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Marburg, Mittwoch, den 24. April.
1872.
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täcili» außer ben Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal bei Oberhesfischen Settuug mit Krei,blatt durch die Expedition («och'sche Rock druckerei) bezogen Ml Lar., durch die Postämter 87 Lgr. « Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 88 »gr.-
w Jnjernonsgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an-
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auf die „Oberhesfische Zeitung" öC|IvUUlll|vU für die Monate M a t und 3«nt werden auswärts von allen Postanstalten und Ulf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Marburg von der Expedition entgegengenommen.
Deutsches Strich.
A Berlin, 22. April. Nach der Erklärung des Präsidenten des Bundeskanzleramtes Staatsministers Delbrück in den heutigen Sitzung des Reichstages ist er entschieden, daß der Entwurf eines Reichs-Preß- gesetzeS in dieser Session nicht mehr zur Vorlage gelungen wird. Man kann noch so sehr wünschen, daß der Presse ihrer in Wahrheit bedeutsamen Aufgabe entsprechend der weiteste Raum zur freien Bewegung verstauet werde, so muß man doch gerade im Hinblick auf die gegenwärtigen politisch-kirchlichen und socialen Zustände es für nicht bedauernöwerth halten, daß das Reichs-Preßgesetz erst in der nächsten Reichs- tagSSession zur Berathung und zum Abschlüsse zu kommen bestimmt ist. ES kann keinen Augenblick bezweifelt werden, daß daS in Aussicht stehende Gesetz sich auf der Basis ausgiebigster Freiheit bewege und von einer Reihe bisheriger Beschränkungen Abstand nehme, welche die Herausgabe von Zeitungen insonderheit in einer früher schwerlich geahnten Weise zu erleichtern bestimmt und geeignet sind. Run muß man sich vergegenwärtigen, daß die Ultramontanen als Hauptmittel ihrer Agitation gerade die Herausgabe katholischer Preßorgane zur Anwendung zu bringen beabsichtigten, wie dieses in ihren Versammlungen und den Hauptblättern ihrer Partei, so namentlich der „Germania," wiederholt proclamirt wurde. Welche Gefährdung des schon so sehr bedrohten confessionellen Friedens würde aber zu befürchten sein, wenn die schon jetzt eintretende Freiheit der Presie von Cau- tion und Stempelsteuer eS den Ultramontanen auf die leichteste Weise ermöglichte, das deutsche Reich mit einer Fluth von staats- und nationaljeindlichen Zeitungen gleichsam zu überschütten. Ein ähnliches Ver- hältniß würde sich für die alle staatlichen Fundamente unieiwühlende social-demokratische Partei Herausstellen, während andererseits anzunehmen ist, daß die wilden Massen der bezeichneten Parteien sich bis dahin wenigstens einigermaßen verlaufen und ernüchtert haben werden, wo es voraussichtlich zur Vorlage des Reichs- Preßgesetzes kommen soll. Wenn die Organe der
übrigen Parteien unter solcher Verspätung zu leiden haben, so mögen sie bedenken, daß sie dies Opfer im eigentlichen Sinne der guten Sache bringen. — Die wichtigste Quelle für die Beurtheilung des Wesens der ^communication ist das auf Befehl des Papstes Clemens VIII. zuerst und später mit Gutheißung von Urban VIII. und Benedikt XIV. wiederholt heraus- gegebenen pontificale Romanum. Nach diesem mit voller päpstlicher Autorität bekleideten Handbuche wird nun von der feierlichen Excommunication wegen schwerer Verschuldungen, wozu die Häresie zu rechnen ist, und von den Folgen derselben gesagt: „verflucht sei er (der also Excommunicirte) innerhalb wie außerhalb deö Hauses, verflucht in der Stadt und auf dem Lande, verflucht beim Wachen und Schlafen, verflucht beim Essen und beim Trinken u. s. w. Es komme über ihn der Fluch, den der Herr im Gesetze durch Moses über die Söhne der Sünde zuließ (Ve- niat super illum maledictio hominis, quam per Moysen in lege filiis iniquitatis dominus permisit) u. s. w." Angesichts der Beschönigungen der Anhänger des Curialsystems und der Leibtheologie der deutschen Bischöfe und dieser selbst, so des Bischofs Crementz, spricht das pontificale romanum hinläng lich klar und deutlich.
München, 22. April. Die Abgeordnetenkammer nahm heute den baierischen Militär-Etat im Betrage von 19,076,748 Gulden an, desgleichen den Gesetzentwurf, betr. den außerordentlichen Militärcredit für die Periode vom 1. April bis 30. Juli 1871 im Betrage von 10,400,000 Gulden. Die Regierungs postulate für die Vervollständigung der baierischen Staatseisenbahnen im Betrage von 14,338,000 Gulden und für Ergänzung resp. Vermehrung deö Fahrmaterials der Staatseisenbahnen im Betrage von 8 Millionen wurden gleichfalls genehmigt.
Oesterreich - Unaarn.
Wie«, 22. April. Die „Wiener Abendpost" versichert aufs Bestimmteste, weder hätten zwischen Oesterreich und Rußland anläßlich der galizischen oder irgend einer andern Frage irgendwelche Erörterungen ober Mißstimmungen stattgefunden, noch habe der russische Gesandte v. Novikoff die ihm zugeschriebene Mission haben können, durch seine Pestcr Reise den Fortbestand der nicht gestörten guten Beziehungen Rußlands zur Monarchie demonstrativ zu beweisen. Der russische Gesandte habe gleich den übrigen Ver
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Täuschungen.
Eine Erzählung aus dem Leben von G. F. (Fortsetzung.)
Die Meinungsverschiedenheit beider Gatten über diesen Punkt war in der That das Einzige, was den klaren Horizont ihres ehelichen Lebens mit Wolken überzog — Wolken, die zwar anfangs immer rasch wieder verzogen, aber doch nach und nach die Sonne der Liebe oft auf längere Zeit verdunkelten, ja sogar da und dort ein kleines Gewitter heraufbefchworen, welches sich in einzelnen Blitzen bitterer Vorwürfe, in Donner von Wortwechseln entlud und erst verzog, wenn Malwinens Thränen als befruchtender Regen den letzten Nebel vom Ehestandshimmel entführt hatten. An diesen Gewittern war meistens Malwinens Mutter Schuld, eine nocb immer etwas eitle Frau, deren Ein und Alles das verjüngte Ebenbild ihres einstigen Ich war und die stets behauptete, die Heirath ihrer Tochter mit diesem Manne sei nach Stand, Charakter und Bildungsgang eine durchaus verfehlte, eine entschiedene Mesalliance. Allerdings ergriff Malwine, für den Galten und seine trefflichen Eigenschaften deS Ge- müthS und Geistes noch immer eingenommen, stets seine Partei der Mama gegenüber; allein sie gerielh dadurch gleichwohl in eine falsche Stellung ihm und der' Mutter gegenüber, und al? der Tod ihr die geliebte Erzieherin entriß, milderte den kindlichen Schmerz einigermaßen der Gedanke, daß Karl vielleicht nur darum nicht ihre Trauer theilm könne, weil die Erinnerung an manchen gehässigen Wortwechsel mit der Verewigten, an manche Scene von unangenehmen Er- irterungen zwischen beiden Gatten in seiner Seele noch zu lebendig sei. Damals hatte sie sich gelobt, bon nun an mit mehr Enthaltsamkeit und nur an der Seite ihres Gatten die Freuden des geselligen Lebens zu genießen und Karl mußte zugeben, daß er während der Trauerzeit wirklich ein reineres Familienglück an
seinem häuslichen Herde genoß, als vordem. Als aber die von der Etikette vorgeschriebene Trauerzeit vorüber war, als die alten Bekannten und Freundinnen sich wieder berechtigt glaubten, Malwinen in die rau» schenderen Kreise von ehedem zu ziehen, und diese mehr und mehr wieder dem alten Zuge ihres Herzens zum gewohnten Vergnügungsleben folgte, — da schnürte die Enttäuschung dem wackern Gatten das Herz fest zusammen, und er kämpfte einen herben Kampf zwischen Liebe und Mitleiden mit dem bethörten Weibe seiner Liebe auf der einen, und verletztem Stolze, verschmähter Autorität auf der andern Seite.
Etwas mehr als ein Jahr war seit dem Tode von Malwinens Mutter, volle vier Jahre seit der Hochzeit des jungen Paares verflossen, da trat Doctor Hermes einst an einem Winterabend, von seinen Be russgängen heimkehrend, in das niedliche Zimmer, welches seiner Frau zum Boudoir diente. Er hatte es von der Straße beleuchtet gesehen und ein kleines Lesekränzchen bei Malwinen vermuthet. Zu seiner Ueberraschung aber traf er sie in einem glänzenden MaSkenanzuge vor dem Spiegel, im Begriffe, die letzte Hand an eine geschmackvolle Toilette zu legen, welche die Vorzüge ihres tadellosen Wuchses glänzend zeigte. Er bemerkte, daß bei seinem Eintritte Gluth und Blässe auf ihren Wangen wechselten, Malwinens Gruß war verlegen, und sie gebehrdete sich, wie Jemand, der auf einem Unrecht ertappt worden ist.
„Wie, Malwine? Du bist geputzt? Willst Du ausfahren?"
„Wie Du siehst, mein Lieber!" entgegnete sie und verwandte den Blick nicht von ihrem Bilde im Spiegel. „Solltest D>n vergessen haben, daß wir zu Geheimrath Weber eingeladen sind?"
„Ich vergaß es nicht", entgegnete der Doctor, „aber ich habe die Einladung abgelehnt, — gestern bestimmt abgelehnt", fügte er bedeutsam hinzu.
tretern der fremden Mächte, die ungarische Hauptstadt lediglich aus Anlaß der feierlichen Schließung des Reichstags besucht.
Prag, 22. April. Beim Beginne des Wahl- scrutimums wurden vorgestern Ansammlungen vor dem Altstädter Rathhaus versucht; die Polizei schritt energisch ein und verhinderte jede Demonstration durch augenblickliche Verhaftung jedes Renitenten. ES sollen viele Verhaftungen vorgekommen fein. Da trotzdem immer wieder Ansammlungen versucht wurden, rückte consignirtes Militär aus und besetzte die auf den Ringplatz einmündenden Straßen, gab jedoch die Hälfte der Straßen zur Passage frei. Die Sicherheitswache durchkreuzte derart den Platz, daß kein Mensch stehen bleiben durfte. Eine schreiende, vor dem deutschen LandeStheater sich ansammelnde Rotte wurde von dem anrückenden Militär verjagt, der Platz vor dem Theater blieb militärisch besetzt, die Hauptplätze der Stadt sind gleichfalls vom Militär besetzt worden, welches Ansammlungen verhinderte. — Zu der heute seitens der Großgrundbesitzer stattfindenden Landtagswahl sind die Feudalen nicht erschienen; dieselben haben aber einen Protest überreichen lassen. Die verfassungstreuen Großgrundbesitzer haben sich zahlreich eingefunden. Die Bildung der Wahlkommission hat heute Morgen 9 Uhr begonnen.
Schweiz.
Bern, 22. April. Die Rechnung der Kosten für die Jnternirung der französischen Ostarmee ist definitiv geregelt. Die Ausgaben der Schweiz betrugen 12,154,396 Francs. Zurückbezahlt wurden von Frankreich 6,682,584 Francs; aus dem Verkauf der Pferde wurden 1,154459 Francs, aus dem Verkauf der Fourage 160,646 Francs gelöst. Es schuldet somit Frankreich noch 4,156,706 Francs. — Der BundeS- rath genehmigte heute die vom Militärdepartement vorgeschlagene neue Armeeeintheilnng in neun Armee- Divisionen.
Basel, 22. April. Die sranzösische Ostbahn- Gesellschaft hat nach einem Berichte ihrer Tirection an die Regierung von Basel, nachdem Unterhandlungen mit der schweizerischen Centralbahn zu keinem Erfolge geführt, die ihr auf Basler Territorium eingeräumten Rechte, sowohl in Betreff der bezüglichen L-trecke auf der Eisenbahn Basel-St. Louis wie an dem Centralbahnhof in Basel, an die Berner Jura- bahu-Gesellschaft abgetreten. Bekanntlich hatte die
„Abgelehnt, ohne mir ein Wort zu sagen? ohne mir wenigstens die Pflicht zu überlassen?" fragte Malwine.
„Ich that es mündlich, bei meinem Krankenbesuch im Hause. Ich hatte besondere Gründe, es abzulehnen!"
„Und welche?" rief Malwine, ungeduldig sich um- wendend. „Stoch diesen Nachmittag ließ mir Adele Weber sagen, daß man auf mein Erscheinen und meine Mitwirkung in einer Quadrille zähle, nnb ich ließ zurückmelden, daß ich kommen werde.... Man " scheint also", setzte sie mit einem Anfluge von Ironie hinzu, „von Deiner ablehnenden Antwort keine Notiz genommen zu haben....."
„Weil man schon gewohnt zu sein scheint", fiel ihr der Doctor etwas strenge in'S Wort, „daß meine Frau ihre eigenen Wege geht, und der lieben vornehmen Welt beweist, wie wenig ihr die Bitten ihres Gatten gelten, — weil man besonders in jenem Hause den retutieren Gatten entbehren kann, und weil man weiß, daß meine Frau sich nicht mehr entblödet, ohne mich Nächtelang den täuschendsten Vergnügungen sich hinzngeben!"
HermeS hatte dies mit mehr Ruhe und Gelasten- heit gesagt, als seine strenge Miene in diesem Augenblicke hätte erwarten lasten. Malwine ward sehr betreten und rang nach einer Antwort.
„Aber die Gründe, die Gründe, warum ich nicht gehen soll?" rief sie nach einer Pause noch ungeduldiger und sehr empfindlich.
„Erlasse mir, sie noch zu nennen!" gab et ruhig zur Antwort und blickte durch die von seinem Hauch getrübten Scheiben auf die beeiste Straße hinab. — „Ich habe sie Dir schon in hunderterlei Formen und Tonarten genannt, und dennoch . . . Zudem werde ich vor Deinem Mädchen sie nicht nennen, noch überhaupt wieder den Versuch machen, ein Sieb mit Wasftr zu füllen!" Er lehnte das Haupt an die