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Marburg, Dienstag, den 16. April.

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OterhessW Zeitung. -

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruck er ei) bezogen 2t; Lar., durch die Postämter 27 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 ®gt. 3 JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-Büreaus nehmen Inserate an.

auf dieOberhksfische Zeitung" lötrlll-UUUyvH für daö zweite Quartal werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Marburg von der Expedition entgegengenommen.

' " Deutsches Reich.

## Berlin, 14. April. ImMilitärwochenblatt" ist eine höchst interessante Zusammenstellung über die Streitkräfte während des Krieges 1870/71 veröffent­licht, welcher Folgendes entnommen wird: Nach den Kämpfen im August und September von 1870 hatte die deutsche Armee eine Verminderung von 20,000 Mann erlitten, während die mobile Armee für diesen Monat eine Verstärkung von 20,000 Mann erhielt, für alle übrigen Monate tritt bis zum Friedens, schlaffe eine Steigerung ein und erreicht diese im Monat Februar 1871 die Zahl von 1,350,787 Man», also etwa 16,800 Mann stärker als im August. Im Monat September zählte die preußische Armee allein 870,534 Mann, im 'Dionat Februar 1,028,126 Mann. Dies ergibt nach Procent der Bevölkerung von 1867 in ihren höchsten Ziffern der Armeen der Einzel­staaten und zwar für Preußen und die durch Mi­litär Convention mit demselben verbundenen Staaten: 3870, für Baiern 313, Hessen 3026, Sachsen 2762. Baden 2707, Württemberg 2356 und Mecklenburg 2076. Die freie Commission des Herrenhauses wird morgen ihre Berathungen über die Kreisordnung beginnen, dte amtlich bestellte Commission am 17. b. M. Bei der Stimmung einzelner Kreise im Herren­hause kann man darauf gefaßt sein, daß die unter der Aegide des Berichterstatters v. Krüger gefaßten Beschlüsse der Commission auf eine Ablehnung des Entwurfs herauskommen werden; jedoch wird sich, so hofft man, auch hier die Erfahrung bewahrheiten, daß die Oppositionsanträge nicht maßgebend für das Haus sind. Man glaubt, daß sich eine Mehrheit von 2/s der Mitglieder für ein Votum zur Verständigung Herausstellen wird; es wird erwartet, daß die Com­mission in drei Wochen ihre Arbeiten beenden wird, so daß gleich nach Pfingsten die Berathung im Ple­num erfolgen können wird. Wie sich auch in entfernt stehenden Kreisen die Ansicht Bahn bricht, daß der preußische Kreisordnungsentwurf eine höchst werth- volle und in der Praxis durchführbare Arbeit sei zeigt ein Artikel derMoskauer Ztg.," dir wahrlich keine preußenfreundliche Anschauung kund gibt. In der Richter'schen Korrespondenz wird der Artikel derProv.-Corresp.", welcher über die parlamentarischen

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Aus Bismarcks Jngen-lehen.

Von Otfrid Mylius- (Fortsetzung.)

Otto hatte «ährend seine« Göttinger Aufenthalts, der bi« zum Herbst 1833 dauerte, in der Ferienzeit einmal die Eltern auf den heimathlichen Gütern be­sucht, wo sich der Papa zwar über den hünenhaften breitschulterig gewordenen strammen Jungen baß freute, die feinfühlende Mama aber weder dem burschikosen Gebühren noch dem Aufzug ihres Lieblings Geschmack abgewinnen konnte. Etwas von diesem burschikosen, lrutzigen, herausfordernden, zuweilen sogar renomi- stischen Benehmen hat Bismarck noch in das reifere Alter hinübergenommen, und eS hat sich namentlich zu Anfang seiner Staatsdienerlaufbahn mehrmals in Zügen geäußert, die humoristisch genug sind, daß sie später angeführt zu werben verdienen. Auch im Be ginn seiner parlamentarischen Laufbahn und vor der­selben während der Zeit seines Landlebens auf Knicp- hof konnte er diese Allüren des forschen Corpsstu­denten und die Borliebe für burschikoses Wesen und Leben nicht verleugnen. Ein sehr achtbares Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses äußerte einmal gegen unS:Bismarck hat im Anfang seines parla­mentarischen Auftretens den ehemaligen CorpSburschen auf eine Weise herausgekehrt, welche uns manchmal förmlich verblüffte, namentlich die alten Bureaukraten, welche zu jener Zeit im Vereinigten Landtag noch so zahlreich vertreten waren. Wenn er vom Platze aus sprach oder die Tribüne betrat, erschien er mir immer wie der alte gefürchtete Chargirte eines forschen Corps in einem Senioren-Convent oder bei einem großen GommerS. Seine ganze Haltung und AuSdruckSweisc war mehr studentisch forsch, provocirend, zuversichtlich, uarguirend, als wirklich junkerhaft. ES lag etwas von

Sessionen handelte, als eine den Reichstag mißachtende Aeußerung aufgefaßt. Es ist dies gegenüber den vielen Auslassungen in der Presse über diesen Gegenstand eine mißbilligende Stimme, die wahrlich keinen An­spruch auf irgend welche Berechtigung erheben darf.

* Berlin, 14. April. Die gestrige Frühjahrs­parade war aus Anlaß der Knieverstauchung, welche dec Kaiser durch Ausgleiten erlitt, abbestellt; eS sei jedoch hier nochmals erwähnt, daß das Allgemeinbe­finden des Monarchen durchaus zufriedenstellend ist. Generalfeldmarschall Graf Wrangel, geboren 13. April 1784, feierte gestern seinen 88. Geburtstag. Für künftigen Sonnabend ist eine Plenarsitzung im Abgeordnetenhause anberaumt, zur Erledigung des im Herrenhausc amendirten Eisenbahngesetzes unv einiger Provinzialgesetze. Im Kultusministerium ist eine Denkschrift angefertigt worden, welche sich über die Machtstellung der Kirche dem Staate gegenüber nach aktenmäßigen Daten ausspricht. Kultusminister Dr. Falk hat an Prof. Eckstein in Leipzig unter« 30. März folgendes Schreiben gerichtet: Ew. Wohl­geboren benachrichtige ich ergebenst, daß ich in Folge ocs gefälligen Schreibens vom 4. d. die königl. Provinzial - Schulkollegien der Provinzen, wo die Pfiugstferien nicht auf die ganze Pfingstwoche ausge­dehnt sind, ermächtigt habe, solche Anordnungen zu treffen, durch welche denjenigen Lehrern, die eS wünschen, der Besuch der diesjährigen Philologen- und Schulmännerversammlung ermöglicht wird. In Ausführung des Allerhöchsten Erlasses vom 16. März d. I. hat der Reichskanzler bestimmt, daß bei Gebrauch und Abbildung des kaiserl. Adlers zur Be­zeichnung von Maaren oder auf Etiketten die Form eines Wappenschildes ausgeschlossen ist. Auf der Journalisten Tribüne des Reichstages hat sich seit Beginn der gegenwärtigen Session auch ein italienischer Berichterstatter aus Florenz eingefunden.

Köln, 14. April. Der Kaiser hat in huldvoller Gewährung der seitens des hiesigen Central-Dombau Vereins an ihn gerichteten Bitte augeordnet, daß aus Den von Frankreich eroberten Kanonen 500 Centner Geschützbronze zum Guß einer Kirchenglocke für un­fern Dom vom Artillerie - Depot zu Straßburg ver­wendet werde. Die neue Glocke wird in unseren, der raschen Vollendung entgegeneilenden Thürmen ein neues Zeichen des großen durch die tapferen Armeen des geeinigten Vaterlandes erfochtenen Triumphes bilden. Die bisherige größte Glocke in unserem Dome, Pretiosa, wiegt 224 Centner.

jener derb naturalistischen Ritterlichkeit, von jenem freisamen, launigen, ironischen, muthwilligen lieber muih darin, der den Ton und die Ausdrucksweise unserer Studienzeit aus der Periode der Juli-Revo­lution kennzeichnete. Er behandelte die liberale Partei und nach Achtundvierzig die Demokraten mit jener zuversichtlichen, stolzen Geringschätzung, womit er in seiner eigenen Studienzeit einer Stube voll Kameele oder Philister begegnet wäre. Und doch war in dieser kühn abgefertigten sarkastischen Weise etwas so Uner­schrockenes,Pomadiges," ein solch gutmüthig unbe­fangenes Sichgehenlassen, etwas so pommerisch Derbes, und Treuherziges, daß man ihm Manches verzieh. Er war nie so einschneideüd höhnisch, so beißend-ver­letzend, so ganz und gar junkerhaft, wie Fürst Felix LichnowSki, der ihm an Kennruiffen und Geist das Wasser reichte und dabei ein debauchirler Wüstling war, während bei Bismarck eine gediegene Mann Hastigkeit und ein entschiedener siittlicher Ernst, eine unerschütterliche Ueberzeugungslreue aus jedem Blick, jeder Geberde, jedem Tonfall sich zu erkennen geben. Und dieser rein individuelle Eindruck ist einem Manne geworden, welcher von je her und bis zum Jahre 1870 noch unter die enschiedenften poli­tischen Gegner BiSmarck's gehörte und der sich mehr als einmal in hitziger Debatte mit dem nunmehrigen Reichskanzler gemessen hat.

AlS BiSmarck im Herbst 1833 in Berlin imma- trifulirt worden, war er so tief in den Wonnerausch des Studenteulebe»« versunken, daß er sich nicht fas­sen konnte. Er schwänzte beharrlich alle Kollegien, bis ihm daS bevorstehende Examen auf die Nagel brannte. Jetzt warf er mit einem energischen Aul- raffen das studentische Treiben hinter sich, nahm sich einen tüchtigei, Repetitor und holte vermöge seines

München, 14. April. Das ReichSrathSkam- mergesetz über Grundentlastung, sowie der Zusatzartikel zur pfälzischen BrandversicherungSordnung wurden gestern conform der Fassung der Abgeordnetenkammer angenommen. Morgen feiert Stiftspropst Prof. Dr. Ignaz v. Döllinger sein 50jähriges Priester- Jubiläum. Am 15. April 1822 wurde er zu Bam­berg zum Priester geweiht.

Stuttgart, 14. April. Die Abgeordnetenkammer hat gestern das Finanzgesetz mit 80 gegen 2 Stimmen votirt. Die Ständeversammlung wählte den Staats­minister Wagner zuck Mitglied des StaatsgerichtS- hofes, Schmid (national) zum Mitglied des Aus­schusses. Gestern Nachmittag wurde die Kammer ver­tagt, nachdem eine Einigung beider Häuser über das Baugesetz erzielt worden. Postdireclor Hofacker ist zur Theilnahme an den Verhandlungen über den deutsch - österreichischen Postvertrag nach Berlin ab= gereist.

Straßburg, 14. April. In Betreff der Fest­lichkeiten bei Eröffnung der Universität tragen wir noch nach, daß mit den Vorbereitungen zu diesem Feste nachgenaniite Herren betraut wurden: General v. Stein, Lamh, Maire von Straßburg, Präsident Neuerburg, RegierungSrath v. Sybel, Prof. Althoff, Prof. Baum, Prof. Bergmann, Prof. Löning, Prof. Wieger, Sengenwald, Dr. Schricker. Die Commission hat bereits ihre Thäligkeit begonnen und die Einla­dungen an die Professoren und die Studentenschaft der deutschen Universitäten erlassen. Der Gemeinde­rath wird durch sein gänzliches Ausbleiben bei der öffentlichen Feierlichkeit glänzen.

Oesterreich - Ungar«.

P-sth, 14. April. In der vorgestrigen Sitzung des Unterhauses zeigte der Präsident an, daß nächsten Dienstag der Schluß des Reichstages durch den Kaiser in der Ofener Burg erfolgen werde. Madarasz gab hierauf die Erklärung ab, daß nach dem Gesetze von 1848 der Reichstag in Pest geschlossen werden müsse und daß seine Partei nur im RcichstagSsaale erschei­nen werde.

Frankreich.

Paris, 14. April. An dem am 11. d. stattge­habten zweite» Diner im Elysee nahmen Theil die drei Generalvicarien des Erzbischofs von Paris (letzterer befindet sich augenblicklich in Tours), die Kammerpräsidenten, der erste Präsident, der General- Prvcurator und die drei Räche deS CaffationshofeS; der Präsident des StaatSratheS; der Präsident und eigenen Fleißes und glücklichen Gedächtnisses und sei­ner ganzen seltenen Begabung in verhältnißmäßig kurzer Zeit das Versäumte so weit nach, daß er fein Examen bestehen konnte, und um Ostern 1835 als Auskultator vereidigt wurde. Nun stand er auf der ersten Stufe zur höchsten Macht und begann sich in Die Praxis damit einzuarbeiten, daß er beim Stadt­gericht die UntersuchungSprotokollc führte. Das kam dem jungen Bismarck, in Dem noch immer der luftige Dämon des Studeitten-Muthwillens spnkte, ganz spa­nisch vor, und er erging sich in einer Menge launiger und fröhlicher Streiche, welche noch heute alS stehende Legenden am Berliner Stadtgericht von Mund zu Mund gehen. Eine dieser Anekdoten, deren Wahrheit verbürgt wird, ist sehr bezeichnend für Bismarck. Er hatte eines Tages einen Mann zu Protokoll zu ver­nehmen, der eine ächte Berliner Pflanze war und so abscheulich log und räsonnirte, daß dem jungen Pro­tokollführer ob dieser Unverschämtheit endlich Die Galle warm wurde und er, zornig aufspringend, Dem Jnqni- fiten zurief:Herr, menagiren Sie sich, ober ich werfe Sie hinaus! worauf Der anwesende Stadtgerichisrath Dem entrüsteten Inquirenten freundlich auf die Schul ter klopfte und beschwichtigend sagte:Herr Auskul­tator, das Hinauswerfen ist meine Sache! BiS­marck setzte seine Vernehmung fort, aber nach einiger Zeit ist es wieder die alte Geschichte mit dem frechen Jnquisiten, und BiSmarck fpringt nun abermals auf und ruft:Herr menagiren Sie sich, ober ich lasse Sie durch den Herrn Stadtgerichisrath hinauswerfeu! DaS Gesicht, welches Der Herr GerichtSrath dazu schnitt, läßt sich ungefähr denken.

(Fortsetzung folgt)