeit als ganz unbedeutend hiiizustellen: es war dieses eine gewöhnliche Aufmerksamkeit, doch zwingt mich die Absicht, welche derselben zu Grunde liegt, und die Art und Weise der Ausführung, sie recht hoch anzuschlagen."

Ich hielt Mathilden's Aeußerung für eine Grille," sagte Ernst immer gereizter werdend:und wurde in dieser Ansicht bestärkt, da sie den von mir besorgten Sessel ablehnte, ihr Ahnungsvermögen ließ ihr wohl mit ziemlicher Gewißheit die gewünschte Aus­hilfe erwarten!"

Der Freiherr wollte mit aller Gewalt diesen seinen Absichten so hinderlichen Wortkampf enden, und rief deßhalb:

Da seht einmal! Hier ist eine Tafel in den Fel­sen eingemauert, lastet uns die Inschrift lesen: Hir hat gerast der hochlöbl.. Kunig Maximilian, als er gangen ist, die Falsperg zu besehen, den 5ten Tag Januarii Anno 1504." Man hat da eine Bank errichtet, und mit einem Dache zum Schutze vor un­günstiger Witterung versehen, wahrscheinlich in der Erwartung, der König werde noch öfter kommen, was aber nicht der Fall war. Wenn es Euch recht ist, wollen wir hier eine Viertelstunde auSruhen. denn bet Weg ist doch sehr steil, heißt das für Leute von einem gewissen Alter."

Die Gesellschaft war ein wenig verstimmt bald jedoch gelang es dem Grafen Maximilian, einen an­deren Gegenstand der Unterhaltung aufzufinden, indem er erzählte, wie der Kaiser Albrecht im Jahr 1299 den sogenannten RubolphSthurm, bas Ziel ihrer heu- tigen Wanderung, habe erbauen lassen, um die Salz­werke zu beschützen, nach denen die Salzburger Bi­schöfe stets lüstern gewefen, und die sie, da alle an­dere Wege nicht zum Ziele führten, mehrmals mit ge* waffn.ter Hand zu erobern gesucht. (Fortsetzung folgt-)