Nr. 83.
arvurg, Mittwoch, den 10. April.
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t 7777sl außer den Werktag nach Sonn, und Feiertagen. Preis für da» Quartal der Oberhesfifchen Settuug mit «r-Ublatt durch die Expedition («och'sche A b AdereSISi Bl ®#r., durch di- Postämter 27 ®8t. 6 Pfg. (excl. Best-^g-bühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel »gr.-
® * Juf ertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Eämmtliche Annoncen»Büreau>? nehmen Inserate an.
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für da« zweite Quartal werden auswärts von allen Postanstalten und auf dem Lande von den Landpostboten, sowie in Marburg von der Expedition entgegengenommen.
Thronrede bei Eröffnung de- deutschen Reichstage-.
Die Session deS Reichstages wurde Montag 8. April, Rachm. 2 Uhr, mit folgender Thronrede er- rfsnet.
Geehrte Herren I
Zhre Thätigkeit wird in der bevorstehenden Session in. erster Linie durch die Fortführung der im Vor. fahre begonnenen gesetzlichen Regelung und Ausbildung der gemeinschaftlichen Einrichtungen des Reiches in Anspruch genommen werden.
Durch ein Gesetz über die Einrichtung und die Befugnisse des Rechnungshofes soll die Controle der Erhebung und der Verwendung der Einnahmen des Reiches definitiv geordnet und die Behörde, welche mit der Handhabung dieser Controle sowie mit der Vor- iereitung der durch den BundeSrath und den Reichs tag auszusprechenden Entlastung zu betrauen ist, mit den dazu ersorderlichen Befugnissen ausgestattet werden.
Der Entwurf eines Militärstrafgesetzbuches für das deutsche Reich wird Ihnen vorgclegt werden, um die Einheitlichkeit der Heeres - Einrichtungen auf dem Gebiete deS Strafrechtes zum Abschlüsse zu bringen und der bereit« gewonnenen Einheit des Strafrechtes für da« bürgerliche Leben, den vom Reichstage geäußerten Wünschen entsprechend, als Ergänzung hinzu zu treten.
Der Entwurf eines zur Regelung der Verhältnisse der Reichsbeamten bestimmten Gesetzes, welcher dem Reichstage bereits vorgelegen hat, ist unter Beachtung M Gutachtens der Commission des Reichstages und der inzwischen eingetretenen politischen Veränderungen einer neuen Prüfung unterzogen worden, und wird in der danach veränderten Gestalt Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden.
Die einheitliche Regelung der Bierbesteuerung innerhalb der Gebiete, «eichen die Abgabe von Bier gemeinschaftlich ist, hat Ihre Thätigkeit schon mehrfach in Anspruch genommen, ohne daß es bis dahin gelungen wäre, die derselben entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Eine Ihnen zugchende Ge
setzvorlage wegen Erhebung der Brausteucr im deut chen Reich hat den Zweck, diese Aufgabe zu lösen und zugleich durch Mitbesteuerung der Malz-Surrogate eine dem Interesse der Finanzen sowohl wie des Verbrauchs entsprechende Reform der Braumalzsteuer durchzuführen.
Die erfreuliche Steigerung des Verkehrs und Verbrauchs hat die Möglichkeit geboten, in dem Ihnen vorzulegenden Reichshaushalts-Etat für daS Jahr 1873 die Einnahme aus den gemeinschaftlichen Verbrauchs- Abgaben und die Ueberschüsfe der Postverwaltung unter Beachtung der bewahrten Grundsätze vorsichtiger Veranschlagung höher auszubringen, so daß trotz des in verschiedenen Zweigen der Ausgabeverwaltung her- vorgelretenen Mehrbedarfs eine Verminderung der Matricularbeiträge in Aussicht zu nehmen ist.
Ein Nachtrag zum RcichehauShalts-Etat für das Jahr 1872 ist bestimmt, neben der Befriedigung dm ger anderer nachträglich hervorgetretmer Bedürfnisse die Mittel für Begründung eines statistischen Amtes auszubringen, welches im Stande jein würbe, durch einheitliche wissenschaftliche Bearbeitung der Ergebnisse statistischer Erhebungen im Reiche der Gesetzgebung uud Verwaltung, sowie der wissenschaftlichen Erkennt- niß der staatlichen und gesellschaftlichen Zustände wesentliche Dienste zu leisten.
Die Verwaltung des Jahres 1871 hat erhebliche finanzielle Ueberschüsse sowohl bei den Steuern als auch bei der Postverwaltung ergeben, lieber die Verwendung derselben wird Ihnen eben so wie über die gesetzliche Regelung der Verwendung und Vcrtheilung der französischen Kriegsentschädigung eine Vorlage zugehen.
Ueber die durch den Krieg mit Frankreich veranlaßten Ausgaben der Staaten des vormaligen Norddeutschen Bundes wird Ihnen, den Bestimmungen der in den Jahren 1870 und 1871 erlassenen Creditge- setze entsprechend, ein Rechenschaftsbericht erstattet werden.
Die mit der Regierung deS Königreichs Portugal seit Jahren gepflogenen Verhandlungen haben am 2. März d. I. zum Abschlüsse eines Vertrages geführt, welcher nach dem Vorbilde der mit anderen Staaten abgeschlosfenen Handels- und Schifffahrts- Verträge die gegenseitigen Verkehrsbeziehungen auf dem Fuße der meist begünstigten Nationen regelt und, wie zu hoffen, die Grundlage für die Anknüpfung intimer und ausgedehnter Handelsverbindungen zwischen Deutsch-
and und Portugal bilden wird. Der Vertrag wird Ihnen zur Genehmigung vorgclegt werden.
Eben so eine mit den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossene Cousular-Convention und ein mit Frankreich abgeschlossener Postvertrag, welcher die gegenseitigen postalischen Beziehungen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des in stetem WachS- thum begriffenen CorrcspondenzverkehrS regelt.
Die Neuordnung und Befestigung der Verhältnisse von Elsaß-Lothringen schreitet in erwünschter Weise vor. Die Schäden deS Kriege» gehen mit Hülse der Unterstützung, welche nach dem Gesetze vom 14. Juni 1871 aus Reichsmitteln gewährt werden darf, allmälig der Heilung entgegen. Die Grundlagen für die deutsche Verwaltung sind gelegt. Die Rechtspflege ist gesichert und die Universität in Straßburg soll am 1. Mai d. I. in« Leben treten. Für den außerordentlichen Aufwand, welchen die Einrichtung der damit zu verbindenden wissenschaftlichen Institute erheischt, wird auf die Hülfe de« Reiches gerechnet werden dürfen. Eine Uebersicht der bisher erlassenen Gesetze und allgemeinen Anordnungen, so wie über den Gang der Verwaltung des Landes wird entsprechend der Vorschrift des Gesetzes vom 9. Juni v. I. Ihnen zugehen.
Sie werden, geehrte Herren, die Befriedigung theilen, mit welcher die verbündeten Regierungen auf die Ergebnisse des ersten Jahres deS neubegründeten deutschen Reiches zurückbiicken und der ferneren staatlichen und nationalen Entwicklung unserer inneren Einrichtungen mit freudiger Zuversicht näher treten.
Mit derselben Genugthuung werden Sie die Versicherung entgegennehmen, daß eS der Politik Seiner Majestät des Kaisers und Königs gelungen ist, bei allen auswärtigen Regierungen das Vertrauen zu erhalten und zu befestigen, daß die Macht, welche Deutschland durch seine Einigung zum Reiche gewonnen hat, nicht nur dem Vaterlande eine sichere Schutzwehr, sondern auch dem Frieden Europa's eine starke Bürgschaft gewährt.
Deutsches Keich.
•• Berlin, 8. April. Die heutige Thronrede zeigt deutlich, welche Aufgaben dem deutschen Reiche in der nächsten Zeit zufallen, damit sich die Entwicklung Deutschlands in fortschreitendem Grave gestalte; ebenso aber zeigt sie, daß die dem Reichstage vorzulegenden
Onkel Georg.
Novelle aus dem Englischen von D. B.
(Fortsetzung.)
Der Geistliche hob mich sanft auf und bat mich, mit ihm in das Haus zu gehen. Auf dem Wege dahin erwähnte ich verschiedener Personen und Locali- täten, von denen, wie ich vermuthen konnte, Onkel Georg gesprochen hatte, um den Pfarrer zu überzeugen, daß ich wirklich die Person sei, für die ich mich aus gab. Als wir uns endlich in seinem kleinen Wohnzimmer befanden und dnander gegenüber saßen, herrschte ein so vertraulicher Ton zwischen unS, wie zwischen alten Freunden. . .
Ich hielt es für am besten, ihm Alles umständlich mitzmheilen, was ich hier von Onkel Georg und fei nem Verschwinden erzählt habe. Der Geistliche hörte aufmerksam zu und sagte, als ich geendigt hatte:
„Ich kann mir denken, daß Sie gespannt sind, daS zu hören, was ich ermächtigt bin, Ihnen mitzu- theilen; aber entschuldigen Sie mich, wenn ich vorher bemerke, daß die Geschichte Ihre« Oheims gewisse Umstände enthält, die Ihnen vielleicht schmerzlich zu hören sind."
„Die mir schmerzlich zu hören sind, — als seinem Neffen?" fragte ich.
„Nein, — al« seinem Sohn", entgegnete der Priester mit abgewendetem Gesicht.
Ich dankte ihm für die zarte Rücksicht dieser Bemerkung, aber bat zugleich, mich nicht länger in Spannung zu halten, sondern mir die nackte Wahrheit ohne Schonung mitzutheilvt, wenn sie mich auch noch so schmerzlich berühren sollte.
„In Ihrer Erzählung", begann der Geistliche, „haben Sie als ein sonderbares Zusammentreffen den Umstand bezeichnet, daß der Tod Ihrer Schwester und das Verschwinden Ihres Oheims zu derselben Zeit stattsand. Haben Sie je eine Vermuthung darüber
gehegt, welcher unglücklichen Ursache der Tod Ihrer Schwester zuzuschreiben »ar?'
„Ich kenne feine andere Ursache als die, welche mein Vater mir angab, und die von allen unseren Verwandten geglaubt wurde, — daß sie nämlich an den Folgen einer Geschwulst am Halse starb."
„Sie starb unter einer Operation, welche zur Beseitigung dieser Geschwulst unternommen worben war", versetzte der Priester mit leisem Tone, „und der Operateur war Ihr Oheim Georg."
Nach diesen wenigen Worten wußte ich Alles.
„Trösten Sie sich mit dem Gedanken, daß seine lange LeivenSzeit nunmehr vorüber ist", fügte der Geistliche hinzu; „er ruht in Frieden. Jetzt ist er bei feinem kleinen Liebling und glücklich. Immer sprach er von Ihrer Schwester als von seinem „kleinen Liebling", und glaubte fest, daß sie jenseits seiner warte, um ihm zu vergeben und ihn zu trösten. Wer möchte jagen, daß dies ein trügerischer Glaube gewesen sei?"
„Ich gewiß nicht, und niemand, der geliebt und gelitten hat!"
„ES war auch nur die selbstaufopfernde Liebe zum Kinde, waS ihn vermochte, die Operation zu unternehmen," fuhr der Priester fort. „Ihr Vater wagte den Versuch nicht, und auch alle seine Collegen, die er zu Rath gezogen, drückten sehr große Bedenken übet die Zulässigkeit derselben aus. Nur Ihr Onkel hegte eine andere Meinung. Er war zwar zu bescheiden, um sie auszusprechen, aber ihre Mutter entdeckte sie. Dieser entstellende AuSwuchS am Halse ihres schönen Kindes, und der Gedanke, daß es denselben lebenslang tragen müsse, setzte sie dergestalt in Schrecken, daß sie nach dem schwächsten Hoffnungsstrahle griff, der sich ihr darbot, und gegen die mit der Operation verbundenen Gefahren blind wurde. ES wird mir schwer, Ihnen, dem Sohn, zu sagen, zu welchem Schritt sie sich von dieser mütterlichen
Angst verleiten liefe, allein eS muß ausgesprochen werden. Sie wufete Ihrem Oheim Georg seine Mei- nung zu entlocken, und eines Tages, als Ihr Vater abwesend war, versicherte sie ihn fälschlich, daß fein Bruder die Einwilligung zu der Operation gegeben, und absichtlich das Haus verlassen habe, weil ihm der Muth fehle, dabei gegenwärtig zu fein.
(Fortsetzung folgt.)
Z. Favre «Ker die UeKergaKe 6ob Paris.
(Schluß.)
Schließlich beutete Bismarck seinen Plan eines lediglichen Einmarsches der Truppen und einer blos theilweisen Besetzung von Paris an, aber gerade dem opponirte Favre am heftigsten unv erklärte: Paris darf gar nicht oder eS muß vollständig besetzt werden, weil sich keine Civilgeivalt fände, die neben den Preuße«! regieren würde. Am nächsten Tage wünschte Favre Dem Reichskanzler dasjenige zu präcisiren, was er am Tage vorher über seine Stellung zu Napoleon gesagt hatte. BiSrnarck gewährte diesen Wunsch und sagte: „Ich habe Ihnen in Ferrieres aufrichtig meine Meinung über Ihren Kaiser auseinandergesetzt. Ich habe keinen Anlaß Ihm günstig gestimmt zu sein; ober wenn ich mich feiner bedienen kann, um einen für Deutschland günstigen Frieden zu erzielen, so werde ich nicht ermangeln, dies zu thun. Wir hofften, daß er »ach Sedan zu Unterhandlungen bereit gewesen wäre, das war seine Pflicht; er hat jedoch vorgezogen, fein persönliches Interesse als Souverän zu wahren."
„Frankreich büßt schrecklich diesen Egoismus und auch wir haben viel darunter gelitten. Will eS nach Möglichkeit die verhängnißvollen Folgen gut machen, so sind wir bereit, mit ihm in Verhandlungen zu treten. Sie haben mir den Widerwillen Ihrer Landsleute gegen den Kaiser erwähnt. Dieser Widerwille ist aber weniger stark, als Sie annehmen. UebrigenS