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Ul'. 102. Markurg, Donnerstag, den 2. Mai 1872.

OterhesMe Leitung. .

flrfieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal der Oberhrsfischeu Peitnug mit Kreitblatt durch die Expedition (Äoch'sche »uchdruckerei) bezogen 884 Lar., durch die Postämter 87 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 81 »gr. Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

auf dieOberhcsfischcZkitung" ÖC|lvUUlll|Vll für die Monate Mai und I«nt werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostbotcn, sowie in sSRat- bürg von der Expedition entgegengenommen.

~Deutsches Strich.

Berlin, 30. April. DieCorresp. Stern" meldet: Der gestern dem Bundeörache vorgelegte Gesetzent­wurf, betr. den außerordentlichen Geldbedarf für die Reichs-Eisenbahnen in Elsaß-Lothnngen, bestimmt in seinem einzigen Paragraphen, daß dem Reichskanzler 6,106,000 Thlr. aus den bereitesten Mitteln der von Frankreich zu zahlenden Kriegskostenentschädigung zur Verfügung gestellt werden sollen, wovon 2,064,000 Thlr. für die Bahnen: 1. von Diedenhofen bis zur Landesgrenze in der Nähe von Sirk, 2. von Colmar nach Breisach, 3. von Metz bis zur Landesgrcnze bei AmanvillerS, und 4,042,000 Thlr. für die Vermeh­rung des Betriebsmaterials, Bau von Dienstgebäu- den u. s. w.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die vom Kaiser unterm 28. April vollzogenen, die Gründung der neuen Universität Straßburg betreffenden Aktenstücke, nämlich die Stiftungsurkunde, das Gesetz betr. dir Verfassungs- und Verwaltungsverhältnisse der Hoch­schule und das Gesetz, betr. die aus der Landeshaupt kaffe von Elsaß - Lothringen für die Universilät im Jahre 1872 zu verwendenden Mittel. In der Grün- dungSurkunde heißt es:Wir begründen diese Hoch­schule , die aus dem Elsaß und aus Lothringen so viele hochgelehrte Lehrer empfing, und diesen Länder» rote der Welt Männer, tüchtig in allen Zweigen der Wiffenschaft, zurückgegeben hat, von Neuem, auf daß an ihr im Dienst der Wahrheit die Wissenschaft ge­pflegt, die Jugend gelehrt, und so brr Boden bereitet werde, aus welchem mit geistiger Erkenntniß wahr haste Gottesfurcht und Hingebung für daS Gemein­wesen gedeihen. Wir wollen, daß die Universität mit allem zur Erfüllung ihrer Aufgabe Nothwendigen, insbesondere mit den nöthigen wissenschaftlichen HilsS- anstalten ausgestattet und daß für deren Erhaltung dm Anforderungen der Wissenschaft entsprechend Sorge getragen werde. Vorläufig und bis zur Herstellung anderer Gebäude überweisen wir der Universität die bisher von der Akademie benutzten Gebäude, außer

Tiitlschunge«.

Eine Erzählung aus dem Leben von ®. F. (Fortsetzung.)

Der Ton, welcher sie schon vorhin erschreckt hatte, wiederholte sich; ein Fensterladen krachte eS konnte der Wind es gethan haben; nun aber sah sie gar mit Entsetzen, wie sich die Thüre, die von dem Salon auf den Balkon führte, mit leisem Knarren langsam öff nete.....Mit einem leichten Angstschrei eilte sie von

Schreck ersaßt aus dem Gemach, die Treppe hinab, in die Studirstube chreS Gatten sie flüchtete unbe­wußt und unwillkürlich zu ihrem natürlichen Beschützer. Die Lampe brannte noch aus deS Doctors Schreib­tische, und, der erste Gegenstand, der ihrem Blicke be­gegnete, war die offene Schublade, welche ihr Gatte ju schließen vergessen hatte. Sie nahm den welken Kranz und las Namen und Datum dran; aber er mtfiet ihrer zitternden Hand, und eiligst durchmustette sie auch die übrigen Andenken. Es gelüstete sie so­gar, ein versiegeltes Päckchen Briefe zu öffnm, aber sie wagte e» nicht, weil Karl daS verletzte Siegel hätte bemerken können. Endlich kam sie an die lange ka­stanienbraune Haarlocke, und nun schwand die Farbe von ihrem Antlitz und ihren Lippen. Sie riß den Strang Haare auseinander und schon reckte sich ihre Hand nach der Lampe aus, um sie zu verbrennen, da wechselte plötzlich der Ausdruck ihres Gesichts, ein tririmphirendeS, fast höhnisches Lächeln zeigte sich auf demselben und sie legte die Haarlocke sorgsam wieder tn daS Papier. Bei diesem Bemühen fiel ihr Blick zufällig aus die Thüre diese stand weit offen, und rs rieselte ihr eiskalt durch Mark und Bein vom Scheitel bis zur Sohle, als sie zwischen Thüre und Angel den Asseffor Eduard Grahm stehen sah, dessen Blick fest aus ihr hastete. Den Finger an die Lippen trat er mit geräuschlosem Schritt aus sie zu.

Erschrecken Sie nicht!" flüsterte er.Ich will Rnen in wenigen Worten erklären, wie ich hieher kam. Kommen Sie, setzen Sie sich! Sie sind un-

welchen sie auch die von der Stadtgemeinde Straßburg zeitweise zur Verfügung gestellten Räume im Schloß gemeinschaftlich mit der UniversitätS- und Landes- Bibliothek zu benutzen hat. Wir verleihen derselben daS Recht, ihre eigenen UniversitätS- und Facultättz Angelegenheiten nach der in dem UniversitätS Statut zu gebenden Ordnung zu verwalten und sich ihren Rcetor unter Unserer Genehmigung, sowie die Dekane ihrer Facultäten selbst zu bestellen. Wir verleihen den Facultäten das Recht, den Doctor- grad unter Autorität der Universität, nach einer von den Facultäten selbst auszustellendeu Promotions-Ord­nung zu ertheilen, überzeugt, daß diese Würde nur an solche vergeben werden wird, welche durch den Ernst ihrer wissenschaftlichen Leistung daS Ansehen der Hochschule in neuen Glanz zu bringen geeignet sind. Wir gewähren, daß die Fakultäten nach von ihnen selbst gegebener Habilitationsordnung neue, in der Wissenschaft bewährte Lehrer zum Lehramte in ihrer Mitte zulassen, verordnen endlich, daß die Uni­versitätStraßburg" das Siegel der alten Universität Straßburg führe, wie es ihr von dem ersten Be­gründer der Hochschule verliehen worden ist, mit der Umschrift:Sigillum academiae Argentinensis. Die Ernennung des Ersten Rectors der Universität, der sein Amt verwalten soll, bis der nach dem Statut zu wählende Rector dasselbe übernimmt, behalten Wir Uns vor." Durch das erstere der oben erwähnten Gesetze werden der Universität alle Rechte einer öffent­lichen Anstalt, besonders auch die juristische Persön- sichkeit verliehen; die aus französischer Zeit vorhan­denen fünf Fachschulen werden aufgehoben; in ihre RechtSverhältniffe tritt die neue Universität, deren obere Leitung beim Reichskanzler steht. Die Bestel­lung des CuratorS sowie die Ernennung der zu be­rufenden ordentlichen Professoren behält sich der Kaiser vor. Die innere Verfassung und Verwaltung der Uni­versität wird durch ein Statut sestgestellt werden, daS der Kaiser nach Vernehmung der Universitätsvertre­tung erlassen wird. Laut dem zweiten Gesetz ist für daS Jahr 1872 der Betrag von 200,000 Thalern aus der LandeShauptcaffe von Elsaß Lothringen für die Universität zu verwenden. DerReichsanzeiger" veröffentlicht zugleich die Namen dertzvom Kaiser er­nannten ordentlichen Professoren.

wohl; man sieht es an Ihrem bleichen Besicht und Ihren weißen Lippen; die gehabte Alteration wird Sie-krank machen. O theuerste Malwine! lasten Sie mich Ihnen gestehen, wie ich Sie anbete, damit mein zudringliches Erscheinen au dieser Stelle wenig­stens eine Rechtfertigung hat . .. ."

Schweigen Sie! sagen Sie mir kein Wott, Eduard!" fiel ihm Malwine ins Wort und der Ton ihrer Stimme war streng.WaS würde Er dazu sage», wenn er Sie hier fände!" Gehen Sie! fort! fort! ich bitte Sie! Schon der Gedanke daran macht mich erbeben!"

Ich will gern gehen, wenn meine Abwesenheit Ihnen wohl thut! Aber zuvor, Malwine, lassen Sic mich Sie beim Theuersten beschwören, mir zu folgen und ein Haus zu verlassen, wo man Ihnen so be­gegnet! Wollen Sie noch länger bleiben und sich eine Behandlung gefallen lassen, wie ich sie heute Nacht als Augen- und Ohrenzeuge miterlebt? Theuerste Malwine, wollen Sie nicht mir folgen und sich gegen seine Rohheit unter meinen Schutz stellen?"

Frau Hermes war betreten, verdutzt; sie hatte offenbar Sinn und Absicht seiner Worte nicht verstan­den, denn sie erwiderte ruhig:Sie sind sehr freund­lich ; eS thut mir leid, daß er an Ihnen seinen Zorn ausgelassen hat, wie an mir; aber Sie müsten ihm nm meinetwillen vergeben. So lang ich ihn kenne, habe ich ihn nicht so rauh gesehen. Was mich anlangt, so würde ich ihm Alles vergeben und vergesten haben, wäre dieses hier nicht gewesen!" fuhr sie, auf den Schreibtisch deutend, fort;sehen Sie, Herr Grahm, er liebt mich nicht, er hat mich nie geliebt hier liegen die aufgespeicherten Schätze und Denkmale einer innigeren, tieferen Liebe. Gestehen Sie mir's, denn Sie müssen eS ja wissen, war mein Gatte jemals der erklärte Geliebte Ihrer Stiefschwester Helene Schwab?"

Der Assessor kniff die Lippen eng zusammen, und sein graues Auge blitzte tote eine hellpolirte Stahl­spitze ; er nickte bejahend und erwiderte:Allerdings,

Der Reichskanzler hat in der Commission auf die Anfrage Lesie'S zum Etat deS auswärtigen Amtes, ob Seitens der Bundesregierungen bei der Erwerbung des Palastes Caffarelli in Rom die Gründung einer Akademie für deutsche Künstler beabsichtigt werde, er­widert, daß dies bisher nicht geschehen sei, daß aber, falls der Reichstag den Wusch auSspreche, die Bun­desregierungen gerne die Angelegenheit einer sorgfäl­tigen Erwägung' unterziehe» würden. Der Reichs­kanzler bemerkte noch, daß Seiten« der preußischen Regierung die Frage wegen Errichtung einer Kunst­akademie in Rom schon längere Zeit in« Auge ge­faßt, die Verwirklichung deS Plane« aber an Geld­mangel gescheitert fei.

In Betreff des amerikanischen ConsularvertrageS ist noch nachzutragen, daß Hr. G. Bancrost die ame­rikanische Ratificationsurkunde vorgestern Mittag über­geben hat. DaS preußische Aktenstück, besten lieber« gäbe wegen einer Formalität noch auSstanb, ist bem amerikanischen Gesandten gestern Mittag 1 Uhr zuge­gangen. Damit ist bie Angelegenheit vollständig er­ledigt. DieKreuzztg," schreibt:ES erregt nach verschiedenen Seiten ein gewisses Aufsehen, daß Hr. v. Forckenbeck auS der Reichstags-Commission für da« Militärstrafgesetzbuch auSgeschieden ist, obschon er zum Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt war." Seit einiger Zeit bekämpfen sich die Berliner und respek- tiven Provinzialblätter Degen Gründung einer Uni­versilät im Großherzogthurn Posen.

Königsberg, 30. April. Die Studirenden der hiesigen Universität hatten beschlossen, für den Fall 8 Deputirte nach Straßburg zu senden, daß denselben auf Verwendung des Prorektors vom Handelsrninister freie Fahrt bewilligt würde. Nachdem ein dahin ge­richtetes Ansuchen der Universitätsbehörde abschläglich beschieden worden ist, soll als vsficieller Ausdruck der Theilnahme nur eine Gratulationsadresse nach Straß­burg abgesandt werden.

Straßburg, 30. April. Die Festgenostm treffen äußerst zahlreich ein. Von Wien allein sind 30 Stu- dirende angekommen. Heute Abend findet Empfang der Deputirten der Universitäten statt. Die Vorlesungen beginnen am 6. Mai. Das Profestorencollegium der neuen Universität ist am 25. d. zum ersten Male zu einer officiellen Berathung zusammengetreten. E«

Madame! der Doctor war, bevor er Sie kennen lernte, mit Helenen förmlich verlobt!"

Wirklich! da« soll er mir büßen!" entfuhr ihr rasch und ein wildes Feuer blitzte in ihrem Auge. Die unwillkürliche Aeußerung ihres Groll« rief ein halb unterdrücktes Lächeln auf des Assessor- Lippen hervor, und al« Malwine nun gar ausstund, eine Scheere ergriff, welche auf dem Schreibtische lag, und auf ihn zutretend, ihn um bie Erlaubniß bat, eine Locke von seinem Haar abschneiben zu bürfen, Über­strahlte unwillkürlich ein Zug wilber Freude seine Züge.

Malwine legte bie Haarlocke so gleichgültig auf ben Tisch, als wär« eine Feber ober eine geruchlose Blume gewesen, unb er gewahrte nun erst, daß er allzu eilfertig Hoffnungen für die Förderung feine« Planes gefaßt hatte, wo keine solche vorhanden waren.

Ich muß Sie, als den Freund meine« Gatten, ersuchen, unser unglückliches eheliches Verhältniß doch ja zu verschweigen!" fuhr Malwine fort unb von Neuem lagerte jener Zug von wilder Schabenfreube auf seinem Gesicht, unb sein Auge blitzte abermals von jenem Hellen fast giftigen Glanze.Zwar weiß ich nicht, wieviel Sie gesehen haben ober wie Sie e« sahen, benn ich glaubte, mein Gatte habe die Thüre vor Ihnen verschlossen, als wir in'sHauS traten..."

DaS will ich Ihnen erklären," fiel ihr Grahm inS Wort.Als ber Doctor mir so unhöflich bie Thüre vor ber Nase zuwarf, blieb ich wie verdutzt draußen stehen, um mich zu sammeln, unb sanbte ben Wagen weg. Eine Ahnung sagte mir, baß Sie eine häusliche Scene zu bestehen haben würbeit, unb ich verweilte gleichsam instinktmäßig. Balb hörte ich auch wirklich droben laut reden, unb verstand jede« Wort - so deutlich, daß ich daraus schloß, es muffe ein Fen­ster des Salonö offen fein. Ein Blick sagte mir, daß die Balkoitthüre offen stand, und da das Zwiegespräch immer lauter und leidenschaftlicher wurde, zog es mich unwiderstehlich, Ihnen der schwachen, bedrohten Frau hülfreich beizuspringen. Im Nu hatte ich