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neue Waffenvorräthe brachten, brauchte Frankreich keine Kriegswerkstättc» und auch keine Munition an- jufertigcn.

Deutsches Reich.

* Berlin, 7. März. Vorgestern hielt der Bun- deSralh eine Plenarsitzung, in weicher der Staats- Minister Delbrück in Vertretung des Reichskanzlers den Vorsitz führte; es kamen zur Berathung: der Entwurf eineS'WescheS über die Rechtsverhältnisse der Reichsbcamten, der Gesetzentwurf über die Einrichtung und die Befugnisse deS Rechnungshofes und der Handels unbj SchiffahrtS-Vertrag mit Portugal. 'Gestern ver­sammelte sich dir Bundesrath abermals; ebenso hielten gestern die vereinigten Ausschüsse desselben für daS Seewesen und für Rechnungswesen, so wie der Aus­schuß für Rechnungswesen Sitzungen ab. — Im Auf­trage Sr. Mas. des Kaisers eröffnet der Reichskanzler Fürst Bismarck morgen Mittag den Reichstag im Weißen Saale de« hiesigen Schlosses.—Prinz Wilhelm von Baden ist heute früh von St. Petersburg hier eingetroffen und Hal für die Dauer der Reichstags- Verhandlungen im Hotel Royal Wohnung genommen. — Der Reichstag hat in feiner Zusammensetzung seit seiner letzten Session einige Veränderungen erlitten; es wurden nämlich theils durch freiwillige Niederle­gung, cheilr durch gezwungene Niederlegung in Folge von Tod oder in Folge von Kaffation der betreffen den Wahlen durch den Reichstag oder in Folge von Beförderung ‘ber betreffenden Abgeordneten in Staats dienst, sieben Mandate vakant. Von diesen wurden 6 durch Neuwahlen neu besetzt; eine der beiden Neu­wahlen in Folge von Kassation lieferte wieder den kassirten Kandidaten, geistl. Rath Müller in Berlin für den Wahlkreis Pleß-Rybnik. Erledigt und noch nicht durch Wiederwahl vertreten sind gegenwärtig 10 Wahlkreise nämlich: Sorau, Hraustadt, Heiligenstadt Worbis, Apenrade - Flensburg, Mörs - Rees, Pastau, Lohr (Baiern), Bicberach-Leutkirch u. s. w. (Würtem- berg), Freiburg i. Br. und TauberOischofsheim (Baden)

Zn verschiedenen Landestheilen werden demnächst die von dem Generalstabe veranlaßten trigonometrischen Arbeiten wieder ausgenommen und demgemäß die Orts- behördr» durch ihre vorgesetzten Behörden besonders angewiesen werden, den mit den Vermessungs-Arbeiten beauftragten Offizieren rc. möglichst entgegen zu, kom men, wobei den Ortsvorstehern zu eröffnen ist, daß die Trigonometer mit dem Ankäufe der kleinen Boden­flächen, welche zum Schutze der Festigungssteine von den Grundbesitzern abzutretcn sind, nichts zu schaffen haben, dagegen jeden Flurschaden, welcher durch sie während der Arbeit entsteht, sogleich i>ach billiger Uebcreinkunft baar bezahlen müssen. :

Posen. 7. April. Seit dem 2. April erscheint hier ein neues politisches Tageblatt: „Gazetkcl Wiel- kopolska" (Großpolnischc Zeitung), das von einem Verein polnisch-national gesinnter Geistlicher gegründet und dessen Betriebsfonds durch Actienzeichnung (zu 10 Thlr.) aufgebracht ist. Das neue Blatt hat sich seinem in Nr. 1 veröffentlichen Programme zufolge die Aufgabe gestellt, auf dem Wege der legalen

Agitation für die gesetzliche Anerkennung der na­türlichen und historischen Rechle der polnischen Nationalität zu wirken. ■ Die Forderungen, die es zu diesem Zwecke an die preußische Regierung stellt, sind: Gleichberechtigung der polnischen Sprache, Nationali­tät und des katholischen Glaubens mit der deutschen Sprache, Nationalität und dem evangelischen Glauben, politische Sonderstellung und autonomisihe Rechle für öie preußisch-polnischen Provinzen und Herstellung der Zoüeiniguug und des freien Handelsverkehrs zwi­schen allen Gebietstheilen der ehemals polnischen Re­publik. Ais Agitationsmittel zur energischen Geltend niachung dieser Forderungen will das Blatt in An­wendung bringen: einerseits die innige Verbindung und Zdentificirung der polnischen Nationalität unit der katholischen Religion, andererseits die immer fester zu knüpfende Bundesgcnosscnschaft mit den slawischen und den katholisch - romanischen Völkern. Der Redakteur des neuen Blattes ist ein ehemaliger Gymnasiallehrer, Dr. Casimir Szulc, der zuletzt in Paris mehrere Jahre hindurch als Director der höheren polnischen Emigrantenschule von Monlparnasse fungirte. Nach Auflösung dieser Schule ist er im Sommer 1871 nach Posen zurückgekehrt. j’.‘ ■

Dresden, 7. April. In der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer erklärte der Abg. Sachse, welcher Tags zuvor schwere Beleidigungen gegen den Abg. Prof. Biedermann ausgesprochen und sich dadurch wiederholten Ordnungsruf vom Präsidenten zugezogen chatte, er bedauere gegen diesen Ordnungsruf Wider­spruch erhoben zu haben, und nehme letzteren zurück. Präsident Schaffrath schlUgjsvor, hiermit den fraglichen Jncidenzfall als erledigt anzusehen, welchem Vorschläge die Kammer ohne Debatte zustimmte. — Schließlich erfolgte die Vertagung der beiden Kammern durch den Staatsminister v. Friesen. Das t>on den Kammern votirte Finanzgesetz ist im Ordinarium auf 13,752,919 Thlr., im Extraorbinarium auf 17,230,748 Thlr. fest­gestellt

München, 7. März. Gestern verhandelte die Abgeordnetenkammer über das Gesetz brtr. die Aus­dehnung deS pfälzische» Bahnnetzes, dasselbe wurde in zweiter Lesung angenommen; desgleichen wurde der Gesetzentwurf, beir. die Verwendung des bayerischen Anlhcils an der Kriegsentschädigung mit einem Antrag Lcvi's angenommen, demzufolge der Finanz- ministcr nach der Heimzahlung der Kriegsanleihen von 1870 und 1871 ermächtigt sein soll^ zuerst die d procentige Schuld und dann erst die 4^2 procentigc Militärschulb von 1859 heimzuzahlen. Auf der Ta­gesordnung der nächsten morgigen Sitzung steht die Verathung der Etats des Finanzministeriums und der Verkehrsanstalten.

Baden-Baden, 7. April. Die Königin Victoria hat gestern Nachmittag 2 Uhr mittelst Extrazuges Baden-Baden verlassen, um über Straßburg, Paris und Cherbourg nach England zurückzukehren.

OrktrrreiL - llnaatn.

Pest, 6. April. Der Pester „Lloyd" meldet, daß der Reichstag am 16. oder 17. d. M. mit einer Thronrede werde geschloffen werden. Der Wieber

Zusammentritt desselben soll, wie bestimmt versieben wird, mit Beginn der Erntezeit, Ende Juni oder An­fangs Juli erfolgen; die Neuwahlen müßten also vor der Ernte stattfinden; die Central-Ausschüsse sollen schon Ende April znsammenkomme».---Deak, welcher am 3. b.*tiach zehnwöchcntlichem Fernsein zum ersten Male wieder im Abgeordn,eteichause erschien, wurde oH'elhst von stürmischen Ovationen empfangen.

S M... k Frmlkreich. .

Parts, B. Aflwil. Kam oWieller Mittheilung wird Thiers feine jetzige Behausung in Versailles während der Ferien der National-Versammlung nichi verlassen, aber am 8., 11, 13. und 15.„April zu Paris im Elysse die Hauptvertreter der Körperschafien, welche in der Hauptstadt ihren Sitz haben, empfangen — Die Finanzkreise wurden durch die Worte, ivomit Thiers und Gvulard ihre Deputation anker Roth schild's Führung empfingen und die eine Hinausschie­bung des Stempelfteuergesctzes' in Aussicht stellten, wesentlich beruhigt. Die Londoner Discontoerhöhung ist eine Folge des constanten enormen Steigens der Devise Paris in -London, wodurch der dortherigc Geloexporr lohnend geworden ist. — Der Redacteur des „Radikal", Mottu, wurde vom Zuchtpolizeigerichte wegen betrügerischen Bankrottes und Veruntreuung zu 2 Jahren Gefängniß und 50 Frcs. Geldstrafe verurthe'lt.

Paris, 6. April. Ein bemrrkenSwertheS Ereig- niß, so wird der „Pall Mall Gazette" von hier geschrieben, hat sttb in den letzten Tagen zügctragen, welches einiges Aufsehen, in der pariser Gesellschaft erregt. Unter den Gästen im Hause eines gewissen französischen Marquis waren Fürst und Fürstin La­dislaus Czartoryski und Fürst Orlow, der russische Botschafter, welcher seine Gemahlin dem Wirthc und anderen anwesenden Personen vorstellte. Als dirS Fürst Czartoryski sgh, äußerte er dem Marquis sein Bedauern darüber, daß er nicht im Stände sei, mit dem russischen Botschafter Gemeinschaft zu machen. Der Marquis bemerkte darauf, Fürst Orlow wünsche nur seine Gattin der Fürstin Czartoryska, als der .Tochter des Herzogs von Nemours, vorzustellen, wo­rauf der Herzog erwiderte, auch dieses sei unmöglich. Er verließ auch alsbald mit seiner Gemahlin das Haus. Dies Ereigniß zeige, daß der hervorragendste Führer der polnischen Emigration immer noch Ruß­land als Feind betrachte. — General Trochu beab­sichtigt demnächst eine Broschüre zu veröffentlichen. Dieselbe soll außer dem in Paris vom General und feinem Vertheidiger Gesprochenen anläßlich der Affaire von Buzcnval und allem, was derselbm vorausging, Mittheilungen enthalten, von denen der General Trochu im Laufe des Prozesses keinen Gebrauch machen wollte. Die neue Schrift des Generals Trochu soll weniger durch den Spruch der Jury als durch verschiedene L>ttllen der »Histoire du gouvernement de la de- fense nationale« von Hrn. Jules Favre hervorgcru- feu worden sein. — Die Commission der lyoner Aus­stellung verweigert die Annahme der deutschen Erzeug­nisse. Es sollen sich übrigens nur eine sehr unbedeu­tende Anzahl deutscher Fabrikanten bei ihr gemeldet

dem deutschen Reichskanzler persönlich geführt hatte, erscheinen lassen. Der erste Band war den in Fer riöres stattgehabken Verhandlungen gewidmet; der zweite enthält die der Capitulation von Paris un­mittelbar vorangegangcnen Verhandlungen in Ver­sailles. j .....

Favre nahm in Versailles diese Verhandlungen auf, indem er dem Reichskanzler erklärte, er sei ge­kommen, um von ihm zu erfahren, welches die Be­dingungen wären, wenn Paris die Waffen niederlegen würde, denn die Kenntniß dieser Bedingungen könnle, wenn dieselben annehmbar wären, eine minder blutige Lösung herbeiführen.

„Sic kommen zu spät," erwiderte lebhaft Graf Bismarck," wir haben mit ihrem Kaiser unterhandelt! Wenn Sie 'sich für Frankreich nicht verpflichten können oder wollen, so werden Sie leicht einsehen, daß wir das wirksamste Mittel suchen muffen, um dem Kriege Einhalt zu thun. Sie haben einen Stand der Dinge herbeigeführt, der leicht vorherzusehen war, und den zu vermeiden, ebenso weise wie einfach ge- wefen wäre. Ihr Fehler war, nach der Capitulation von Sedan noch zu glauben, daß eS Ihnen möglich sein würde, Ihre Armeen wiederherzustellen. Dieselben waren aber vollständig vernichtet und wie groß auch der Patriotismus einer Nation sein mag, Armeen im provisiren kann er nicht.

Wenn es genügen würde, einem Bürger ein Ge­wehr zu geben, um einen Soldaten auö ihm zu machen, so wäre cs doch eine große Thorheit, den besten Theil des öffentlichen Reichthums auf die Bil­dung unfe Unterhaltung stehender Heere zu verwenden. Dari» besteht aber unsere wahre Überlegenheit, und weil Sie dies verkannt haben, deßhalb sind Sie in diese Lage gekommen. Sie habe» sich großartig zu Ehlen gebracht durch eine» Wiederstand, dessen Fort­setzung ich für vollständig nutzlos hielt und die niedts Anderes war, als eine Art nationaler Eigenliebe.

Jetzt sind wir entschlossen, den Krieg zu beendigen und zu diesem Zweck wolle» wir das directeste und sicherste Mittel aufsuchen. Da wir in Ihrer Mitte keine regelmäßige Regierung finden, suchen wir die­selbe anderwärts und wir befinden nns in weil genug vorgeschrittenen Verhandlungen mit Jenem, der in unseren Augen die Tradition und die Autorität reprä sentirt. Wir haben in dieser Beziehung noch Feinen Entschluß gefaßt und befinden uns Angesicht« dreier Combinationen: der Kaiser, der kaiserliche Prinz mit einer Regentschaft, oder der Prinz Napoleon, der sich auch anbictet. Wir haben auch den Gedanken, den gesetzgebenden Körper wieder herzustclle, der die par lameutarische Regierung vertritt. Nach seiner Auflö­sung ist eine Commission gebildet woroe», an deren Spitze Herr v. -k. (Farve nennt den Namen nicht) sich befindet, der, wie ich glaube, ein Ehrenmann und eine angesehene Persönlichkeit ist. Wir könnten uns mit ihm ins Einvernehmen setzen; der gesetzgebende Körper würde die Frage entweder birect verhandlet» oder eine Versammlung zu beten Behandlung er­nennen. Ebenso würbe er eine Regierung wählen unb wir hätten eine Macht, mit ber wir abschließen könnten."

Gegen ben Gebanken einer Wicberherstellung bes Kaiserthumö verwahrte sich nun Favre in der^ leb­haftesten Weise, indem er dessen abermaligen Sturz und innere Kämpfe in Aussicht stellte. Bismarck er= werte ihm aber ganz kurz: „Das zu überlegen wäre Ihre Sache, für uns wäre eine Regierung, die bei Ihnen ben Bürgerkrieg Hervorrufen würbe, weit eher von Vortheit als von Nachtheil.

Hierauf fragte Favre ben Reichskanzler, ob er nicht zulassen wolle, baß Frankreich durch eine frei- gewählte Versammlung über sich selbst entscheide und ob er nicht die Mitt.l hierfür gestatten wolle Bis­marck antwortete darauf, er hätte unter anderen Um­ständen nichts dagegen, aber bei der terroristischen

Herrschaft, die Gambetta im Süden ausübe, halte er den Plan für unmöglich. Das wollte aber Favre nicht zugeben und kam schließlich darauf zurück, Bis­marck möge ihm die Bedingungen sagen, die Paris gestellt würden, wenn es das Unglück hätte, sich er­geben zu müssen.

„ES ist schwer für mich, sagte Bismarck, biefelben alle zu bestimmen, weil hier die politische Situation durch die militärische beherrscht wirb. Die betreffen ben Bestimmungen seien noch nicht zwischen bem Kö nig, Moltke unb ihm festgesetzt worden. Die Garni­son vqn Paris müsse allerdings kriegsgefangen wer­den, dürfe aber in Paris bleiben. Was die Natio­nalgarde betreffe, so werde man sich mit der Entwaff­nung begnügen. Bezüglich der Frage des Einmarsches erklärte BiSmarck, er würde sich genügen lassen an der Besetzung ber Forts, in bie aber zum Zwecke der Garantie, baß vieselbei, nicht unterminirt seien, dir Maires, bie Rebacteure unb bie Regierungsmitglieder den deutschen Truppen voranmarschire» müßten' Durch diese Bedingung fühlte sich Favy seht beleidigt unb fragte, ob man beim bcm Ehren­worte ber Regierung nichr glauben würde, Bis' marck nahm aber keine Notiz davon und fuhr fort1 „Jch würde Ihnen das Unterbleiben des Einmarsches zugestehen, aber der König und die Militärpartei be­stehen darauf. Es geschieht dies als Genuglhuung für die Armee; denn sonst könnte mir, wenn ich heiw- gekehrt fein werde, jeder arme Teufel, der auf einen1 Bein einherhumpeln muß, sagen: „Das Bein, welches ich vor den Manern von Paris gelassen, hatte mir das Recht gegeben, meine Eroberung zu Ende zu bringen! dieser Diplomat aber, ber alle seine ©lieber besitzl- hat mich baran gehinbert." Wir können eS »141 barauf ankommen lassen, bie öffentliche Meinung i» dem Punkte zu verletzen." f

(Schluß folgt.)