war convocirt worden, um die Organisation der verschiedenen Facultäten und die Constituirung dcS akademischen Senats vorzunehmen. Da indessen, die .aut die Universität bezüglichen Decrete noch nicht eingetroffen waren, hat diese Organisirung nicht stattfinden können. Hr. v. Roggenbach hat sich unter diesen Umständen damit begnügt, Prof. Dr. Bruch, den bekannten Senior der Straßburger theologischen Fakultät, als Rektor einzuführen, und dem Collegium einige Vorfragen zur Berathung und Verständigung vorzulrgen. — Das vielfach verbreitete Gerücht von WohnungSmangel und Theuerung in der hiesigen Universitätsstadt scheint nicht begründet zu sein. Ein elsässischer Correspondent berichtet, daß die Studirenden sämmtlich in Besitz anständiger Wohnungen seien und sich mit den mit den Preisen, ca. 15—50 Frs. monat lich, sowie mit dem Verhalten der Wirthsleute voll kommen zufrieden erklärten. Auch die Speiselische seien in jeder Hinsicht preiswürdig, es gebe Mittagstische für Studirende zu 1 bis IV2 Frs. mit Wein. — Die Vereinbarung zwischen den elsaß-lothringischen Behörden und der badischen Regierung in Betreff der Anlage von 8 Schiffbrücken ist nunmehr zum Abschluß gelangt; die Hälfte übernimmt das Reichsland, die Hälfte Baden. Die wirthschaftlichen Interessen deS großen ThaleS zwischen Schwarzwald und Vogesen werden durch die neuen Verbindungsmittel wesentlich gefördert werden.
Metz, 30. April. Schon seit einiger Zeit war man gespannt auf eine kirchliche Trauungsfeierlichkeit, dir in der hiesigen Notre Dame-Kirche stattfindcn sollte und zu welcher man, da die Trauung einen französischen Offizier mit einer hiesigen Dame betraf, den Marschall Mac-Mahon erwartete. Die Trauung ging am 22. d. unter großem Zulauf vor sich. Es war der Sohn des Generals Suzanne, der mit einem Fräulein Gvlinet von hier ehelich verbunden wurde. Sowohl an der Mairie, als das Brautpaar dieselbe verließ, wie auch bei der Kirche wurde zu verschiedenen Malen „Vive la Francei“ und „Abas la Prasse!“ gerufen, auch eine Verhaftung wurde vorgenommen; aber die allgemeine Schaulust war doch nicht befriedigt, da Mac-Mahon auSblieb.
Schweiz.
Ber», 30. April. Die hiesige russische Gesandtschaft hat dem Bundesrath mitgetheilt, daß der achte internationale statistische Congreß am 20. August d. I. in Petersburg zusammentreten werde.
Ehur, 30. April. Der Große Rath hat unter Namensaufruf mit 36 gegen 33 Stimmm die revi- dirte BundrSverfaffung für nicht annehmbar erklärt.
Frimkreich.
Part-, 30. April. Geiiton, der wegen Theil- nahme an der Ermordung des Erzbischofs von Paris und anderer Geißeln zum Tode verurtheilt worden ist, wurde heute Mittag auf der Ebene von Satory füsi- lirt. Er starb unter dem Rufe: „ Es lebe die Commune I" — Das große Diner, welches gestern bei Thiers hätte stattfinden sollen, ist um einige Tage verschoben worden. Sein Arzt, Dr. Barthe, will, daß er so wenig.
wie möglich, sprechen soll, und befürchtete, daß er sich zu sehr ermüden würde. Ucber die Jnsurrection in Spanien läßt sich Thiers täglich zweimal die Nachrichten bringen, welche das Ministerium deS Aeußern vom Gesandten und den Confuln in Spanien erhält. Die spanisch-französische Grenze wird fortwährend äußerst streng überwacht. Wie aus einer Note des offtcieöep Blattes hcrvorgcht, wird die Regierung auch sehr streng gegen die Franzosen vorgehen, welche sich am Aufstande in Spanien betheiligen werden. Diese Note lautet: Einige Journale haben angekündigt, daß Franzosen im Begriffe stehen, sich am Kampfe zu be theiligen, der augenblicklich in Spanien stattfindet. Obgleich diese Behauptungen bis jetzt durch Nichts bestätigt wurden, so glaubt die Regierung doch bekannt machen zu muffen, daß sie, ohne gegen die Verbind- lichkeiien guter Nachbarschaft einer befreundeten Nation gegenüber zu handeln und ohne sich Repreffalien auszufetzen, diese Einmischung von Franzosen in die Wirren, welche ein benachbartes Land in Unruhe versetzen, nicht gestatten kann. Sie erinnert außerdem daran, daß jeder Franzose, der ohne Ermächtigung militärische Dienste im Auslande nimmt, dem Art. 21 des Civil gesetzbuchcS gemäß, seine Eigenschaft als Franzose verliert, abgesehen von den Strafen, mit welchen der Art. 84 des Strafgesetzbuches die gegen eine befreundete Nation begangenen feindlichen Handlungen bestraft.— In Havre wurden am letzten Freitag drei Deutsche verhaftet, nämlich der Kaufmann Albert Vogt aus Annolt (?), Preuße, W. Heimann oder Heinnain uvd W. Traat, beide ebenfalls Preußen. Die beiden erste ren waren Passagiere des Dampfers „Frankfurt", der in Havre angelegt halte. Wie die havrer Blätter erzählen, waren die drei Deutschen bei dem Restaurateur Lejeune mit Franzosen in Streit gerathcn, woraus der Wirth seinen Saal räumen ließ. Auf der Straße wurde der Streit fortgesetzt und die Deutschen zogen zu ihrer Verlheidigung Dolchmesser, worauf die Polizei intervenirte und die drei Deutschen festnahm. Der einender Polizei - Agenten soll dabei einen Stich in die Hüften erhalten haben. Die Deutschen wurden nach dem Gefängniß gebracht und sollen der Rebellion gegen die Repräsentanten der bewaffneten Macht und der Verwundung derselben angeklagt werden.
_ Versailles, 30. April. Gestern bei Schluß der Sitzung der Nationalversammlung brachte der Handelsminister Goulard den Gesetzentwurf, betr. die Herabsetzung des Steuersatzes auf fremde Werlhpapicre, ein. Die Abstimmung über denselben wird noch vor den Ferien stattfindeii. Die Zeilungsiiachricht, derzu folge die Rede davon wäre, die Berathung über die Armee-Reorganisation bis nach der Budgetberathung zu vertagen, wird für unrichtig erklärt. — Das große Militärmanöver des Lagers von Meudon hat am 7. d. Morgens und Nachmittags stattgefunden. Es wurde commandirt von General Montandon, dem Oberbefehlshaber deS i. Armeecorps. Drei Divisionen Infanterie mit Artillerie manövrirten gegen eine Di Vision Cavallerie, welche den Feind darstellte und von General Alnay du Frotay commandirt wurde. — DaS
Ackerbau- und Handels Ministerium hat aus verschü denen Gegenden deS Landes sehr günstige Berichtuber die Heuärnte erhalten, welche in den Süddepar- ^ents bereits gemacht ist; dagegen lauten die Berichte über den Weinstock und die Fruchtbäume weniger günstig tn Folge der noch spät eingetretenen Fröste
Belgik«.
Brüssel, 30. April. Die Regierung erklärte ge- stern auf die im Senat vom Abg. Reyntjens einge- brachte Interpellation, daß der belgische Gesandte Solvyns gegenwärtig seinen Wohnsitz in Rom genommen habe, und daß er jetzt auch dort verbleiben werde. u
Großbritannien.
London, 30. April. Ein Telegramm der Times' aus Philadelphia zufolge wäre General Schenck ?», struirt, Lord Granville anzuzeigen, daß Amerika, falls England von vornherein gegen das Princip der Erhebung lndrrrcter Schadenansprüche sich entscheide solchen Beschlüssen beistimmen wolle. Das Schieds genchl werde d.e indirekten Ansprüche solchenfalls nicht diScuttren. Amenka'S Gegenschrift bleibe unverändett obschon das obige Arrangement die indirecten Ansprüche unwirksam mache. ES heißt, daß England den Vor- schlag annehmen werde. - Von den excentrisch-religi- ösen Seelen, welche ab und zu mit dem Gesetze in Colllfton kommen, erregen die „eigenthümlicheu Leute" und dre „Dchutiler" Ohakers) das meiste Aufsehen letztere wegen ihrer wahnsinnigen, sehr stark an das Unziemliche streifenden Tänze, und erstere wegen ihres Glaubens an den Fatalismus, welcher ihnen verbietet dem Kranken ärztliche Hülfe zu bieten, da Gott die Heilung viel besser bewerkstellige, als der Mensch Nun geschieht cS aber zuweilen, daß sich dieser Glaube als irrthümlich erweist, daß der Kranke stirbt und daß die zunächst stehenden Familienmitglieder wegen Tödtuna vor Gericht gezogen werden. So befindet sich jetzt ein Mann in Untersuchungshaft, deffen beide Kinder an den Blattern gestorben sind, weil er sich hartnäckig geweigert hatte, ärztliche Hülfe zuzuziehen oder auch nur die geringsten Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen
Niederlande.
Luxemburg, 30. April. Das „Echo du Luxembourg" schreibt: „In Folge von Eröffnungen BiSmarckS, welche, von Salentiny übcrbrachl, dahin lauten daß wenn wieder einmal ein französisch-deutscher Krieg' ausbrechen sollte, Luxemburg Gefahr laufe, vom eventuellen Sieger anneclirt zu werden, adoptirte die großherzogliche Regierung die vierzigjährige Eisenbahn- Convention, den Eintritt in den Zollverein und Tele. grapheii- und Postvertrag mit Deutschland für dieselbe Dauer. Für bk Bahnlinien gelten die luxemburgischen Eisenbahngesetze. Die Bestätigung dieser Nachricht wird abzuwarlen sein."
Spanien.
ÄNabrib, 29. April. Serrano fängt heute seine Operationen zur Säuberung Navarra'S an, indem er als Ausgangspunkt Tafalla nimmt. — Die Eisenbahnverbindung mit Madrid ist wieder hcrgestellt. Die Republikaner in Pampelona haben von den Behörden
vom Gartenthore aus dir Mauer, von dieser den Balkon erklettert, und da stand ich nun, nur durch die GlaSthüre von Ihnen getrennt, und sah und hörte Alles — Alles. Ich vermuthete, Hermes möchte im Klubb seinen Verdruß mit Wein ertränkt haben und Sie könnten nun unter seiner Brutalität leiden — die blutende Wunde hier an Ihrem Arme hat meine Befürchtungen leider nur allzusehr bewährt. Ich kann mir diesen Umschwung in seinem Verfahren auch nicht anders erklären. Ich sah also Alles, und als der Wütherich Sie verlassen hatte, wollte ich Ihnen beispringen, allein ich bemerkte, daß jeder Versuch, die Balkonthüre etwas weiter zu öffnen, Sie nur von Neuem erschreckte. Als Sie daher den Salon verließen, schlüpfte ich behutsam hinein und folgte Ihnen auf dem Fuße bis hieher in sein Studirzimmer, unb das Uebrige wissen Sie!"
(Fortsetzung folgt)
Die Uxitzerfitat z» Straßburg.
(Schluß.)
Sturm erlebte nicht mehr ben Triumph seiner LieSlingsidee: Die Erhebung Straßburgs zu einer vollstänbigen Universität; er starb im Jahre 1589. Die Halbheit ber Straßburger Hochschule, die bei dem Mangel ber drei anbern Facultäten mit ben scheelsüchtigen Stabenden ber Nachbarschaft schlechterdings nicht roncurriren konnte, sondern immer noch manchen Studenten verlor, der auf einer vollständigen Universität seine Studien beenden und seine Examina ablegen wollfi, machte sich mit der Zeit so unangenehm fühlbar, daß man ernstlich daran dachte, das Fehlende zu ergänzen. Nach mancherlei Bedenken wurde in der That auf dem Reichstage zu Regensburg im Jahre 1594 vorn Magistrat und ben Professoren gemeinsam bie bezügliche Supplik angebracht, freilich nicht mit bem erwünschten Erfolg, benn der Kaiser schloß bie Theologen von dem Rechte, Promotionen zu vollziehen, aus. Obwohl unablässig hin und her petitionirt
wurde, kain man dennoch nicht zum Ziele. Das ersehnte Privilegium für bie Theologie wurde nicht erlangt.
Mittlerweile war der 30jährige Krieg ausgebrochen und da eS dem Kaiser darauf ankam, mit ben Städte» Frieden zu haben und dieselben soviel wie möglich für sich zu gewinnen, so pactirte er mit Straßburg, das den Gegenkaiser Friedrich V. von ber Pfalz unterstützt hatte, unb sagte bei biefer Gelegenheit auch daS Privilegium einer vollstänbigen Universität zu. Dies trug sich im Jahre 1621 zu unb würbe mit bebeutenben Lustbarkeiten uud öffentlichen Festivitäten eine ganze Woche lang gefeiert.
Schon durch den westfälischen Frieden war die Abtretung von Straßburg an Frankreich so gut wie vollzogen worden. Im Jahre 1681 wurde durch Sou- vois von ber Stadt unb Universität factisch Besitz genommen, wobei der letzteren ihr Verbleiben in dem damaligen status quo garantirt wurde, d. h. deutsch und protestantisch. Obwohl im Laufe mehrerer Jahrzehnte bie Universität mancherlei Beschränkungen, be- sonbers ihrer Lehrkräfte und Einnahmen, erlitt, so gelang eS ihr dennoch, sich durch kluge Verwaltung und durch vortheilbafte Berufungen zu dem Rang einer sehr bedeutenden wissenschaftlichen Pflegestätte empor« zujchwingen, und sich besonders durch ihre medicini- jchen Bildungsanstalten einen weitgehenden Ruf zu erwerben.
Vom Jahre 1740 an drang französische Sitte und Sprache in die ursprünglich deutsche Stadt, aus den Salons und Bureaus in die Kreise der Bürger, und zugleich begann die katholische Einwohnerschaft sich mehr zusammenzufaffen uud sich in ihrer Bedeutung zu fühlen. Das Jahr 1770 wird uns als dasjenige bezeichnet, in dem sich der Sieg allmälig auf die französische Seite zu neigen begann.
Die Ereignisse der Revolution von 1789 wirkten ehr nachtheilig auf bie Universität; bie Zahl ber Studitenven sank von 182 auf 72. Außerdem aber
ging man daran, bie Hochschule vollständig zu fran- zösiren unb sie in ein National-Lyceum zu verwandeln. Es wurde von Seiten der Professoren vergeben- in Eingaben und Denkschriften protestirt. Vergebens suchte man ben französischen Machthabern ben burch unb burch deutschen Charakter und den deutschen eulturgeschichtlichen Beruf entgegenzuhalten. Im Jahre 1793 wurde energisch mit Gewaltmaßregeln vorge- gangen; die meisten Professoren verbannte oder warf man in die Gefängnisse, die Güter ber Universität mürben confiscirt unb nur bie Stiftungen ließ man unangetastet
Unter bem ersten Consulat wurden die Güter ber Universität, bie nunmehr ben Namen „Seminaire Protestant“ erhielt, wieder zugetheilt unb es begannen sich auch roieber ©tubenten einzufinben. nachdem man die früheren Lehrer aus ben Gefängnissen befreit und in ihre Aemter roieber zurückgeführt hatte. Aus biefer Anstalt wurde bann bie spätere kaiserliche Universität geschaffen. _________
Literarische».
3« Hause. Geschichten und Bilder pir Kntrrhattunü nut Bt- Irrung. Jahrgang 1872. Stuttgart, Eduard Lander g e r. '
vortreffliche und äußerst billige Familien-Blatt enthalt neben spannenden Erzählungen und Novellen eine fesche Auswahl belehrender Darstellungen, in denen hauptsächlich die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit mit 'hren großen Ereignissen durch Wort und Bild anziehend und anschaulich geschildert werden, daneben ein buntes Allerlei von kurzen Mittheilungen und Anregungen der verschiedensten Art, Ernstes und Heiteres, Räthsel, Charaden, Rebus, Schachaufgaben und Rösselsprünge, so daß das Blatt, welches dabei von außcrordenllicher Billigkeit ist, sich in jeder Weise den besseren illnstrirte» Volksblättern würdig zur Seite stellt. Durch seine enorme Billigkeit — das reichhaltig« Heft kostet nur 2j Sgr. oder 9 kr. — ist selbst der unbemittelten Familie die Anschaffung dieses gediegenen Unterhaltungsblattes ermöglicht, welches Überdieß noch jeden Abonnenten durch seine prächtige GratiS-Ltahlstich-Präwit m den unentgeldlichen Besitz eines werthvollen Zimmer- schmuckes setzt.