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1872

Marburg, Dienstag, den 14. Mai.

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so dürfte der Appell ein dieehrliebende Nation" durchaus gerechtfertigt fein.

Nach einer zuverlässigen Nachricht aus Marienburg liegt der erste Fall vor, daß der Sohn einer streng­gläubigen mennonitischen Familie aus Klein-Montau, welcher auf Grund seines Glaubensbekenntnisses die Ableistung des persönlichen Heeresdienstes in jeder Form ablehnt, zwangsweise nach Berlin geholt und dort beim Garde Train-Bataillon eingestellt worden ist. AlS er auch hier unter Berufung aus sein Glaubens- bekenniniß und auf sein Taufgelübde, welches von den Mennoniten zwischen dem 16. und 18. Jahre abgelegt wird, den Eintritt in das Heer verweigerte, wurde er zunächst zum Arrest gebracht und endlich zwangsweise eingckleidet. Die Eltern und die Mitglieder der nächstbetheiligten mennonitischen Gemeinde sind darüber in große Aufregung gerathen, zumal sie befürchten, daß der junge Mensch sich verleiten lassen könnte, sein bei der Taufe auf sein Glaubensbekenntniß geleistetes Gelübde durch Ableistung des Fahneneides zu brechen Der Eid wird bei den Mennoniten bekanntlich durch ein feierliches Ja ersetzt. Der Vorstand der betreffmden Mennonitengemeinde hat sich "deßhalb mit einem Gnadengesuch an den König gewendet.

Die Verluste der Südstaaten während deS letzten Krieges betragen nach demMilitärwochenblatt": 1. Baiern: Es fielen auf der Stelle 162 Offiziere, 1597 Mann, verwundet 561 Off., 10,598 M., gefangen 22 Off., 1083 M., vermißt 2 Off., 2363 M., zus. 747 Off., 15,641 M. Ihren Wunden erlagen 118 Off., 1169 M., von den Vermißten wurden nicht wieder aufgefunden, sind also wohl tobt, 2 Off , 777 M., zus. 120 Off., 1946 M., so daß die Gesammt- zahl an Tobten beträgt 282 Off., 3543 M. Von ben Verlusten kommen auf 1. CorpS 554 Off., 12,378 M., 2. Corps 179 Off., 2978 M., nicht im CorpS verbanbe stehenbe Truppen 14 Off., 285 M., zus. 747 Off., 15,641 M. An Pferben: 113 Offizier-, 1549 Dienstpferbe. 2. Würtemberg: Tobt 39 Off., 651 M. (incl. 16 Off. - Aspiranten),- verwunbet 82 Off., 1661 M. (incl. 22 Off.-Asp), vermißt 142 M., gefangen 1 Off. 91 M. (incl. 9 Off.-Asp.), zus. 122 Off., 2545 M. (incl. 47 Off.-Asp.). 3. Ba­ben: Tobt 31 Off., 413 M , verwundet 147 Off., 2584 M., gefangen 4 Off., 259 M, zus. 182 Off., 3256 M. Von den Verwundeten starben 13 Off., 310 M., so baß ber Gesammtverlust an Tobten be­trägt 44 Off., 723 M. Die sübbeutschen Contingente verloren sonach 1051 Offiziere, 21,442 Mann.

Bacharach, 12. Mai. Gestern Vormittag ist

trug, auch HermeS wegen seiner Strenge und Hebet» eilung schuldig zu finden. Aus Helenens aufrichtigen Mittheilungen ersah Malwine nun, baß die Hochach­tung, welche ihr Gatte für seine frühere Freundin noch an den Tag legte, keinen Vergleich auShielt mit der innigen, allumfaffenden Liebe, welche der Gatte in der ersten Zeit ihrer jungen Ehe an seine Lebens­gefährtin verschwendet hatte.

Helene ihrerseits wußte die totale Sinnesänderung zu würdigen, welche mit der leichtfertigen vergnü­gungssüchtigen Frau von Welt vor sich .gegangen sein mußte, um sie zu der Selbstaufopferung und Hingebung zu bestimmen, welche sie auszuübeu im Begriffe war; eine Hingebung, welche sie veranlaßte, lieber die gemeinen Dienste einer Magd zu versehen, als noch länger die Trennung von ihren Kindern zu ertragen. Sie gab ihr daher bereitwillig ein Empfeh­lungsschreiben an Frau Eller mit, worin sie sie in ben schmeichelhaftesten AuSbrücken bringend empfahl als eine Person aus guter Familie, die einst beffere Tage gesehen, und den Rath gab, sie lieber als Gou­vernante für beide Kinder anzunehmen und ihr die Abwartung derselben zu übertragen, damit sie die be- nöthigten Dienstboten unter ihrer Aufsicht habe. Sie bat Frau Eller, die Empfohlene doch wenigstens einst­weilen anzustellen, indem sie dadurch der heimathlosen Armen, über welche sie später weitere Auskunft geben werde, wirklich eine sehr große Wohlthat erweise.

Mau kam überein, Malwine solle den Namen Anna Hahn führen, und sie verließ Helenen mit Thränen deö heißesten Dankes und mit deren herz­lichsten Wünschen eines günstigen Erfolges.

Einige Tage später erreichte Malwine daS kleine Haus bei Waldstein bei Einbruch der Dämmerung

Deutsches Reich.

** Berlin, 12. Mai. Vorgestern fand eine Atzung des StaatSministeriumS unter dem Präsidium bet Fürsten Bismarck statt. Es ist diese Thatsache jedenfalls ein Beweis, daß man sich in Bezug auf den Sesundheitszustand des Reichskanzlers nicht allzugroßen öffürchtungen hinzugeben braucht, da derselbe noch mner seine lausenden Amtspflichten erfüllt. Was die ragesordnung der Sitzung anbelangt, so beschäftigte fich dieselbe, wie man hört, mit der Frage der Ver­keilung der KriegS-Contributionen. Bekanntlich hat der BundeSrath einen diesbezüglichen Antrag der süd­deutschen Staaten abgelehnt. Dieselben sind indessen jetzt mit neuen modifieirten Anträgen hervorgetretcn. Die radicale und die ultramontane Presse begegnen sich einmal wieder.Germania" undDemokratische Zeitung" sind entrüstet, daß die osfieiöse Presse bei Besprechung der Hohenlohc'schen Affaire die Person des Kaisers inS Spiel zögen; dieGermania" ist be- svnderS über einen Appell derNordd. Allgem. Ztg." «n dieehrliebende Nation" außer sich. Diese Zorn- «usbrüche werden indeffen schwerlich den Eindruck, »eichen die Regierung des Papstes überall gemacht, »erwischen können. Die deutsche Nation fühlt sich mit ihrem Oberhaupte eins. Daß aber das Verfahren der Curie eine Beleidigung des Kaisers und der deut­schen Regierung enthält, das weg zu demonstriren, ollte selbst der jesuitischen Casuistik schwer fallen. Der Kaiser konnte gewiß keinen größeren Beweis seiner Versöhnlichkeit und des Werthes geben, welchen er auf bie guten Beziehungen mit dem heiligen Vater legte, als wenn er alS seinen Vertreter ihm einen hohen Würbenträger ber katholischen Kirche, der bis­her immer als eine bem Papste angenehme Persönlich­keit gegolten hat, entsendete. Schon mancher Souverän hat sich selbst einen Gesandten gefallen lassen müssen, der ihm mißliebig war; denn eine solche Ablehnung pflegt nur in den alleräußersten Fällen zu erfolgen; dann aber erfordert die Höflichkeit, daß der Souverän m einem persönlichen Schreiben seinen ungewöhnlichen Schritt motivtre, falls ihm überhaupt an Frieden und Eintracht gelegen ist. Wie die Presse eS unter diesen Lmständeu ansangen soll, die Person deS Kaisers nicht m Mitleidenschaft zu ziehen, ist völlig unerfindlich und

sich gewiesen, wenn er die Rolle dessen hätte usurpiren wollen, der da sagt:die Rache ist mein ich will vergelten."

AIS sie die Gerüchte vernommen, welche über deS Doetors unglückliche Ehe und deren endliche Trennung im Umlauf waren, hatte sie sich insgeheim gesagt, es muffe auf beiden Seiten gefehlt worden fein, und den Wunsch gehegt, man möge ihr die Vermittler-Rolle übertragen. Sie hatte deshalb Malwinen in ihrem väterlichen Hause mehrmals ausgesucht, war aber mit dem Bescheide abgewiesen worden, daß Malwine kei­nerlei Besuche annehme.

Um so willkommener und unerwarteter war ihr die Gelegenheit,. welche die unglückliche Gattin und Mutter ihr nun selber bot. Sie hätte in der Be suchcrin Malwinen nicht erkannt, wenn diese sich ihr nicht zu erkennen gegeben hätte, so sehr entstellte diese die matronenhafte Frisur und der Contrast zwischen den schwarzen Augen und Brauen und dem hellbraunen Haar, sowie die tief eingesunkenen Augen und daS abgehärmte hagere Gesicht, sammt der heiseren rauhen Stimme, obwohl ihr der Schnitt des Gesicht» im Ganzen nicht unbekannt dünkte. Als sie aber wußte, wen sie unter dieser Vermummung vor sich hatte, fühlte sie sich unwillkührlich zu der Unglücklichen hin- gezogen.

Malwine erzählte Helenen ihre ganze Geschichte, nur nannte sie den Namen deffen nicht, der der böse Genius ihrer Ehe gewesen war, aus Schonung für Helenens Gefühle. Diese erfuhr zum ersten Male die Eifersucht, an welcher bie junge Frau gelitten. Ihr Herz zuckte vor Mitgefühl, als ste in den Abgrund von Elend blickte, in welchen Malwine in ihrer Ver­blendung sich gestürzt hatte, obwohl sie kein Bedenken

Tinschnnze«.

Eine Erzählung aus bem Leben von ®. F. (Fortsetzung.)

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Helene Schwab stand im sechsunddreißigsten Jghr. Sie war nicht schön, aber der sinnige, wehmüthige Ausdruck und Schnitt ihres Gesichts erregten stets auf den ersten Anblick Theilnahme. Man konnte nicht recht sagen, worin ihr stiller, antkluthiger Reiz lag, benn ihre Züge waren ganz gewöhnlich, und nur aus ihrem Auge sprach Gemüth und Seele, und darin mochte ihre einnehmende Gewalt hauptsächlich liegen, eine leise Gewalt, die sie auf Alle auSübte, welche in ihren Kreis kamen. Eirn älterer Mann von hoher

Dichtergabe hatte sie einmal einenstillen Engel" ge­nannt, und sie damit am besten bezeichnet. Manche schweren Prüfungen hatten ihren LebenSpfad gekreuzt und sie hatte in ihrem frommen Gemüth allein bie Kraft gefunben, dieselben zu bestehen, a(8 ber irdische Tempel, worin sie allzu viele Hoffnungen aufgespeichert hatte, vor ihren Augen jählings zusammengebrocheii War. Sie hatte bemjenigen verziehen, ber biesen Tempel zerstört hatte, unb sie konnte nun ruhig auf feine Trümmer zurückbiicken; ja sie bankte im Stillen btm Himmel daß er ihre irdischen Neigungen gekreuzigt unb sie daburch näher zum Ewigen im Menschenleben geigen hatte. In ihrem stillen, bescheibenen unb zurückgezogenen Lebenskreise hatte sie keine Ahnung bon ber Rache, welche ihr Stiefbruder an ihrem treu« losen Geliebten genommen, und von dem Antheil, den er an Malwine HermeS' Schicksal gehabt hatte. Sie hätte niemals geglaubt, daß er einer solchen Sünde sihjg wäre, und hätte den Gedanken darau, daß er « vielleicht um ihretwillen gethan, mit Abscheu von

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bei unparteiischer Beurthcilung der Statu­ten ihnen die Anerkennung nicht versagen können, daß sie einem durchaus freisinnigem Geiste entsprungen sind unb nach mehreren Seiten hin wesentliche Fort­schritte im Vergleich mit ben an anberen beutschen

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schen VaterlanbeS, sonbern auch bei ben im AuSlaude lebenben Deutschen fanb, haben wir bie Freube, bet neuen Universität an ihrem Eröffnungstage bie Nach­richt übermitteln zu können, baß wir, obwohl unsere Sammlungen noch nicht geschlossen sinb, aus bem Bismarck Stipenbium wenigstens Einem Stubirenben jeder Faeultät eine ausreichende Unterstützung ver­heißen können." In einem Artikel derStraßb. Ztg.", welcher ber Behauptung berN. Fr. Pr." entgegentritt, bie hiesigen Professoren hätten bie pro­visorischen Statuten ber neuen Universität mitallge­meiner Mißstimmung" ausgenommen, weil die Sta- tntenjede freie Bewegung, jede Initiative der Ge- sammtheit und der Profifsoren-Kollegien > abschnitten", heißt es bezüglich des Charakters der neuen Universt« lätsverfaffung:Auch beruft sich die Korresponbenz nur auf bie eine Thatsache, baß bie Deeane ber Fa- cultäten nicht gewählt werben, sonbern sich nach bem Alter folgen sollen. Ueber diesen Punkt mögen aller- bings die Meinungen geteilt fein; jedenfalls aber wirb man nicht behaupten können, baß burch jenen Mobus, bei welchem die Bestellung der Deeane ohne befonberc kaiserliche Bestätigung erfolgt, die Selbst­ständigkeit der Universität beeinträchtigt werde. Wie man aber auch über diese spezielle Frage denken mag, man wird bei unparteiischer Beurtbeiluna der Statu»

hier ein großer Brand auögebrochen, der einen Theil der Stadt, darunter Kirche, Rathhaus und Post in Asche gelegt hat.

München, 12. Mai. Dem Vernehmen nach hat auf gestellte Anfrage des Oberstceremonienmeisters Grafen v. Moy der König gestattet, daß er auch fernerhin die Stelle eines ersten Präsidenten des Ver­waltungsraths derBaierischen Handelsbank" be­kleiden dürfe. Am 9. d. starb hier nach mehrwöchent­lichem Leiden der Staatsrath im außerordentlichen Dienst rc. Dr. Ludwig v. Maurer im Alter von 82 Jahren. Die Reichsrathskammer, welcher der Ver­storbene feit 1831 angehörte, verliert in ihm ihr ältestes Mitglied.

Straßburg, 10. Mai. Das Comite in Berlin für das an der hiesigen Hochschule zu gründende Bis­marck-Stipendium hat an dieStraßb. Ztg." ein Schreiben gerichtet, worin es heißt:Dank dem leb­haften Anklang, den der von uns erlassene Ausruf nicht nur in allen Gauen unb bei allen Stäuben bes beut-

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