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Marburg, Sonnabend, den 27. April.

1872.

Ur. 98

Oterhessische Zeitung

nach Abzug der Präcipualleistungen der Rest Kriegscontribution vertheilt werde mit % seines trage« nach dem Verhältnisse der militärischen stungen jedes betheiligten Staates im Zeiträume 16. Juli 1870 bis 1. Juli 1871, wie diese

flWifrThtnitnt "Us dieOberhcsfische Zeitung" öv|l^UllUyCU für die Monate M a i und Juni werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Mar­burg von der Expedition entgegengenommen.

der Be- Lei- vom Lei-

Täuschuuge».

Eine Erzählung aus dem Leben von G- F.

(Fortsetzung.)

Mathilde gähnte und ergoß sich, als ihre Herrin boe Zimmer verlassen, in einen Strom bitterer Worte über ihr LooS, das sie verurtheilte, den ganzen Tag emsig zu arbeiten, und dann noch die halbe Nacht wach zu fitzen und Madame zu erwarten. Als sie aber in's anstoßende Zimmer kam, wo die beiden Kinder im süßen Schlafe der Unschuld lagen, wich ihr Unmuth, denn sie liebte die Kleinen zärtlich. Sie zog ein Tabouret neben daS Bett der kleinen Helene, lehnte den Kopf auf das Deckbettchen des lieben Engels und schlief bald so gesund wie diese.

Mittlerweile stieg Malwine in das Erdgeschoß hinunter, wo des Doktors Studirzimmer lag, und blieb vor der Thüre stehen. Ihr Herz pochte laut, und sic zitierte bei dem Gedanken, daß sie ihres Gat­ten Mißfallen erregen werde, allein sie wagte es doch nicht, das HauS ohne sein Vorwissen zu verlassen. WH ihren Muth aufbietend, betrat sie endlich das Zimmer.Ich bedaure sehr, daß Du heute Abend nicht mitgehst, Karl", sagte sie schüchtern;ich wollte Dir aber nur im Vorbeigehen jagen, daß Du um Meinetwegen nicht in Sorge zu sein brauchst. Dein Freund, Assessor Grahm, wird mich begleiten!" Ihr Ton war recht freundlich, nur befangen und unge­wöhnlich verlegen, so daß deutlich zu sehen war, wie ihr nicht ganz wohl zu Muthe war.

Herr Hermes blickte seiner Frau ernst in'S Gesicht, und sagte:Ich wußte und erwartete nicht, daß Du ^iese FZte besuchen würdest. Noch vorgestern sprachen

DeulfcheS Keich.

Berlin, 25. April. DieProv. Corresp." führt heute in ihrem LeitartikelFinanzüberschuß und Steuererleichterung" in Kürze die Mittheilungen des Knanzminifters über den Finanzabschluß des Jahres 1Ö71 vor, und knüpft daran die Bemerkung, daß die Regierung daran festhält, die von ihr in Aussicht ge­nommenen Steuererleichterungen durchzuführen, indem fie an dem Gesichtspunkte festhält, welchen der Finanz Minister in früheren Erklärungen dargelegt hat. Die Schlußsätze des Leitartikels des halbamtlichen Blattes lassen erkennen, daß die Regierung auch andern als lästig anerkannten Steuern, wie z.B.der Zeitungssteuer, kein verneinendes Veto entgegenstcllt. In Betreff der Kreisordnuugs-Reform bringt daS offizielle Organ nur eine kurze Notiz über die Bcrathung der Herren­haus-Commission und hofft, daß die Berathung dieses wichtigen Gesetzes auch im Plenum des Herrenhaujes alsbald zur Bcrathung gelangen werde. So berechtigt dieser Wunsch ist, so möchten wir doch behaupten, daß die Regierung nicht ganz diese optimistische Anschauung theilt, denn sie neigt sich hier vielmehr der in Abge- »rdnetenkreisen herrschenden Meinung bei, daß ein Ge- siugen des Gesetzes doch sicher in Frage stehe. Die freie Commission für Berathung der Kreisordnung hat bereits 70 Paragraphen durchberathen und hier ist Aussicht aus Erfolg, namentlich kommt eS dieser Com misfion sehr zu Statten, daß Dr. Friedenthal (nicht Geh. Rats Friedberg, wie in einigen Blättern irrthüm- lich angegeben ist) mit den Intentionen des Abgeord­netenhauses so wie mit den Absichten der Regierung vertraut ist. In Betreff der falschen Gerüchte über die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich registrirt dieProv.-Corr." in nachdrücklicher Weise die von zuständiger Seite gegebenen Dementis; es möchte zu diesem Thema noch zu bemerken sein, daß es nicht richtig ist, daß General v. Treskow mit einer besonderen Mission nach Versailles gesandt ist und daß Graf Arnim bereits nach Versailles zurückgegan- gtn ist. Ersterem ist ein Commando bei der Occu- pationsarmee zuerlheilt, letzterer befindet sich noch in Berlin. Unrichtig ist ferner die Nachricht, daß Re gicrungs - Präsident v. Puttkammer aus Gumbinnen als Präsident nach Wiesbaden gehen werde; Hr. von Puttkammer, der einige Tage in Berlin verweilte, ist bereits wieder nach Gumbinnen zurückgereist. Auch

die Mittheilung, daß der Geh. Medizinalrath Dr. Hausseln an Stelle des Dr. Frerichs zum Präsident der wissenschaftlichen Deputation für Medizinalangele- genheiten ernannt sei, wird in unterrichteten Kreisen als etwas voreilig bezeichnet, man hält dafür, daß ein Beschluß in dieser Angelegenheit noch nicht gefaßt ist.

Die heutigeProv. Corresp." schreibt:Unser Kaiser ist sin Folge der neulichen Verletzung eines Fußes an dem vollen Gebrauche desselben noch jetzt verhindertj; doch dürfte das liebel in Kurzem gänzlich gehoben sein. Im Uebrigen ist das Befinden Sr. Majestät dnrchaus erwünscht". Die Kaiserin be­gibt sich am 29. April auf etwa zehn Tage nach Eng­land, bei der Rückkehr nach dem Continent über Cob- lenz zum Gebrauch einer Frühlingskur nach Baden Baden. Das Kronprinzliche Paar hat jetzt mit der neugeborenen Prinzessin sieben lebende Kinder: 1) Prinz Friedrich Wilhelm (geb. 27. Januvr 1859), 2) Prinzessin Charlotte (geb. 24. Juli 1860), 3) Prinz Heinrich (geb. 14. August 1862), 4) Prinzessin Victoria (geb. 12. April 1866), 5) Prinz Waldemar (geb. 10. Februar 1866), 6) Prinzessin Sophie Dorothea (geb. 14. Juni 1870), 7) die jüngst ge­borene Prinzessin.

Berlin, 25. April. Die Bundesbevollmächtigten Baierns und WürtcmbergS haben, wie dirCorr. Stern" meldet, betreffs des Vertheilungsmaßstabes der französischen KriegScontribntion vorgeschlagen, daß

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhcsfischen Zeitung mit Kreisblatt durch die Expedition (Koch'sche Luchdruckerei) bezogen 28; Egr., durch die Postämter 87 Lgr. 6 Pfg (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Lgr. InsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

stungen nach dem Effeclivbestande von Mannschaften und Pferden von der hierzu niedergesetzten Commission ermittelt wurden, sowie mit % seines Betrags nach dem Maßstäbe der Bevölkerungszahl Der heutige Staatsanzeiger" bringt die Ernennung des Predi­gers Wilhelm Baur in Hamburg zum vierten Hof- und Domprediger an der Domkirche in Berlin. Vorgestern ist hier der Wirkt. Geh. Rath v. Olferö, 79 Jahre alt, gestorben.

Zu dem von derSpcn. Ztg." mitgetheilten Ge­rücht, Prinz Leopold von Baiern, der Verlobte der Kaisertochter von Oesterreich-Ungarn, sei Willens, in der deutschen Armee seinen Abschied zu nehmen und in die österreichisch ungarische einzutreten, macht die N. A. Ztg." folgende Bemerkung:Sollte sich das Gerücht bestätigen, so würde in den Reihen der deut- fchen'Armec das lebhafteste Bedauern darüber fühlbar werden, einen Prinzen ausscheiden zu sehen, der sich im Kriege rühmlich hervorgethan und sich im deutschen wir von dem, mindest gesagt, zweideutigen Rufe der Frau von Walzen, und Du fagtest, Du werdest nicht hingehen!"

Das hab' ich nicht gesagt", gab Malwine zur Antwort.Ich äußerte nur, daß ich keine Enladung erhalten, daß ich aber ganz bestimmt gehen werde, wenn ich eine solche bekäme. Du sagtest, Du würdest nicht hingeheii und mich auf keinen Fall begleiten, und ich sagte, das könntest Du natürlich ganz nach Deinem Belieben thun!"

Diese Antwort war also nur ein Kunstgriff, um mir auszuweichen?" fragte der Doctor verdüstert. Es war wohl ein absichtlicher ausweichender Be scheid. Jenun, meinethalben denn! Thuc, waS Du für gut findest, allein ich werde es hoffentlich noch erleben, daß Du diesen Abend und seine Folgen be­reuest. Ich werde mich von nun an nicht mehr um Dein Thun und Treiben bekümmern!" Damit wandte er ihr verletzt den Rücken. Malwine öffnete unge­duldig die Thüre und eilte ohne eine Antwort aus dem Zimmer. Draußen auf dem Flur warteten der Asseffor und der Diener Friedrich mit dem Armleuch­ter. Der Doctor wollte ihr auf dem Fuße folgen; allein nicht sobald hörte er draußen muntere Stimmen scherzen, in denen er die seiner Frau und des Asses­sors erkannte, so trat er unwillig von der Thüre zu­rück, um nicht den Horcher zu spielen. Der Wagen rollte davon, und der Doctor warf sich in seinen Lehnstuhl und brütete in einsamem Schweigen über die bitern Gefühle und Aufregungen seines Herzens. Die Gegenwart war ihm peinlich, die Vergangenheit er wagte nicht daran zu denken; kein Wunder daher,

Officier-Corps einen Namen erworben hat. Besonders zu bedauern wäre es im Interesse der braven, baieri- schen Truppen. Wie wohlthuend der Einfluß von Führung und Kameradschaft kriegstüchtiger, einheimi­scher Fürsten wirkt, davon liefert das sächsische Heer ein glänzendes Beispiel. Die baierische Armee ent­behrte schon längere Zeit den intimeren Zusammenhang von Mitgliedern des königlichen Hauses mit ihrem Wirken und Streben, das eines solchen Vorzugs sich so wahrhaft werth gezeigt hat. Gerade Prinz Leo­pold, durch Heldensinn ausgezeichnet und voller Ver- ständniß für soldatisches Wesen, im Verkehr mit den Kriegern einsichtig und theilnehmend, ist im bayrischen Heere durchaus an seinem Platz. Für die baierische Armee würde es ein großer Verlust sein und der treff­liche baierische Kriegerstand würbe es schmerzlich em- psinden, wenn gerade Prinz Leopold in Folge seiner Vermählung der baierischen Armee entzogen werden sollte.

Insterburg, 25. April. Der Pfarrer Blaschy hat vom Bischof von Ermeland den Befehl erhalten, die jüngst vom altkatholischen Pfarrer Grunert voll­zogene Taufe in's Kirchenregister einzutragen.

Wiesbaden, 25. April. DerRh. K." schreibt: Der hiesige Gemeinderath hat schon vor längerer Zeit eine Eingabe an den Herrn Justizminister abgchen lassen, worin derselbe gebeten wird, das Appellations­gericht in Wiesbaden zu belassen. Bis heute ist je­doch noch kein Bescheid darauf eingegangen.

München, 25. April. In der heutigen Sitzung der Abgeordlietenkammer beantwortete Cuttusminister Lutz die Interpellation Gerstner dahin, daß derselben durch eine an die rheinpfälzische Regierung erlaffene' Ministerialentschließung stattgegeben sei, wonach die Eltern über den Religionsunterricht ihrer Kinder das absolute Recht hätten; diese Eiitscbließung sei allen anderen Regierungen zur Nachachtung mitgetheilt. Das Finanzgesetz mit 110,188,260 Gulden wurde genehmigt, der Antrag des Reichsrathes dagegen, für die Regierungsprcsse 10,000 Gulden einzustellen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Der feierliche Schluß des Landtags wird künftigen Montag durch den König persönlich vorgenommen werden. Dem Vernehmen nach sollen alle Lanbwehrosfizie« der baierischen Armee bis zum zurückgclegten siebenten Dienstjahre zu Re­serveoffizieren ernannt werben, um dann die weiteren fünf Dicnstjahre wieder als Landwehrojfiziere zu fun- giren. Die Neubewaffnung der in Frankreich stehenden zweiten baierischen Infanterie Division mit dem Werdergewehre ist jetzt vollständig durchgeführt.

Oesterreich - Ungarn.

Wien, 25. April. DieWiener Zeitung" ver­öffentlicht ein kaiserliches Handschreiben vom 22. d., wenn sein inneres Auge sich zu dieser zurückwandte! WaS mochte aber in dieser liegen, daS einen liefern schatten über feine Züge, eine tiefere Betrübniß über sein Auge warf; es tauchte die Erinnerung in ihm auf an ein Unrecht und eine Ungerechtigkeit, an eine grausame Kränkung, die er einst einer andern zu­gefügt , und von diesem Vergehen erntete er jetzt mit Wucher die Sündenschuld.

DaS Herz war» dem * armen Manne immer schwerer, als er sich Schritt für Schritt die Bethö- rung wieder ins Gedächtniß rief, die ihn verlockt hatte, dem edlen, tugendhaften, großmüthigen Wesen, oaS er früher angebetet, die gelobte Treue zu brechen. Seine Brust wallte stürmifch, und sein starker Körper erbebte unter dem Strome von Gedanken, der ihn durchtoste.Ja, ja!" flüsterte er endlich auffpringend und ging mit heftigen Schritten im Zimmer auf und ob;ich verdiene es nicht bester! Meine Sühne ist eine gerechte und verdiente! Wie freudig würde ich jetzt die wilde, leidenschaftliche Anbetung, die ich für Malwine fühlte, für die stille ruhige Liebe vertauschen, die einst in meinem Herzen für eine andere schlug. Aber es ist zu spät, zu spät!" Er staub vor dem Bleistiftportrait seiner Frau stille, das über seinem Schreibtisch hing, vom Schein der Lampe voll be­leuchtet, und seine Lippe bebte nun vor zärtlicher Htn- gcbung und tiefem Schmerze, als er fortfuhr:Ach Malwine, wie sorgsam würde ich Dich vor allem Un­heil bewahrt, wie innig würde ich Dich durch alle Heimsuchungen, und alle Schicksalswechsel geliebt haben! Der Himmel gebe Dir nur, daß Du nie der Liebe bedarfst, die Du Deiner Eitelkeit geopfert hast!" Er