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eine Dekoration trägt, die ihm nicht zusteht soll mit Gefängniß von 6 Monaten bis zu 2 Jahren bestraft werden." Auf diese Erklärung des Erzbischofs hat der Abbe Junqua sogleicb in den Blättern von Bordeaux geantwortet: „In Erwägung, daß diese Art von Degradation durch Henkers Hand weder in unseren Gesetzen noch in dem französischen Kirchenrecht begründet ist; daß der Art. 259 nicht- besagt, was sich auf uns bezieht; daß die besagte Tracht unS als gallikanischen Priestern eigenthümlich ist; daß der Kirche, was der Syllabus auch sagen mag, eine Zwangsgewalt nicht zusteht; daß der Staat, wofern er nicht geradezu den SyllabuS anerkennen will, einen solchen Mißbrauch der Amtsgewalt nicht gestatten kann, bin ich gewillt, nicht zu gehorchen und mich vor die Gerichte stellen zu lassen."

Großbritannien.

London, 2. April. Die Arbeitseinstellung unter den Feldtagelöhnern in der Grafschaft Warwick greift stetig um sich. In ganz England kennt man jetzt die ärmlichen Verhältnisse, in welchen jene Landarbeiter leben. Inzwischen ist man auch schon über die Ent­stehung beS Strikes in ihren Einzelheiten klar ge­worben und dieselbe ist interessant genug wegen der eigenthümlichen Lausbahn des Mannes, von welchem der erste Anstoß erfolgt ist. ES ist dies ein gewisser Joseph Arch, welcher, jetzt etwa 45 Jahre alt, schon als junger Mann von 22 Jahren, für feine eigene Person die Zwecke verfolgte, die jetzt von den Ge­werkvereinen in der Gesammtheit erstrebt werden. Er war ein einfacher Tagelöhner, fand sich aber nicht be wogen, bei den kümmerlichen Lohnverhältnissen seiner Heimalh sich an die Scholle zu fesseln. Er pflegte jeden Montag seine Wanderung anzutreten nach einem Orte, wo seine Arbeit besseren Ertrag fand, arbeitete die Woche hindurch mit unablässigem Fleiße und kehrte am SamStag Abend heim. Mittlerweile sparte er die Kosten für ein Obdach, indem er sich in der Scheune oder im Stalle ein Lager suchte und in seinen Kleidern schlief. Auf diese Weise brachte er es durch Ausdauer und Selbfteerläugnung dahin, daß er nicht nur bedeu­tend höheren Lohn verdiente als Andere seines Gleichen, sondern daß er sich auch aus eigener Anstrengung eine ganz anständige Bildung gegeben und eine Familie von sieben Kindern in achtungSwerther Weise erzogen hat. Seit längerer Zeit ist Arch unter den Wes­leyanern als Prediger thätig und hat sich in dieser Eigenschaft eine recht flüssige und gewandte Rede an= geeignet Seine Ansprachen zu Gunsten der Gründung eines Gewerkvereins der Taglöhner finden viel Bei­fall unter den hartgedrückten Leuten und zeichnen sich durch eine äußerst maßvolle Haltung auS. Es ist in der Thal bemerkenSwerth, daß unter diesen Verhältnissen bisher nirgendwo Gewaltthätigkeiten vorgekommen sind. Die Forderung, daß der Wochenlohn von 12 Sh. auf 18 Sh. erhöht werde, ist auch an sich durch­aus nicht unvernünftig, und gegen die Handwerker- Gewerkvereine zeigt sich die neue Union in vortheil Haftern Lichte, indem ste gestattet, daß solche von ihren Mitgliedern, welche nicht die vollkommene ArbeitS- tüchtigkeit und Befähigung besitzen, auch für geringerer. Lohn arbeiten. Auf einer bestimmten Arbeitszeit wollen allein im nächsten Augenblicke zeigte sich eine Ver­änderung in ihrem Gesicht, als wenn ihr plötzlich etwas eingefallen wäre. Sie wurde leichenblaß und sagte mit hastigem, ungewohntem Tone:

„Denke nicht weiter daran und sprich nicht mehr davon. ES war nur ein dummer Streich von irgend Jemand, um Dich zu erschrecken. Vergiß ihn."

Dieser Rath war leichter zu geben als zu be­folgen Noch viele Nächte lang dachte ich an den fremden Mann, der mich geküßt und so bitterlich ge­weint hatte.

Wer konnte es gewesen sein? Auf jeden Fall Jemand, der mich sehr lieb hatte und sehr tief be­kümmert war. So weit brachte mich meine kindliche Logik; aber wenn ich die Männer zählte, welche mich liebten, so konnte ich keine andern finden, als meinen Vater und Onkel Georg.

Ich wurde am bestimmten Tage nach Hause ge­bracht, um Zeuge einer selbst mein zartes Alter tief ergreifenden Schmerzensscene zu fein. Ich sah den Kummer meiner Mutter und die stumme Verzweiflung meines Vaters. Diese erste Wiederbegegnung nach Karolineus Tode wurde jedoch durch meine Tante ab­gekürzt, welche mich aus dem Zimmer führte, und meine Hand fest in der ihrigen behielt, als wollte sie mich nicht von ihrer Seite lasten. Allein ich riß mich los und eilte hinab nach der Offizin, um dort mit dem Theilnehmer unserer früheren Kinderspiele, dem guten Onkel Georg, um die verlorne Schwester zu meinen.

(Fortsetzung folgt)

Japan.

(Fortsetzung.) Handel

Der Handel Japans ist seit 1854, der Wiederer­öffnung Japans, in stetem Steigen begriffen. E- be­trugen in Millionen Thalern: 1863: der Werth der Einfuhr 11, der Ausfuhr 4/, 1868 der Einfuhr 35/,

die Führer der Bewegung nicht bestehen, weil die Feldarbeit durch dergleichen gestört würde, dagegen wird vorgeschlagen, die Arbeit »ach den Stunden zu berechnen. Die Gutsbesitzer und Pächter sind einst­weilen durchaus nicht geneigt, den Ansprüchen der Taglöhner eutgegenzukommen. Sie haben, verschiedene Versammlungen gehalten, in welchen der Taglöhner­verband entschieden verurtheilt wurde. Gleichzeitig wurde auch der Gedanke von der Hand gewiesen, einen Verein der Arbeitgeber zu gründen. Eine Ver­ständigung wurde indessen erzielt, daß jeder der An­wesenden nach besten Kräften. der neuen Bewegung Widerstand leisten solle. Der Kriegszustand dauert daher einstweilen fort. Der Taglöhnerverband hat jedoch eine starke Stütze an den Gewerkvereinen, welche in ihrem eigenen Interesse die Landarbeiter unterstützen. Denn dem städtischen Arbeiter würde nichts unwill fommener sein, als ein Zufluß ländlicher Concurrenten. Wenn der bisher seßhaften Landbevölkerung die Wan Verlust in die Glieder fährt, um ihre Lage zu ver­bessern, so können die Gewerkvereine bei einem etwa beschlossenen Strike in die Gefahr kommen, sofort zu unterliegen, indem Arbeitskräfte vom Lande herbci- strömen, die zu billigen und ihnen selbst doch 6er» hättnißmäßig hohen Lohnsätzen die von den Stri- kenden eingestellte Arbeit übernehmen. Daher der Eifer, mit welchem die Gewerkvereine dem Taglöhner- verbande zu Hülfe eilen, und den Gutsherren und Pächtern wird e- aus diesem Grunde allmählich immer schwerer, ihren Widerstand gegen die neuen Forde­rungen durchzusetzen.

London, 1. April. Wie der „TimeS" aus Dublin gemeldet wird, ist der Versuch der Interna­tionale, einen Zweigverein in Irland zu gründen, elend durchgefallen. Ein paar Senblinge der Gesellschaft hatten, wie ei scheint, Dublin und Kork als Aus­gangspunkte gewählt, von denen aus sie um so besser weiter zu arbeiten hofften, als sie erwarteten, dort eine entschiedene Theilnahme zu finden. Aber ihre Auf nähme daselbst war sehr enlmuthigend. In Dublin wurden sie mit unverkennbarer Gleichgültigkeit, in Kork sogar mit offenem Widerstand auf genommen. In erst­genannter Stadt wurde wirklich ein Zwcigverein von einigen 60 Mitgliedern gebildet, aber das anständige Element zog sich bald wieder zurück, und jetzt ist bei­gerem in ber Auflösung begriffen. — General-Major Gloueester Gambier ist einem Herzübel erlegen, wel cheS ihm eine schwere, vor Sebastopol empfangene Wunde zugezogen hatte. Zu gleicher Zeit hat das GeuieeorpS einen feiner ältesten unb verbienstvollsten Offiziere, ben 82jährigen General-Major Anthony Emmet verloren. Im fpanifchen Kriege würbe et breimal verwundet, später biente er im amerikanischen Kriege, unb nahm an bem Angriff auf die amerifani schon Linien bei New Orleans unb an ber Belagerung von Fort Bowyer Theil. — Heute ist hier ber geist­liche Professor F. D. Mauriec gestorben, besten Name in ben theologischen Kämpfen ber letzten Jahrzehenbe viel genannt wurde. Sohn eines unitarischen Geist­lichen besuchte er die Universität Cambridge unb trat halb darauf in Oxford zur anglieanifcheu Kirche über. Später wurde er Professor der Theologie am hiesigen

der Ausfuhr 37/, 1869 der Einfuhr 35/, der Aus­fuhr 20/. Für 1865 wird die Einfuhr Englands allein auf 4/ Millionen, die Ausfuhr zu 10 Mil­lionen Thaler angegeben. Diese Zahlen sind um so sprechender, als die englische Einfuhr in China im selben Jahre nur zu 23 Mill. Thaler angegeben wird unb China's GesammtauSfuhr 1869 einen Werth von 150 Mill. Thaler hatte, währenb Japan boch nur eine Gesammtbevölkerung von rund 35 Millionen, China dagegen von 3- biS 400 Millionen hat. In sämmtliche acht dem Handel geöffnete Häfen liefen 1869 1610 Schiffe mit l,06 Mill. Tonnengehalt ein. Davon entfallen 56/ pCt. auf englische, 21/ auf amerikanische, 11/ auf deutsche Schiffe, an 11 pCt. auf alle übrigen Länder (im chinesischen Handel stellt sich der Antheil auf 44/, 40, 9/ und 5/ pCt.)

Den größten Umsatz hat Doluhama, 3^2 deutsche Meile von Debbo entfernt; 1859 dem Verkehre ge öffnet, hat es sich 1869 vom elenden Fischerdorfe zu einer hübschen etabt mit 29,689 Einwohnern ent­wickelt. Zwischen 50 unb 60 pCt. bes ganzen aus wärtigen Hanbels vollzieht sich allein an diesem Platze, dem Sitze eines deutschen Consuls. Hier ist der Hauptsitz des Seidenhandels mit Europa; daneben sind Thee, Kupfer und Kampher die wichtigsten Ex­portartikel. Nangasaki, im Sübwesten des Reiches gelegen, mit 80,000 Einwohnern, ebenfalls Sitz eines deutschen Consuls, ist eine ber ältesten Hanbelsstädte Japans mit einem vortrefflichen Hafen; auf der klei­nen Insel Deeirna bürsten sich bie Holländer aufhal­ten unb jährlich zwei Schiffe mit einer Labung im Werthe von 300,000 Thlr. einlaufen lasten, mußten sich aber bafür wie Gefangene einsperren lassen. Hiogo unb Osaka (Sitz eines brutschen Consuls) finb zwei nur burch eine schmale Meeresbucht getrennte unb sich gegenüberliegenbe Stäbte. Osaka ist seit Jahrhunder­ten der hervorragendste Platz für ben inländischen

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Verkehr. Hier befinden sich die Banken der Einge­borenen so wie die großen Handelsetablissements der DaimioS, cS steht durch verhältnißmäßig gute Land- unb Wasserstraßen mit ben inbustriereichsten Provinzen Japans in Verbinbung; 20 Meilen aufwärts am Ausflüsse aus bem Vewa, Binnensee, liegt Kioto (Miako), bie frühere Residenz bes Mikabo, ber ste erst seit Enbe 1868 mit Dedbo vertauschte. Kioto wurde 1868 vom französischen Gesandten besucht unb nicht günstig beschrieben: kleine Häuser, schlechtes Pstastcr, niedergebrannte unb nicht wieber aufgebaute Siabttheile, viel verbächtiges Gestnbel in ben Straßen, bie Bevlkerung schlecht getleibet unb wenig wohl habend. Die Landschaft ist nicht schön unb hält mit der malerischen Umgebung von Osaka keinen Vergleich auS. Unter den Einfuhrgüter» sind Schafwollwaaren, besonders Tuche, hervorzuheben, die hier bei dem völ­ligen Mangel dieses für japanesisch-klimatische Ver­hältnisse unentbehrlichenjProdukteS größten Absatz finden.

Niigata (100,000 Einwohner), ebenfalls Sitz eines deutschen Consuls , an der Westküste der Insel Nippon gelegen, hat seiner schlechten Rhede wegen für den fremden Handel eine ganz untergeordnete Be­deutung. Hokodadi, ber nördlichste ber geöffneten Häsin, auf ber Insel Desto, zeigt jetzt noch geringen Verkehr, er ist jedoch in sichtlichem Steigen begriffen, und wird mit Zunahme der Einwanderung und der Cultivirung dieses Eilandes eine große Bedeutung erlangen; Amerikaner sind 1871 mit ber Colonisi- rung bet Insel von der Regierung beauftragt worden-

In allen diesen Häfen nimmt die chinesische Be­völkerung in überraschender Weise zu und tritt als höchst unangenehmer Coneurrent ber europäisches Kaufmannschaft auf. Fleiß, Ausdauer unb Sparsam­keit, vereint mit nicht allzu großer Gewissenhaftigkeit, ermöglichen ihnen bie Entfaltung einer die größten Voriheile erzielenden Thätigkeit. (Schluß folgt-)

King's College und Prediger an Lincoln'- Ju». Seine Predigten — er betonte besonders bie eigene sittliche Kraft des Menschen im Gegensätze zum Formelglau­ben — erwarben ihm eben so wohl Freunde als Gegner. Als er gegen die Ewigkeit ber Höllenstrafen sich anssprach, würbe ihm nach einem lebhafte» Streite seine Professur genommen; bie Rechtsgelehrten von Lineoln's Inn blieben ihm treu. Im Jahre 1866 würbe Maurice als Professor ber Moral-Philosophie nach Cambribge berufen.

Rußland und Palm.

Petersburg, 2. April. Die „MoSk. Ztg." melbet über bie Gesanbtschaft, welche ber Khan von Khiwa mit Geschenken für ben Kaiser von Rußland abgeschickt hat: „Jrnasar, ber Statthalter des Kahns über bie bemfelbtn unterwürfigen Karakalpaken, steht an ber Spitze bieser Gesanbtschaft, beten Zweck in ber Anknüpfung frennbschaftlicher Beziehungen zu un­serer Regierung unb in ber Abwenbung energischer Maß­regeln gegen Khiwa besteht. ES ist noch unbekannt, ob bie Gesanbtschaft nach St. Petersburg durchge- laffen ober ob ber General Gouverneur von Orenburg mit ihr verhanbeln wirb. Offenbar haben bie Be­setzung ber Ostküste bes Kaspischen Meeres unb die Expeditionen unserer Abtheilungen in da- Innere ber Steppen bem Khan von Khiwa bie Befürchtung ein­geflößt, baß unsere Regierung ihre Maßregeln gegen ihn von einer Seite ergreifen werde, von der er sich am besten geschützt hielt. Wo die Verhandlungen mit der Gesandtschaft aber auch beginnen werben, so muß ber Khan vor Allem die in Khiwa gefangen gehaltenen Rusten freigeben unb bie Sicherheit unserer Kauf­leute und ihrer Maaren garantiren."

Odessa, 1. April. Der „Rust. Welt" wirb über ben Diebstahl bes MuttergottesbilbeS in ber hiesigen Kathebrale geschrieben: „Schon seit einigen Tagen wurde davon gesprochen, baß eine „Nonne" auf dem Bazar eine von ihr gesehene Erscheinung dem Volke verkündigt hätte, der zufolge sich das Heiligenbild in einem Souterrain bei Juden befinde, welche dasselbe verbrennen wollen, aber nicht können. Am 27. März verbreitete sich das Gerücht, daß in der Bude eines Kleinrussen das Heiligenbild sich „erneuert" habe. Dieses Wort bezeichnet im Volksmunde, daß das Hei­ligenbild, »als ein nicht von Händen geschaffenes«, von selbst in der Gestalt des gestohlenen BildeS der KaSperow'schen Mutter GotteS erschienen sei. Daher strömte Alles hin, um das Wunder anzustaunen. In Wirklichkeit aber war Folgendes passtrt: Der Inhaber der Gemüsebude verbreitete schon seit einiger Zeit, daß mit seinem Heiligenbilde etwas Wunderbares geschehe, denn ursprünglich dunkel, kaum erkennbar — werde es immer heller unb heller. Vor bem Diebstähle blieb biefe Mittheilung ohne Wirkung, nach Verübung beSselben aber nahm bas Gerücht größere Dimensionen an; es verlautete, baß sich sogar bie Lampe vor bem Bilde »von selbst entzünde«. Gevatterinnen, Köchinnen und ein Heer von Kunden dieses Kleinhändlers trugen die Kunde davon in der Stabt umher, unb so kam eS, baß »bie Gläubigen« in bie Wohnung beS Händ­lers strömten, Kerzen weihten und Spenben barbrachlen, bis schließlich bie Polizei einschritt, ben Haufen aus-

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