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habe». — Das Mitglied der pariser sExcommunc Dupoitt, der nämliche, welcher am 18. März d. I. das londoner Banket der Communisten präsidirte, wurde ge­stern inPariS verhaftet, wohin er incognilo gekommen war. — Das drille Kriegsgericht hat gestern den Abbe Pcrrin, Bicarius an der pariser Kirche Saint Eloi (er war iw et der GeneralstabS-Osficiere der Commune) wegen von ihm vorgcnommener Verhaftungen zu zwei Jahre» Gefängniß verurtheilt. Das Kriegsgericht Halle mil dernde Umstände zugelassen. — Der Wiederaufbau des Holel ThierS auf dem Platze St. Georges ist beschlossene Sache. Zwar hatte Hr. Thiers nach der Zerstörung seines Hauses die-Absicht, sich in Passy niederzulassen, hat jedoch dieselbe in der Folge aufge­geben. Die Pläne für den Neubau wurden von ihm bereit« gutgeheißen. .

Großbritannien.

Londott, 6. April. Im Unterhause theilte gestern der Schatzkavzlcr Lowe mit, daß die Reduclion des Kaffeezoll.es am 1. Mai beginnen werde. — Die Ur­heberschaft des Vorschlages, alle civilisirten Staaten her Welt zu einem großen Postverbande mit gleich­mäßigen Portosätzen zu vereinigen, wird von einem Kopenhagener Berichterstatter der „Times", dem dä­nischen Ober-Postdirector Joseph Michaelsen zuge- schrieben, welcher vor vier oder fünf Jahren diesen Plan in einer französisch abgefaßten Schrift empfahl, die er den meisten Regierungen zuschickte. Der Be­richterstatter der „Times" hegt die besten Hoffnungen auf die Verwirklichung des Gedanken«, wenn Fürst Bismarck und Herr Stephan, das fähige Oberhaupt des preußischen PvstwescnS, sich seiner annehmen würde; denn Preußen sei gerade in der Lage, diese große Reform durchzuführen, und der deutsche Reichs kanzler der. Mann, alle Schwierigkeiten zu besiegen.

' Niederlande.

S* Herrenberg, 6. April. Tie evangelischen Einwohner von s' Heerenbcrg, einem niederländischen Städtchen an der preußischen Grenze, im Verein mit den Beamten der Hohcnzollern'schen Verwaltung (der Fürst von Hohenzollcrn ist dort begütert) hatten am 2. April anläßlich der niederländischen Nationalfeier eiu bescheidenes Fest im Societätsgebäude veranstaltet,, hauptsächlich darin bestehend, daß alle Kinder de« Orts ohne Unterschied der Religion bewirthet werden und sich am Fahren auf einem innerhalb des Socictätsge- bäudeS aufgestellten Caroussel erfreuen sollten. Die Festlichkeit begann Nachmittags 4 Uhr; vorher hatte sich in den Straßen des Städtchens Pöbel von dem benachbarten Emmerich (Reg. Bezirk Düsseldorf) ge­zeigt, aus dessen Mitte der Ruf: „Oranje in de Goet“ (in die Gosse ^nit Oranien) erscholl. Der Haufen Emmcricher und die Betrunkenheit mehrte sich; bald kam es zu Tätlichkeiten, indem der Reichsfeldwächter Sttaatmann niedergeschlagen, ihm seine Waffen ent­rissen und auch sein zur Hülst herbeigeeilter Sohn mißhandelt wurde. Jnr Societätsgebäude und in einigen Häusern wurden Fenster zertrümmert und in Angst und Schrecken flohen die Menschen aus dem Festlocale. Nachdem der Plebs vor dem Hause des Pastors ein dreimaliges Hoch gebracht und ein geist­liches Lied gesungen hatte, verließ er unter Schreien und Tumult gegen Mitternacht das Städtchen. Nach dieser dem „Emmericher Volksboten" entstammenden Nachricht würden diese Auftritte eine ultramontane Demonstration gegen das Holländische Nationalfest bedeuten, zu welcher leider aus Emmerich Unterstützung rrquirirt wurde. * —

Spanien. • -• - r

Madrid, 6. April. Nach der „Correspondencia" wurden in Spanien mit Portorico, soweit die Ergeb- mffe bekannt, gewählt: 242 Ministerielle, 128 Can bidaten der Opposition, 17 Kandidaten von zweifel­hafter Parteifarbe. Die zahlreichste Gruppe in der Opposition würden die Carlisteu, den unbedeutendsten Bruchtheil die Radicalen bilde». — Den Mittheilun- ficn der Regierung zufolge sind nach den amtlichen Resultaten 229 Ministerielle, 137 Mitglieder der Opposition und 18 Zweifelhafte gewählt worden. In Portorico und auf den Canarischen. Inseln kommen 1 auf 21 Abgeordnete 15 Ministerielle.

„ x . Nußland und Pole«.

Petersburg, 6. April. Den hier befindlichen l Deutschen ist auf das an Kaiser Wilhelm bei Gelegen- : heil seines Geburtstage« gerichtete Glückwunsch-Tele­gramm folgende Antwort zugegangen: „Wenngleich 1 verspätet, doch nicht minder-herzlich, sage Ich Ihnen 1 und der Versammlung vom 22 März meinen auf­richtigen Dank für die treuen Wünsche, welche Mir i das Telegramm überbrachte. Berlin, den 4. April I 1872. Wilhelm." — Das au« der Kathedrale von । Odessa abhanden gekommene wunderthätige Bild der i Kasperowka'schen Mutter Gottes ist von einem Sol- ' boten der Quarantaine Compagnie unweit des Michael , klofters in einer zu Baumpflanzungen bereiteten Grube i gefunden worden. Dasselbe war in ein Tuch gewickelt; < dabei lagen ein Schlüssel und ein Stemmeisen. i

Rumänien.

Bukarest, 5 April. Die Kammer, welche in 1 den letzten drei Tagen nicht mehr beschlußfähig war, j

Telegraphische Cours- und Marktberichte.

Frankfurt a. M-, 8. April- ISchluß der Börse!. Staalsbahn - Actien 404%, Elisabeth 263, Galizier 272, Lombarden 213, Nordwestbahn 225%, Creditactien 359, Silberrente 63%, Spanier 30%, 1882r Amerikaner 95%, gekünd-, 18821 Amerikaner 95%, österreichische Nationalbank 880, 1860r Loose 92, volle sranzös. Rente 87%. neue Russen 89%, österr. Papierrente 58%, Oberbeffen 86%, Bundes-Anleibe 100% G., 4j z Genf. Preußen 103%, 4 i Kurheffen 94% B.

Berlin, 8. April. (Anfangseourse). Creditactien 207, Staatsbahn 232%, Lombarden 122%, Amerik. —.

Wien, 8 April. (Anfangscourse). Creditactien 340.50, Lombarden 201.70, Staatsbahn —, Napoleons 8.81.

Frankfurt a- M. Die Annoncen-Expedition von Ru­dolf Moste in Frankfurt a. M. vermittelt auf dem erfah­rungsgemäß erfolgreichsten Wege der Insertion auf das Zuverlässigste alle Arten Verkäufe und Verpachtungen von Gütern, Grundstücken, Fabriken, Gesuche und Offerten, En­gagements rc. ohne Provisionsantheil unter alleiniger An­rechnung derDriginal-Jnsertionsgebühren- Die Entgegennahme von Briefen und Gesuchen aller Art geschieht gratis. [743

: wurde gestern definitiv geschlossen. Der Senat will ! die Eisenbahnanschlüsse au Ungarn nicht'genehmigen.

Türkei.

Konstantinopel, 5. April. Nach einer den , türkische» Journale» zugegangenen Mittheilung wird das türkische Deficit poo 1872 mit Rücksicht auf die Erhöhung der Einnahme durch das Tabaksmonopol stur• §OÖ,QPO Lire betragen. !"

Griechenland.

Athen, 5. April. Heute hat der König die Kammer mit einer Thronrede eröffnet, welche btf freundschaftlichen Beziehungen zu den befreundeten Mächten und den befriedigenden. Zustand der trotz der Wahlaufregungen unbeeinträchtigt gebliebenen öffentliche» Sicherheit betonte. — Prinz Friedrich Karl von Preuße» ist wieder abgereist

Amerika.

Washington, 5. April. Das Repräsentanten­haus nahm einen Gesetzentwnrf an, welcher die Re­gierung ermächtigt, unter die Offiziere und Mann­schaften des Kriegsschiffes „Kearsarge," welches das berüchtigte südstaatliche Kaperschiff „Alabama" bei Cher­bourg am 19. Juni 1864 in den Grund gebohrt hat, 190,000 D. als Belohnung zu vertheilen.

,ä, Australien.

Die neueste australische Ueberlandpost meldet aus Melbourne vom 16. Februar: Das Kriegsschiff „Ro­sario", Kapitän Challis, ist von seiner Kreuzungsfahrt in den Südseen zurückgekehrt. Es besuchte den Schau­platz der Ermordung des Bischofs Patteson auf Nu- kawu, einer Insel der Santa Cruz-Gruppe, und als die Boote zu landen versuchten, wurde vom Gestade aus auf dieselben geschossen. Die „Rosario" dampfte alsdann um die Insel nach der außen gelegenen Klippe, bombardirte das Torf und zerstörte es völlig. Als die Boote später landeten, sand man, daß ungefähr 30 Eingeborene getödlet und ihre CauoeS zerstört waren. Ein englischer Marine-Korporal starb an einer Verwundung durch einen vergifteten Pfeil. Dieses strenge Verfahren hat in der Kolonie scharfen Tadel hervorgerufen. - Ueber die Bombardirung enthält ein SeemannSbrief von Bord der „Rosario" u. A. folgendes Nähere: „Durch den Sclavenfang ist es dahin gekommen, daß jeder Weiße von den Insulaner» als ein Feind betrachtet wird; als die „Rosario" am 29. Nov. an Nukawu ankam, wurde ein Boot an der Küste ausgesandt,'um eine Durchfahrt durch das Riff zu suchen, während das Schiff inzwischen um das Riff steuerte und nahe am Lande ihm Canoes der Eingc borenen folgten. In der Nähe des Dorfes angekommen, gingen die Insulaner auf den Strand, tanzten den Kriegslanz und sandten einen Pfeilregen auf das vorausgeschickte Boot. Als sich diese Feindseligkeit wiederholte, wuxde» die Boote des Schiffes kampfbereit gemacht und eine Landung versucht. Die Eingeborenen setzte» unserdkssen ihren Kriegötanz fort und schossen ihre Pfeile, von welchen zwei Seeleute bei der Lan­dung verwundet wurde» (einer derselbe» starb drei Woche» später an der Muudklemme). Die Schiffs Mannschaft brannte darauf das Dorf nieder und zer­störte die Canoes. Selbigen Tages verließ die „Ro­sario" Nukawu und begab sich, nachdem sie einen Missionär als Dolmetsch an Bord 'genommen, nach der Insel Vasutai, bereit Häuptling eingestand, daß er und die ©einigen die Mannschaft des Schiffes „Wild Duck" erschlagen und verzehrt, und daß er den Befehl gegeben habe, alle Weiße» zu tobte», weil dieselben die Insulaner raubten..Die ;,Rosario" legte dem Dorfe als Buße 15 Schweine auf, eine schwere Strafe, da diese Thiere so theuer sind, daß ihrer zwei bis drei dem Preise einer Frau gleichkommeu. Die Aurora Insel wurde um vier Schweine gebüßt, weil ein Eingeborener nach einem Offizier mit der Keule geschlagen hatte, und die „Rosario" zerstörte dort mehrere Dörfer." Dieser Bericht beweist wohl, welches Unheil die europäischen und amerikanischen Kulihändler in der «LÜdsee angerichtet haben und wie hoch es an der Zeit ist, daß in jenen Meeren. eine strenge Si­cherheitspolizei gehandhabt werde.

Ans Heffen-Nnffn«.

* Marburg, 8. April. Man wird sich erinnern, daß im vorigen Herbst I. K. und K. H. der Kron- mnz und die Kronprinzessin beim Besuche des hiesi­gen Schlosses von 12 Bauerntöchtern in den verschie­denen reiche» und malerische» Trachten des Kreises Marburg begrüßt wurden. Es war Veranstaltung getroffen, daß gleich nachher die photographische Auf­nahme der hübsch gruppirte» Mädchen stattfinden ' konnte, und das wohlgelungene Blatt wurde hiernächst auf das Sauberste colorirt, so daß die bunten Farben und die Stickereien des festtäglichen Schmuckes %ur Geltung kam.». Dem Vernehmen nach hat die Frau Kronprinzessin geruht, >daS Blatt als eine Er- tnnerung an de» hiesigen Aufenthalt freundlichst ent- gegenznnehmen und nunmehr als Erwiderung jedem der Mädchen Photographieen der beiden Höchsten Herrschaften zu bestimme», welche den Belheiligte» in dies.» Tage» durch das hiesige königl. LandrathSamt iiigeftiUt worden sind.

Frankfurt, 7. April., Gestern ist aus Berlin die Ant­wort auf die Vorstellung des Magistrats, bezw. der Lotterie» Collecteure, wegen Verlängerung des Eudtermins für die hiesige Stadtlotterie eingetroffen. Dieselbe bescheidet die Petenten abschlägig und geht mithin definitiv die Lotterie mit dem 31. Dec. 1872 ein.

Ueberficht über die Witterung im März 1872.

Der mittlere Barometer-.Stand um 12 Uhr Mittags betrug 27" 4‘“,, pariser Linien, war also 1 Linie zu niedrig, ähnlich wie im Januar und umgekehrt wie im Februar. Der höchste Wrrometer-Stand wurde beobachtet am 3. um 12 Uhr Mittags: 27* tV“.; her tiefste am 25. UM 10 Uhr Morgens: 26" 10%,. Unterschied 1 Zoll Md fast % Linien. Das Barometer schwankte häufig und stark. Die Mitteltemperatur betrug 4*,, Rsaumur, d. l 2 volle (Stabe mehr, als die wahre Mitteltemperatur des März. Da nun unsere im Februar ausgesprochene Hoffnung auf einen milden Nachwinter und Frühling sich erfüllt hat; so wollen wir die weitere Bemerkung hinzufügen, daß auf einen warmen März in den letzten 33 Jahren jedesmal auch ein wärmeres Jahr gefolgt ist. Die niedrigste Morgentemperatur hatte der 21., nämlich 3„ Grad unter Null, die höchste Nachmittagstemperatur der 30. mit 18»„ Wärme. Differenz: 22 Grad- In den letzten 4 Tagen des Monats stieg die Temperatur Überraschend schnell und jene 18 Grad sind ein sehr seltener Fall für Ende März. Bis zu diesen letzten 4 Tagen war die Temperatur sehr schwankend und es gab noch vierzehnmal Frost in der Nacht. Die Mitteltemperatur deS ganzen Tages lag nur am 21. etwas unter Null. Die letzten 3 Tage des Monats hatten schon 11 bis 13 Grad Mittelwärme — Der März hat gewöhnlich trockene Luft: diesmal hatte et sogar volle 10 Procent weniger Feuchtigkeit, als der Februar, nämlich 78?»/o; Morgens 7—8 Uhr 881 Mittags 1—2 Uhr 64%, Abends nach 10 Uhr 8iz°/o Feuch­tigkeit. — Die Windrichtung war ganz die normale, indem auf 2 nördliche 3 südliche Winde kommen. Nord- Nord-West war am 10., Nord am 11., Nord-West am 19. heftig und brachte in der Nacht Schnee, der nur noch zwei­mal, nämlich am 20. und am 25. auf einen Tag die Erde bedeckte. — Der Niederschlag an Schnee und Regen war gering, nur 11% Linie. — Es gab 9 heitere Tage, alle in der ersten Hälfte des Monats, 11 gemischte und 11 trübe. An 7 Tagen fiel Regen, an 3 etwas Schnee. Fünfmal Reif. — Am 1. März betrug die Temperatur der Haupt­quelle in der Marbach 7°,1 kl., in Ockershausen 8*„.

Telegraphische Depeschen -er Ober, hessische« Zeitung.

Berlin, 8 April. Der Reichstag ist heute Nach­mittag 2 Uhr eröffnet worden. Der Reichskanzler Fürst Bismarck verlas im Allerhöchsten Auftrage die Thronrede^ deren SchlußpassuS mit großem Beifall ausgenommen wurde. Nach Verlesung der Thronrede brachte Simson ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte.

Berlin, 8. April. Die Thronrede, mit welcher heute Mittag der Reichstag eröffnet wurde, bezeichnet als Aufgabe desselben den weiteren Ausbau der ge­meinschaftlichen Reichseinrichtungen und kündigt fol­gende Vorlagen an: einen Gesetzentwurf, bete, die Einrichtung uud die Befugnisse des Rechnungshofes, den Entwurf eines Militärstrafgesetzbuches, als Er­gänzung des einheitlichen Strafrechts, den nach dem Gutachten der Reichstagscommission abgeänderten Ge­setzentwurf, betr. die Verhältnisse der Reichsbeamten, und eine» Entwurf, betr. die Erhebung der Brau­steuer; weiter erwähnt die Thronrede die durch Steigerung des Verkehrs eingetretene Erhöhung der Einnahme von Verbrauchsabgaben und Posteiunahmezi, die hieraus folgende Verminderung der Matrikular beiträge, die Ermöglichung der Einrichtung des stati­stischen Amtes, konstatirt finanzielle Überschüsse aus der Einnahme pro 1871 und kündigt weiter an: ein Gesetz betreffend bereit Verwendung und über die Vertheilung der französischen KriegSkontribution, den Rechenschaftsbericht über die Kricgsausgaben des Norddeutschen Bundes für ben Krieg mit Frankreich, unb Vorlagen, betr. ben Handels- und Schifffahrts- Vertrag mit Portugal, die Konsularkonvention mit Nordamerika und den Postvertrag mit Frankreich; chließlich wird der befriedigenden Gestaltung der Ver- hältuiffe in Elsaß - Lothringen gedacht und versichert, daß es der Politik des Kaisers gelungen ist, bei den Regierungen des Auslandes das Vertrauen zu erhal­ten und zu befestigen, daß die im Reiche geeinte Macht Deutschlands eine sichere Schutzwehr für das Vater­land und eine starke Bürgschaft für ben Frieden Eu- ropa's sei.

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