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Marburg, Donnerstag, den 11. April.

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V verbissene Theil der Bevölkerung glaubte durch die A Wahl eines fictiven Niederlassungsortes in Frankreich S sich alle Rechte und Vorlheile der Angehörigm des

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Leh« folges, sofern ihn nicht Muth und Festigkeit verließen

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werde ich wiederkehren und nie Dich Verzeihung ansprechen. Wenn Du

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Kinde in dem schrecklichen Augenblick, wo er daS Messer an ihren zarten Körper legen mußte, ihm die

Nach dieser Erklärung zauderte Ihr Oheim nicht länger. Er hegte keine Besorgnisse wegen des Er-

Onkel Georg.

Novelle aus dem Englischen von D. B. (Schluß statt Fortsetzung.)

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theilt wird, ist diese Nachricht völlig aus der Luft gegriffen und es muß sehr bedauert werden, daß durch solche Angaben wieder neue ungegründete Hoffnungen in den Ausgewicsenen erregt und sie zu neuen Eingaben ver­anlaßt werden. — Am 4. April hatten 11 Vorstandsmit­glieder der preußischen Volksschullehrer beim Cultusmini- ster Dr. Falk Audienz. Wie die „Spcn. Ztg." erfährt, ging die Deputation mit großen Hoffnungen von dannen, sowohl für daS Wohl der Holksschullehrer als auch insbesondere der Volksschule, da der Minister mit sichtlich steigendem Interesse die ausführliche Schilderung der Verhältnisse durch den Rector Seyffarth aus Luckenwalde, den Schulinspector Backhaus aus Hannover und den vr. Jütling aus Einbeck entgegen­genommen und eingehend mit ihnen besprochen habe.

Der neue Oberbürgermeister Hobrecht ist seit Ein­führung der Städteordnung von 1808 der fünfte Berliner Oberbürgermeister; seine beiden AmtSvorgänger leben hier im Ruhestand. Büsching war 1809 bereits an der Stelle, die er dann durch Wahl beibehielt; ihm folgte v. Bärensprung, diesem KranSnick, der, mit Ausschluß der Zeit vom März 1848 bis 1850, bis 1863 in Thätigkeit war. Der zum zweiten Bürger­meister (Beigeordneten) gewählte StadtsyndikuS Tunker ist seit Einführung der Städteordnung der dritte Stadtsyndikus, welcher in diese Stelle eintritt, da vor ihm Rehfeld und Hedemann gleichfalls unmittelbar vorher Syndici roeren. — Vom 10. April an wird hier ein Chirurgen-Congreß tagen, zu dem die bedeu­tendsten Fachgenossen ihre Mitwirkung zugcsagl haben. — Am 6. April 1772 wurde in Berlin zum erstenmal Lessing« „Emilia Galotti" aufgeführt und zwar auf der ersten stehenden deutschen Bühne daselbst, welche „mit Seiner König!. Mas. von Preußen Allergnä­digstem Privilegio von der Kochischen Gesellschaft deutscher Schauspieler" im Jahr zuvor (10. Juni 1771) mit Lessings Miß Sara Sampson und einem Prolog von Ramler eröffnet worden war. Letzten Sonnabend wurde im Königl. Schauspielhause zur Erinnerung an die vor 100 Jahren staitgehabte erste Aufführung der „Emilia Galotti" dieses Trauerspiel gegeben. Demselben ging ein Tableau mit hinter der Scene aufgeführter Quartettbegleitung vorauf. S. K. Hoh. der Kronprinz zeichnete die Vorstellung durch seine Anwesenheit aus.

knüpfte, daß die gedachte Kategorie der Optirenden ihre inzwischen suspcndirte französische Nationalität beizubehalten Willens sei.

•• Berlin, 9. April. Unter dem 8. April ist vom Handelsminister an die Königl. Eisenbahn-Direc- tionen und Commiffariate eine Verfügung erlassen worden, welche dem Zweck hat, dem Publikum den Besuch der im nächsten Jahre zu Wien stattfindenden Weltausstellung zu erleichtern. Es sollen für die drei ersten Wagenklassen besondere directe FahrbilletS für hin und zurück mit einer Preisermäßigung auf die Höhe von 50 pCt. ausgegeben werden, welche für 4 Wochen Gültigkeit haben und bei denen auch eine Unterbrechung der Reise auf einzelnen Kreuzungssta- tioucn statthaft ist. — Berichte aus Australien melden den überaus freundlichen, ja enthusiastischen Empfang, welchen das deutjche Kriegsschiff „Nymphe" dort sei­tens der Bevölkerung, besonders seitens der dort do- micilirten Deutschen erfahren hat. Es verdient er­wähnt zu werden, daß in keinem überseeischen Lande die Deutschen eine vortheilhaftere und angenehmere Stellung einnehmen, als gerade im englischen Austra­lien. Eine Auswanderung nach Australien ist daher in vielen Fällen weit eher anzurathen, als nach Ame- rika, wo der Ankömmling weit schwerer festen Fuß faßt, oder gar nach irgend einer andern Region, wo er zu nichts dient, als dem Agenten seine nöthigen Provi­sionen zu verschaffen. — Die heutige Reichstagssitzung war bereits beschlußfähig und haben sich die gestern an dieser Stelle ausgesprochenen Hoffnungen schnell bestätigt.

* Berlin, 9. April. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 16. März hat Se. Majestät allen deutschen Fa­brikanten den Gebrauch und die Abbildung des Kaiser­lichen Adlers zur Bezeichnung ihrer Maaren oder Etiket­ten gestattet. — Durch mehrere Blätter geht die Nach­richt, daß hervorragende Mitglieder der Pariser, Lon­doner, Brüsseler rc. Finanzwelt hier angckommen sind, um in Verhandlungen mit den Repräsentanten der deutschen Regierung über einen neuen Finanzplan zur gänzlichen Tilgung der französischen Kriegsschuld zu treten. — Dem „Franks. Journ." ist die Nachricht zugegangen, daß noch 150,000 Thlr. von den Ent­schädigungsgeldern für die aus Frankreich auSgewie- jenen Preußen vorhanden feien und in die Reichs­hauptkaffe zurückgezahlt werden sollten. Wie der „Kreuzztg." Seitens deö Staatscommissars mitge-

auf die „OberhesfischeZeitung" «Olr|lvUUllyvll für das zweite Quartal werben auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostbolen, sowie in Marburg von der Expedition entgegengenommen.

ich fort bin, milder von mir denken kannst, so bitte ich Dich nur, das Geschehene geheim zu halten und zu verhüten, daß auch noch andere Lippen sich über mich so aussprechen, wie Du und Deine Frau es eben gethan haben. Vergiß mich in dieser Welt. In einer andern werden wir uns wiedersehen, wo die Geheim­nisse aller Herzen werden offenbar werden, und wo das vorangegangene Kind vielleicht Frieden zwischen uns schließen wird!" — Nach diesen Worten verließ er das Haus. Ihr Vater hat ihn nie wieder gesehen und nie wieder von ihm gehört.

Jetzt wußte ich, weßhalb mein Vater Niemandem, selbst feinen Geschwistern nicht, den eigentlichen Her­gang der Sache vertraut hatte. Meine Mutter hatte ihrer Schwester wahrscheinlich Alles unter dem siegel der Verschwiegenheit gebeichtet, aber zu keines anderen Menschen Kenntniß waren diese Eröffnungen gelangt.

Reichslandes zu reserviren, sich der Militärpflicht jedoch entziehen zu können, ähnlich, wie es seiner Zeit ein Theil der Frankfurter versuchte. Die Reichsregie- rung ist aber bei Zeiten diesen Manövern auf die Spur gekommen und hol dadurch einen Strich durch die Rechnung der Agitatoren gemacht, daß sie die Ausübung des Optionsrechts für die Beibehaltung der französischen Nationalität an die Bedingung der Verlegung des factffchen Wohnsitzes nach Frankreich und der Abgabe einer ausdrücklichen Erklärung dahin

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in dem Augenblick verlor, als er ihrer am meisten be- durfte. Seine Hand bebte, und — die Operation mißlang. Als Ihr Vater heimkehrte, fand er fein Kind sterbend. Der Wahnsinn der Verzweiflung trieb ih» t als er die Wahrheit erfuhr, 'zu Handlungen, deren Erwähnung mit peinlich ist. Er schlug feinen Bruder und schwor, ihn der öffentlichen Strafe des Gerichts zu Übergeben. Ihr Oheim war durch den unglücklichen Erfolg selbst zu sehr niedergeschmettert, als daß er das Entehrende dieser BehandlEng ganz hätte empsinden können. Er richtete die Blicke auf feine Schwägerin, — es thut mir weh sagen zu müs- ftn, Ihre Mutter, — um zu sehen, ob sie es einge- sichen würde, daß er von ihr selbst zur Operation aufgesordert worden war, und daß sie ihn durch die fälschliche Versicherung der Einwilligung seines Bru­ders getäuscht hatte: allein sie erwähnte nichts davon Und fluchte ihm nur als dem Mörder ihres Kindes."

Der Geistliche hielt hier ein und blickte mich be- forgt an. Ich vermochte nicht zu sprechen, nur mit­telst eines Druckes der Hand gab ich ihm meine Bitte

Nvthige Sicherheit der Hand rauben möchte."

Ich mußte alle Kräfte aufbieten, um meine Fas­sung zu bewahren, und konnte mich eine« Schauders bei diesen Worten nicht erwehren.

„Es ist unnöthig, Ihnen die näheren Umstände bet Operation zu beschreiben", sagte der Priester scho-

Er that eS mit folgenden Worten:

„Dann wandte sich der Unglückliche an ihren Vater und sprach die letzten Worte, die fein ältester Bruder in dieser Welt von ihm hören sollte. Er sagte: „Ich habe jede Strafe verdient, die Dein gerechter Zorn über mich verhängen kann; aber ich will Dir die Schande erspareii, sie durch die öffentliche Gerech­tigkeit an mir vollstrecken zu lasse». Was könnte mir Schlimmeres geschehen, al« aus der Heimath verbannt und für immer von meinen Verwandten entfernt zu werden? Dieser Strafe will ich mich freiwillig unter­ziehen. Gott ist mein Zeuge, daß ich nur in dem Glauben handelte, das Kind retten und von seinem Gebrechen befreien M können. Ich habe Alles gewagt und Alles verloren. Muth und Herz sind mir ge­brochen. Ich bin zu nichts mehr tauglich und will deshalb gehen und mein Elend und meine Schande vor allen den Augen, die sonst auf mir ruhten, in einem entfernten Winkel der Welt verbergen. Nie

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„Ihr Oheim sagte mir," schloß der Geistliche seine Mittheilungen, „daß. er, ehe er England ver­ließ, noch von Ihnen auf verstohlene Weise in einem Städtchen an der Küste, wo Sie sich zur Zeit auf­hielten, Abschied genommen habe. Er konnte der Hei­math nicht für immer Lebewohl sagen, ohne Sie noch einmal geküßt zu haben, und folgte Ihnen deßhalb in der Dunkelheit eines Abends, drückte Sie an feine Brust und verließ Sie wieder, ehe eS Ihnen möglich wurde, ihn zu erkennen. Am folgenden Tag verließ er den englischen Boden."

„Und tarn hierher?" fragte ich.

„Ja. Er war in früheren Jahren mit einem Freunde schon einmal hier gewesen, als er noch im Hotel Dien feine Studien machte. Hieher kehrte eW zurück, um in der Verborgenheit zu leiden und zu sterben. Wir alle fahen, daß er von einem schweren Kummer niedergebeugt wurde, und ehrten deßhalb sein Unglück. Er lebte in stiller Zurückgezogenheit und ver­ließ feine Wohnung nur Abends, wenn er sich auf jenem Hügel niederzusetzen und nach der Richtung von England zu blicken pflegte. Es schien fein Lieb­lingsplätzchen zu fein, in dessen Nähe wir ihn auch begraben haben. Niemandem als mir theilte er seine frühere Geschichte mit, und ich allein war bei ihm in seinen letzten Lebensaugenblicken. Er hat während der langen Verbannung hier viel gelitten, aber nie­mals hörte ich eine Klage über feine Lippen kommen. Als fein Ende nahte, begann er zu phantasiren. Ich hörte ihn sagen, daß er feinen kleinen Liebling am Bette stehen und seiner warten sehe. Er starb mit einem Lächeln auf den Lippen, — das erste, das ich je an ihm wahrgenommen habe."

Der Priester schwieg, und wir traten in die Däm­merung des Abends hinaus und blieben einige Zeit auf dem kleinen Hügel stehen, auf dem Onkel Georg so oft gefeffen und sehnsüchtig nach England geschaut hatte. Mit Wehmuth dachte ich daran, was er in der

△ Berlin, 9. April. In der Rede, mit welcher gestern der Reichstag im Namen des Kaisers durch den Fürsten Bismarck eröffnet wurde, heißt es unter Anderem: „Die Neuordnung und Befestigung der Verhältnisse von Elfaß-Lothringen schreitet in er­wünschter Weife vor." Die Reichsregierung kann um so befriedigter auf die sich vollziehende Consolidation der dortigen Verhältnisse blicken, als sie mit so großer Umsicht bei Anstellung der früheren Justiz- und Ver­waltungsbeamten verfahren und so überall die rich­tigen Personen an den richtigen Platz zu stellen ver­standen. Gerade dieser Umstand und die Folge davon, daß die gedachten Beamten einsichtsvoll den zweck- mäßigen Weg wählten, neben der erforderlichen Ener­gie überall Wohlwollen walten zu lassen, hat wesent­lich dazu beigetragen, das Vertrauen der Bewohner der Reichslande zu erwecken und zu befestigen. Wenn in jüngster Zeit die sogen. Optionsfrage das stetige und glückliche Fortschreiten der Befestigung der elsaß- lothringischen Verhältnisse zu unterbrechen und in Frage zu stellen drohte, so ist daran zumeist das Wühlen und Hetzen von Seiten Frankreichs Schuld, wobei übrigens nicht geleugnet werden soll, daß ein, wenn auch verschwindender Bruchtheil der Elsaß- Lothringer selbst für diese Wühlereien ein nur zu empfängliches Substract bildete. Dieser kopflose und

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