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Niarkmrg, Sonnabend, den 6. April.
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Oberhesfifche atitmg.
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Der Waffenverkauf feiten» der Bereinigten Ktaaten an Frankreich während des letzten
• Kriege»
In den Bereinigten Staaten rüsten sich die Parteien zu der im Herbste statlfindenden Präsidentenwahl. Die Republikaner wirken zum größten Theile für die Wiederwahl Grant'«. Die Popularität des Präsidenten hat seit seinem Amtsantritte bedeutend abgenommen. Ihm persönlich kann man keinen Vorwurf mache«. Er versuchte Anfangs, sich die Stcllenjäger fern zu halten und ernannte für die höchsten Aemter Männer, welche die allgemeine Achtung genossen, sich aber im politischen Leben noch nicht erprobt hatten. Die Bestechlichkeit amerikanischer Staatsbeamter und die Betrügereien und Unterschlagungen, welche während Grant's Amt«sührung staltgeflinden, zeigten sich bereits unter Lincoln und Johnson, und treten überall im amerikanischen Leben hervor, auch bei Magistraten und Privatgesellschaften. Sie sind theilwcise zurückzuführen auf die gesetzlose Zeit des SecesstonSkrieges. Resolutionen und Gesetze Helsen nichts dagegen. Es gilt ein Standes- und Amtsbewußiscin zu erwecken und da« öffentliche Gewissen zu stärken.
Die Unterschlagungen bei dem beabsichtigten Kaufe St. Domingo's, die Ehrlosigkeit vieler vom Präsidenten ernannten Steuerbeamten, namentlich des Newyorker Zollamtes, haben der Grant'schen Wiederwahl einen Theil der republikanischen Partei entfremdet, welcher, geleitet von Chas. Sumner, Senator für Massachusetts, und Horace Greeley, Herausgeber der „New - Dort Tribüne", versucht, durch unfern Landsmann Karl Schurz, Senator für Missouri, und seinen Collegcn F. P. Blair jun., bei der letzten Präsidemschaftswahl Candida) der democratischen Partei für die Vicepräsi- dentschaft, Fühlung zu gewinnen mit den Deutschen und Demokraten und einen Candidaten zu ernennen, der ihre sowie die Stimmen aller Derjenigen gewinne, welchen sonst die Grant'sche Verwaltung mißliebig geworden ist. Gelingt dieser Plan, so dürste der Wahlkampf wohl ein sehr erbitterter und der Ausgang nicht mit Sicherheit angegeben werden. Beachtenowerth in dieser Beziehung ist, daß die kürzlich zu Columbus, Ohio, versammele Arbeiter - Convention, David H.
als Präsidentschafts Candidaten aufgestellt hat. Davis,
* Marburg, 5. April.
Nachdem der Kronprinz des deutschen Reiches gestern Ihrer britischen Majestät in Baden-Baden, in Begleitung seines Sohnes, des Prinzen Wilhelm, und des Prinzen Ludwig von Hessen, einen' Besuch abgestattet, reiste derselbe Abends ICH/2 Uhr am gleichen Tage nach Karlsruhe zurück — In der vorgestrigen Sitzung des Bundesrathe«, in welcher der Reichskanzler den Vorsitz führte, wurden 1) eine Vorlage des Präsidiums, betreffend die Beschlüsse der berufenen Special Commission über die Vertheilung der von Frankreich gezahlten Kriegsentschävigung, und 2) ein Antrag Sachsens, betreffend die Communalabgaben- Freiheit der Zollvereins-Beamten, den betreffenden Ausschüssen überwiesen. Es wurde hierauf 3) die
gemäßigter Republikaner, war der intimste Freund des ermordeten Lincoln und wurde von ihm an'S Obergericht berufen. Joel Parker, Demokrat, ist vergangenen Herbst mit einer Majorität von 6000 Stimmen zum Gouverneur von Neu-Jersey gewähl worden.
Von großer Bedeutung für die nächste Wahl ist die Stimmabgabe unserer Landsleute. Sie zu gewinnen bezweckt theilweise ein Antrag, welcher, Mitte des vergangenen Monats im Congresse gestellt, die Einsetzung einer Commission fordert, um über den Verkauf von Kriegsmaterial zu berichten, welcher Seitens der Bundesregierung während des letzten Krieges stattgefunden hat. Wir dürfen diesem Anträge durchaus keine directe internationale Bedeutung beilegen, sondern ihn nur als ein geschicktes Parteimanöver betrachte«, welches gegen Grant gerichtet ist und den verderblichen Einfluß und die Bestechlichkeit einiger ihm nahe ste- henter und zu den höchsten Stellen berufener Staatsbeamter bloSlegen und feine Administration überhaupt in Mißachtung bringen soll.
Wir wollen im Nachstehenden nicht auf das prak tische Ziel des Antrages, nämlich auf die Entscheidung der Frage, ob bei dieser Waffenausfuhr eine Bestechung amenkaniichcr Beamter stattgefunden habe und eine größere Summe Geldes aus den Recheuschaftsbelegen verschwunden sei, eingehen, sondern auf die Verletzung der Neutralitätsgesetze und daS Einverstäiidniß, welches zwischen der amerikanischen Bundesregierung und den sranzöstschen Agenten bestanden zu haben scheint.
Das Material, welches uns zu Gebote steht, ist ein äußerst geringes und erwartet der Vervollständigung durch die betreffende Commission deS Congresses.
Den Prozeß, welchen die französische Regierung gegen ihren früheren New-Aorker General Consul Victor Place zu Havre anstrengte, ergab, daß sie während des letzten Krieges für 54 Millionen Francs Waffen in den Vereinigten Staaten gekauft habe und der Hauptverkäufer indirect die amerikanische Regierung gewesen sei. Bei Ausbruch des Krieges befand sich nur ein geringer Vorrath Kriegsmaterial in Privat- händen, da die türkiiche Regierung im Frühjahr 1870 bedeutende Quantitäten aufgekauft hatte.
Die französische Regierung bezog von Amerika auf den einer französischen Actiengesellschast gehörenden Dampfschiffen allein vom 3. September bis 7. November 1870 nach amtlichen Angaben: auf dem Dampfschiff „Pereire," Tag der Verladung: 3. September,
rabiner 3,000,000 St. Patronen; „Ville de Paris," Tag der Verladung: 8. Oktober, 90,000 Gewehre und Carabiner, 8,000,000 St. Patronen; „St. Laurence," Tag der Verladung: 20. Oktober, 60,000 Gewehre und Carabiner, 7,000,000 St. Patronen; „Pereire," Tag der Verladung: 29. Oktober, 50,000 Gewehre und Carabiner, 9000 Kisten Patronen; „Avon," Tag der Verladung: 2. November, 80,000 Gewehre und Carabiner, 11,000 Kisten Patronen, 5 Gatling-Batterien und 2000 Pistolen; „Ontario," Tag der Verladung: 7. November, 90,000 Gewehre und Carabiner, 18,000,000 St. Patronen, 55 Kanonen, Gesammtbetrag: 378,500 Gewehre und Ca- rabiner, 45,000,000 Patronen und 11,000 Kisten Patronen, 55 Kanonen, 5 Gatling-Batterien und 2000 Pistolen.
Die französischen RegieningSbevollmächtigten für den Kauf von Waffen waren E. Remington u. Sohn, Erfinder des nach ihnen genannten „Remington - Gewehres". Samuel Remington setzte sich mit der Regierung der Vereinigten Staaten in Verbindung und wurde, wie er eidlich vor der Untersuchungskvmmission der Nationalversammlung auSsagte: „beauftragt, mit der Regierung der Vereinigten Staaten zu unterhandeln". Jules Le CeSne, Präsident des Bewaffnung»- comite's in Tours, bestätigte vor derselben Commission eidlich diese Aussage: „Außer de» Remington bewilligten Prozenten hatten wir keine Ausgaben, da wir direct mit der Regierung der Vereinigten Staaten verhandelt hatten, welche die Waffen ohne Kosten an Bord der Schiffe lieferte."
'Davis, Richter deS Obergericht«, und Joel ParkerI2500 Gewehre und Carabiner; „Lafayette," Tag der als Präsidentschafts Candidaten aufgestellt hat. Davis, I Verladung: 20. September, 6000 Gewehre und Ca-
Onkel Gesrg.
Novelle aus dem Englischen von D. B.
(Fortsetzung.)
Ich öffnete die Thüre deS mir wohlbekannten Gemachs, aber ich sah Niemand. Vergeblich trocknete ich meine Thränen und schaute mich suchend um, — bas Zimmer war leer. Jetzt lief ich die Treppen wieder hinauf bis zum Dache, wo sich Onkel Georgs Schlafstube befand; auch dort war er nicht. Die billige Haarbürste und das alte Rasirmesfer, dessen sich schon mein Großvater bedient hatte, lagen nicht mehr auf dem Waschtische. Hatte er ein anderes Zimmer angewiesen erhalten? Ich ging wieder hinaus aus die Treppe und rief leise, mit unaussprechlicher Angst:
„Onkel Georg!"
Niemand antwortete; aber meine Tante kam eiligst heraufgestiegen.
„Still!" jagte sie, „Du mußt nie wieder diesen Name» hier rufen!"
„Ist Onkel Georg tebt?" fragte ich.
Meine Tante wurde roth und wieder bleich, und begann etwas hervorzustottern. Ich wartete jedoch nicht ab, was sie sagen wollte, sondern lief an ihr vorbei und die Treppe hinab. Mein Herz wollte mir zerspringe» und eiskalt überlief es mich. Athemlos stürzte ich in daS Zimmer, wo meine Eltern mich empfangen hatten. Beide saßen noch da. Ich lief zu ihnen, rang meine Hände, und rief mit einer Fluth von Thränen:
„Ist Onkel Georg tobt?"
Meine Mutter stieß einen Schrei au«, der mich augenblicklich verstummen ließ. Mein Vater sprang erschreckt auf, zog die Glocke, um das Mädchen herbeizurufen und ergriff mich dann heftig am Arm und schleppte mich auS dem Zimmer.
Er führte mich in seine Arbeitsstube, setzte sich in den Lehnstuhl und nahm mich zwischen die Kniee. Seine Lippen waren bleich und ich fühlte feine beiden Hände heftig beben, während er meine Schultern hielt.
„Du mußt den Namen Onkel Georgs nie wieder auSfprechen," flüsterte er mit zornigem, bebendem Ton; „nie gegen mich, oder Deine Mutter, oder Deine Tante, oder irgend Jemaiid in der Welt. Nie, nie, nie wieder!"
Die Wiederholung dieses Wortes erschreckte Inich noch mehr, als die unterdrückte Heftigkeit, mit bet er sprach. ’ Er sah mein Zittern unb milderte deßhalb leinen Ton etwas, als er fort fuhr:
„Du wirft Onkel Georg nie* wieder sehen. Deine Mutter und ich, wir lieben Dich innig; aber wenn Du vergissest, was ich jetzt sage, so müssen wir Dich aus dem Hause fortschicken. Nenne diesen Namen nie wieder, — nie! Jetzt gieb mir einen Kuß und gehe."
Seine Lippen bebten und drückten sich eiskalt auf die meinigen. Ich verließ das Zimmer unb eilte, mich im Garten zu verbergen.
„Onkel Georg ist fort; ich werbe ihn nie wieber sehen, unb soll auch nie wieder von ihm reden!" Das waren die Worte, welche ich mit unaussprechlichem Schmerze wiederholte, sobald ich allein war. Für mein junges Gemüth lag etwas unbeschreiblich Schreckliches in diesem Geheimniß, das ich, dem Befehle meines Vaters gemäß, stet« unberührt lassen sollte, und nie aufzuklären hoffen durste. Vater, Mutter und Tante, — Alle schienen von mir durch eine unüdersteigliche Scheidewand getrennt zu sein. DaS Vaterhaus war nicht mehr das Vaterhaus, feit Sardine tobt, Onkel Georg fort war, und jenes geheimnißvolle Verbot fort während zwischen mir und meinen Eltern stand.
Obgleich ich nie demselben zuwiderhandelte, —
denn die strengen Worte und Mienen meine» Vaters unb jener entsetzliche Schrei meiner Mutter, der mir unaufhörlich in bett Ohren klang, waren genügend, um mich zum Gehorsam zu bestimmen, — so konnte ich doch auch nie den geheimen Wunsch unterdrücken, das Dunkel zu enthüllen, welches über Onkel Georgs Schicksal schwebte. Zwei Jahre blieb ich zu Hause, ohne etwas zu entdecken. Von den Dienstbsten hörte ich nichts weiter, als daß Onkel Georg eines Mor- gens aus dem Hause verschwunden war. Bei den Geschwistern meines Vaters konnte ich gar keine Erkundigungen einziehen, denn sie wohnten zu entfernt und besuchten uns nie. Meine Tante bewahrte ein eben so unverbrüchliches Stillschweigen, wie meine Ellern, aber ich vergaß nie jenen plötzlichen Wechsel, der sich in ihrem Gesicht zeigte, als sie von meiner Begegnung mit jenem fremden Manne bei Nacht am Seeuser gehört hatte. Je mehr ich daran dachte, in Verbindung mit dem, was sich nach meiner Rückkehr in das väterliche Haus zutrug, desto gewisser würbe die Vermuthung bei mir, daß jener Fremde, der mich so innig geküßt und so bitterlich gemeint hatte, Niemand Anderes gewesen sein könne als Onkel Georg.
Nach Ablauf von zwei Jahren ging ich, meinem eigenen Wunsche gemäß, auf einem Kauffartheischiffe zur See. Der Entschluß, Seemann zu werden, hatte während meines Aufenthaltes an der Küste, im Hause meiner Tante, bei mit Fuß gefaßt, und ich bestand darauf so beharrlich, daß meine Eltern es endlich für angemessen erachteten, diesem Wunsche nachzugeben.
Das neue Leben gefiel mir; ich blieb vier Jahre lang auf weiten Seereisen von der Heimath entfernt. Als ich endlich wieder heimkehrte, hatte uns ein neues Unglück heimgesucht. Mein Vater war wenige Wochen vor meiner Rückkehr gestorben. (Fortsetzung folgt.)