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Marburg, Sonnabend, den 11 Mai.

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OberheMe geitm.

nlt6« hen Werktagen -a-b Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesilschen Seituug mit «reisblatt durch die Expedition («och'sche MitWlZW« W (e$d. Bestellgebühr und mcl-Stempelsteuer), für das Ausland exel- Stempel 22 ®8t.-

®u* Jmertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreau^ nehmen Inserate an.

Bestellungen K SSH 3«ui werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Mar­burg von der Expedition entgegengenommen.

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Die Vertretung de- Deutschen Reiche- bei dem Päpstliche» Stuhle.

Nach Abberufung des früheren Gesandten des Norddeutschen Bundes bei der Päpstlichen Kurie hatte Se. Majestät der Deutsche Kaiser den Beschluß ge­faßt, in der Person des Kardinals Prinzen Gustav zu Hohenlohe einen Botschafter des Deutschen Reiches beim Papste zu ernennen.

Die Vertreter bei dem römischen Stuhle haben nicht, wie andere Gesandte, eigentlich diplomatische Der- Handlungen zu führen; es handelt sich in dieser Stellung weder um die Erörterung politischer Macht­sragen, noch um die Regelung internationaler Interessen, e» handelt sich wesentlich nur um die Sicherung gegen fettigen Verständnisses und Vertrauens in Bezug auf diejenigen Angelegenheiten, in welchen sich die Auf­gaben und Interessen des Staates mit denen der Kirche berühren. Diese Fragen unterliegen an und für sich allerdings der Regelung durch die staatliche Gesetzgebung; aber die Regierung des Kaisers legt einen großen Werth darauf, daß ihre Auffassungen und Schritte in dieser Beziehung jederzeit eine rich­tige Würdigung und soweit möglich moralische Unter­stützung Seitens der Päpstlichen Curie finden und daß ein vertrauensvolles Zusammenwirken zwischen Staat und Kirche gesichert werde.

Dieser Absicht der Kaiserlichen Regierung konnte ein klarerer und bestimmterer Ausdruck nicht gegeben werden als durch die Berufung eines hoch angesehenen Würdenträgers der Kirche zum Botschafter des Reichs beim Päpstlichen Stuhle.

In der dem Kardinal zugedachten Stellung als Botfchafter, welche milden höchsten diplomatischen Ehren und Würden ausgestattel ist, liegt schon an und für sich ein Anzeichen, daß das Deutsche Reich durch seine Vertretung der Päpstlichen Curie beson­dere Achtung und Rücksichtnahme zu erweisen gedachte. Um so mehr durfte die Regierung deS Kaisers hoffen, daß ein Prälat in solcher Stellung wohl im Stande fein würde, dem Papste aus eigener sicherer Kenntniß Personen und Zustände in Deutschland Aufklä-

rungen zu geben, welche ihn vor dem Einflüsse irr« thümlicher ober gefälschter Darstellungen zu bewahren und dadurch den Boden für ein vertrauensvolles Ein­vernehmen zu sichern vermöchten.

Die Berufung eines katholischen Prälaten zum Vertreter des Reiches enthielt überdies eine unzweifel­hafte Bürgschaft, daß die Kaiserliche Regierung nicht damit umgehen kann, irgendwie unbillige oder ver­letzende Zumuthungen an den Päpstlichen Stuhl zu richten. So wenig wie die Regierung selbst, falls sie solche Absicht hätte, zu ihrem Vertrauten und Wort­führer beim Papste einen Würdenträger der katholischen Kirche ausersehen hätte, so wenig würde ein der Kirche entschieden ergebener Prälat steh zur Uebernahme der ihm zugedachtcn Stellung haben bereit finden lassen, wenn er nicht aus den mit ihm gepflogene» Vorver­handlungen die sichere Ueberzeugung gewonnen hätte, daß die zu übernehmende Aufgabe mit seinen Pflichten gegen die Kirche und den Papst durchaus vereinbar sei, ja daß er der Kirche damit gerade einen wesent­lichen Dienst leiste» könne.

Die Regierung des Deutschen Kaisers aber durfte ihrerseits dem Kardinal Prinzen zu Hohenlohe ihr volles Vertrauen für die wichtige Sendung schenken, weil derselbe ebenso wie die Treue gegen die Kirche von jeher auch ein treues warmes Herz für Deutsch- land bewährt hat.

Die Berufung des Prinzen zum Vertrauensmanne des Deutschen Reichs beim Päpstlichen Stuhle, welche er sofort anzunehmen sich bereit erklärte, sollte hier­nach im Sinne Sr. Majestät de» Kaisers ein Schritt der Versöhnlichkeit und zuversichtlichen Entgegen­kommens sein.

Die Regierung deS Kaisers glaubte auf die Zu­stimmung des Papstes zu der Berufung des Kardinals um fo mehr rechnen zu dürfen, als auch in früheren Zeilen katholische Prälaten mehrfach als Gesandte beim Papste bestellt waren. Oesterreich sowohl wie Frankreich zählt einen Kardinal unter seinen früheren Gesandten in Rom, und unter König Friedrich dem Großen wurden die Preußischen Geschäfte bei der Päpstlichen Curie gleichfalls durch Prälaten besorgt.

Gleichwohl ist auf die Anfrage, ob die Wahl des Kardinals Prinzen zu Hohenlohe zum Botschafter deS Deutschen Reiches dem Papste genehm sei, die Antwort erfolgt: Der Papst könne dem Kardinal nicht ge­statten, tin solches Amt zu übernehmen.

Die Regierung des Kaisers wird hierin mit Be­dauern ein Anzeichen erkennen, daß in Rom auf ge­genseitige vertrauensvolle Beziehungen nicht ein gleich hoher Werth gelegt wird, wie von ihrer Seite.

(Prov.-Corresp.)

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Mai. Der italienische Kronprinz wird in einigen Wochen hier eintreffen. Wie man hört, wird er dem Tauffest der jüngstgeborenen Tochter des Kronprinzen Friedrich Wilhelm als Pathe bei­wohnen. Prinz Humbert wird, wie es heißt, von der Prinzessin Margaretha begleitet fein. Ein Kor­respondent derKöln. Ztg." schreibt in Betreff des Gesundheitszustandes deS Fürsten BiSmarck:Nach Informationen bestnnterrichteter Kreise hätten aller­dings die Aerzte erklärt, der Fürst müsse unabweislich Ruhe haben, und es komme Alle» darauf an, dafür den rechten Moment nicht vorübergehen zu lassen. Es ist dabei zu erinnern, daß daS Leiden deS Fürsten vom Jahre 1866 datirt und jede begonnene Kur bis­her durch irgend ein Ereigniß unterbrochen wurde. So haben der Krieg von 1870 die Karlsbader, die Besprechungen in Gastein die vorjährige Kur deS Fürsten durchkreuzt. Er hatte bann auf Tage, auf Wochen sich frei gemacht, aber das alles war nur palliativ. Daher bezeichnen die Aerzte nunmehr eine durchgreifende Kur als unaufschiebbar." Am Abend deS 6. d., am gleichen Tage, an welchem die Vor­lesungen in Straßburg eröffnet wurden, erfolgte hier die feierliche Eröffnung der Hochschule für die Wissen­schaft des Judenthums. Dr. Philipps«» auS Bonn hob hervor, daß die neue Hochschule, durchaus con- fesstonslos, nur der echten Wissenschaft diene und deß- halb keine Partei kenne; sie stehe, wenn auch nicht äußerlich, zur Universität in Beziehung, ohne vom Staate irgendwie abzuhängen oder sich ihm unter­ordnen zu wollen; ihre Lehrsäle seien den Studirenden aller Religionen und Bekenntnisse offen, ihre Lehrer könnten jedem Glaubensbekenntnisse angehören. Es sei hier bemerkt, daß sich auch christliche Studenten haben inscribiren lassen. Namens des Lehrer-CollegiumS sprach Dr. Geiger. Den Schluß des RedeacteS machte der Vorsitzende des Curatoriums, Pros. Dr. LazaruS, der die Aufgaben dieser Akademie für Gegenwart und Zukunft schilverte. Es folgte hierauf ein Festmahl. DieD. R -K." macht daraus aufmerfam, daß Prinz

T auschunkk«.

Eine Erzählung aus dem Leben von ®. F. (Fortsetzung.)

Der erste Eindruck dieser Nachricht versetzte die gebeugte Tochter beinahe in Wahnsinn; dann aber versank sie in eine solche stumpfe Apathie, daß ein Geistlicher aus den Ostseeprovinzen, welcher einige Wochen später sie befuchle, um ihr den letzten Segen des Verstorbenen zu bringen, dessm Reisegefährte er auf dem Dampfer von Kronstadt aus gewesen, sich dieses Rächsel eines Menschenherzens nicht zu beuten vermochte. Ter wohlwollende Mann konnte in diesen kalten, versteinerten Augen nicht lesm, welcher ent­setzliche Grad der Verzweiflung da» Herz dieser Frau erfülle, ein Herz, in dessen tiefste Tiefen niemals die schwachen Sonnenstrahlen der Hoffnung hinunter­reichen konnten. Er vermochte nicht zu ahnen, daß die heiseren GrabeStöne dieser Stimme nur die Echo's eineS Geistes waren, der fein eigenes Grablied fang. Er wußte nicht, wie Malwine wie ein Steinbild um- sank, als die Thür sich wieder hinter ihm schloß. Eine lange Bewußtlosigkeit allein, welche diesem Zu- sammenbrechen aller physischen und geistigen Kraft folgte, gab den überspannten Nerven der Armen wieder einige Ruhe und erhielt ihr Leben.

Als Malwine zum Bewußtsein erwachte und wieder oufttbte, trat keinerlei Veränderung in ihrem Betragen ein. Sie trauerte zwar mit den Gewändern, aber kein Zug in ihrem marmorstarren Antlitz verrieth eine Regung, so daß Frau Braun, nun ihre Pflegerin, oft beteuerte, Malwinens eigener Vater.würde sie nicht wieder erkannt haben, fall» er sie so wieder ge­sehen hätte, wenn sie, fast zum Skelet abgemagert, lautlosen Schrittes in ihren düsteren Gewändern durch die geräumigen Gemächer des großen Hauses schritt.

Bald aber erforderten weltliche Sorgen, daß sie

aus ihrer Beläubtheit sich aufraffte. Es handelte sich um die Ordnung der Verlassenschaft ihres Vaters, dessen weitschichtiger Besitz ihr als Alleinerbin zufiel. Sie beauftragte die betreffende Gerichtsbehörde und ihren Sachwalter, das gesammle Vermögen zu Gunsten ihrer Kinder zu übernehmen und auf diese alle Be­sitztitel umschreiben zu lassen, während fie für sich Nichts zurückbehielt, als einen Garten mit kleinem Wohnhause in einem Dorfe in der nächsten Nähe der Residenz und eine bescheidene Rente auf Lebenszeit. Alsdann bezog sie mit der freigebig beschenkten Fran Braun jenen stillen Landsitz, und vergrub sich daselbst sorgsam vor den Augen der Welt. Zu diesem Ent­schlüsse hatte sie namentlich der Umstand gebracht, daß sie von ihrer Klcidermacherin, die ihr die Trauer­kleider gefertigt, erfahren, wie das Stadtgerede über die Trennung von ihrem Gatten ihr nach gewohnter Weise alle Schuld aufbürdete und den Dcctor allge­mein bemitleidete. Man beutete, nach" der Rächerin Aussage, des Doeiors Handlungsweise dahin, daß er endlich ihrer Vergnügungssucht und Verschwendung müde geworden sei und fie zu ihrem Vater nach Hause geschickt habe; daß er seitdem auch wieder hei terer und ruhiger geworden, und zu seinen Kindern eine Liebe hege, wie man sie selten an einem Vater sehe; allerdings habe auch Malwine ihre Vertheidiger, namentlich unter den Frauen der höheren Stände, aber sie verliere deren mehr und mehr, weil sie be harrlich jeden Besuch ablehne und für die ganze Welt abgestorben scheine.

Auf btefe Weise beruhigt Über da» Schicksal ihrer Kinber unb bereit Erziehung, hielt es Malwine näm­lich für das Gerathenste, all den Freundinnen, welche ihr wohl mehr aus Neugier, al« aus wirklicher Zuneigung ihren Trost aufdrängen wollten, aus dem Wege zu gehen, unb so der Welt den Stoff zum Gerede zu entziehen; nebstdem aber trieb sie

auch noch das eigene Bedürfniß nach Ruhe und Ein­samkeit au» der Stadt. Das Wort ihres Gatte», er wolle seinen Kindern keine Schmach zum Erbtheil hinterlassen, war ihr in voller Lebendigkeit wieder vor die Erinnerung getreten und hatte ihre lieber« siedelung beschleunigt. Zudem hatte fie auch aus der­selben Quelle erfahren, baß der Doctor Herme» feine Reise angetreten habe, und darin einen Grund mehr gesehen, sich selber in die Einsamkeit zurückzuziehen.

(Fortsetzung folgt.)

Die AuSbrüche deS KefuvS

Dr. von Volpi schreibt im 7. JahrgangUnserer Zeit": Ganz Italien ist vulkanischer Natur unb mochte in vorgeschichtlicher Zeit mehrere thätige Vulkane zäh­len; so hatten die Römer ben Monte-Cavo über ihren Häuptern, besten vormalige Krater die nun so reizen- ben Seen von Albano unb Neun bilben. Der Vesuv hatte in der alten Zeit keinen berühmten Namen, seine früheren Ausbrüche waren nicht heftig und folgenreich genug gewesen, um später noch viel von sich sprechen zu machen. Ja sie scheinen ganz in Vergessenheit geraden zu fein. Seine Thätigkeit mag in die vierte Epoche fallen, wie denn schon Pompeji und Hercnla- num auf in früherer Zeit ausgeflossenen Laven stehen, namentlich jenes, dessen Grund ganz auS trachytischer Lava besteht. '

Im 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung waren die Seiten des Vesuvs bis zum Gipfel hinaus bebaut, und man wußte nicht anders, als daß eS immer fo gewesen fei. Die Erfahrung unserer Tage lehrt unS auch, wie rasch sich die Asche zersetzt unb zu einem fruchtbaren Humus wirb. Dagegen schildert Strabo den Gipfel des Berges als kahl ufib unwirthlich, mit schwarzem Gestein überdeckt und von Feuerschlünden zerriffen. Damals trug der Vesuv auch keinen Kegel, sondern endete in ein Plateau. Der Kegel ist das