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Marburg, Mittwoch, den 17. April.

Wr. 89.

1872.

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Bismarck's Schlagfertigkeit im Antworten auf der Tribüne ist bekannt, aber er hatte diese beneidenSwerthe E«steSgegenwart von je her, und man kennt allerliebste jWne Züge von ihm, durch die er sich au^ kleine» ^rlegrnheiten zu ziehen oder gelegentlichen Suggestiv- I^agen auszuwcichen wußte. So hatte ihm eine seiner

Au kleine» Neckereien und Schraubereie» halte er immer eine besondere Freude, doch waren diese prak bsche» Scherze stets sehr gutmüihig. Er war eines Tages in Kniephof in einem Gespräch mit seinen Cousinen begriffe», als sich plötzlich die Thür öffnete wid vier junge Füchse ins Zimmer sprangen und die Damen gewaltig erschreckte». AlS nun die Damen laut aufschrieen, kam an die jungen Füchse die -Reihe bes Erschreckens und diese setzten in ihrer Angst aus Stühle und Sopha's, bis die Fetzen herunterhingen Und die Gesellschaft nothgedrungen in LiSmarck's muth- ^illiges Gelächter einftiminen mußte

antwort der Regierung ergangen, wird wohl zugleich mit dieser die gedachte Erklärung veröffentlicht werden. Graf Usedom hat dem Kronprinzen ein Regulativ rur Leitung der Kunstan^elegenheite» vor Kurzem überreicht, und wird es von der Genehmigung dieses Regulativs von Seiten des hohen Prolectors der königl. Museen abhängen, ob die bisherige proviso­rische Stellung des Grafen sich in eine definitive ver­wandeln wird ober nicht. Der Geh. Reg.-Ralh Küster, der zum Landdrosten in Stade ernannt worbe» ist, wird diese Stellung am 1. nächsten Monats an- lreten. Dem bisherigen Landrath Back zu Sim­mern ist das Polizeidirectorium zu Straßburg über­tragen. Dem Brandenburger Consistorium ist auf seine bekannte General-Verfügnng ein in milder Form berichtigendes und die Gesichtspunkte der Regierung mit Festigkeit als- maßgebend betonendes Rescript zu gefertigt.

a.llf dieObrrhksfischrZkitmtg" X/L|lvUUllßLll für das zweite Quartal werbe» auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostbolen, sowie in Marburg von der Expedition entgegengenommen.

rakteristijchste für ihn ist die Antwort, welche er einem vornehmen Diplomaten einst gegeben. BiSmarck ist Besitzer der preußischen Medaille fürRettung aus Gefahr", welche er sich dadurch verdient, daß er im Sommer 1842 als Landwehrcavallerie - Offizier bei Lippehne in der Neumark mit eigener Lebensgefahr seinen Reitknecht Hildebrand vom Ertrinken rettete, alS derselbe ein Pferd in den See zur Schwemme ritt und mit demselben verunglückte. Zu einer Zeit nun, wo Biömarck noch keine andere Dekoration hatte und als BunbeStagsgesandterSeine Excellenz der Herr Landwehrlieutenant von HiSmarck" hieß, trug er eines Abends diese einfache Medaille, auf welche er gerech- terroeife vielleicht stolzer ist, als auf manchen seiner jetzigen höchsten Orden, und einscher vornehmer Diplomat ließ sich beigehen, BiSmarck mit einiger Ironie zu fragen: wofür er denn diese Dekoration bekommen habe? Ich habe die Gewohnheit, zu­weilen einem Menschen das Leben zu retten", erwie- berte Bismarck rasch und mit einem solch bezeichnen­den funkelnden Blick aus feinen blanken Augen, daß der Diplomat in einiger Verlegenheit zu Boden blickte und sich beeilte, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben. (Schluß folgt.)

Die ÄaiserauSgrabungen auf dem Palatin i» Äem.

(Schluß.)

Erst seit die ehemals päpstlichen Ausgrabungen in den auf der anderen Seite des Hügels gelegenen- Roncioni'schen Gärten mir denKaiserausgrabungen" verbunden und unter die nämliche Leitung gestellt sind, ist cs gestattet, von hier aus dem Abhange ent­lang bis zum östlichen Theile des Palatins zu gehen der außer Ueberresten von Gebäuden, wahrscheinlich Wohnhäusern von großer Ausdehnung, eine Privat- Rennbahn für die Bedürfniffe des kaiserlichen Hauses

A«S Bismarcks Zugeudleben.

Von Otfrid Mylius.

(Fortsetzung.)

Charakteristisch ist auch die Art und Weise, wie Bismarck einen Berliner Schuhmacher Pünktlichkeit lehrte, der ihn mehrfach, trotz der feierlichsten Zusagen, auf sehr unbehagliche Weise im Stich gelaffen hatte, ^ls ein derartiger Fall sich wieder zutrug, erschien Morgens um sechs Uhr vor dem Bette des fahrlässi- ßen Fußbekleidungskünstlers ein Bote mit der einfachen Frage:Sind die Stiefel für Herrn von Bismarck fertig?" Der Schuhmacher verneinte und der Bote ging, erschien aber nach zehn Minuten wieder mit der-, lelben Frage, und so ging es von zehn zu zehn Mi­nuten den ganzen Tag continuirlich fort, bis endlich am Abend die vollendeten Stiefeln abgeliefert werden und der Schuhmacher ausrufen konnte: Gottlob, der Schuh ist fertig.

Cousinen In Berlin einmal einen Brief zur Bestellung mtgegeben, als er nach Pommern reiste. BiSmarck nahm ihn mit und versprach dessen Besorgung, vergaß ihn aber. Bei bet Rückkehr befragt, ob er den Bnef bestellt habe, erinnerte er sich dessen wieder, griff in die Brusttasche seines Rockes, zufällig desselben, welchen er beim Abschiede getragen hatte, zog den Brief hervor und erklärte ohne alle Verlegenheit, er habe den Brief nur deshalb nicht abgegeben, um seine Cousine gründlich von der Manie zu heilen, ihm Briefe mitzugeven. Er hatte feine Vergeßlichkeit durch diese scherzhafte Geltendmachung einer Erziehungs maxime glücklich maskirt.

Mit den Büreaukraten jener Zeit, die.womöglich noch eine höhere Meinung »von sich hatten als. hie heutigen, pflückte er ebenfalls manches Hühnchen. Er führte eines AbendS in einer Gesellschaft seinem- Prä siventen, welcher den jungen Referendarius von oben herab behandelte, in einer sehr unverblümten humo­ristischen Weise zu Gemüthe, baß in der Gesellschaft ber Herr v. Bismarck just ebensoviel gelte, wie Herr v. N., was übrigens ben Herrn Präsidenten bedeutend verschnupft Haden soll. Ein Anderer seiner Vorge­setzten , ben Bismarck in amtlicher Angelegenheit be­suchte, trat wahrens biefer Audienz ans Fenster und trommelte an der Scheibe, als habe er Bismarcks An Wesenheit ganz vergessen; alsbalo trat Bismarck gleich­falls ans Fenster und trommelte lustig den Dessauer Marsch. 2M einem andern Chef mußte Bismarck, als er sich bei ihm melden ließ, eine Stunbe lang im Vorzimmer warten unb sich dann barsch anreben lassen: «Was wünschen Sie?" Worauf Bismarck mit ernstestem Blick und stoischester Ruhe erwiederte:Ich war gekommen, um mir einen Urlaub zu erbitten; jetzt aber bitte ich um meinen Abschieb!"

Eine ber besten Abfertigungen aber und die cha-

DeutschkS Keich.

^Berlin, 15. April. Der bisherige Verlauf ber Reichstagsverhandlungen ist der Art, daß auf einen Schluß zu Pfingsten mit ziemlicher Sicherheit gerechnet werden kann. Die Vorlagen ber verschiebenen internationalen Verträge haben eine rasche Erlebigung gefunben, und die Berathungen über den ReichShauö haltSetat werden voraussichtlich ohne lange Debatten und bedeutende Differenzpunkte zu Ende geführt werben, wenigstens sprechen ber bisherige Verlauf ber Ver­handlungen sowie die Versicherungen aus parlamen­tarischen Kreisen dafür. Die Gesetzentwürfe von grö­ßerem Umfangee unb von hervorragender, theilweise principieller Bedeutung, das Mitttärstrafgesetz sowie das Gesetz über die Reichsbeamten, beruhen so sehr auf gesunden Grundlagen und haben so sehr ben Wünschen und Forderungen der berechtigten öffent­lichen Meinung Rechnung getragen, daß im Großen unb Ganzen ihre Erledigung weder besonders große Schwierigkeiten machen, noch eine sehr lange Zeit­dauer in Anspruch nehmen dürfte. Wenn nun auch gewisse Anträge, wie z. B. der ^chulze'sche wegen der Genossenschaften, ans dem schoße beS Reichs­tages gestellt, ober, wie ber Lasker'sche wegen ber Reichscompetenz in Betreff der Civilgesetzgebung und Gerichtsorganisation, formirt werden sollten, so höre ich doch versichern, von Seiten ber vorwiegenb maßgebenden Parteien, daß im Interesse eines baldigen Schlusses der Session über fast sämmtliche dieser und noch andere in'Aussicht genommene Anträge zur einfachen resp. motioirten Tagesordnung überge­gangen werden wird. So ist denn auch die recht zeitige Wiedereinberufung des Landtages behufs Er Itvigung des wichtigen Reformwerkes der KreiSord- nung kaum noch zweifelhaft, wie denn auch Dank den Bemühungen der freien Commission des Herren­hauses, dieses letztere, falls es die Vorlage nicht ganz nach den Berathungen. im Abgeordnetenhaufe geneh­migen sollte, doch voraussichtlich nur. solche nicht principielle Aeußerungen votiren dürfte, welche vom Abgeordnetenhaufe acceptirt werden könnten. Die

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tn einer Geschäft in unserer Provinz von einem Vertreter ber alten Anschauungen bemerkt wurde, daß die Verfassungszustände in Deutschland sich wohl kaum länger als noch 50 Zähre haltbar erweise» würden, antwortete er, daß er eigentlich für die Gegenwart zu viel zu thun habe, um sich mit tief- finnigen Spekulationen beschäftigen zu können, was nach einem halben Jahrhundert wohl geschehen werde. Wenn er aber über Constitutionen feine Meinung äußern solle, so müsse er sagen, dieselben seien in der heutigen Zeit nicht mehr zu entbehren. Die Volksvertretung unb bie Presse müßten der Re­gierung durchaus zur Seite stehen; benn auch ber größte absolute Monarch könne heut nicht mehr bie verwickelten Verhältnisse be< Staatswesens beherrschen. Die Volksvertretung unb bie Presse hätten vor Allem bie Pflicht, bie Schäden ber Verwaltung aufzubecken. Mit ber hohen Politik sollten sie sich weniger beschäf­tigen; benn in biefer seien bie leitenben Fäven meist jo verborgen, baß ber Uneingeweihte fein genügenveS Unheil gewinnen könne.

Weilburg, 15. April. Derl»h. C." melbet: Hr- Pfarrer Jost aus Ellar erschien heute hier, um bem Abgeorbneten unseres Kreises, Hr». Lanbrath Hahn, bie Dankabresse bes Kirchspiels Ellar für besten Abstimmung gegen das Schulaufsichtsgesrtz zu über­bringen. Der Landrath Hahn lehnte die Annahme der Adresse, welche durch Mißbrauch ber Kanzel unb durch zu mißbilligende Aufreizung der Unterzeichner zu Staude gekommen fei, entschieden ab.

Leipzig, 15. April. Unter dem Vorsitz des Kaufmanns Moritz Kohiter hat sich hier gestern ein beutsch-israelitischer Gemeindebund fonftituirt und seine Wirksamkeit mit dem Erlaß einer Dankadresse an Fürst Bismarck begonnen. Der alsbald gebildete Ausschuß besteht a»S den Herren Moritz Kohner, Kaufmann hier; E. Lehmann, Advocat in Dresden; Dr. Makober in Berlin; Dr. Honigmann in Breslau; Joseph, Advokat in Nürnberg; Dr. Orthenau, Advokat in Fürth. Der Batikdirektor Arnstebt, bisher Vor- stano der Norddeutschen Gruub-Krebitbank in Berlin, hat bie vom VerwaltungSrath bes sächsischen Bank­vereins zu Dresben auf ihn aelenfte Wahl zum ersten Direktor besselben angenommen.

Koburg, 15. April. Der regierende Herzog von Sachsen Koburg-Gotha ist vorgestern Mittag nach Italien abgereist, um bafilbst einen mehrwöchentlichen Aufenthalt zu nehmen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kreisblatt durch bie Expedition (Koch'stbe Buchdruck ere>) bezogen 22, Egr., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für daS Au-lanb exel- Stempel 22 Gar ,)N)ertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. 8

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Bischöfe haben eine gemeinsame Erklärung an dasli Cultusministerium gelangen lassen, in welcher sie ihre Stellung zum Schulaufsichtsg setz präcisiren. So viel verlautet, erkennt die Staatsregierung in dieser Er­klärung keinen correcten, die Lösung der Frage her­beizuführen geeigten Standpunkt. Sobald die Rück-

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Der Bischof von Ermeland hat als Antwort auf die von ihm gelegentlich des königlichen Geburtstages bem Könige dargebrachte Gratulation folgendes könig liche Aiitwortschreiben erhalten:Mein Herr Bischof! Aus Ihrem Schreiben vom 22. d. M. habe Ich mit Wohlgefallen ersehen, daß Sie Meiner auch bei Ge­legenheit Meines diesjährigen Geburtsfejtes an heili­ger Stätte fronen gebucht haben. Jnbem Ich Ihnen hiefür und für ben Mir gewibmeten Glückwunsch ver- binblichst danke, lege Ich Ihnen die freundliche Bitte an das Herz, mit Mir Ihre Gebete zu Gott dem Allgütigen inbrünstig darauf zu richten, daß Er die Seelen in Meinem Volke gnädig lenke, damit die Be­wegung, welche sich vieler Gemüther bemächtigt hat, zum gemeinsamen. Heile der Kirche unb bes Vater ianbes in Frieden sich wieder ausgleiche. Berlin, 27. März 1872. Wilhelm." Bischof Krementz brachte dieses Schreiben mitderBittezurKenmniß seiner Diöeesane», der Allerhöchsten Willensmeinung gemäß mit ihm vom Him­mel die Erhaltung des rejigiösen Friedens zu erflehen.

In einem Leitartikel über das 25jährige Jubi­läum des Parlamentarismus in Deutschland erzählt . . _ die national - liberaleMagdeb. Ztg." vom Fürsten

z^Fulba^n der Conferenz vereinigt gewesenen deutschen j Bismarck Folgendes: Als ihm vor einiger Zeit