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Marburg, Sonnabend, den 25. Mai.

Mr 120

1872

Oberhessislhe;jcihiit(|

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bei Oberhefstscheu Zeitung mit «retsblatt durch die «rvedition tSock's», Buchdruäerer) bezogen 221 Lar., durch die Postämter 27 Tgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland erd. Stemvel 22 Lar

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Der Wahrheit

zu dienen, haben wir uns als die erste Aufgabe ge­stellt, welche jedem rechtschaffenen politischen Blatte zukomml, wenn wir auch unseren Lesern bei diesen Grundsätzen manche pikante Geschichte nicht erzählen können eben weil sie unwahr und gelogen ist. Leider ist das nicht der Grundsatz mancher akldercn Zeitung, die um dieses oder jenes VortheilS willen zusammenlügt, waS ihr eben in die Hand kommt. Heute wollen wir noch einen anderen Grundsatz mit- theilen. Wir müsien zuweilen diese oder jene uns zur Aufnahme in die Zeitung zukommende Mittheilung zurückweisen, weil dieselbe einen persönlichen und mit­unter gehässigen Charakter hat. Dies ist aber gegen die Ehre einer anständigen Zeitung, wenn sie sich zu annonymen Denunciationen mißbrauchen läßt wie daS leider eben auch andere Zeitungen thun. Wenn wir eine Mittheilung aufnehmen, so vertreten wir ihren Inhalt, vielleicht kommt die Zeit, wo jeder Zeitungsarlikel den Namen seines Verfassers an der Snrn trägt und es würde damit vielem Unfuge ein Ende gemacht und die Leser von mancher Täuschung bewahrt bleiben. Weil wir aber den Inhalt vertreten, so bewahren wir auch volle Diskretion über den Na men deS Einsenders und veröffentlichen denselben nur mit seiner Zustimmung. Auch hierin thun manche Zeitungen das Gegenlheil. Wir werden diese Grund­sätze beibehalten, aber unser Streben darauf richten, daß, soweit es an uns ist, die Zeitungsschreiber ihre Maske fallen lasten müssen.

Deutsches Keich.

.. Berlin, 23. Mai. Wie man in parlamen­tarischen Kreisen erzählt, finden bereits zwischen her­vorragenden Mitglieder» beider Häuser des Landtages und der Staatsregierung vertrauliche Unterhandlungen behufs einer Vertagung derselben statt. Die Regie­rung erachtet, wie schon bemerkt, die Ausführung dieses Projektes für sehr schwierig, verkennt indessen nicht die mannigfachen Gründe, welche sich zu seinen Gunsten ansühren lassen. ES heißt, daß Präsident Forckenbeck in nächster Zeit da« Abgeordnetenhaus für mehrere Tage zusammenrufen will und ist anzunehmen, daß die Regierung bis dahin dieser Angelegenheit gegenüber schlüssig sein wird. Die konservative Partei des Reichstages hat sich bekanntlich ans Grund eines

Novelle von Heinrich Hensler.

(Fortsetzung.)

3.

In dem alterthümlichen Schlosse des Freiherrn v. RothenfelS wurden die großartigsten Vorbereitungen zur glänzenden Feier der Vermählung getroffen. Eine prachtvolle Ehrenpforte war an dem Hauptportal des Schlosses errichtet, alle Gänge, Thüren und Fenster des weitläuftigen Gebäudes waren mit Gewinden von Laubwerk und Blumen verziert, auf einem nahen Hügel standen einige Böller, um das Fest durch Ge­schützdonner zu verherrlichen; Über der Ehrenpforte war eine Tribüne, auf welcher eine zahlreiche Musik­bande stand, um die ankommenden Gäste mit rau­schenden Fanfaren zu bewillkommen, und allenthalben sah man Arbeiter mit Vorbereitungen zu einem Ball beschäftigt, während die Diener in glänzender Livree geschäftig hin und her eilten, theilS für die Unter­bringung der Gäste sorgend, theilS eine große Tafel zu dem bevorstehenden Souper herrichtend und den Ballsaal ausschmückend.

Mathilde, die jugendlich schöne Nichte und Münd-l des Freiherrn Eduard v. Rothenfels, sollte mit dessen Sohn, dem Rittmeister Ernst v. RothenfelS, vermahlt werden, darum diese verschwenderischen Anstalten M einem Fest, zu dessen Verherrlichung der umher wohnende Adel und viele ausgezeichnete Gäste aus der Uahen Stadt eingeladen waren.

Die Braut saß in ihrem Zimmer sie war noch "icht festlich gekleidet, aber auch ihr Gesicht sah nich s wrniger als festlich au» ihre Wangen waren bleich, chre Augen roth verweint. So saß sie auf dem Sopha, während in dem Nebenzimmer die Zofe mit der aus- ^suchtesten glänzenden und überreichen Toilette der Gebieterin harrte, um sie zu ihrem Ehrentage zu schmücken.

Der alte Freiherr trat jetzt herein, schloß die beiden

neuen Programmes consolidirt, welches wahrscheinlich . binnen kurzer Frist der Oeffentlichkeit Übergeben wer- : den wird. Die Partei nennt sich monarchisch-national.

So viel von dem Programm verlautet, betont es nach­drücklich. daß die konservative Partei mit der Regie­rung Hand in Hand gehen und in der Voraussetzung gegenseitigen Vertrauens handeln muffe. Als wesent l'che Bürgschaften einer gedeihlichen nationalen Ent Wicklung wird ein starkes Kaiserthum und die Konso­lidation des im Bundesralhe vertretenen deutschen Fürstenthums bezeichnet, im Gegensatz zu den auf einen eentralistischen Einheitsstaat und ein parlamen­tarisches Regime gerichteten Bestrebungen. In Bezug auf die finanzielle Selbständigkeit des Reiches hat die Partei die indirekten Steuern ins Auge gefaßt. Es wird die Nolhwendigkeit einer Reform hervorgehoben, um eine gleichmäßigere Verthcilung der Steuerlasten herbeizuführen und die Nachtheile zu beseitigen, welche bisher vorzüglich den Grundbesitz, die landwirthschaft- lichen Gewerbe und die produktive Arbeit betroffen. Das Programm erklärt sich weiter gegen alle diejeni­gen socialen Tendenzen, welche auf eine Zerstörung ber gegenwärtigen Grundlagen von Gesellschaft und Staat hinarbeiten. Bezüglich der kirchlichen Frage wird die Trennung von Staat und Kirche zurückge­wiesen und nur eine Regelung des Grenzgebietes zwischen Beiden in Aussicht genommen. Um der evan gelischen Kirche Preußens die Selbständigkeit zu geben, soll eine höchste, der Ausdehnung auf das gesammte Reich fähige Instanz geschaffen werden und die Selbst­verwaltung der Kirche in föderativem Sinne angebahnt werden. DieGermania" lobt die Ausführungen derProvinzial - Correspondenz" wegen ihrer Ob­jektivität und meint, die Rede des Abgeordneten Wagner sei nur deßhalb von derselben reprodueirt, weil Herr Wagner nur dasSprachrohr" des Reichskanzlers gewesen sei. Dem gegenüber ist zu bemerken, daß der Antrag des Herrn Wagner bekanntlich mit überwie­gender Majorität angenommen ist, feine Rede also in­sofern eine Motivirung und Erläuterung deS Reichs­tagsschlusses selbst ist. Daß dieser durchaus zu dem zwei Tage früher vom Reichskanzler entwickelten Pro­gramm stimmt, ist allerdings richtig und insoweit wer­den auch gewiß die Ausführungen Wagners mit den Anschauungen des Reichskanzlers hannoniren. Wenn dieGermania" selbst objektiv sein will, wird sie sehr

Thüren, welche in das Zimmer der Braut führten, geräuschlos ab, stellte einen Sessel vor die diesem Be­ginnen gleichgiltig zusehende Jungfrau, setzte sich und begann mit großer Ruhe und unterdrückter Stimme:

Es scheint, Dein Entschluß habe Dich wieder gereut, liebe Nichte?"

Mathilde antwortete nicht, und der Freiherr wieder­holte deßhalb nach einigen Minuten diese Frage.

Nie wird mich mein Entschluß reuen", antwor­tete jetzt das Mädchen, zitternd wie es schien vor in­nerer Aufregung.

Weßhalb zögerst Du.so lange, Toilette zu machen?" fragte der Frecher weiter.

Gerade weil mein Entschluß feststeht", antwortete Jene.Sie kennen meinen Entschluß, Oheim, und es kann Ihnen keinen Nutze» bringen, mein endliches Stillschweigen al« Nachgiebigkeit und als Ausdruck meines veränderten Willens anzusehen."

Wäre es so", fuhr der Freiherr fort,so war es unrecht von Dir, durch beharrliches Schweigen uns in dem Wahne zu lassen, daß Du Deinen hartnäckigen, kindischen und durchaus ungerechtfertigten Widerstand aufgegeben habest."

Vielmehr war es unrecht von Ihnen", erwiderte Mathilde mit erhobener Stimme, indem ihre Wangen sich rötheten,nachdem ich so oft und so entschieden meine Abneigung gegen diese Verbindung ausgesprochen hatte, mein endliches Stillschweigen in dieser Wcise auszulegen, und nicht ein deutlichesJa" von mir zu »errangen. Ich war zuletzt das vielfache laute Pro- teftiren müde, und froh, daß nichts mehr davon ge- i sprachen wurde, da ich überzeugt fein konnte, daß Sie nie daran denken würden, etwa» Weiteres in dieser i mich so nahe angehenden Angelegenheit vorzunehmen, ehe ich ausdrücklich meine volle Einwilligung ge- geben. Sie hofften aber, mich auf diese Weise zu Über­raschen und mir das gewaltsam abzuringen, waS ich seither mit allem Rechte und so beharrlich verweigerte. !

i bald begreifen, daß von einem andern Zusammenhänge ; beider keine Rede sein kann.

DieSpenersche Zeitung" hört, der UnterrichtS- ; Minister werbe in der nächsten Woche eine Reise an- 1 treten, um von dem Zustand der Lehrerseminare meh­rerer Provinzen persönlich Kenntniß zu nehmen. Seit der Zurückweisung des Cardinals Hohenlohe ist in der römischen Botschafts-Angelegenheit, wie die Magd. Zig." von angeblich bestunterrichteter Seite erfahren haben will, bisher nichts geschehen, als daß Hr. v. Derenthall, der deutsche Geschäftsträger in Rom, den Auftrug erhielt, dem Cardinal Antonelli mitzlitheilen, daß nunmehr die Besetzung des Postens sich verzögern könne, da die Auffindung einer andern, dem Kaiser geeignet scheinenden Persönlichkeit sehr schwierig sei. Der Kronprinz von Italien mit Ge­mahlin wird während seines Aufenthalts am hiesigen Hofe im Orangeriegebäude zu Potsdam Wohnung nehmen. Auch der Kaiser von Brasilien wird unter den Pathen der jüngstgeborenen Tochter des Kron­prinzen genannt. - Zum Generalinspector des neu- errichieten Eisenbahnbataillons ist der Chef des Ge­neralstabs der Armee, Graf Moltke ernannt.

Die Konferenz, welche von dem Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten zur Beralhung über wichtige Fragen des Volksschulwesens beabsichtigt ist, wirbln der ersten Hälfte des Juni stattfinden. Außer den Lchulräthen der verschiedenen Provinzen, Seminar- Direktoren u s. w. sollen noch andere Personen, ins­besondere auch Abgeordnete der verschiedensten Rich­tungen, eingeladen werben. Die Konferenz wird frei­lich, damit die Verhandlungen nicht zu schwerfällig werden, die Zahl von einigen zwanzig Personen nicht überschreiten können. Sie beschränkt sich selbstverständ­lich nicht auf eine Confession, vielmehr werden auch katholische Mitglieder daran theilnehmen. AIS Haupt­fragen dürsten besonders zwei auftreten: einmal die Untersuchung, inwieweit die Grundsätze der sogenannten ^Regulative" einer Abänderung bedürfen, und dann die umfaflendere -Frage, wohin überhaupt die An­schauungen in Betreff des künftigen VolksunterrichlS- gesetzeS gehen. Die Konferenz wird also ein orienti- renber Schritt für bie Arbeiten zum Unterrichtsgesetz sein.

Nach ber letzten Notiz über die Ausprägung von Reichs-Goldmünzen waren bis zum 4. Mai d. I. in den Münzstätten des Deutschen Reiches in Zwan'zig- Deßhalb wurden alle diese Anstalten so heimlich ge­troffen und Alles auf diese Weise vorbereitet, um mir den Rücktritt gewissermaßen unmöglich zu machen, weil man glaubte, ich würde vor dem Eclat zurück- schrecken, den meine fernere Weigerung nolhwendig nach sich ziehen muß, es ist aber nicht an dem, '4 lasse mich weder so, noch auf irgend eine andere Weise zwingen"

Ruhig, liebe Nichte, ruhig!" unterbrach der Frei­herr die Jungfrau.Ereifere Dich nicht so höre mich an und thue dann, was Du willst, ober viel­mehr, was Du vor Gott und der Welt verantworten zu können glaubst. WaS mir in dem vorliegenden Falle zu thun obliegt, daS schreiben mir die Gesetze der Ehre und meine Pflicht alS Dein gerichtlich be- stellter und beeidigter Vormund unabänderlich vor. Ich habe geglaubt und erwartet, Du würdest Deinem Oheim und Vormund so viel Zutrauen schenken, um ohne weitere Prüfung ober ohne Beweise meiner Ver­sicherung zu glauben. Da bieses ber Fall nicht zu sein scheint, so sehe ich mich zu förmlichen Beweisen genöthigt. Ich betrachte Maximilian als die einzige Ursache Deiner Weigerung, in die Verbindung mit meinem Sohn einzuwilligen; hätte ich noch Zweifel deßhalb, so würde Dein Erröthen in diesem Augen­blick und Dein verlegenes Stillweigen mir Gewißheit geben. Ich hätte Dir gerne den Grund verschwiegen, weßhalb eine Verbindung zwischen Dir und Maxi­milian unmöglich ist. Es thut mir in Wahrheit leid, Dich mit einem Worte aus Deinem geträumten Him­mel stoßen zu müssen, die Nolhwendigkeit erheischt es jedoch gebieterisch, und die eingetretenen Verhält­nisse gestatten keinen Aufschub. Hier lese I" (Forts, f.) Die Ps-lze» ttnü di^nh chatten der Karolinger.

(Schluß.)

Doch wir verlaffen das kaiserliche, thurmreiche Aachen und die grünen Wiesen von Burtscheid; einen