Mr. 113
Marburg, Donnerstag, den 16. Mai.
1872
Oderhessische Zeitung
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Deutsches Keich.
•# Berlin, 15. Mai. Vorgestern hat der Kaiser eine Deputation empfangen, welche ihm eine Einladung zur Säcularfeier der Vereinigung Westpreu- ßens mit der Monarchie überbrachten, und hat derselben feinen Besuch zugesagt. Im Anschluß an die zu Marienburg stattfindenden Festlichkciten beabsichtigt man, im Nctze-Distrikte, speziell zu Bromberg, eine besondere Feier zu veranstalten, und ist auch hierzu eine Einladung an Se. Maj. ergangen. — Von allen Seiten wird jetzt bestätigt, daß im Befinden des Für sten Bismarck eine Besserung eingetreten ist und hat derselbe auch bereits wieder an den parlamcntarisäen Verhandlungen Theil genommen. Unter diesen Umständen steht zu erwarten, daß der Fürst nach den Pfingstseiertagen wieder nach Berlin zurückkehrcn und seine Geschäfte weiterführen wird. — Die „Nordd. Allg Ztg." brachte gestern die Antwort des Kardinals Antonelli auf die Anfrage wegen der Ernennung des Kardinals Hohenlohe zum deutschen Botschafter. Es zeigt sich, daß nicht nur die Sache selbst eine arge Verletzung des deutschen Kaisers involvirt, sondern daß die Kurie eS auch für wohlbefunden hat, derselben eine Form zu geben, wie sie kaum beleidigender für das Oberhaupt deS deutschen Reiches gedacht werden kann. DaS Antwortschreiben Antonelli'S ist abweichend von allem diplomatischen Brauche in einer so trockenen, geschäftsmäßigen Weise gehalten, daß es nicht schwer ist, die Absicht herauszufühlen. Es ist dies um so wundersamer, als eS bekannt ist, daß Anfangs der Vatican in großen Sorgen war, ob überhaupt das deutsche Reich ferner sich beim heiligen Stuhle werde vertreten lasten. Jedenfalls kann der Bruch zwischen Staat und Kirche nicht augenfälliger dargelegt werden, als es durch die Veröffentlichung jenes Schreiben« geschehen ist. Der Staat hat das Scinige gethan, um den confesstonellen Frieden zu
erhalten; rö kann nicht länger zweifelhaft sein, wer danach strebt, ihn zu stören. — Wie man erfährt, hat Frankreich allerdings den Wunsch ausgesprochen, möglichst bald eine Vollzahlung der Kriegsschuld eintreten zu lasten. Unrichtig ist es indessen, daß auch bereits eine diesbezügliche Kundgebung des deutschen Reiches erfolgt sei. Der deutsche Botschafter war bis jetzt in keiner Weise ermächtigt, Erklärungen abzugeben und hotte nur die französischerseitS gemachten Eröffnungen ad referendum zu nehmen. — Bekanntlich war das Decernat über Kunstangelegenheiten in den letzten Zeiten des Ministers v. Mühler an drei Rähe des CultuS- ministeriums, v. Wussow, Lucanno und Consistorial- ralh v. Unruh vertheilt worden. Diese Maßregel hatte bis in die höchsten Kreise Veranlassung zu einer scharfen Kritik gegeben, da man den Geheimerath Pinder durch eine künstlerische Autorität zu ersetzen wünschte. Der neue Cultusminister hatte gleich nach seinem Amtsantritt beschlossen, diese Angelegenheit auf eine angemessene Weise zu ordnen; sie verzögerte sich indessen, da sich mehrfach angeknüpfte Verhandlungen über die Besetzung dieses Postens zerschlugen. Es ist nun in Uebereinstimmung mit dem Kronprinzen und seinem Adlatus, dem Grafen Usedom, Prof. Eggers in's Cultusministerium berufen worden, und zwar für's erste als Hülfsarbeiter. Die einzige Rathsstclle, welche dort gegenwärtig vacant ist, ist durch den Tod des Geh. Raths Ulrich erledigt; dieselbe beabsichtigt man jedoch mit einem Katholiken zu besetzen. Wenn auch die katholische Abtheilung deS CultuSministeriums aufgehoben ist, so sollte damit dennoch nicht ausgeschlossen sein, daß auch ferner der Minister den Ra>h katholischer Beamter einhole. An Stelle des Geh. Raths Ulrich ist nun der frühere Kreisgerichtsdirektor Günther zu BenSburg getreten. Außerdem sind noch zwei Assessoren als Hülfsarbeiter in das Ministerium berufen. — Tie Kommission für mitteleuropäische Gradmestung unter der Leitung de« GenerallieutenantS Dr. Bayer wird in diesem Jahre ihre Arbeiten in den Regierungsbezirken Coblenz, Cöln, Trier, Aachen und Wiesbaden vornehmen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht, wie schon mitgetheilt, den offiziellen Schriftwechsel mit der Kurie
Ta«sch«»ge».
Ein« Erzählung aus dem Leben von G. F.
(Fottsetzung.)
All ihr Interesse am Leben war wieder erwacht, sät sie seinen Pflichten getreulich nachkam. Es fehlte ihr nur noch die Wiederkehr der Liebe ihres Gatten, um den Becher ihres irdischen Glückes zu füllen, — äneS Glücks, das inniger, dauernder und vernünftiger war, als eS ihr bewegtes Leben vordem in der großen Welt gewährt hatte. — Und während sie nun den Schlummer ihrer Klänen bewachte, gedachte sie, wie sie seither schon oft gethan, der Fehler und Vergehen, welche die allweise Vorsehung so streng an ihr geahndet hatte. Ihre Eitelkeit und Hattnäckigkeit, chren Stolz und Trotz sah sie nun in so grellem Lichte, daß sie unwillkürlich mit der Hand über die Augen fuhr, als könnte sie sich ihrer dadurch erwehren. Da schallten Fußtrtte durch das Zimmer, u»d ausblickend gewahrte sie den Toctor, der sie forschend an schaute. Als ihre Blicke sich begegneten, nahmen seine Züge einen gleichgültigeren Ausdruck an; aber sie wähnte bemerkt zu haben, daß er sie mit einigem Mitgefühl angesehen.
„Frau Hahn," begann HermeS, „ich weiß nicht, ob Ihnen mäne Tante schon gesagt hat, daß wir nächste Woche nach der Residenz zurückkehren »erben. Wissen Sie eS schon?"
„Rän, noch nicht," stammelte sie und schlug di« Bugen nieder vor seinem forschenden Blick.
„Vielleicht würden Sie lieber hier bleiben in der Nähe der Ihrigen?" fuhr er halb verlegen fort.
„O nicht doch," gab sie zur Antwort; „ich habe keine Verwandten mehr, die mich .... oder vielmehr .... ich meine, ich hänge so sehr an den Kin dern, daß ich ihnen gern bis au's Ende der Welt folgen würde!" . . . setzte sie stotternd hinzu.
„Haben Sie schon etwas von der Geschichte meines Ehestandes gehört, Frau Hahn?" fragte er nach einer kurzen Pause weiter. »
„Allerdings, Herr Dottor; Einige- .... und ich ... ." Abermals folgte eine Pause und sie wandte
sich zum Fenster, um die glühende Röthe ihrer Wangen zu verbergen.
„Es wäre mir lieb, wenn Sie sich zu mir setzten, Frau Hahn, und meine Geschichte einmal aus meinem Munde hörten," sagte er endlich. „Es wäre mir lieb zu erfahren, ob sie mit derjenigen übereinstimmt, welche Sie gehört haben!"
„Ich kenne den ganzen Hergang, Herr Doctor!" sagte sie, sich »sidersetzend. „Es muß eine peinliche Erinnerung für Sie sein, die ich nicht gerne wieder in Ihnen auffrischen möchte!"
„Je nun," meinte er, „deS Auffrischens und Wach- rufen« bedarf es hier nicht, beim sie ist mir immer gegenwärtig. Wollen Sie mir einmal erzählen, was Sie über mein eheliches Leben gehört haben! — Es genährt mir einige Erleichterung, mit Ihnen darüber zu sprechen, da ich Sie in der kurzen Zeit unseres Zusammenlebens sehr hoch schätzen gelernt habe!"
„Soviel ich hörte," Hub sie an, und ihr Herz pochte laut, obwohl sie ihren ganzen Mulh aufbot— »war Ihre Gattin jung, verzogen, launisch und eitel; sie studirte Ihr Glück nicht, wie sie es hätte rhun sollen; Sie wurden kalt gegen sie, und sie glaubte entdeckt zu haben, daß Sie sie nicht in solch hohem Grade liebten, wie Sie — eine Andere liebten..." Der Doktor fuhr überrascht auf, aber Frau Hahn fuhr fort: „sie wurde stolz, oder vielmehr ihr Stolz war gekränkt, und sie wurde sehr unglücklich; sie hätte gern alle ihre Fehler eingestanden und Sie fußfällig um die Wiederkehr Ihrer Liebe gebeten, wenn sie nicht gefühlt hätte, daß Sie sie hintergangen hatten, und so wurde das Verhältniß immer schwieriger, bis e« endlich mit einer Trennung endete!"
„Sie haben nicht Alles erzählt; wollen Sie mich die Geschichte zu Ende bringen lasten!" entgegnete Hermes.
„Gewiß, Herr Doctor!"
„Nun denn! Ich betete meine Frau an. Meine Liebe zn Helene Schwab war so ruhig und uneigen- nützig, wie die eines Bruders; allein als Jahr nm Zahr verging und meine Frau immer rücksichtsloser
in der Hohenlohe'schen Angelegenheit; das Schreiben des diesseitigen Geschäftsträgers an Kardinal Antonelli lautet. „Rom, den 1. Mai 1872. Monseigneur! Durch mein Schreiben vom 25. April habe ich die Ehre gehabt, Eure Eminenz davon in Kenntniß zu setzen, daß Seine Majestät der Kaiser und König, mein erhabener Herr, den Herrn Kardinal Fürsten Hohenlohe zum Botschafter des deutschen Reichs bei dem heiligen Stuhl zu ernennen geruht haben. Meine Regieruyg beauftragt mich heute, Eure Eminenz zu ersuchen; daß sie nach Einholung der Befehle des heiligen Vaters mich benachrichtigen wollen, ob diese Wahl «Leiner Majestät des Kaisers und Königs Seiner Heiligkeit genehm sei. Genehmigen Sic u. s. w. Dcremhall." Hierauf erging die folgende Antwort: „Hochgeehrtester Herr! Ich hatte bis jetzt auf die Mittheilung Euer Hochwohlgeboren vom 25. vergan- genen Monats, mit welcher Sie mich über den von Seiner Majestät dem Kaiser und König, ihrem erhabenen Herrn, gefaßten Entschluß, den Herrn Kardinal Hohenlohe zum Botschafter des deutschen Reichs beim heiligen Stuhl zu ernennen, in Kenntniß setzen, keine Erwiderung gegeben, weil Sie mir in dieser Mitthei- lung zu erkennen gaben, daß sich die gedachte Eminenz in Kurzem nach Rom begeben würde um sich persönlich zu vergewissern, ob diese Ernennung dem Heiligen Vater genehm sei. Um nun dem in Ihrem gestrigen Schreiben ausgedrückten Wunsche zu entsprechen, habe ich eS mir angelegen sein lassen, darüber die Befehle des heiligen Vaters eiiizuholen und ich habe die Ehre, Euer Hochwohlgeboren zu eröffenen, daß, während Seine Heiligkeit für den Gedanken Seiner Majestät des Kaisers und Königs empfänglich ist, Sie doch bedauert, einen Kardinal der heiligen römischen Kirche, mich wegen der augenblicklichen Umstände deS heiligen «Stuhls, nicht autorisiren zu können zur Annahme eines so delicaten und wichtigen Amtes. Auch bei dieser Gelegenheit u. s. w. Rom, den 2. Mai 1872 Antonelli."
Rach dem „Reichs- und Staats-Anzeiger" ist die Etatsstärke des deutschen Heeres für 1873 folgende: I. Infanterie: Preußen 113 Garde- und Eimen - Infanterie - Regimenter (incL 5 Unteroffizier- unb unnachgiebiger gegen meine Wünsche wurde, beschwor ich die Erinnerung an die ruhigeren Gefühle und stilleren Genüsse, die mein Verhältniß zu Helenen mir einst bereitet, mit einigem Schmerz und Bedauern wieder herauf. In einer Nacht, wo meine Frau mich mit herben, bitteren Worten von sich gestoßen, ließ sie heimlich einen Mann in mein Hau», dessen Charakter ich verachttte — einen schlauen, intriguanten Modegecken, dessen Umgang ich meiner Frau verboten und dem ich es gewehrt hatte, meiner Frau Aufmerksamkeiten zu schenken. Ich weiß nicht, wie lange er bei 'hr war.... bitte, bleiben Sie und hören Sie mich ruhig zu Ende," setzte er hinzu, als Frau Hahn mit erblaßten Lippen ausstund und ihm in die Rede fallen wollte; — „von dieser Stunde an stählte ich mein Herz gegen sie, und Gott weiß es, welche Mühe und Sckmerz mir das kostete. — Derselbe Mann kam später einmal zu mir und bat mich um die Erlaubnjß, meine Frau in eine Abendgesellschaft abzuholen, wo sie beide bei einer theatralischen Vorstellung oder bei lebenden Bildern mitwirken sollten. Ich erwiderte ihm, daß ich Nichts dagegen habe; daß meine Frau "ach ihrem Belieben und Ermessen handeln könne; allein wenn sie gehe, mit ihm gehe, solle sie niemals wieder mein HauS betreten. Und sie ging . . . ."
_______________(Schluß folgt )
Für Hausfrauen
Unter den neueren Ersatzmitteln für Seife jc. nimmt die Waffcrgla« - Compofiiion unbedingt den ersten Rang ein. Ganz besonders geeignet ist dieselbe aber auch zum Putzen wozu man 1 Theil hiervon in 4-8 Theile warmem Wasser vorher auflöst, die zu putzenden Gegenstände mit einem Lappen oderS-bwamme bestreicht und nach einigen Minuten mit lauem Wasser wieder abwäscht. Lackirte Gegenstände wie Tbüren, Lampenen -c. werden auf diese Weise sehr rasch rein und ni*t angegriffen. Die Delfletfen in Stubenboden finb, auf dieselbe Weise mit warmer Auflösung eingerieben unb batb barauf mit warmem Wasser und Bürste abgerieben, gleid) entfemt. In Marburg ist dieses sehr zu empfehlende und für viele andere Fälle mit großem Vottheil zu verwendende Reinigungsmittel bei John Schneider in Weidenhaufen zu haben.