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Sfr. 103. Marburg, Freitag, den 3. Mai 1872.

Oberhefiifche Weitling.

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Deutsches Keich.

Berlin, 1. Mai. Durch dasFranks. Journ." ist auS der Commission des Herrenhauses (der sog. ofsiciellrn) daS Expose deS Referenten derselben, des Hrrrn v. Kröcher, bekannt geworden, wonach derselbe den Kreisordnungsentwurf für ebenso unannehmbar »ie überflüssig erklärt. Wenn trotz dieser Thatsache, welche für die Anschauung in. der gedachten Com­mission charakteristisch und entscheidend ist, die heutige ministerielleProv.-Corresp." die Hoffnung auSdrückk, daß die Kreisordnung noch in dieser Session des Landtages zum Abschluß gelangen werde, so muß die Regierung wohl auf ihr zu Gebote stehende consti tutivnelle Mittel rechnen, auf die schon einmal bei Gelegenheit deS Schulaussichtsgesetzes hingewiesen, ge- rechnet und mit Erfolg gerechnet wurde. Schon vor Kurzem deutete ich darauf hin, daß eine Vermehrung derjenigen Elemente deS Herrenhauses, welche die Durchführung deS vom Minister des Innern mit so glücklichem Wurf zu Stande gebrachten Reformwerkes für eine Rothwendigkeit erkennen, daß eine Vcrrneh rung dieser Elemente bis zu dem Punkte, wo sie für sich rcsp. durch Hinüberziehen ihnen verwandter Ele­mente die Majorität zu bilden in der Lage wären, das einzige Mittel sein dürfte, die Kreisordnungs Vorlage zu einem gedeihlichen Ende zu fuhren. Wenn ich damals noch unsicher war, ob die Regierung ge­willt sein werde, dies ihr sich darbirtende Mittel zur Anwendung zu bringen, so kann ich jetzt aus guter Quelle melden, daß allerdings eine Anzahl neuer Mit­glieder der gedachten politischen Anschauung in das Herrenhaus zu berufen von der Regierung beschlossen ist. ES werden bereits von der Presse einzelne Namen ter designirten Persönlichkeiten genannt (der Oberst lieutenant z. D. Herr Blankenburg, der Gesandte in Karlsruhe Graf Flemming, Herr v. Röder u. s. w.) und wenn auch in dieser Hinsicht eine desinitive Ent­scheidung noch nicht getroffen sein sollte, so durften doch die genannten Persönlichkeiten in bestimmte Aus­sicht genommen sein. Die Ernennung des Car- dinalS Fürsten Hohenlohe zum Botschafter am päpst- lichcu Hofe ist diesem letzteren bereits angezeigt; da

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Tänschungen.

Eine Erzählung aus dem Leben von G- F- (Fortsetzung.)

Wie unbesonnen! " entfuhr Malwinen wider Willen.

Aber ich sehe, daß ich Ihnen Nichts gelte, Mal­wine!" fuhr er ungeduldig fort und sein Gesicht ver­düsterte sich;Sie scheinen mich nicht einmal als Freund anzusehen!"

Wie mögen Sie das behaupten!" gab sie zur Antwort und reichte ihm die Hm'd.Ich habe von jeher gtoße Stücke auf Sie gehalten; aber Sie müssen selbst einsehen, wie unklug und unvorsichtig Sie heute Abend gehandelt haben, in welche falsche Stellung Sie mich versetzt haben! Wenn mein Gatte uns nun hier überraschen würde! .... Und dennoch wünschte ich, er käme jetzt, fürwahr, ich wünschte es!" setzte sie gereizt hinzu; ich würde ihm nicht Ein Wort der Erklärung gönnen; er sollte mir auSstehen, waS er an mir verdient hat!

Sie haben große Stücke auf mich gehalten, Mal­wine! jagen Sie?" wiederholte Eduard Grahrn; *o Malwine, wenn Ihr ganzes Herz von Liebe über strömte für eine andere Person, wen» deren Stimme die einzige Musik wäre, welche auf Ihr Ohr jenen Zauber übte, wenn deren Lächeln Ihr einziges Sonnenlicht wäre, Malwine! würden Sie sich dann damit begnügen, daß diese Person Ihnen sagte, ste habe große Stücke auf Sie gehalten?"

Malwine riß betroffen ihr großes Auge weit auf, senkte es dann ober wieder rasch vor dem festen, glühen­den Blick, der dem ihrigen begegnete.Herr Grahm", sprach sie gemessen und würdevoll,ich bin eine ver­mählte Frau und darf auf eine solche Sprache nicht hören; ich muß Sie bitten, mich nun unverweilt zu verlassen. Hätte ich jemals geahnt, daß Ihr Wohl­wollen gegen mich aus anderen Gefühlen entspringe,

aber eine Rückäußerung von dort noch nicht einge­troffen ist, so ist die Angelegenheit auch nicht zur osficiellen Erledigung gelangt. Abgesehen von der üblichen diplomatischen Form, nach welcher eine solche Anfrage in Betreff des designirten Gesandten an den­jenigen Hof üblich ist, an welchen derselbe gesendet werden soll, erscheint in diesem Falle die vorherige Anfrage um so mehr inbicirt, als das Verhältniß deS Fürsten Hohenlohe zum päpstlichen Stuhle in seiner Eigenschaft als Cardinalpricster noch hinzu­kommt.

Berlin, 1. Mai. Die Berliner" Zeitungen ent­halten über den Stand der Verhandlungen beim Reichs­tage die Mittheilung, daß die Arbeit vorzugsweise in den Commissionen, welche tägliche und lange Bera- thungcn halten, gefördert werde. Leider ist für das Militär-Strafgesetzbuch noch keine Einigung über die Hauptfragen erzielt und es ist noch bis jetzt zweifel­haft, ob die Vorlage von der Regierung nicht zurück­gezogen wird. ES stehen sich die militärischen Auf­fassungen, von Graf v. Moltke vertreten, und die der linken Seite gegenüber Die Commission für daS Vereinsgesetz hat, nachdem die Referenten Dr. Bam­berger und Dr. Grimm ausführliche und sehr einge- henve Vorträge gehalten und der Commissar der Re­gierung, Unterstaalssekretär Achenbach, den von letz­terem erhobenen Bedenken beigetreten war, ihre Sitzungen vorläufig ausgesetzt, um zunächst eine an dere Grundlage für das Gesetz zu gewinnen; die Sitzungen werden in diesen Tagen wieder aufgenom men. DaS Reichsbeamtengesetz, das Bransteuergesetz und das Gesetz betr. den Rechnungshof werden von den Commissionen bald durchberathen sein und dann an das Haus kommen Dem von der linken Seite des Hauses eingebrachten GesetzeSvorschlag auf Auf­hebung der halben Salzsteuer ist eine Resolution von der rechten Seite entgegengestellt worden, welche auf Aufhebung der ganzen Salzsteuer gerichtet ist und Deckung des Ausfalles auf anderem Wege der in­direkten Besteuerung verlangt. Die Debatte war sehr lebendig, und Minister Delbrück und dann der Reichs- kanzler traten dem Anträge auf Abschaffung der halben Steuer entgegen.

Der Kriegsminister Gras Roon feierte gestern seinen 69 Geburtstag. Die Fraktion der Konserva live» im Reichstag ließ ihm durch eine Deputation ihre Glückwünsche aussprechen. Ebenso wurden dem Münster theils mündlich, theilS schriftlich und tele- als aus denen einer uneigennützigen Freundschaft, so wäre ich Ihnen sicher nicht so begegnet, wie ich eS gethan!"

Der Assessor blieb bei dieser Anrede kalt.Ja, Sie sind Gattin," entgegnete er und sah fie noch schärfer an;aber diese Gegenstände hier bezeugen eS, daß Sie ungeliebt sind; Ihr eigenes Herz bestä­tigt Ihnen dies. Hören Sie mich an, Malwine! Sie äußerten vorhin, er solle Ihnen das büßen Sie können unmöglich einen Mann lieben, der Sie so tyrannisirt, während sein Herz an einer Andern hängt, Sie lieben ihn nicht

Mit Nichten, ich liebe ihn, liebe ihn nur allzusehr!" seufzte Malwine; aber er soll eS niemals crsahreu ich will ihn eher daS Gegentheil glauben machen!" Sie brach von Neuem in Schluchzen aus, als ihr der Gedanke durch den Kopf schoß, sie möchte ihn vielleicht durch ihr Betragen von diesem Abend und durch ihre barschen und unbedachten Reden schon davon überzeugt haben. Sie begleitete den Assessor nach der HauSthüre, öffnete diese geräuschlos und sagte:Sie müssen nun sogleich gehen, und wenn Sie irgend wollen, daß ich Ihnen noch freundlich be gegne und einen Freund in Ihnen sehe, so reden Sie mir kein Wort. mehr von Liebe. Ich will die Ver gangenheik tief in meinem Busen verschließen, und Sie werden hoffentlich das Gleiche thun!"

Er antwortete nicht, sondern. drückte nur leise ihre Hand an seine Lippen und ging, im Stillen die Unbedachtsamkeit verwünschend, durch welche er sie nun mißtrauisch und behutsam gegen sich gemacht Die Thüre fiel schwer Himer ihm jnö Schloß, und Malwine stieg in den Salon Hindus und verschloß vie Balkonthüre, welche ihres Erachtens Friedrich hatte offen gelassen.

In denselben Lehnstuhl sich werfend, in welchem sie schon vor einer Stunde sich einem Sturme von

graphisch von Privaten und Korporationen Gratula­tionen dargebracht. Heute ist der Staats und Ju­stizminister Dr. Leonhardt aus der Provinz Hannover hier eingetroffen. Für die Feier der 100jährigen Verbindung WestpreußenS mit dem preußischen Staate ist vorläufig der 13. September d. I. in Aussicht genommen. Die Immatrikulation auf der hiesigen Universität war im Ganzen schwach; wenn man auch im Sommer hier immer auf eine geringe Frequenz rechnet, so sind die Erwartungen auch für die sonsti­gen Verhältnisse im Ganzen nicht in Erfüllung gegangen.

Bereits während des letzten Krieges ist, namentlich von und nach eingeschloffenen Plätzen, mit entschiede­nem Erfolg die Beförderung von Nachrichten mittelst Brieftauben zur Anwendung gebracht worden. Im Hinblick hierauf ist von den betreffenden Militärbe­hörden zur Zeit beschloffen worden, versuchsweise drei Brieftauben Stationen in den westlichen Grenzfestungen des deutschen Reiches zu errichten und zu erhalten. Es sind hierzu vorläufig Köln, Metz und Straßburg bestimmt und ist gleichzeitig festgesetzt worden, daß zukünftig ähnliche Versuchsstationen auch an den öst­lichen Grenzmarken, in Thorn, Posen und Königsberg, eingerichtet werden sollen. Als technischer Beirath in dieser Angelegenheit steht der Militärbehörde der Di rector des hiesigen zoologischen Gartens, Dr. BodinuS, zur Seite.

Koblenz, 1. Mai. Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern Vormittag hier eingetroffen und reift heute Abend nach Ostende ab, um sich nach England ein­zuschiffen. Die Kaiserin wird auf Einladung der Königin Victoria demnächst im Schloß Windsor zum Besuch verweilen und hierauf sich zum Curgebrauch nach Baden-Baden begeben.

1. Mai. Im Befinden de» Prinzen Otto in Nymphenburg ist eine bedeutende Besserung eingetreten. Derselbe empfing am £7. April, seinem Gedurlsseste, verschiedene Besuche. Der Präsident der Kammer der ReichSräthe, Frhr. Schenk v. Stauf­fenberg, leidet seit mehreren Tagen an einem heftigen Unwohlsein. Um aber der Erledigung der Budget- berathung schnellen Fortgang zu laffen, führte v. Stauf- fenberg das Präsidium noch zu Ende. Am 27. v. M. Hal er München zu einem Curgebrauch verlassen; Tag» zuvor wurde er noch durch ein AUerhöchste- Handschreiben und durch die Uebersendung eine­prachtvollen BildniffeS des Königs ausgezeichnet.

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Leidenschaft hingegeben, hing sie nun ihren stillen Ge­danken nach. Sie begriff nun die Gefahren, denen sie sich ausgesetzt hatte, und wunderte sich nicht mehr darüber, daß ihres Gatten Absichten ste vor der Welt und ihren Verführungen hätte schützen wollen. Nun erst machte ihr so jählings und unsanft ge­wecktes Gewissen ihr bittere Vorwürfe über ihre Jrr- thümer Der Schleier war gelüftet, welchen Eitelkeit und Eigenliebe über Alles geworfen hatten, und tief gevemülhigt von diesem Anblicke, wäre ste gern zu dieser Stunde mit dem reumütigen Bekenntnisse ihrer Schuld vor ihren Gatten hingetreten, wenn nicht die Reliquien seiner Vergangenheit aus der geöffneten Schublade sie mit einer verhängnißvollen Bitterkeit wieder ht dem Drang ihres besserm Selbst irre ge­macht hätten.

Es ist kein Zweifel, daß er mich geliebt hat", sagte sie zu sich selbst, als sie sich die mancherlei ein­zelnen Begebenheiten ihres bisherigen Ehestands ver­gegenwärtigte. Ich kann wenigstens nicht daran zwei­feln; und ich selbst habe ihn soweit gebracht, daß er eie Andenken an seine erste Liebe wieder hervorgesucht hat. Allein er that seiner SeitS Unrecht daran, daß er mir dies verschwiegen, denn wenn ich gewußt hätte, oaß sein Herz einst einer Andern ang hört hätte, so würde ich ihn mit mehr Schonung behandelt haben. Aber ich vertraute meinem eigenen Einfluß auf ihn allzuviel. Und wenn ich ihm nun bekennen würde, daß ich unrecht gehandelt und daß ich mein Vergehen einsehe, wie würde er fortan über mich tritimphkren und mir beständig seine erste Liebe als einen Popanz vorhalten, um meine Unterwürfigkeit zu ertrotzen. Rein, wahrlich k das soll er nicht! Ich will , meinen ersten Plan durchführen und ihn glauben machen, auch ich habe mein Andenken aus früheren Tagen!"

(Fortsetzung folgt.)