Einzelbild herunterladen
 

JUarßurg, Donnerstag, den 9. Mai

1872

Sr. 108

Oterhessische Zeitung

Kai

em-

r.

S

it.

die eingewickelte Haarlocke, die er durch Papier erkennen konnte. Und da ihn

für »fort

das dünne

Malwine in

es alten

>gme ib zu LI 13 ehe,

9* s„

ai, 141 »rps ans

e«.

leben von F.

ihrem letzten Schreiben mit den höchsten Betheuerun­gen versichert hatte, daß er allein ihre ganze Liebe besitze und ihre erste und einzige Liebe gewesen sei, öffnete er rasch das Papier in der angenehme» Hoff­nung, es werde eine Locke von seinem eigenen Haar sein. Nun aber las er, waS Malwine in jener un­glückseligen Nacht hineingeschrieben. Nun flog sein eigener Brief zerknittert in den Ofen; er nahm ein Briefcouvert aus der Schublade, verschloß darin das Schreiben seiner Gattin und sandte es ihr durch den Ueberbringer zurück.

Nun war er nicht mehr schwach, und keinerlei vergebliche Zweifel und Bedenken störten mehr seinen Entschluß und seine Handlungsweise. Ein Weib, das mit den höchsten Eiden seine Unschuld und ihre aus­schließliche Liebe zu dem Gatten betheuern konnte, während sie eine frevle Neigung zu einem Andern im Busen hegte, — ein Wesen, das auf solche Weise Verrath und Heuchelei üben konnte, — hatte keinerlei Ansprüche mehr an sein Herz. Wäre sie in diesem Augenblick vor ihn getreten, so hätte er sie von sich geschleudert wie eine giftige Schlange. — Er fühlte sich nun stark und dankte dem Himmel, daß er ihm Kraft gegeben. Wohl hatte er nun jenen Theil des Lebensweges hinter sich, an dessen Seite Blumen blühen,, und vor ihm lag ein rauher dornenvoller Pfad; aber er fühlte sich befähigt denselben zurück- zulegcn. Sollte er auch von den Dornen zerfleischt

(Fortsetzung.)

Der Helle Morgen fand den Doctor Hermes noch in seinem Studirzimmer. Seine verstörten Züge und blutunterlaufenen Augen bekundeten nur allzu deutlich, wie gewaltig der Sturm in seinem Innern während bieser wenigen Nachtstunden gewüthet. Er halte sein Wort gehalten, aber die Erfüllung desselben kostete ihm seine Seelenruhe, sein Lebensglück. Die Ueber- zeugung, welche sich ihm in mancher schlaflosen Nacht­stunde in seinen kraukhasten Träumereien aufgedrängt, baß er in Malwinens Untreue nur die Sündenschuld für seinen Wortbruch an Helene Schwab ernte, schien aus seinem Geiste jeden Gedanken verbannt zu haben, daß er sich in einem Jrrthum hinsichtlich der Schuld seiner Gattin befinde. Ja, hätte ihn sein Gewissen sogar allzugroßer Strenge gegen sie angeklagt, konnte er nicht in ihrer Kälte Entschuldigungsgründe für sein Verfahren finden? Sah er dem Anscheine nach in ihrem Betragen vom vorigen Abende etwas Anderes als herausfordernden Trotz?

In früher Morgenstunde brachte ein Diener einen Brief für ihn, und erwartete auf der Flur «ine Ant­wort. Er erbrach das Siegel — der Brief kam von seiner Gattin und enthielt in seinen Zeilen solch' heilige Unschuldsbetheuerungen, solche glühende Worte unwandelbarer Liebe für ihn, solch' fleheniliche Be­schwörungen um Verzeihung und Gelübde der Besse­rung und des Gehorsams, daß sein Herz der Irrenden bie Vergebung für die eingestandenen Fehler nicht versagen konnte. Rasch schrieb er einige Zeilen der Antwort nieder, und sagte darin, daß er sie sogleich abholen werde. Sie hatte ferner um eine geeignete Kleidung gebeten, und er wollte der Zofe Mathilde bw Weisung geben, die nöthigen Kleidungsstücke für seine Frau zusammenzusuchen. Als er seinen Brief

Deutsches Reich.

m Berlin, 7. Mai. Wie man auch von unter­richteter Seite hört, hat sich das Befinden deö Fürsten Bismarck in den letzten Tagen nicht günstig gestaltet und soll daS Leiden der Art sein, daß es gerathen scheint, der Reichskanzler entziehe sich in der nächsten Zeit anstrengender Thätigkeit. AuS dieser Thatsache dürfte denn auch die bereits in den Blättern gemachte Mit­theilung, daß der Fürst Urlaub genommen, richtig sein. Ob nun daS Fernbleiben des Ministerpräsidenten Ein­fluß auf den weiteren Gang der Reichstags- und Land- lags-Session haben wird, läßt sich heute zwar noch nicht bestimmen, nur soviel scheint nicht unwahrschein­lich, daß sich der Fürst an den Parlamentsverhand- luiigen nicht betheiligen wird. ES findet heute unter Vorsitz des Fürsten BiSmarck ein Ministerrath statt, der sich jedenfalls auch mit der Reichstags- und Land­tags-Sessions-Dauer beschäftigen wird, wenn auch an­zunehmen ist, daß in erster Reihe das StaatSministe- rium die Stellung der Staatsregierung zu der katho­lischen Frage und insbesondere zu dem Bischof von Ermland präcisiren wird, d. h. Beschluß fassen wird über das Verfahren, welches in weiterer Folge gegen den Bischof Crementz einzuschlagen sein wird. — Die Presse beschäftigt sich auch heute noch mit der Ablehnung des Cardinals Hohenlohe durch den Papst und namentlich ist die demokratische Presse in ihrem Raijonnement sehr kritisch; die „Franks. Ztg." und mit ihr die „Demokratische Ztg." und „Volks-Ztg." in Berlin bezeichnen die Wahl des Cardinals als einen Fehlgriff der nationalen Politik. Es hatte diese An­sicht in sofern auf demokratischer Seite eine Berechti- tigung, als sie in der Wahl des Cardinals Hohen­lohe eine Maßregel der Reichsregierung gegen die Be­strebungen der Hierarchie erkannte. Wenn nun aber die Ablehnung durch den Papst ferner dazu benutzt wird, um die Wahl für einen Mißgriff zu halte», so ist das widersinnig , da gerade diese Ablehnung ein Argument gegen die demokratische Behauptung sein muß. Man steht aber, wohin die principielle Oppo- fiiion gegen die deutsche Politik der Reichsregierung

T»«sch««g

Öine Erzählung aus dem

auf die „OberhessischeZeitung" öv|l<ruUliyuU für die Monate M a t und Juni werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Mar­burg von der Expedition entgegengenommen.

P-

2405 ichstc legen

dis

der 1140 bst

k,

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kretsblatt durch die Expedition (Koch'sche vuchdruäerei) bezogen 82; ®gr., durch die Postämter 27 Ggr. tt Psg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 ®gr. — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

am 23. Februar 1799 zu Groß-Behnitz bei Nauen geboren, trat, nachdem er in Göttingen unb Berlin studirt und später mit dem Prinzen Lichtenstein eine Reise durch England, Frankreich, die Schweiz, Belgien und Holland gemacht, am 5. Mai 1822 als Auscul- tator beim hiesigen Kammergerichte ein, bei welcher Behörde er auch als Assessor arbeitete. Dann ging er als Verwaltungsbeamter zur Regierung in Stettin, wo er als RegierungS- und Ober-Regierungsrath ver­blieb, bis er als Direktor der General-Commission nach Berlin berufen wurde. Von hier aus ging er zunächst als Vice-Präsident der Regierung nach Posen und später als Chef-Präsident nach Arnsberg, wo er bis zum Jahre 1848 verblieb, tun sich dann als Privatmann auf sein Gut Cunersdorf bei Wrietzen zurückzuziehen und der Landwirthschast zu widmen. Sein Ruf als praktischer Landwirth war es auch namentlich, der den Minister-Präsidenten v. Bismarck veranlaßte, ihm bei Bildung des Ministeriums im März 1862 daS Ressort deS landwirihschaftlichen Ministeriums zu übertragen, welches er bis zum De- cember 1864 behielt, um dann die Leitung des Mini­steriums für Handel und Gewerbe zu übernehmen. Der Umstand, daß Graf Jtzenplitz die Zeit vom Jahre 1848 bis zum Jahre 1862 vom Staatsdienste zurückgetreten war, ist Ursache, daß daS Fest einen mehr privaten Charakter trug.

München, 7. Mai. Der „Köln. Ztg." wird von hier geschrieben: Das Tagesgespräch bildet hier die gegen den Oberstallmeister Grafen Holnstein auf dessen eigenen Wunsch eingeleitete Amtsuntersuchung. Die Marstallverwaltung desselben war seit einiger Zeit im „Volksboten" zum Gegenstände beschimpfender Angriffe gemacht worden. Der Ausgang der Unter­suchung wird voraussichtlich die gegen den verdienten Cavalier seit Langem gerichteten Jntriguen mit Einem Schlage beseitigen. Bis jetzt hat gegen ihn nicht« Po­sitives vorgebracht werden können, als daß er einige Male Pferde des königlichen Marstalls für Privat­ausflüge und Jagdpartieen benutzt hat. Bis zum Aus­gange der Untersuchung hat der Graf Urlaub erbeten und erhalten. — Der Erfinder einer neuen Locomotiv- brcmse, die sich bei einigen Probeversuchen als unüber­troffen erwiesen hat, hat, nach der „Augsb. Postztg.," von der englischen Regierung für seine Erfindung 20,000 Pfd. Sterl. erhalten. Heberlein, so heißt der Erfinder, ist Eisenbahiimaschinenmeistcr; er war vor ' werden und den Mühsalen erliegen, so durfte Nie­mand erfahren. — Er selbst wollte nicht ffchlaff und müde werden, sondern weiter, immer weiter streben, bis er die letzte Zufluchtsstätte vor dem unaufhör­lichen Kummer, welche die irdische Welt bieten kann, erreicht hatte — das Grab.

Dies war sein fester Entschluß, welcher alle seine weiteren Schritte leitete. Noch- am selben Tag schickte er Malwinen ihr persönliches Eigenthum zurück, und schrieb an seine alte Tante, Frau Eller, die einzige Verwandte, welche er noch hatte, und die jetzt in einem kleinen Städtchen Sachsens lebte, die freundliche Bitte, sie möge sich seines verwaisten Hauswesens und seiner Kinder annehmen. Die Tante war seine frühere Wohlthäterin gewesen und hatte ihm größlentheilS die Mittel zu seiner Aus­bildung geboten; aber seit seiner Vertheirathung hatte sie sein Haus niemals betreten, denn sie war ihm gram über seine Handlungsweise gegen Helene Schwab, mit welcher er manche Stunde im Hause der Tante verbracht hatte, als diese noch in der Stadt lebte Die Tante hegte noch eine seltene Hochachtung und Zuneigung für Helene; aber gleichwohl ward ihr Zorn gebrochen durch des Neffen demüthige Bitte und die Schilderung seiner unseligen häuslichen Lage, so­wie durch die schwere Sühne, welche Karl's Fehltritte gefolgt war; und da sie Nichts an ihren neuen Wohn­ort fesselte, als etwa die malerische Lage und roman­tische Umgebung desselben, so meldete sie umgehend, daß sie kommen werde, und bedung sich nur aus, daß sie den Sommer mit den Kindern und ihren Wärterinnen auf ihrem kleinen Landsitze bei jenem Städtchen verbringen dürfe. Der Doctor war damit , einverstanden, und etwa vierzehn Tage später traf Tante Eller ein und übernahm die Leitung des Hauswesens, während Doctor Hermes sich zu einer größeren Reise anschickte.

wie gegen den Fürsten Bismarck gelangt, sie fängt sich in ihren eigenen Ansichten.

Berliner Blätter halten die Nachricht gebracht, daß der Reichskanzler Fürst BiSmarck einen sieben­monatlichen Urlaub erbeten und erhalten habe und sich zunächst nach Varzin und von dort nach dem Seebad Ohm bei Danzig begeben werde. Daraus ent­nahm man ernstliche Befürchtungen für den Gesund­heitszustand des allverehrten Staatsmannes, welchen jedoch die „Nordd. Allg. Ztg." mit der Versicherung entgegentritt, daß das Befinden des Reichskanzlers zu ernsten Besorgnissen keine Veranlassung gebe, sofern nur die von den Aerzten für unabweislich erklärte Ruhe rechtzeitig vergönnt werde. — Heute Mittag ist der Postvertrag zwischen Deutschland und Oester- reich-Ungaru auf dem General - Postamte vollzogen worden. — Wie die „Köln. Ztg." erfährt, ist die Einführung der Tabakssteuer als Reichssteuer in Aus­sicht genommen. — Nach Vereinbarung der Delegirten der liberalen Fractionen wird die Commission über die Jesuiten-Petitionen dem Reichstage einen Antrag unterbreiten, auf Vorlage eines Gesetzentwurfs, wo nach die Niederlassung von Jesuiten und anderen verwandieu Orden von staatlicher Genehmigung ab­hängt, sonst dem Strafgesetze verfällt. Der Reichs­kanzler soll ersucht werden, bei den Bundes-Regie­rungen eine Verständigung über gemeinsame Grund­sätze bezüglich der Zulassung religiöser Orden zu be­wirken, um einen Rechtsschutz der Staatsbürger gegAi die kirchliche Gewalt herbeizuführen. Die Petitions- Commission beschließt heute darüber, wie weit der Delegirtenvorschlag annehmbar ist. — Der Fürst zur Lippe hat an Stelle des Präsidenten seines Cabinets- ministeriums, Heldmann, den Cabinetsminister v. Flott- well zum Bevollmächtigten zum Bundesrath ernannt. — Aus München sind, laut der „V. Z.," die Apo­theker Bedall und Haiß hier angekommen, um im Auftrage der baierischen Apotheker bei dem Fürsten Bismarck und Präsidenten Delbrück zu petitioniren gegen Einführung des Delbrück'sche» Gesetzentwurfs betr. die Freigebunz des Apothekergewerbes.

Der Handels-Minister Graf Jtzenplitz hat am 5. Mai, als an bem Tage, an dem er vor 50 Jahren in den Staatsdienst eingetreten ist, das Großkreuz des Rothen Adler-Ordens mit einem eigenhändigen Aller­höchsten Handschreiben erhalten. Die „D. R. C." be­richtet: „Graf Heinrich August Friedrich v. Jtzenplitz, zusammengefaltet, suchte er vergebens nach einem Brief­couvert. Wohl wissend, daß er solche in bem Schreib­tische seiner Frau finden werde, und um Mathilde den Auftrag wegen der Kleidung zu überbringen, eilte er in Malwiiwn's Boudoir hinaus. Als er die Schub­lade öffnete, worin sie ihr Briefpapier zu verwahren pflegte, war das Erste, was ihm in die Augen fiel,

Wal­lung nrect ei«.

nte

and, in) irr n, 66-

mit Reit- 1116 ri